Trinklieder

Trinklieder

Trinklieder sind wahrscheinlich so alt wie der Konsum alkoholischer Getränke selbst. Dieser Konstante des menschlichen Handelns, mit vom Gersten- oder Rebensaft gelöster Zunge seiner Lebensfreude lauthals Luft zu machen und mehr oder weniger melodisch in die Kneipe oder den Biergarten hinein zu trällern, verdanken wir einen großen Fundus von mal feierlichen, mal zügellosen, mal nachdenklichen und mal lustigen Weisen. An dieser Stelle wollen wir uns aber nicht zotigen Mallorca-Schlagern widmen, sondern sozusagen der Hochkultur dieser Disziplin – doch keine Sorge, diese fällt oft nicht weniger derb aus.

In früheren Jahrhunderten waren Trinklieder oft nur auf ihre jeweiligen Herkunftsregionen und deren Dialekte beschränkt, die meisten davon sind uns leider nicht überliefert. Erst im 18. Jahrhundert begann man damit, dieser Art von Liedern einen höheren kulturellen Wert beizumessen, sie niederzuschreiben und zu vervielfältigen. Dieser Umstand hatte den Vorteil, dass bestimmte Lieder eine sehr große Reichweite erlangten, weil der Reisende aus Hamburg nun auch in Frankfurt mit einstimmen konnte – eine Art früher Kulturindustrie war geboren.
Und einer derjenigen, die diese Industrie regelmäßig mit neuen Gassenhauern versorgte, war Joseph Victor von Scheffel. Der badische Dichter war in seiner Studienzeit Mitglied in einigen Studentenverbindungen geworden und kannte daher das Bedürfnis, zu später Stunde, den schäumenden Humpen in der Hand, in den verwinkelten Gassen der altehrwürdigen Universitätsstädte ein Liedchen anzustimmen. Die Grenzen zwischen schwärmerischer Volksweise, erzählender Ballade und anzüglichem Trinklied sind oft fließend, und so ließ sich Scheffel häufig von lokalen Kuriositäten inspirieren.

Eine solche ist der Hintergrund seines Liedes „Das war der Zwerg Perkeo“. Besagte Figur gab es tatsächlich, er war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Hofzwerg des Kurfürsten von der Pfalz. Seine Größe ist uns mit nur drei Fuß und sechs Zoll überliefert, was umgerechnet etwa 1,07 Meter sind, sein Gewicht soll dafür bei 100 Kilo gelegen haben. Und auch wenn es uns heute befremdlich erscheinen mag, dass sich ein Herrscher einen Kleinwüchsigen zur Belustigung hält, war Perkeo aufgrund seines schlagfertigen Mundwerks, besonders aber seiner schier unfassbaren Trinkfestigkeit ein hochgeschätzter Mann bei Hofe. Fünfzehn Magumflaschen soll er täglich geleert haben, und brachte er das mal nicht fertig, wurde er der Überlieferung zufolge mit der Peitsche dafür bestraft. Auch wenn sowohl die Menge des Weines als auch das Ausmaß der Züchtigung als übertrieben gelten können, müssen wir wohl annehmen, dass Perkeos Konsum nicht besonders leberschonend war: schon mit Anfang 30 verstarb er. Der Kurfürst war darüber so betrübt, dass er dem kleinen Kerl ein Denkmal setzen ließ, das man auch heute noch besichtigen kann: es bewacht wie schon seine lebendige Vorlage das Riesenfass im Heidelberger Schloss.

Diese gigantische Holzkonstruktion mit über 200 000 Litern Fassungsvermögen diente dazu, die Weinabgaben der dem Kurfürsten untertänigen Bauern zu verwahren. Zwar trugen Schäden an der das Fass umgebenden Bausubstanz, hygienische Bedenken und auch die Schwierigkeit, das riesige Behältnis dauerhaft dicht zu halten, dazu bei, dass es die meiste Zeit nicht gefüllt war, dennoch spielte es als Kuriosum, das man stolz hohen Gästen präsentieren konnte, eine wichtige Rolle bei Hofe.

Das Verhältnis zwischen diesem Fass und Perkeo beschreibt Scheffel zwischen Ironie und Tragik pendelnd, aber immer mit einer augenzwinkernden Bewunderung für dessen Mission: „Beim Weinschlürf sonder End erklär ich alter Narre fortan mich permanent.“ 15 Jahre lang soll er gegen das Fass angekämpft und schließlich gesiegt haben, wenn auch um den Preis seines jungen Lebens. Wir erfahren sogar, womit Perkeo es sich hat gutgehen lassen: rheinischer Malvasier soll der Inhalt des Fasses gewesen sein. Obwohl diese Rebsorte in Deutschland mit Ausnahme einiger weniger Weingüter in Rheinhessen heutzutage fast nicht mehr angebaut wird, sondern hauptsächlich im Mittelmeerraum wächst, ist es sogar durchaus möglich, dass der Zwerg damals davon trank. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit war das Klima hierzulande deutlich milder; so ist belegt, dass Martin Luther ihn sehr schätzte und er als ausgemachte kulinarische Kostbarkeit an vielen Adelshöfen aufgetischt wurde. Der hohe Restzuckeranteil des schweren, meist süß ausgebauten Dessertweins würde immerhin erklären, wie Perkeo zu seiner Leibesfülle kam.

Und der Fortgang des Liedes, was es eigentlich mit seinem „Künstlernamen“ auf sich hat: als gebürtiger Südtiroler war er des Italienischen mächtig und erwiderte auf die häufigen hämischen Fragen der Gäste, ob er denn das Riesenfass ganz austrinken könne, irgendwann nur noch „Perché no?“ – „Warum nicht?“ Damit nahm das Schicksal seinen Lauf – wie „David gegen Goliath“ beschreibt Scheffel den stoischen Kampf Perkeos: „Da sprach er fromm: ,Nun preiset, Ihr Leut’, des Herren Macht, die in mir schwachem Knirpse so Starkes hat vollbracht’“ – bevor er neben dem Fass heldenhaft dahinscheidet. Allen Neugierigen, welche die Gruft des tapferen Perkeo besuchen wollen, gibt der Autor denn auch noch eine Warnung mit: „Und wer als frommer Pilger frühmorgens ihr genaht: Weh ihm! Als Weinvertilger durchtobt er nachts die Stadt!“

Überhaupt scheinen die Dichter ihre Leser nicht wenig vor den Gefahren allzu exzessiven Weingenusses zu warnen. So etwa auch im „Grafen von Rüdesheim“, unserem nächsten Lied. Schon der namensgebende Ort steht mit dem Niederwalddenkmal, die vielen Burgruinen und natürlich dem Weinbau für Rheinromantik, die sicherlich auch die beiden Freunde Ernst Bloch und Albert Georg Benda verspürt haben dürften, als sie 1875 während eines Pfingstausfluges dort einkehrten und gemeinsam den Text verfassten. In diesem geht es um besagten Grafen, der zwar nicht wirklich existierte, der zwei jungen Männern, die genau wie die von ihnen erdachte Figur wahrscheinlich unglücklich verliebt, notorisch klamm und sehr durstig waren, aber wohl wie aus dem echten Leben gegriffen erschien.

Dabei ist die Ausgangslage für den Grafen eigentlich nicht schlecht: als „mit Gütern reich beglückt“ wird er beschrieben, eine gute Partie in jedem Fall. Doch direkt in der ersten Strophe nimmt das Unheil seinen Lauf, weil er ein Auge auf eine Winzertochter geworfen hat, die von seinen Avancen so rein gar nichts wissen will – ein ziemlicher Affront in der damaligen Zeit. Der Graf wird dadurch aber nicht etwa angespornt oder wütend, sondern verfällt in Schwermut und igelt sich in seiner Burg ein, wo er sich fortan nur noch dem Weintrinken widmet: „Und er saß und vergaß in seiner Burg am Rheine, seinen Schmerz, denn das Herz tröstet Rüdesheimer Wein!“ heißt es darum im Refrain. Depressionen mit Suchtverhalten bekämpfen? Im 19. Jahrhundert durchaus gentleman-like. Als wenn das nicht schon traurig genug wäre, wird im Laufe der Zeit auch seine finanzielle Lage immer prekärer. Nach sieben Jahren hat er seinen ganzen stattlichen Besitz, immerhin „wohl 40 Güter“, versoffen. Er muss seine Stammburg verlassen und fortan im Stand eines einfachen Knechtes leben, der für wenig Geld hart schuftet – im Wirtshaus an der Burg, wo er am Sonntag den Lohn seiner Woche wieder in Wein umsetzt.

Beim Singen dieses Liedes, das, wie auch die anderen hier vorgestellten Werke, seine Verbreitung dem in fast 170 Auflagen erschienenen Allgemeinen Deutschen Kommersbuch verdankt, der Sammlung studentischen Liedgutes, ist es oft üblich, dass man sich während des Refrains mit seinen Sitznachbarn unterhakt und gemeinsam mit ihnen schunkelt – so weit, so wenig spektakulär. Doch halt – beim ersten Mal geschieht das noch im Sitzen, beim zweiten schon im Stehen, beim dritten auf den Stühlen und beim vierten Mal dann auf den Tischen. Das kann, angeheitert und zu später Stunde, schon mal eine recht wacklige Angelegenheit sein, wenn nicht die diversen Schutzheiligen der Trinker ihre Hand über die ihnen Anvertrauten halten würden.

Um ebendiese geht es in unserem dritten Gassenhauer. „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein“ als reines Trinklied zu bezeichnen, würde ihm sicherlich nicht gerecht werden, schließlich gilt das auch als „Frankenlied“ bekannte Werk nach wie vor als inoffizielle Landeshymne Frankens, mit dem man sich gern gegen die ungeliebten Bayern abgrenzt, denen man ja immerhin auch einen florierenden Weinbau voraus hat. Den Text hat hier wieder mal Joseph von Scheffel verfasst, und ebenso wie er im Sommer 1859 ist das lyrische Ich auf Wanderschaft in der Gegend südlich von Coburg. Bei bestem Wetter zieht dieses als Scholar, als fahrender Schüler, durch die Landschaft und preist das ländliche Idyll. „Bald hebt sich auch das Herbsten an, die Kelter harrt des Weines. Der Winzer Schutzherr Kilian beschert uns etwas Feines!“ stellt er fest, obwohl für eine gute Weinlese mitnichten der irische Wanderprediger Kilian zuständig ist, der im frühen Mittelalter in der Würzburger Gegend missionierte und deswegen als einer der Patrone Frankens gilt, sondern viel eher der heilige Bischof Urban, der deswegen meist mit dem Weinstock in der Hand abgebildet wird, hinter dem er sich der Legende zufolge vor seinen Häschern versteckt haben soll.

Der Weg des Scholaren führt in am Main entlang nach Staffelstein, hier will er dem „Einsiedelmann“ einen Besuch abstatten. Gemeint ist damit ziemlich sicher der Eremit Ivo Hennemann, der 40 Jahre lang abgeschieden in einer Klause neben der dortigen Kapelle lebte, in der Tradition der frommen Männer, die sich dort schon seit 1700 ganz dem Dienst an Gott verschrieben hatten. Im Lied wird er jedoch als recht weltoffen präsentiert, er unterhält sich angeregt mit einer hübschen Schnitterin, also einer Frau, die mit der Heuernte beschäftigt ist. Seinem unerwarteten Gast dauert dieser Plausch jedoch viel zu lang, er verspürt nach dem anstrengenden Fußmarsch Lust auf eine Erfrischung aus dem Weinkeller des Einsiedlers, in dem er gute Jahrgänge vermutet. „Hoiho, die Pforten brech’ ich ein und trinke, was ich finde“, verschafft er sich auf rabiate Art und Weise selbst Zugang und bittet gleichzeitig: „Du heil’ger Veit von Staffelstein, verzeih mir Durst und Sünde.“ Wie der Einsiedelmann auf dieses forsche Vorgehen reagiert, überlässt Scheffel dann aber der Fantasie.

Um Wein im weiteren Sinne geht es auch im „Krambambuli“. Dass das Lied heutzutage gern im Winter anlässlich der Feuerzangenbowle gesungen wird, ist eigentlich ein Missverständnis. Denn obwohl besonders im österreichischen Raum beide Begriffe mittlerweile synonym verwendet werden, bezeichnete Krambambuli ursprünglich nicht den heißen Punsch mit durch brennenden Rum karamellisiertem Zucker, sondern eine Branntweinspirituose aus Pommern, die dort Mitte des 18. Jahrhunderts in der Brennerei „Lachs zu Danzig“ hergestellt wurde, just zu der Zeit, als der Hofrat Christoph Friedrich Wedekind das Lied niederschrieb. Den seltsam anmutenden Namen verdankt der Schnaps einer Kombination aus dem niederdeutschen „Krandewitt“ für Wacholder und dem aus der Gaunersprache stammenden Begriff „Blamp“ für Alkohol.

Dass dieser sehr frühe Werbesong für ein ganz bestimmtes Produkt auch auf andere geistreiche Getränke ausgeweitet wurde, ist der funkelnd roten Farbe geschuldet, die der Krambambuli etwa mit der Feuerzangenbowle gemein hat. Und auch die Wirkung scheint vergleichbar gewesen zu sein, wird doch der Schnaps als Heilmittel für alle möglichen Leiden angepriesen. Körperliche Gebrechen stehen natürlich an erster Stelle: „Reißt mich’s im Kopf, reißt mich’s im Magen, hab ich zum Essen keine Lust, wenn mich die bösen Schnupfen plagen, hab ich Katarrh auf meiner Brust.“ Aber auch seelische oder finanzielle Probleme scheinen sich durch den Genuss kurieren zu lassen: „Ist mir mein Wechsel ausgeblieben, hat mich das Spiel auch arm gemacht, hat mir mein Mädchen nicht geschrieben, ein’n Trauerbrief die Post gebracht“. Dem bieder-beschwingten Anfang einer jeden Strophe folgt stets ein sehr schneller, stakkatoartigen Ausklang, der seinen Höhepunkt im feierlichen „Krambimbambambuli, Krambambuli!“ findet. Auch Erfolg in der Liebe oder ein gutes Überstehen der Militärzeit wird versprochen, sich nebenbei über die zur damaligen Zeit schwer in Mode geratenen Trinkkuren in „Pyrmont und Schwalbach“ lustig gemacht, die mit ihrer „mineralischen Brüh’“, von denen die Kurgäste täglich bis zu 20 Liter trinken mussten, doch keine Chance gegen den Schnaps hätten. Neben einem solchen kulturhistorisch interessanten Überblick über die damaligen neuesten Errungenschaften – etwa die Elektrizität, Chemie oder Kosmetik -, deren Wert und Nutzen gegen den des Krambambuli abgewogen wird, stehen auch gänzlich absurde Strophen, die beschreiben, wie er in den Kolonien und der Neuen Welt – „da wo die wilden Kaffers wohnen“ – als Heiligtum verehrt werden würde. Wem das heutzutage zu anstößig erscheint, wähle sich stattdessen einfach eine andere aus den über 100 Strophen, auf die das Lied im Laufe der Zeit von lyrisch versierten Sängern aufgestockt wurde.

Und jetzt angestimmt! Ob man nun mit dem Grafen von Rüdesheim leiden, mit dem fahrenden Scholaren der Natur ein Ständchen bringen oder mit dem Zwerg Perkeo zu ganz und gar abenteuerlichen Schandtaten aufbrechen will – wenn jemand zufällig Klavier oder Akkordeon dazu spielen kann, umso besser. Auch wenn die Melodien etwa des Frankenliedes zunächst nicht ganz einfach zu singen scheinen mögen, sei aus eigener Erfahrung versichert, dass sich dieses Problem nach einigen Gläsern Rüdesheimer Wein oder rheinischen Malvasier von selbst löst. Text: Dario Sellmeier

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Schaumweine

Adrien Renoir Cuvée Le Terroir Grand Cru

Die Hauscuvée des Guts heißt Adrien Renoir Le Terroir Grand Cru – Pinot Noir und Chardonnay aus dem Grand-Cru-Dorf Verzy. Gegoren wird spontan, ausgebaut in Fässern und großen Foudres. Anschließend ruht der Champagner lange auf der Hefe – bis sie ihre feine Textur entwickelt hat.

Im Glas

Feine Perlen. Der Duft: Blüten, Steinobst und reife Birne, dazu Brioche und ein Hauch Fliederhonig. Im Mund seidig, präzise und voller Energie, getragen von kreidiger Mineralität. Straff und konzentriert, aber auch geschmeidig. Ein langer Abgang.

Mach was draus

Meeresfrüchte, Fisch, Geflügel oder ein gereifter Käse. Auch als Aperitif ein Genuss für Kenner. Wer Verzy kennenlernen will, beginnt am besten mit dieser Flasche. Serviere ihn bei 8 bis 10 °C im großen Glas.

Janus FenskeJanus empfiehlt

„Le Terroir ist die perfekte Einführung in Verzy. Klar, salzig und mit viel Leben.“

Mehr über Janus, unseren Sommelier

Kurz gefragt

Wie trocken ist er? Extra Brut mit nur 0,8 g/l Restzucker.

Wie wird er gemacht? Spontangärung mit natürlichen Hefen, Ausbau in Fässern und Foudres, lange Reife auf der Hefe.

Wer steht dahinter? Adrien Renoir aus Verzy, der das Familiengut in fünfter Generation führt und für seine Agroforst-Arbeit bekannt ist.

Chardonnay, Pinot Noir · Grand Cru Verzy · Kreide · Spontangärung · Holzfass und Foudre · langes Hefelager · Extra Brut, Restzucker 0,8 g/l · Champagne Adrien Renoir, Verzy · Stand: Oktober 2026

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Spanien

Rezabal Arri Txakoli

Weißwein · Getariako Txakolina · Hondarrabi Zuri

90 % Hondarrabi Zuri · 10 % Hondarrabi Beltza D.O. Getariako Txakolina Zarautz · Getaria · Aia Reben über 50 Jahre Maischestandzeit teils Barrique, teils Stahl

Rezabal Arri ist die Selección especial der Bodega Rezabal aus Zarautz: 90 % Hondarrabi Zuri und 10 % Hondarrabi Beltza von über 50 Jahre alten eigenen Reben, von Hand gelesen. Maischestandzeit und eine Gärung teils im Barrique, teils im Stahltank geben dem Txakoli mehr Körper und Schmelz als der klassische Rezabal, ohne die salzige Frische der baskischen Küste zu verlieren.


Zarautz, Getaria, Aia – Parral-Lagen über dem Golf von Biskaya

Die Bodega Rezabal ist ein Familienweingut in Zarautz, geführt von Ander Rezabal. Die Weinberge umfassen rund 24 Hektar an den Hängen von Zarautz, Getaria und Aia, allesamt der Meeresbrise ausgesetzt. Angebaut werden ausschließlich die beiden autochthonen Sorten der baskischen Küste, Hondarrabi Zuri und Hondarrabi Beltza.

Erzogen wird im traditionellen Parral, der hohen Pergola: Die Trauben hängen unter dem Laubdach, der Wind vom Meer zieht durch die Anlage und trocknet sie nach Regen rasch ab. Die Lese beginnt Anfang Oktober und dauert zehn bis fünfzehn Tage. Gelesen wird von den sonnigsten, früh reifen Parzellen hin zu den später reifenden.

Für Arri verwendet die Familie ausschließlich Trauben von über 50 Jahre alten eigenen Reben. Die geringeren Erträge dieser alten Stöcke liefern die Konzentration, die Arri von der leichteren Basis-Abfüllung unterscheidet.

Maischestandzeit, Barrique und Feinhefe

Arri ist eine Assemblage aus 90 % Hondarrabi Zuri und 10 % Hondarrabi Beltza. Die handverlesenen Trauben bleiben vor dem Pressen eine Zeit lang mit den Schalen in Kontakt. Diese Maischestandzeit löst Aromen aus den Beerenhäuten und gibt dem Wein einen weicheren Schmelz.

Anschließend gärt der Most bei niedriger Temperatur – ein Teil im Barrique, ein Teil im Edelstahltank. Die beiden Partien werden zusammengeführt und reifen gemeinsam auf der Feinhefe. Das Holz bringt Struktur, der Stahl bewahrt Frische und Frucht. Die feine, natürliche Kohlensäure des Txakoli bleibt erhalten.

Im Glas

Klares Hellgelb mit grünlichen Reflexen und feinem Perlen. In der Nase Ananas, Apfel und Aprikose über einer steinigen Note. Am Gaumen strukturiert und frisch, mit mehr Griff und Länge als leichter Standard-Txakoli, getragen von der küstentypischen Säure und einem salzigen Abgang.

Über 50 Jahre alte Reben, Maischestandzeit und teils Barrique: Txakoli mit Körper und Schmelz, ohne die salzige Frische der Küste zu verlieren.

Gut gekühlt bei 8 bis 10 °C servieren. Durch die zusätzliche Struktur verträgt Arri etwas mehr Kellerzeit und kräftigere Begleiter als die Basis-Cuvée.

Am Tisch

Aperitif, Meeresfrüchte, gegrillter Fisch und weißes Fleisch. Die Textur aus Maischestandzeit und Barrique trägt auch würzige Küche, Sushi und Pilzgerichte.


Produzent Bodega Rezabal, Zarautz (Gipuzkoa)
Rebsorte 90 % Hondarrabi Zuri · 10 % Hondarrabi Beltza
Lage Eigene Weinberge in Zarautz, Getaria und Aia, Baskenland · Hanglagen mit Meereseinfluss · Parral
Klassifikation D.O. Getariako Txakolina
Vinifikation Handlese · Maischestandzeit · kühle Gärung teils im Barrique, teils im Edelstahltank
Ausbau Assemblage beider Partien auf der Feinhefe · natürliche Kohlensäure
Rebenalter über 50 Jahre
Trinktemperatur 8–10 °C

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USA

Sine Qua Non 11 Confessions Grenache 2019

Rotwein · Sta. Rita Hills · Grenache

Grenache-Cuvée Eleven Confessions Sta. Rita Hills (USA) 2019

Der Sine Qua Non Eleven Confessions Grenache 2019 ist ein kalifornischer Kult-Grenache von Manfred und Elaine Krankl aus der estate-eigenen Einzellage Eleven Confessions in den Sta. Rita Hills – tief, breit und samtig, ein vollreifer Grenache, der laut Krankl selbst Skeptiker zur Sorte bekehrt.


Eleven Confessions – Sta. Rita Hills

Die Einzellage Eleven Confessions liegt in den Sta. Rita Hills im Santa Barbara County – eine kühle, vom Pazifik geprägte Appellation, die für ausdrucksstarke, präzise Rhône-Sorten bekannt ist. Sine Qua Non keltert seine Weine im eigenen Keller in Ventura aus estate-eigenen Weinbergen.

Manfred und Elaine Krankl gründeten das Weingut 1994 und zählen heute zu den meistgesuchten Erzeugern Kaliforniens – kompromisslose Handarbeit, winzige Mengen, kaum Schönung oder Filtration. Jeder Jahrgang ist ein eigenständiger Wein mit eigenem Namen und eigenem Etikett.

Jahrgang 2019 – Sta. Rita Hills

2019 gilt an der kalifornischen Central Coast als ausgewogener Jahrgang mit guter Frische.

In den kühl gelegenen Sta. Rita Hills ein idealer Rahmen für vollreifen, tief konzentrierten und zugleich balancierten Grenache.

Cuvée und Ausbau

Eine Grenache-dominierte Cuvée: 89,4 % Grenache, 5,5 % Syrah, 4,1 % Petite Sirah und 1,0 % weißer Muskat (Gelber Muskateller).

Rund 35 % der Trauben wurden mit Ganztrauben, also mit den Stielen vergoren, der Rest entrappt. Voll ausgereifte Stiele machen den Wein laut Krankl weicher, breiter und geschmeidiger und verleihen ihm eine herzhafte Qualität. Ausgebaut zu 50,3 % in neuen französischen Eichenfässern, überwiegend in größeren Gebinden statt klassischer Barriques.

Im Glas

Eine großartige Farbe, wie sie der beste Pinot Noir zeigen sollte. Tiefe, breite und reiche Nase mit etwas Rosmarin über einer Art exotischem Obst-Cobbler, dazu nasse Steine. Am Gaumen samtig bis seidig, mundfüllend breit und üppig. Über drei Tage offen verkostet öffnete sich der Wein zunehmend und gewann an Üppigkeit – ein Hinweis auf große Langlebigkeit und Lohn fürs Dekantieren. (Verkostungsnotiz: Manfred und Elaine Krankl.)

Wenn Grenache bisher nicht Ihr Ding war, wird dieser Ihre Einstellung ändern.

Am Tisch

Zu Lammkeule, geschmortem Short Rib, gegrilltem Rind, Wild oder herzhaften mediterranen Gerichten. Ein intensiver Begleiter für kräftige, würzige Küche.


Lage: Eleven Confessions Vineyard, Sta. Rita Hills, Santa Barbara County, Kalifornien (USA)
Klassifikation: Sta. Rita Hills AVA, Grenache (trocken)
Ausbau: Grenache-Cuvée; ±35 % Ganztrauben-Vergärung; 50,3 % neue französische Eiche (überwiegend Großgebinde)

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Länder/Regionen

Martin Waßmer Gutedel

Wein · Weißwein · Baden · Deutschland

Martin Waßmer Gutedel duftet nach einer frischen Frühlingsblumenwiese, mit leichten Anklängen von weißem Pfeffer und einer feinen Stachelbeeraromatik. Der ideale Weinbegleiter zum heimischen Spargel.


Baden / Markgräflerland

Das Weingut Martin Waßmer ist im Markgräflerland in Baden beheimatet – der Heimat des Gutedel. Kaum eine andere deutsche Region ist so eng mit dieser Rebsorte verbunden, die hier leichte, frische und unkomplizierte Weißweine hervorbringt.

Rebsorte und Ausbau

Reinsortig aus Gutedel. Der Ausbau bewahrt die leichte, frische Art und die zarte Aromatik der Rebsorte. Trocken ausgebaut.

Im Glas

Helles Grüngelb. In der Nase frische Frühlingsblumenwiese, mit leichten Anklängen von weißem Pfeffer und einer feinen Stachelbeeraromatik. Am Gaumen leicht und frisch, mit zarter Frucht, animierender Säure und einem klaren, unkomplizierten Abgang.

Am Tisch

Gut gekühlt bei 8–10 °C servieren – als Aperitif oder zum Essen.

Passt zu: heimischem Spargel, Fisch, leichten Vorspeisen, Salaten und mildem Käse.


Lage: Baden, Markgräflerland (Deutschland); Weingut Martin Waßmer
Klassifikation: Gutswein – 100 % Gutedel, trocken
Ausbau: leicht und frisch

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Weine

Battenfeld Spanier Zellerweg am schwarzen Herrgott Riesling GG 2024 BIO

Weißwein · Zellertal (Rheinhessen) · Riesling (Großes Gewächs)

Riesling Zellerweg am Schwarzen Herrgott VDP.Großes Gewächs Battenfeld-Spanier Zellertal · Rheinhessen reiner Kalkfels steile Bruchkante BIO (DE-ÖKO-006) · 2024

Der Battenfeld-Spanier Zellerweg am Schwarzen Herrgott Riesling GG 2024 wächst auf reinem Kalkfels an der Grenze zwischen Rheinhessen und der Pfalz. Ein den Schatten abgetrotzter Lichtwein – tiefgründig und tänzelnd zugleich, von einzigartiger Präzision.


Schwarzer Herrgott – Kalkfels an einer steilen Bruchkante

Das biologisch arbeitende Weingut Battenfeld-Spanier von H. O. Spanier zählt zu den führenden Adressen im rheinhessischen Wonnegau und ist für seine kalkgeprägten, präzisen Rieslinge bekannt (DE-ÖKO-006). Der Schwarze Herrgott liegt am Beginn des Zellertaler Beckens, das mit dem Frauenberg seinen Abschluss findet; hier wie dort herrscht reine Kalkfelsunterlage vor.

Den Unterschied macht das Mikroklima: Während der Frauenberg offen und windexponiert liegt, befindet sich der Schwarze Herrgott an einer steilen, engen Bruchkante, die die Lage zusätzlich vor Regen und der vollen Härte des Lichteinfalls schützt. Es ist eine der ältesten und berühmtesten Weinlagen Deutschlands – bereits im 8. Jahrhundert urkundlich als Weinberg erwähnt. Mitten hindurch verläuft die Grenze zwischen Rheinhessen und der nördlichen Pfalz; mit dem Jahrgang 2010 hat das Gut die Lage wiederbelebt.

Jahrgang 2024 – Zellertal (Rheinhessen)

2024 war in Rheinhessen ein kühlerer, anspruchsvoller Jahrgang, der Präzision im Weinberg belohnte. Der reine Kalkfels und die geschützte Bruchkantenlage sicherten reifes, gesundes Lesegut, während das kühle Jahr Frische, salzige Spannung und lichthafte Eleganz betonte.

Ausbau

Trockener Riesling, VDP.Großes Gewächs aus dem Zellerweg am Schwarzen Herrgott, Jahrgang 2024; 100 % Riesling von reinem Kalkfels.

Nach selektiver Handlese wird der Wein herkunftsbetont im Stil des Guts vergoren und ausgebaut, ganz auf Präzision, würzige Steinaromen und lichthafte Eleganz ausgerichtet. Biologischer Anbau (DE-ÖKO-006).

Im Glas

Ein präziser, kalkgeprägter Riesling: Zitrus und weißer Pfirsich, dazu Quitte, würzige Steinaromen und eine markante, salzig-mineralische Kalksteinnote. Am Gaumen tiefgründig und tänzelnd zugleich, straff und schwebend, mit lebendiger Säure, kühler Struktur und einem langen, salzig-mineralischen Nachhall.

Zitrus und weißer Pfirsich über Quitte, würzigen Steinaromen und salzig-mineralischer Kalksteinnote – tiefgründig und tänzelnd zugleich, straff und schwebend, mit lebendiger Säure und langem Nachhall.

Ein präziser, sehr langlebiger Kalkstein-Riesling; jung gern dekantieren. Bei 11–13 °C servieren.

Am Tisch

Zu edlem Fisch und Meeresfrüchten, zu Hummer und Jakobsmuscheln, zu Geflügel und Kalb in heller Sauce sowie zu gereiftem Hartkäse.


Lage: Zellerweg am Schwarzen Herrgott (VDP.Große Lage), Zellertal, Rheinhessen; steile, geschützte Bruchkante an der Grenze zur Pfalz; reiner Kalkfels
Klassifikation: Riesling, VDP.Großes Gewächs, Rheinhessen (trocken); 100 % Riesling
Ausbau: selektive Handlese, herkunftsbetonte Vergärung und Ausbau im Stil des Guts; biologisch, DE-ÖKO-006

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USA

Horsepower Vineyards The Tribe Vineyard Syrah 2011

Rotwein · Walla Walla Valley · Syrah

Syrah The Rocks District Walla Walla Valley (USA) 2011

Der Horsepower Vineyards The Tribe Vineyard Syrah 2011 ist der allererste Jahrgang dieses Kult-Syrah von Christophe Baron (Cayuse) – ein klassisch nordrhôneartiger, mineralisch-würziger Wein von den Basaltsteinen des Rocks District.


The Tribe Vineyard – Basalt im Rocks District

Der drei Acre kleine Syrah-Weinberg liegt nahe Christophe Barons En-Chamberlin-Lage im Rocks District of Milton-Freewater – der einzigen US-Appellation, deren Grenzen allein über den Bodentyp definiert sind. Große, alte Basalt-Gerölle wie im Châteauneuf-du-Pape speichern die Sonnenwärme und strahlen sie an die Trauben zurück, was den unverwechselbar würzig-umamihaften Charakter dieser Syrahs prägt.

Gepflanzt ist The Tribe ultra-dicht im „sur echalas"-Stil – eine Rebe pro Pfahl, rund 3.555 Stöcke pro Acre. Die Enge zwingt die Reben zu intensivem Wettbewerb und schafft bemerkenswerte Spannung und Konzentration.

Jahrgang 2011 – Walla Walla Valley

2011 war einer der kühlsten und spätesten Jahrgänge der Region – ein ausgesprochen klassisches Jahr mit niedrigeren Alkoholgraden, lebendiger Säure und einem nordrhôneartig zurückhaltenden, eleganten Stil.

Zugleich ist 2011 der allererste Jahrgang von Horsepower Vineyards – der Beginn einer der gesuchtesten Syrah-Serien Nordamerikas.

Anbau und Ausbau

Reinsortiger Syrah aus dem Jahrgang 2011.

Christophe Baron gehörte ab 2002 zu den Ersten, die in Walla Walla mit Pferdezug und Kompostwirtschaft arbeiteten. Horsepower wird nach einem astrologischen Kalender und vollständig ohne Herbizide, synthetische Dünger oder chemische Pflanzenschutzmittel bearbeitet. Namensgebend sind die Zugpferde, die die eng gepflanzten Reihen kultivieren – Handarbeit im Stil des 19. Jahrhunderts.

Im Glas

Ein klassisches Nord-Rhône-Profil: Brombeere und Cassis treffen auf Eisen, flüssiges Mineral, geräuchertes Fleisch und eine fast blutige Note, dazu Speck, Jod und kreidige Salinität. Am Gaumen vollmundig, geschichtet und fabelhaft konzentriert, mit

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Schaumweine

Guy Charbaut Bruit Blanc 1er Cru Brut

Der Guy Charbaut Bruit Blanc 1er Cru Brut ist ein Blanc de Blancs aus reinem Chardonnay. Die Trauben stammen allesamt aus Bisseuil, einem kleinen Premier-Cru-Ort im Marnetal, der selten im Rampenlicht steht. Die Basis bildet der Jahrgang 2017, dazu kommen 15 % Reserveweine. Sieben Jahre lag er auf der Hefe.

Im Glas

Hellgold, feine Perlen. In der Nase helle Blüten, Haselnuss und etwas Zitrusschale. Im Mund straff gebaut, dabei mit cremiger Textur, salziger Note und viel Präzision; die Länge erstaunt.

Mach was draus

Ein ernsthafter Aperitif oder Begleiter zu Austern, Jakobsmuscheln, Seezunge oder Geflügel. Auch zu einem jungen Comté sehr schön. Serviere ihn bei 8 bis 10 °C im Weißweinglas. Er trinkt sich jetzt schon gut und hat Reserven bis über 2030 hinaus.

Janus FenskeJanus empfiehlt

„Bruit Blanc ist ein Blanc de Blancs mit viel Reife und wenig Lärm. Mein Tipp für Chardonnay-Fans.“

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Kurz gefragt

Wie wird er gemacht? Nur im Edelstahl vinifiziert, ohne Holz. Danach sieben Jahre Hefelager in den alten Kreidekellern unter Mareuil-sur-Aÿ.

Wie trocken ist er? Brut, mit einem Restzucker von 4,8 g/l.

Wer steht dahinter? Champagne Guy Charbaut aus Mareuil-sur-Aÿ, ein Familienhaus in dritter Generation.

100 % Chardonnay (Blanc de Blancs) · Bisseuil Premier Cru, Grande Vallée de la Marne · Basis 2017, 15 % Reserveweine · Edelstahl · 7 Jahre Hefelager · Brut, Restzucker 4,8 g/l · Champagne Guy Charbaut, Mareuil-sur-Aÿ · Stand: Oktober 2026

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Rebsorten

Hermann Ludes Thörnicher Ritsch Riesling Spätlese Speyer 2021 Late Release

Weißwein · Mosel · Riesling Spätlese (fruchtsüß)

Riesling Thörnicher Ritsch · Im Speyer Mosel Spätlese · fruchtsüß Late Release · gereift

Der Thörnicher Ritsch „Im Speyer" Riesling Spätlese 2021 Late Release von Hermann Ludes ist ein bereits gereifter, mineralischer Mosel-Riesling von alten, teils wurzelechten Reben – spät freigegeben und damit trinkreif, aus einer der spannungsgeladensten Parzellen der Ritsch.


Thörnicher Ritsch – Im Speyer

Das Weingut Hermann Ludes bewirtschaftet 5,5 Hektar Riesling in verschiedenen Kleinparzellen der Steillage Ritsch – einem beeindruckenden Monument, einem in den Fels gehauenen Weinberg mit alten, teils wurzelechten Rieslingstöcken. Bizarre Formationen aus Schiefer und Holz prägen das Bild; die Wingertspfähle ragen wie die Speerspitzen eines Riesenheeres in den Himmel. Eingerahmt von den Seitentälern des Karlbach und der Salm, verdankt der Weinberg seine Einzigartigkeit dieser besonderen Lage.

Die Parzelle „Im Speyer" erhebt sich extrem steil und optimal nach Süden ausgerichtet aus dem Moseltal. Der devonische Schiefer speichert Wärme und bietet den Reben nur wenig Wasser und Nährstoffe – das ergibt niedrige Erträge, aber Trauben von hoher Konzentration und mineralischer Prägung. Innerhalb der ohnehin renommierten Ritsch ist „Im Speyer" noch einmal eine ganze Klasse spannungsgeladener.

Jahrgang 2021 – Mosel

2021 war an der Mosel ein kühler, klassischer Jahrgang mit spätem Herbst und später Lese. Er brachte präzise, filigrane Rieslinge mit lebendiger Säure, moderaten Mostgewichten und großer Klarheit – eine gefeierte Rückkehr zum klassischen Mosel-Stil.

Als „Late Release" wurde dieser Wein erst nach mehrjähriger Reife freigegeben und zeigt heute bereits erste Reifenoten, ohne die Spannung der Ritsch zu verlieren.

Vinifikation und Ausbau

Reinsortiger Riesling aus dem Jahrgang 2021, klassischer Prädikatswein (Spätlese, fruchtsüß).

Handlese in der Steillage, Spontangärung mit Naturhefen, klassisch-reduktiver Ausbau ohne Schönung, Schraubverschluss. Vor der Freigabe reifte der Wein mehrere Jahre – Ludes füllt und veröffentlicht seine Weine bewusst dann, wenn sie ihm am besten gefallen.

Im Glas

Über der kühlen Mosel-Frucht aus Apfel, Weinbergspfirsich und Zitrus zeigen sich beginnende Reifenoten von Honig und getrocknetem Obst, dazu feine Schieferwürze. Am Gaumen balanciert die rassige, gaumenreinigende Säure die fruchtige Süße; straff, salzig-mineralisch und lang im Abgang, mit der zusätzlichen Spannung der Speyer-Parzelle.

Kühle Frucht und beginnende Reife, getragen von rassiger Säure und salziger Mineralität.

Bereits trinkreif, mit weiterem Reifepotenzial. Bei 8–10 °C servieren.

Am Tisch

Zu würziger asiatischer Küche, Geflügelcurry, kräftigem Fisch oder reifem Käse. Auch ein eleganter Solist mit Flaschenreife.


Lage: Thörnicher Ritsch „Im Speyer" (Mittelmosel); extrem steile Südlage, devonischer Schiefer, alte, teils wurzelechte Reben
Klassifikation: Riesling Spätlese (Prädikatswein, fruchtsüß)
Ausbau: Riesling; Spontangärung mit Naturhefen, klassisch-reduktiver Ausbau, mehrjährige Reife vor Freigabe, Schraubverschluss

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