Das Weinbaugebiet Pfalz

Die Geschichte von dem Weinbaugebiet Pfalz

„Zum Wohl. Die Pfalz.“ – die 3600 pfälzischen Winzer verbinden in ihrem berühmten Slogan geschickt Understatement und kerniges Selbstbewusstsein. Und das steht ihnen auch zu, denn aus der Region, die historisch gesehen vor allem für recht gewöhnlichen Landwein stand, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten dank einer ambitionierten neuen Generation zu einem kleinen Eldorado gemausert, das auf internationalen Wettbewerben eine ernsthafte Konkurrenz für italienische und französische Spitzenanbaugebiete darstellt. Vor kühlen Westwinden geschützt durch umgebende Berge, sicher vor Spätfrost und zu harten Niederschlägen, ja allgemein verwöhnt durch sehr milde Temperaturen werden hier vor allem Weine erzeugt, die restzuckerarm, dabei dennoch sehr fruchtig sind – das kann man umso mehr nachvollziehen, wenn man sich die deutsch-französische Grenze bei Wissembourg wegdenkt und den 80 Kilometer langen, recht schmalen Streifen, der das Gebiet Pfalz ist, als die nördliche Fortsetzung der Weinberge des Elsass betrachtet.

Obwohl mit fast 24 000 Hektar das zweitgrößte Weinbaugebiet Deutschlands, nimmt es doch nur fünf Prozent der geografischen Pfalz ein. Auch unterteilt es sich, anders als manche viel kleinere Weinbaugebiete, die oft sehr viel ausdifferenzierter sind, lediglich in zwei Regionen: die Mittelhaardt und die Südliche Weinstraße. Qualitatives Zentrum des Pfälzer Weinbaus ist erstere: unterhalb des Pfälzer Waldes gedeihen hier in einer Handvoll Orten herrlich knackige Rieslinge. Kallstadt, Wachenheim, Ungstein und andere profitieren von den leichten Böden, welche die Wärme der 1800 Sonnenstunden jährlich länger speichern und die Rebstöcke tief hinab in sehr mineralhaltige Schichten wurzeln lassen. Der Lehmanteil in den Böden ist hier geringer als an der Südlichen Weinstraße, was die Weine weniger schwer, dafür mineralischer werden lässt: der Boden speichert das Wasser hier nicht so nachhaltig, sodass die Reben nicht dauerhaft nasse Füße haben – dafür ist aber auch der Ertrag geringer.

Der gelungene Spagat zwischen Tradition und Moderne ist vielleicht das Geheimnis der Pfalz. Das mit bis zu 700 000 Besuchern größte Weinfest der Welt, der Dürkheimer Wurstmarkt, lockt jeden September mit dem Klimpern der Dubbegläser, in denen das pfälzische Lebenselixier, die Rieslingschorle, schimmert. Seit über 600 Jahren findet er statt, damals entstanden, als Bauern und Winzer Pilger mit Wegzehrung versorgten. Seit 1934 ist nicht nur der Markt, sondern der ganze Ort um eine im wahrsten Sinne des Wortes große Attraktion reicher: das Dürkheimer Riesenfass läuft mit sagenhaften 1,7 Millionen Litern Fassungsvermögen dem vorigen Rekordhalter im Heidelberger Schloss bei Weitem den Rang ab. Anders als in diesem wurde in der Dürkheimer Version niemals wirklich Wein gelagert, dafür finden 430 Gäste Platz in der heimeligen Holzkonstruktion.

Die Pfälzer sind streng auf Regionalität bedacht: heutzutage muss jeder Wurstmarkt-Stand mindestens einen Riesling im Angebot haben, und erst seit etwa 20 Jahren sind auch Rotweine zugelassen. Das können verlässliche Klassiker wie Dornfelder und Portugieser sein, geschmacklich interessant wird es aber besonders bei den Spätburgundern, die nach einer ordentlichen Reifezeit eine fast magische Kräuterwürze entfalten können. Aber auch für Deutschland untypische Rebsorten wie Cabernet oder Merlot können in den sehr warmen Sommern gut heranreifen und zu Weinen werden, die sich – wie fast alle Pfälzer Weine – sowohl jung genießen als auch jahrelang lagern lassen. Zu verdanken ist das oft experimentierfreudigen Jungwinzern, die sich Jahr für Jahr gegenseitig anstacheln, radikal Neues zu wagen – mit viel Ehrgeiz, aber ganz ohne Neid und Missgunst. Einen Riesling muss man natürlich immer im Portfolio haben und versucht dabei, die Restzuckerschraube stets noch ein bisschen weiter Richtung Null zu drehen. Aber auch aus Weißburgundern und Muskatellern lässt sich Enormes herausarbeiten – wobei nicht die typische bombige Fruchtfülle dieser Rebsorten im Vordergrund steht, sondern sehr detailverliebt an immer mehr Reduktion gearbeitet wird. Ihr jüngstes Lieblingsspielzeug ist der Chardonnay, erst seit etwa 30 Jahren Im Lande, aber die Pfälzer haben schon verstanden, dass zu intensives Toasting-Aroma vom Fass ihm eher schadet als nützt. So rustikal die Jungs bei der Arbeit im „Wengert“, im Weinberg, oder als derbe Lieder singende „Kerweburschen“ zu den sehr zünftig begangenen Kirchweihfesten daherkommen, so behutsam puristisch sind sie in der Arbeit danach. Viele Betriebe arbeiten mittlerweile biodynamisch und wollen Eingriffe am Rebstock wie am Most so gering wie möglich halten. Und diese Feinheit passt sowohl in die Deidesheimer Edelrestaurants wie zu Leberknödel und Sauerkraut nach einer Wanderung durch den Pfälzer Wald.

Die Zeiten, in denen man Pfälzer Wein mit minderwertigem Moselwein verschnitt, um die Säure in letzterem zu mildern, sind lange vorbei, ebenso die geschmackliche Epoche der recht erdigen, eher süßlichen Weine. Ein stählerner Charakter mit einem zuverlässig tragenden Säuregerüst ist das Gebot der Stunde, und orientierte man sich da anfangs noch am Rheingau, hat man nun schon länger zu einem völlig eigenen Stil gefunden. Gerade an der Mittelhaardt war man schon sehr früh auf diesem Trip, denn während besonders in der Südpfalz der Landwein noch bis lange in die Nachkriegszeit allgemein üblich war, setzte man hier schon seit den 1830ern auf Qualitätswein. Zu verdanken ist das vor allem Andreas Jordan. Als er 1848 starb, ohne vorher sein Erbe geregelt zu haben, kam es zur sogenannten Jordanschen Teilung, welche die Geburtsstunde von drei der wohl berühmtesten Pfälzer Weingüter ist: Bassermann-Jordan, von Winning und Reichsrat von Buhl. Alle im malerischen Deidesheim beheimatet, haben ihre Lagen aber auch in umliegenden Gemeinden, etwa in Forst, auf dessen gerade einmal 3,6 Quadratkilometern Fläche 180 Hektar dem Wein vorbehalten sind. Um viele Lagennamen wie das Forster Ungeheuer ranken sich wilde Legenden, die von den Einheimischen gern mit einem Augenzwinkern an staunende Touristen aus aller Welt weitergegeben werden.

Wie viele andere pfälzische Ortschaften ist Forst ein Straßendorf, mitten hindurch führte früher also nur ein einziger Weg. Ein Erfolgsmodell, das mittlerweile von anderen Gebieten kopiert wurde, hat auch in diesen städtebaulichen Gegebenheiten seinen Ursprung: die Deutsche Weinstraße, die Werbeidee schlechthin. Wie alle guten Einfälle aus der Not geboren: die Besatzung des Rheinlandes nach dem Ersten Weltkrieg durch Frankreich brachte es mit sich, dass der Pfälzer Wein nur eingeschränkt in den freien Teil des Reiches ausgeführt werden durfte. Der Export nach Frankreich war aber ebenso unmöglich, weil man dort von deutschem Wein schlicht nichts wissen wollte. Hinzu kam, dass der Ertrag im Jahr 1934 weit über dem der Vorjahre lag, was die Preise noch weiter drückte. Nachdem die Idee zu einer Weinstraße schon einige Jahre kursiert hatten, griff Gauleiter Bürckel sie 1935 angesichts der finanziellen Not der Winzer auf und beschloss sehr pragmatisch, einfach diejenige Strecke zur Weinstraße zu machen, die in Süd-Nord-Richtung durch die meisten Weinorte führte. Die Eröffnung wurde zwar sehr pompös begangen, mit kilometerlangem Autokorso und weihevollen Reden, das bekannte Deutsche Weintor in Schweigen war jedoch nur notdürftig aus Holz zusammengezimmert, das in Grünstadt gar aus Pappmaché in Form gekleistert worden – das ist heute freilich ganz anders, gerade das Haus der Deutschen Weinstraße in Bockenheim kann sich sehen lassen.

Die vielen Rebstöcke, die sich heute an den Häusern am Rande der Weinstraße emporranken, stammen oft noch aus ebenjener Anfangszeit und bieten zusammen mit den Feigensträuchern, Mandelbäumen und Zitruspflanzen, ja sogar Kiwis und Bananenstauden eine träumerische, fast unwirkliche Riviera-Atmosphäre. Das markante gelb-schwarze Quadrat mit der stilisierten Weintraube am Wegesrand ist im wahrsten Sinne des Wortes zum Aushängeschild der Region geworden, so sehr, dass sich der ehemalige Landkreis Landau-Bad Bergzabern im Zuge der Gebietsreform kurzerhand in Südliche Weinstraße umbenannte und seitdem mit seinem „SÜW“ auf jeder Autobahn als Tourismus-Botschafter fungiert.

Nicht an der Weinstraße, ja nicht einmal im Weinbaugebiet lag Pirmasens, der Wohnort Ruth Bachrodts. Ein weiterer Marketing-Coup war nämlich schon ein paar Jahr früher gelandet worden: die Kür der ersten Weinkönigin. Diese war bis Anfang der 50er Jahre in Personalunion pfälzische und gesamtdeutsche Regentin, denn erst ab dann wurde das Konzept auch von anderen Weinbaugebieten adaptiert. Ist der Status der Weinkönigin heute mit vielerlei Repräsentationspflichten auch im Ausland verbunden und der Anspruch an Bildung und Persönlichkeit der Kandidatinnen dementsprechend hoch, genügte es damals, schlicht und einfach die Hübscheste zu sein und dann über die Weinfeste zu tingeln, etwa in Landau und Neustadt, mit jeweils knapp über 2000 Hektar auf dem Stadtgebiet so viel Anbaufläche wie die Hälfte der Nahe oder fast viermal das gesamte Gebiet Ahr.

Dem gleichen Zweck wie die Weinkönigin geht, wenn auch auf ganz andere Weise, die Weinbruderschaft der Pfalz nach. Die etwa 1000 Mitglieder organisieren sich nach Art mittelalterlicher Ritterorden und haben sich die Pflege allen mit dem Wein in Zusammenhang stehenden Brauchtums auf die Fahnen geschrieben. Die allermeisten Mitglieder sind seit jeher keine Winzer, sondern Journalisten, Schriftsteller oder bildende Künstler. Vielleicht ist es auch ihnen zu verdanken, dass es kaum eine Region in Deutschland gibt, in der Weinkultur und alltägliche Lebensart so sehr miteinander verschränkt sind. Berühmtestes Mitglied und gleichzeitig wohl bekanntester Genuss-Botschafter der Pfalz war Bundeskanzler Helmut Kohl, der gern zu Wein und Saumagen zu sich nach Hause in Oggersheim einlud und einmal den „Angriff“ eines politischen Gegners, der ihm ein Glas Wein über den Kopf geschüttet hatte, lapidar kommentierte: „Nur schade, dass es kein Pfälzer Wein war.“ Auch, wenn viele der jungen Talente auf den Weingütern Kohl gar nicht mehr bewusst als Kanzler erlebt haben dürften – in puncto Selbstbewusstsein stehen sie ihm in nichts nach, ebenso wenig im Hinblick auf (aromatische) Kompromisslosigkeit. Den Mut zu den entsprechenden Resultaten sollte man als Weintrinker keinesfalls vermissen lassen! Text: Dario Sellmeier

Jetzt Newsletter abonnieren und keinen Blog Beitrag mehr verpassen:

Blog per E-Mail abonnieren

Keine Beiträge mehr verpassen.

Entdecke unsere Weine

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Rebsorten

Dietrich Im Großen Garten Riesling Gold

Wein · Weißwein · Pfalz · Deutschland

Dietrich Im Großen Garten Riesling Gold ist ein spontan vergorener Riesling mit wildem Duft nach Frühlingskräutern, Marille, reifem Apfel und einem Hauch Honig. Kraftvoll und druckvoll am Gaumen – ein Wein, der Zeit und Luft zum Atmen braucht.


Pfalz / Im Großen Garten

Die Trauben stammen aus der Pfälzer Lage Im Großen Garten. Erzeuger ist das Weingut Familie Dietrich, das 25 Hektar Rebfläche rund um Großkarlbach, Weisenheim am Sand und Laumersheim bewirtschaftet. Über 1.800 Sonnenstunden im Jahr bringen reife, ausdrucksstarke Trauben hervor.

Rebsorte und Ausbau

Reinsortig aus Riesling, spontan vergoren mit den natürlichen Hefen des Weinbergs. Die Spontangärung verleiht dem Wein seinen wilden, vielschichtigen Charakter sowie Kraft und Druck am Gaumen. Trocken ausgebaut, mit Reifepotenzial.

Im Glas

Goldgelb. In der Nase wild und vielschichtig, mit Frühlingskräutern, Marille, reifem Apfel und einem Hauch Honig. Am Gaumen kraftvoll und druckvoll, mit dichter Frucht, lebendiger Säure und langem Abgang – noch jung und entwicklungsfähig.

Am Tisch

Am besten rund eine Stunde vor dem Genuss dekantieren und bei 10–12 °C servieren.

Passt zu: kräftigem Fisch, Geflügel, hellem Fleisch in cremigen Saucen, Spargel und reifem Käse.


Lage: Pfalz, Im Großen Garten (Deutschland); Weingut Familie Dietrich
Klassifikation: Pfalz – 100 % Riesling (Lagenwein), trocken
Ausbau: spontan vergoren, kraftvoll und reifebedürftig

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Spanien

Pupitre Cava brut

Ein sehr frischer und fruchtbetonter Cava. Harmonisch am Gaumen und mit einer feinen Perlage versehen.

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Rebsorten

Clos Henri Clay Sauvignon Blanc 2020

Weißwein · Sauvignon Blanc · Marlborough · Neuseeland

Clos Henri Clay Sauvignon Blanc ist ein charaktervoller Sauvignon Blanc aus Marlborough in Neuseeland, der zeigt, dass Überseeweine echtes Terroir besitzen. Er wächst auf Broadbridge Clay in einem trocken-maritimen Klima. Den hier reifenden Trauben wird eine besondere Feinheit zugeschrieben – zarte Tannine und ein feines, fruchtiges Profil. Im Glas straff, salzig und mineralisch.


Marlborough

Marlborough auf der Südinsel Neuseelands ist die berühmteste Sauvignon-Blanc-Region des Landes. Clos Henri – gegründet von der Sancerre-Familie Bourgeois – setzt hier auf Broadbridge Clay, einen spezifischen Lehmboden, der über Jahrmillionen durch Erdbewegungen und Gletscher der Pleistozän-Epoche entstand. Dieser Lehm verleiht dem Wein viel Mineralität und Feinheit; das trocken-maritime Klima erhält die Frische.

Rebsorte und Ausbau

Der Wein besteht zu 100 % aus Sauvignon Blanc von über 20 Jahre alten, dicht gepflanzten und trocken bewirtschafteten Reben (ohne Bewässerung) – das fördert tiefe Wurzeln und Mineralität. Nach selektiver Lese erfolgt die spontane Gärung im 600-Liter-Barrique aus österreichischer Eiche; nach 20 Monaten Reife wird er ungefiltert und minimal behandelt abgefüllt.

Im Glas

Helles Gold. In der Nase intensiv und komplex: Zitrusfrüchte, Honig, Pfirsich und Aprikose, abgerundet von blumigen Nuancen und toastigen Akzenten. Am Gaumen samtig und reich, zugleich ausgewogen, mit frischer Zitrus und sanften salzigen Anklängen. Karg und straff zugleich, mit großer Intensität, Salz, Mineralität und nassem Stein. Der Nachhall ist sehr lang.

Am Tisch

Gut gekühlt bei 10–12 °C servieren; ein größeres Glas und etwas Luft betonen die Komplexität. Als Speisenbegleiter ebenso wie solo.

Klassische Begleitung: Fisch, Meeresfrüchte, Geflügel und kräftige vegetarische Gerichte.


Lage: Marlborough (Neuseeland); Broadbridge Clay (Lehm)
Klassifikation: Marlborough – Sauvignon Blanc
Ausbau: 100 % Sauvignon Blanc, Trockenbewirtschaftung, Spontangärung, 20 Monate 600-l-Barrique (österreichische Eiche), unfiltriert

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Rebsorten

Domaine du Triptyque Tempête Vin de France 2025

Weißwein · Vin de France · Voltis & Floréal

Voltis & Floréal Parzelle am Weingut, Venoy 2025 Tonamphore Handlese Spontangärung

Tempête 2025 von der Domaine du Triptyque ist der Wein, mit dem Tommy Chevallier aus dem Appellationsrahmen heraustritt: Voltis und Floréal sind in Chablis nicht zugelassen, deshalb steht Vin de France auf dem Etikett – obwohl die Reben direkt neben dem Keller in Venoy stehen. Ausgebaut in der Tonamphore, zeigt er sich rund und weich, mit sauber gezeichneter Frucht und einer Frische, die mitten im Wein sitzt.


Die Parzelle am Weingut in Venoy

Die Rebfläche liegt unmittelbar beim Betrieb in Venoy, westlich der Chablis-Appellation im Auxerrois, auf 120 bis knapp 290 Metern Höhe. Der Untergrund entspricht dem des Chablisien: Ton und Kalk aus dem Oberjura, Mergelbänke im Wechsel mit härteren Kalklagen. Der Ton hält Wasser und puffert Trockenphasen, der Kalk entwässert und hält die Wurzelzone kühl – der entscheidende Faktor auf knapp 48 Grad nördlicher Breite. Bepflanzt ist die Parzelle mit Voltis und Floréal, eingebettet zwischen Bäumen, Hecken und den Getreideflächen des Familienbetriebs.

Die kurze Distanz zwischen Rebe und Presse ist hier kein Nebeneffekt, sondern Teil der Anlage: Das Lesegut ist innerhalb von Minuten im Keller, ohne Transportwärme und ohne Vorlauf. Gelesen wird von Hand – im Chablisien die Ausnahme, weil dort rund neun von zehn Hektar maschinell geerntet werden.

Voltis und Floréal sind keine alten Sorten und keine Hybriden aus der Nachkriegszeit. Das französische Forschungsinstitut INRAE hat sie über vier Jahrzehnte aus natürlichen Kreuzungen selektiert und in den offiziellen Sortenkatalog eingetragen; beide sind gegen Falschen und Echten Mehltau widerstandsfähig. Voltis wächst aufrecht, liefert mittlere Erträge und bringt bukettreiche, kräftiger gebaute Weißweine. Floréal braucht einen Drahtrahmen und gibt aromatische Weine mit erhaltener Frische, zwischen exotischer Frucht und Buchsbaum. Für Chevallier, gelernter Ingenieur, ist die Fläche ein Feldversuch mit offenem Ausgang – und der erste Wein, den er ohne regionales Vorbild vinifiziert.

Jahrgang 2025 – Yonne und Chablisien

Im nördlichen Burgund gab es 2025 keinen nennenswerten Frühjahrsfrost. Der Austrieb setzte in den wärmsten Lagen bereits Anfang April ein, ein kühlerer Mai bremste kurz, die Blüte lief um den 26. Mai in wenigen Tagen durch. Der Ertragsverlust entstand danach: Ende Juni traf eine Hitzewelle mit Temperaturen nahe 40 °C in die Blütephase und führte zu Verrieselung und Millerandage – lockere Trauben, ungleichmäßiger Beerenansatz, viele Kleinbeeren. Die zweite Hitzewelle folgte vom 8. bis 18. August, wieder um 40 °C; die Beeren blieben klein, die Schalen dick.

Die Véraison war schon in der ersten Juliwoche zu sehen, die Lese begann im Chablisien ab dem 18. August – eine Frühreife ohne Vorbild in der jüngeren Erfahrung der Region. Zum Monatswechsel fielen 120 bis 130 Millimeter Regen in 36 Stunden auf reife Beeren, Schalen platzten, auf exponierten Parzellen setzte Botrytis an. Wer früh gelesen hatte, brachte gesundes Material herein. Die Erträge lagen im Chablisien offiziell bei 50 bis 55 hl/ha, einzelne Güter meldeten unter 40 – nach 2021 und 2024 die dritte kleine Ernte in fünf Jahren. Den Charakter der 2025er bestimmt damit weniger die Lage als der Lesetermin: früh geerntete Partien behielten Säure und Kontur, späte wurden runder und exotischer im Ton.

Gärung und Ausbau in der Tonamphore

Die Trauben kommen von Hand gelesen in den 2023 fertiggestellten Keller in Venoy. Die alkoholische Gärung startet mit weinbergseigenen Hefen, Schwefel setzt Chevallier in sehr geringen Mengen ein, weitere Zusätze verwendet er nicht. Im Keller stehen Edelstahltank, Holzfass, Betontank, Betonei und Terrakotta-Amphore nebeneinander – für diese Cuvée fiel die Wahl auf die Amphore.

Gebrannter Ton ist porös und lässt in sehr kleinen Mengen Sauerstoff an den Wein, ohne Aroma beizusteuern. Genau das erklärt das Bild im Glas: Die Textur wird runder und weicher, die Gerbstoffe aus den dicken Beerenschalen des Jahrgangs glätten sich, Frucht und Säure bleiben unverstellt. Holz hätte diese beiden Sorten überdeckt, Edelstahl sie kantiger stehen lassen. Die Menge ist klein – die Fläche ist eine Versuchsanlage, kein Ertragsweinberg.

Im Glas

Helles Gelb mit grünlichen Reflexen. Die Nase ist deutlich offener als bei den Chardonnays des Guts und vor allem sauber gezeichnet: gelbe Steinfrucht, Zitrusschale, dahinter ein feiner krautiger Ton Richtung Buchsbaum – die Handschrift des Floréal über der breiteren Anlage des Voltis. Am Gaumen rund und weich, mit mehr Volumen als ein Chablis, ohne breit zu werden. Der Amphorenausbau nimmt jede Kante heraus, die Frucht bleibt klar umrissen, und in der Mitte steht eine Frische, die den Wein zusammenhält. Der Abgang ist trocken, leicht griffig und länger, als das weiche Mundgefühl zunächst erwarten lässt.

Zwei Sorten, die es vor vierzig Jahren noch nicht gab, ausgebaut in einem Gefäß, das seit Jahrtausenden in Gebrauch ist.

Kein Dekantieren nötig, der Wein zeigt sich sofort. Nach einer halben Stunde im Glas tritt die Steinfrucht stärker hervor, der krautige Ton weicht zurück. Ein Wein für die nächsten Jahre: Der frühe Jahrgang 2025 hat ihn früh zugänglich gemacht, auf Lagerung ist er nicht angelegt.

Am Tisch

Die weiche Textur und die klare Frucht machen ihn breiter einsetzbar, als die Rebsorten vermuten lassen: gebratener Fisch mit Kräutern, Geflügel, Kalb in heller Sauce, Gemüsetarte, Spargel mit Sauce Hollandaise. Wo der krautige Ton mitspielt, passen Ziegenkäse und asiatische Küche mit Koriander, Limette und Ingwer. Serviert bei 10 bis 12 °C – kälter verschwindet die Aromatik, die den Reiz dieses Weins ausmacht.


Produzent Domaine du Triptyque, Tommy Chevallier, Venoy
Rebsorte Voltis, Floréal
Lage Parzelle direkt am Weingut in Venoy, Yonne · Ton-Kalk-Böden des Oberjura
Klassifikation Vin de France
Jahrgang 2025
Vinifikation Handlese · Spontangärung mit weinbergseigenen Hefen · sehr geringe Schwefelgaben
Ausbau Terrakotta-Amphore
Trinkempfehlung 2026–2029

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Weine

Etienne Sauzet Puligny Montrachet Champ-Canet 1er Cru 2023 BIO

Weißwein · Puligny-Montrachet Premier Cru · Chardonnay

Chardonnay Champ Canet · 1er Cru Puligny-Montrachet Sauzet-Parzelle 1 ha (1959) · 7.460 Flaschen 2023 · Bio (FR-BIO-01)

Der Puligny-Montrachet Champ Canet 1er Cru 2023 der Domaine Etienne Sauzet ist ein dichter, satter und facettenreicher Chardonnay aus einer 1959 bepflanzten Parzelle. Champ Canet bringt spannungsgeladene, frische und mineralische Weine hervor, die zu den besten ihrer Art zählen.


Champ Canet – Premier Cru im Norden von Puligny

Die Einzellage Champ Canet umfasst 5,6 Hektar im nördlichen Teil der Puligny-Montrachet-Appellation und liegt auf gleicher Höhenlinie wie das Perrières-Climat von Meursault. Der exponierte Premier-Cru-Weinberg bietet bröckeligen Kalkstein als Untergrund, bedeckt von einer dünnen Schicht steinigen Mergels – beste Voraussetzungen für spannungsgeladene, frische und mineralische Weine.

Die Familie Sauzet bepflanzte hier 1959 ein rund 1 Hektar großes Teilstück mit Chardonnay. Die Domaine Etienne Sauzet (gegründet 1903) zählt zu den großen Weißwein-Adressen des Burgunds.

Jahrgang 2023 – Côte de Beaune

Auf einen milden Winter folgte ein kühl-feuchtes Frühjahr mit Austrieb Mitte April; ab Mitte Mai wurde es trockener und wärmer. Die Blüte setzte Anfang Juni weitgehend störungsfrei ein. Eine Hitzewelle im August konzentrierte die Aromen, Niederschläge Mitte September brachten Frische und Balance zurück.

Für die weißen Burgunder steht 2023 für reife, aromatische Frucht bei klarer Säure – ein harmonischer, klassischer Jahrgang, der zur dichten, mineralischen Art des Champ Canet passt.

Assemblage und Ausbau

Reinsortiger Chardonnay aus dem Jahrgang 2023, biologisch (FR-BIO-01). Gesamtproduktion: 7.460 Flaschen.

Die Gärung erfolgt im Stil des Guts spontan in großen Eichenfässern, temperaturreguliert; der gesamte Ausbau bis zur Feinhefelagerung dauert bis zu 18 Monate und gibt dem Wein Tiefe und Textur.

Im Glas

Dicht, satt und facettenreich: Zitrus, weiße Blüten und Haselnuss treffen auf steinige Mineralität und feinen Schmelz aus dem Hefelager. Am Gaumen spannungsgeladen und frisch, mit fester Struktur und langem Abgang.

Zitrus, weiße Blüten und Haselnuss über steiniger Mineralität – dicht, spannungsgeladen und frisch.

Jung schon zugänglich, mit großem Reifepotenzial über viele Jahre. Bei 12–13 °C servieren.

Am Tisch

Fisch und Krustentiere, Geflügel in heller Sauce, Kalbsbries, dazu reifer Weichkäse. Ein Wein für die große weiße Küche.


Lage: Champ Canet (1er Cru), Puligny-Montrachet (Côte de Beaune); bröckeliger Kalkstein unter steinigem Mergel, Höhe wie Meursault Perrières; Sauzet 1 ha (1959), 5,6 ha gesamt
Klassifikation: Puligny-Montrachet Premier Cru; Bio (FR-BIO-01)
Ausbau: Chardonnay; Spontangärung im großen Eichenfass, bis 18 Monate inkl. Feinhefe

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Länder/Regionen

Sottimano Barbaresco Basarin 2021 DOCG

Rotwein · Barbaresco DOCG · Nebbiolo

Nebbiolo Barbaresco DOCG Cru Basarin (Neive) alte Reben Sottimano bis zu 3 Monate Maische nur 9.000 Flaschen 2021

Der Sottimano Barbaresco Basarin 2021 stammt aus einer rund drei Hektar großen Einzellage mit alten Reben in Neive – ein präziser, vielschichtiger Cru-Nebbiolo mit kühler, wilder Frucht, floraler Struktur und langen, seidig-kreidigen Tanninen. Aus einem von Andrea Sottimano hochgeschätzten Jahrgang.


Basarin – Cru aus Neive

Sottimano in Neive zählt zu den Top-Adressen des Barbaresco. Das Familienweingut – von Rino Sottimano ab Ende der 1960er aufgebaut, heute von Andrea und seinen Geschwistern geführt – arbeitet seit über vierzig Jahren und konsequent traditionell: Spontangärung mit wilden Hefen, sehr lange Maischestandzeiten, Ausbau im großen Holzfass, ungeschönt und ungefiltert.

Der Barbaresco Basarin stammt aus der renommierten Gemeinde Neive. Die Trauben kommen aus einer rund drei Hektar großen Einzellage mit alten Reben auf hellen, weißen Böden – ein Terroir, das dem Wein seine kühle Frucht, mineralische Präzision und florale Eleganz verleiht.

Jahrgang 2021 – Barbaresco

Der Jahrgang 2021 gilt für Andrea Sottimano als einer der besten seiner Laufbahn: Ein schneereicher Winter sorgte für ausgezeichnete Wasserreserven, der Sommer verlief moderat mit kühlen Nächten, und die späte Lese bis fast Ende Oktober ermöglichte eine langsame, gleichmäßige Reifung der Nebbiolo-Trauben. Die Produktion ist auf etwa 9.000 Flaschen limitiert.

Ausbau

Reinsortiger Nebbiolo aus dem Jahrgang 2021, Barbaresco DOCG, trocken.

Die Vinifikation erfolgt konsequent traditionell. Nach sorgfältiger Selektion setzt die alkoholische Gärung spontan ein. Es folgen sehr lange Maischestandzeiten mit bis zu drei Monaten unter getauchtem Tresterhut. Der Ausbau erfolgt in großen Holzfässern, in denen auch die malolaktische Gärung abgeschlossen wird. Eine zusätzliche Flaschenreife von rund einem Jahr verleiht dem Wein seine Ausdruckstiefe und Balance.

Im Glas

In der Nase zeigt sich der Barbaresco Basarin präzise und vielschichtig, mit balsamischen Kräutern, feinen Gewürznoten sowie Anklängen von Cassis, Blutorange, Lakritz und zerstoßenem Stein. Am Gaumen verbindet sich eine kühle, wilde Frucht mit einer intensiven floralen Struktur. Die langen, kreidigen Tannine wirken zugleich seidig und tragend und verleihen dem Wein Eleganz, Spannung und einen bemerkenswert langen, fein mineralischen Nachhall.

Präzise und vielschichtig – seidig-kreidige Tannine, Eleganz, Spannung und ein fein mineralischer Nachhall.

Schon jetzt ausdrucksstark, mit großem Reifepotenzial über viele Jahre; profitiert deutlich vom Dekantieren. Bei 16–18 °C servieren.

Am Tisch

Zu geschmortem rotem Fleisch (Brasato), zu Wild, zu Trüffel- und Pilzgerichten sowie zu gereiftem Hartkäse.


Lage: Barbaresco DOCG, Cru Basarin, Neive (Piemont, Italien); ~3 ha Einzellage, alte Reben, helle, weiße Böden
Klassifikation: Barbaresco DOCG, Nebbiolo (trocken); nur ca. 9.000 Flaschen
Ausbau: 100 % Nebbiolo; Spontangärung, bis zu 3 Monate Maische unter getauchtem Tresterhut, große Holzfässer (inkl. Malo), ~1 Jahr Flaschenreife; ungeschönt, ungefiltert

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Weine

Weinreich Bechtheim Riesling trocken BIO

Wein · Weißwein · Rheinhessen · Deutschland

Weinreich Bechtheim Riesling trocken ist ein charaktervoller, biozertifizierter Ortswein, der goldgelb im Glas leuchtet. Er vereint Tiefe und Ausdruck mit reifer Frucht und delikater Würze: Am Gaumen treffen saftiger Pfirsich und frischer Apfel auf eine feine Mineralität und sorgen für eleganten Schmelz.


Rheinhessen / Bechtheim

Das Weingut Weinreich liegt in Bechtheim in Rheinhessen. Die für die Bechtheimer Ortsweine selektierten Rieslinge stammen ausschließlich aus Spitzenlagen und stehen für Reife, Ausdruckskraft und eine klare Handschrift der Herkunft. Der Wein ist biozertifiziert (DE-ÖKO-022).

Rebsorte und Ausbau

Reinsortig aus Riesling. Der Ausbau als Ortswein betont die mineralische, fruchtbetonte und ausgewogene Stilistik der besten Bechtheimer Lagen. Trocken ausgebaut.

Im Glas

Leuchtendes Goldgelb. In der Nase reife Frucht und delikate Würze. Am Gaumen saftiger Pfirsich und frischer Apfel, getragen von feiner Mineralität und elegantem Schmelz; mineralisch, fruchtbetont und wunderbar ausgewogen, mit langem Abgang.

Am Tisch

Gut gekühlt bei 10–12 °C servieren – als eleganter Aperitif oder zum Essen.

Passt zu: Fisch, Meeresfrüchten, hellem Fleisch, Spargel und asiatischer Küche.


Lage: Rheinhessen, Bechtheim (Deutschland); Weingut Weinreich
Klassifikation: Ortswein – 100 % Riesling, trocken
Ausbau: mineralitäts- und fruchtbetont (selektierte Spitzenlagen)

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Weine

Quinta de la Quietud Reserva 2020 BIO

Rotwein · Toro · Tinta de Toro · Reserva · Bio

Quinta de la Quietud Reserva 2020 ist der Grand Vin des Hauses: 100 % Tinta de Toro von alten Buschreben, spontan vergoren und zwei Jahre im französischen Barrique gereift. Kraftvoll und tief, zugleich überraschend ausgewogen und elegant – mit dunkler Frucht, Lakritz und einer feinen mineralischen Note.


Toro

Quinta de la Quietud liegt rund zwei Kilometer südlich des Duero bei Toro (Castilla y León), auf 665 bis 700 Metern Höhe. Önologe Jean-François Hébrard, ein Franzose mit Bordeaux-Erfahrung, bewirtschaftet die Reben als Buschreben ohne Bewässerung, teils mit dem Pferd. Die Weinberge sind seit 2002 ökologisch zertifiziert (Öko-Kontrollstelle ES-ECO-016-CL).

Rebsorte und Ausbau

Reinsortig aus Tinta de Toro von Reben, die zwischen 1960 und 1988 gepflanzt wurden. Handlese in 15-kg-Kisten, Spontangärung ohne zugesetzten Schwefel im offenen Edelstahltank und zwei Wochen Maischestandzeit. Anschließend ruht der Wein sechs Monate im Tank auf der Feinhefe, bevor er 24 Monate in 225-Liter-Fässern aus französischer Eiche reift – höchstens ein Drittel davon neu.

Im Glas

Tiefes Kirschrot. In der Nase konfierte schwarze Früchte, Lakritz, feine Röstnoten von dunklem Kakao und ein Hauch Graphit. Am Gaumen dicht und saftig, mit weichen, gut eingebundenen Tanninen und belebender Säure – kraftvoll, aber nie schwer, mit großer Länge. Ein wenig Luft tut ihm gut.

Am Tisch

Bei 16–18 °C servieren; eine längere Belüftung im Dekanter lohnt sich. Mit großem Reifepotenzial.

Klassische Begleitung: Lamm, geschmorte Ochsenbacke, Wild und gereifter Manchego.


Lage: Toro, Castilla y León (Spanien); 665–700 m, Reben gepflanzt 1960–1988
Klassifikation: D.O. Toro – Reserva
Jahrgang: 2020
Ausbau: 6 Monate auf der Feinhefe, 24 Monate französische Eiche (max. 33 % neu)
Bio-Kontrollstelle: ES-ECO-016-CL

Mehr erfahren ...