Der Jahrgang 2021
Unsere Großmutter (83) arbeitet bereits seit den 50er Jahren regelmäßig im Weinberg. Für sie war 2021 witterungstechnisch ein ganz normales Jahr. Für unsere in den 90er Jahren geborene Generation hingegen war 2021 – nach drei warmen Jahren – ein eher außergewöhnlich kühles Jahr.
Dies verdeutlicht, was für einen großen Einfluss der Klimawandel bereits heute auf den Weinbau hat. So wurden extreme Hitze und Trockenheit über die letzten Jahre hinweg immer mehr zum neuen Normalzustand für uns als neue Winzergeneration. Nicht aber im Jahr 2021, hier stellten uns kühle Temperaturen und hohe Niederschlagswerte vor andere Herausforderungen.
Vegetationsperiode 2021
Das Jahr 2021 begann wechselhaft, wobei die Durchschnittstemperaturen von Januar bis März hinweg über dem langjährigen Durchschnitt lagen. Dies gilt insbesondere für den Februar, der allerdings zur Monatsmitte eine Kältephase mit Temperaturen bis unter – 10°C aufwies und gegen Monatsende deutlich zu warm wurde. Während der Kältephase kam es jedoch zu keinen Frostschäden an unseren Reben, da diese sich noch in der Winterruhe befanden.
Bis zum Mai lagen die kumulierten Niederschläge ähnlich hoch wie in den Vorjahren nahe am langjährigen Mittel. Dies führte dazu, dass die Wasserspeicher wieder aufgefüllt werden konnten. Der April und der Mai waren dann deutlich zu kalt, was zu einem verzögerten Austrieb zwischen dem 30.April und 10.Mai führte (zwei Wochen hinter 2020 und eine knappe Woche hinter dem langjährigen Durchschnitt). In dieser Phase brachen wir früh und gründlich überschüssige Triebe weg. So konnten wir eine luftige Laubwand gewährleisten, welche bei Niederschlägen schnell abtrocknet.
In der Folge war der Juni dann extrem regenreich. Nicht selten lagen die Niederschläge um ein Vielfaches höher als die Norm. Neben den intensiven Niederschlägen kletterte im Juni aber auch das Thermometer kräftig in die Höhe. Trotz Spitzentemperaturen um 35°C, kam es zu einer späten Vollblüte Mitte Juni. Durch die gezielte Entblätterung während der Traubenblüte erreichten wir eine leichte Verrieselung, was für lockerbeerige Trauben sorgte. Auf diese Weise konnten wir Botrytisinfektionen größtenteils vorbeugen, welche gerade in nassen Jahren durch das Abquetschen von Beeren bei zunehmendem Dickenwachstum entstehen.
Ganz vermeiden liesen sich Krankheiten in 2021 jedoch nicht. Die feucht-warme Witterung ab Juni bot ideale Bedingung für Peronospora (falscher Mehltau) und später auch Oidium (echter Mehltau). Generell verlangte uns der kühlnasse Sommer 2021 im Bereich Pflanzenschutz alles ab. So kamen wir beim Spritzen zeitweise kaum hinterher und konnten manche Weinberge aufgrund der hohen Niederschläge zeitweise nicht befahren. Diese hohe Arbeitsintensivität führte dazu, dass wir über den Sommer hinweg kaum Freizeit hatten und viel Zeit auf dem Traktor verbrachten. Darüber hinaus kostete uns dieser nasse Sommer, besser gesagt der Mehltau, trotz all der Arbeit einige Trauben.
Weinlese 2021
Ab Anfang August entspannte sich dann die Wetterlage und wir konnten uns während der gesamten Weinlese über traumhaftes Sommerwetter freuen. Der Entwicklungsrückstand infolge der späten Blüte konnte jedoch nicht aufgeholt werden. Die Weinlese verschob sich daher im Vergleich zu 2020 um zwei Wochen nach hinten. Der Herbst startete für uns am 9. September mit der Lese unserer Frühburgundertrauben. Da gerade beim Frühburgunder aufgrund des Wildfraß (Wespen, Bienen, etc.) ein hoher Selektionsaufwand notwendig ist, entschieden wir uns die Trauben zusätzlich durch die optische Sortiermaschine eines befreundeten Weinguts selektieren zu lassen.
Aufgrund der für die Kirschessigfliege günstigen Witterungs- bedingungen, in Verbindung mit der durch die gute Wasserversorgung auftretender Quetschfäule, tummelten sich allerhand Schädlinge auf den Trauben späterer Rebsorten. Dies förderte nicht nur Botrytis, sondern auch die Essigfäule. Um 100% gesundes Lesegut unserer Spätburgunder zu gewährleisteten entschieden wir uns daher für eine negative (Vor-)Lese. Dabei gingen durch den Weinberg und entfernten mit kleinen Büroklammern vorsichtig alle schlechten Beeren, was einen riesigen manuellen Aufwand erforderte. Durch diese Maßnahme konnten wir die gesunden Trauben länger reifen lassen. So erfolgte die Hauptlese unserer Spätburgunder ab dem 16. September und zog sich bis Anfang Oktober. Den Abschluss machte unser Riesling, welchen wir am 12. Oktober als letztes Nachhause holten.
Nach der Lese wurden alle Rotweine traditionell durch eine ca. 14-tägige offene Maischengärung vergoren. Um die Filigranität und Eleganz unserer Weine noch mehr zu betonen, entschieden wir uns dazu die Maische hauptsächlich zu überschwallen (Remontage) und nur punktuell zu stoßen (Pigeage). Wegen des kühlen Jahrgangs sowie des hohen Krankheitsdrucks in 2021 haben wir darüber hinaus darüber hinaus wenig bis keine Ganztrauben verarbeitet. Folglich haben wir den Großteil des Leseguts schonend entrappt.
Fazit 2021
Insgesamt war der 2021er Jahrgang im Rotweinbereich sehr herausfordernd und erforderte von uns ein hohes Maß an Akribie und Handarbeit im Weinberg. Wir sind sehr froh diese Extrameilen gegangen zu sein und freuen uns darauf, unsere 2021er Rotweine zu präsentieren. Diese zeichnen sich durch ihre Eleganz, Spannung und ein spannendes Säuregerüst aus. Dabei unterscheiden sie sich jahrgangsbedingt deutlich vom unserem 2020 Jahrgang und sind viel präziser und schlanker. Durch den im kühlen Jahr 2021 langen Reifeprozess bestechen unsere 2021er Rotweine mit tollen Aromen sowie einem einzigartigen Trinkfluss. Unsere Weine weisen ein großes Reifepotenzial auf und brauchen im Vergleich zum 2020 jedoch deutlich länger, um sich zu öffnen. Idealerweise sollten die Weine in den ersten Jahren dekantiert oder über mehrere Tage hinweg verkostet werden. Text: Weingut Baum-Barth








