Kulinarische Spontanität: Ein Abend im Restaurant Cuchara im belgischen Lommel
Spontane kulinarische Trips gehören ohne Frage zu den spannendsten und leckersten Erlebnissen. Plötzlich öffnet sich ein kurzfristiges Zeitfenster, man surft durchs Internet, lässt sich von Fotos und kleinen Kunstwerken auf diesen inspirieren und sucht genau nach jenen Köstlichkeiten, die einen medial sofort ansprechen. Da kurzfristige Reservierungen in der gehobenen Gastronomie in der Regel fast unmöglich sind, ist es ein besonderes Glück, wenn sich dann doch die Möglichkeit bietet, in einem Wunschrestaurant direkt einen Tisch zu ergattern. Hier verbindet sich die spontane Lust auf bestes Essen mit dem glücklichen Umstand, im Ort der Fress-Sehnsucht auch kurzfristig Platz zu finden.
Die Wahl fiel in diesem Fall auf das Restaurant Cuchara in Lommel, in der belgischen Provinz Limburg. Dieses wird von Jan Tournier geleitet, der das Cuchara 2009 in einem Familiengebäude eröffnete. Es ist bekannt für seine einzigartige Atmosphäre, die aus der Zusammenarbeit mit der Innenarchitektin Kathleen Simons entstand. Cuchara, was auf spanisch „Löffel“ bedeutet, und sinnigerweise auf der Lepelstraat (Löffelstrasse) liegt, zeichnet sich durch ein Interieur aus, das Naturmaterialien und Kunstwerke integriert, darunter einen Glasbaum von Jeroen Maes und ein Gemälde von Esther Barend. Jan Tournier, klassisch französisch ausgebildet und beeinflusst von moderner Küche sowie japanischen Aromen, kreiert ausgewogene Gerichte, die zu einem beeindruckenden Gesamterlebnis beitragen und ihm so zwei Michelin-Sterne einbrachten.
An diesem Abend ging es mit dem bekannten, umtriebigen Solinger Gastronomiekritiker Peter C. Kühne an die Teller, um die feinsten und gelungensten Kreationen im Cuchara zu verkosten. Er hatte das Feld im Vorhinein bereits medial bereitet, und so gerieten sein Empfang und die Aufmerksamkeit während des Dinners zu einem Happening der besonderen Art. Als Meister des humorvollen, scharfen Wortes und mit seiner fotografischen Detailverliebtheit wurden an diesem Abend jede Zutat und das gesamte Cuchara-Team einmal von links nach rechts gedreht und sehr genau unter die Lupe genommen. Fototermin und Interviews obendrauf – als begeisterter Zuschauer und Zuhörer dieses Schauspiels in zwölf Akten fühlt man sich in einer beeindruckenden, wenn auch sekundären Rolle. Diese ist jedoch durchaus komfortabel, da man so einfach nur der Beobachter ist und sich intensiver mit den genialen Kunstwerken auf den hübschen Tellern auseinandersetzen kann.
Und diese hatten es in sich. Jedes Gericht hier präsentierte sich als einzigartiges Highlight. Liebevoll präsentierte Häppchen aus erstklassigen Zutaten bilden hier ein stimmiges Gesamtkunstwerk, bei dem Optik, Produkt und Kombination perfekt zusammenpassen, wie die Schraube zur berühmten Mutter. Sie sind reduziert und stimmig, mit einem langen Nachgeschmack und werden immer vom richtigen Schuss Säure, Süße, Würze und Schärfe begleitet. Besonders spannend im Mundgefühl und am Gaumen werden die Kreationen durch den besonderen ‘Crunchy Moment’, hervorgerufen durch Zugaben wie zum Beispiel knackige Kichererbsen.
Das gesamte Serviceteam ist äußerst zuvorkommend und außerordentlich nett. Und dies wirkte nicht nur aufgrund der Prominenz aus dem Bergischen Land am Tisch so, sondern vom Herzen her natürlich nett. Die langsamen Beats der modernen Lounge-Musik und die auf Tischen und Kunstobjekten perfekt fokussierte Lichtkonzeption sorgten ebenfalls für ein Aha-Erlebnis und gute Stimmung.
So endete ein wunderbarer, köstlicher Abend mit der eigenen Gewissheit, dass gutes Essen immer eine Sünde und eine spontane Tour wert ist und dass man sich als gefühlter Beisitzer einer medial präsenten bergischen Persönlichkeit im Grunde genommen viel wohler in seiner Haut fühlt. 😄😄😄
Cuchara, Lepelstraat 3, 3920 Lommel, Belgien, Telefon: +32 11 75 74 35, https://cuchara.be/
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