Das Weinbaugebiet Abruzzen

Wein, Wildnis und Wohlgeschmack: Eine Entdeckungsreise durch die Abruzzen

Die Abruzzen scheinen anfällig zu sein für Verwechslungen. Anders ist es kaum zu erklären, dass viele Weintrinker beim Montepulciano immer nur an die Toskana denken. Und Pecorio? Ist das nicht ein strenger Käse? Ja, auch. Aber nicht nur. Doch alles der Reihe nach. Und vor allem schön gemächlich. Denn hier gehen die Uhren etwas langsamer, die Menschen nehmen sich Zeit – für gute Gespräche, ein feines Essen und natürlich den hervorragenden Wein der Region. Dieser wird geprägt von „mare e monti“, vom Gegensatz zwischen dem Adriatischen Meer und dem Höhenzug der Apenninen. Dieser, der sich durch ganz Italien zieht, erreicht hier mit dem fast 3000 Metern hohen Corno Grande seinen höchsten Gipfel. Solche Höhenluft werden die Reben allerdings niemals schnuppern, denn für sie ist bei höchstens 600 Metern Schluss – noch, muss man sagen, denn in Zeiten immer heißerer Sommer ist ein solches Höhenlagen-Backup immer eine gute Sache. In diesem Spannungsfeld zwischen Küste und Gebirge sind hohe Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht die Regel. Das klingt zunächst anstrengend für die Rebstöcke, begünstigt aber die Reifung und eine optimale Balance zwischen Säure und Zucker. Ohnehin könnte das Klima kaum besser sein: die Apenninen halten schlechtes Wetter aus dem Westen fern, Niederschläge sind ohnehin eher gering und die maritime Luft, die von Osten hereinweht, wirkt wie eine natürliche Klimaanlage.

Zwar wird in jeder der vier Provinzen Wein erzeugt, der Löwenanteil von über 80 Prozent entfällt allerdings auf die Provinz Chieti direkt an der Adriaküste. Dort gedeihen die Rebstöcke auf Sand und Kies, weiter im Landesinneren dann auf Lehm, dessen Kalksteinanteil ansteigt, je weiter man sich Richtung Gebirge bewegt, und den Weinen nicht selten eine unerwartete Mineralik verleiht. Das nahe Beieinanderliegen von malerischen Sandstränden, sanften, grünen Hügeln, die hier liebevoll „colline dolce“ genannt werden, und kargem, oft schneebedecktem Hochland ist es, was die Abruzzen zu einer der landschaftlich vielfältigsten Regionen Italiens macht. Ein großer Teil, besonders im bergigen Hinterland, ist nach wie vor fast frei von menschlichen Eingriffen und präsentiert sich sehr ursprünglich. Damit dies auch so bleibt, stehen ein Drittel der Abruzzen unter Naturschutz und bieten wilden Tieren wie Wölfen, Luchsen und Braunbären eine Heimat – sicherlich auch ein Grund dafür, weshalb Weinbau hier auf „nur“ 30 000 Hektar betrieben wird, was sich gegen andere italienische Regionen wie Venetien oder Sizilien recht gering ausnimmt. 

Man liegt sicher nicht falsch damit, wenn man feststellt, dass die Abruzzen eine der unbekanntesten der 20 italienischen Regionen ist. Das hat entsprechende Auswirkungen auch auf das Wein-Portfolio, dem besonders im Ausland häufig nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wird, die ihm eigentlich gebühren würde. Es kann aber auch damit zusammenhängen, dass einiges an informativer Vorarbeit geleistet werden muss, will man die Genuss-Eigenheiten dieses Landstrichs genau erfassen. Blicken wir also zunächst einmal auf das Aushängeschild des hiesigen Weinbaus, den autochthonen Montepulciano d’Abruzzo, der mehr als die Hälfte der Rebfläche für sich beansprucht. Er ist häufiges Opfer einer Verwechslung mit dem ungleich bekannteren, toskanischen Vino Mobile de Montepulciano, der allerdings nach seinem Herkunftsort benannt ist und aus Sangiovese gekeltert wird. Anders als dieser bringt der Montepulciano d’Abruzzo keine Spitzengewächse hervor, sondern hauptsächlich unkomplizierte Tropfen für den Alltag – geeignet eher für den Abend, denn der Alkoholgehalt liegt mit durchschnittlich 14 Prozent doch im höheren Bereich. Seine eher zurückhaltende Säure und der Geschmack nach Kirschen, roten Beeren und Pflaumen harmonieren perfekt mit fast allen Klassikern der mediterranen Küche. Erblickt man einen Hang mit südlicher Ausrichtung, kann man sich fast sicher sein, dass dieser mit Montepulciano bepflanzt ist, denn die Rebe ist ausgesprochen sonnenliebend – so sehr, dass sie im kühleren Norden Italiens gar nicht angebaut wird. Obwohl er für den baldigen Konsum gedacht ist und in den ersten drei bis vier Jahren nach Abfüllung am besten schmeckt, können durch den verhältnismäßig hohen Tanningehalt manche Vertreter auch bis zu zehn Jahre gelagert werden. Immer noch gilt er durch seine leichte Zugänglichkeit als idealer italienischer Restaurant-Wein, auch wenn ihm in Deutschland in den vergangenen Jahren der Primitivo etwas den Rang abgelaufen hat. 

Sein kräftiges Rubinrot war wohl auch Anregung für den Rosé der Region, sich eine deutlich dunklere Farbe zuzulegen, als man von Vertretern dieses Weinstils allgemein erwarten würde. Cerasuolo ist sein Name, was vom Dialektwort „cerasa“ für Kirsche herrührt und so viel bedeutet wie kirschroter Wein – eine Tönung, die er einer 24stündigen Mazeration auf den extrem farbstoffreichen Schalen des  Montepulciano verdankt. Dabei gilt der Cerasuolo, den man auch in anderen Regionen MIttel- und Süditaliens kennt, noch als die hellere Variante – die dunklere wird als Chiaretto bezeichnet. Vorgeschrieben sind mindestens 85 Prozent Montepulciano d’Abruzzo, was ihm dann neben einem intensiven Bukett nach Kirschen, Erdbeeren und Rhabarber auch einen würzig-rauchigen Beigeschmack und eine zarte Mandelnote im Abgang verleihen kann. Vom leichten deutschen Spätburgunder-Rosé oder den blassrosafarbenen Tropfen aus der Provence ist er ziemlich weit entfernt und durchaus in der Lage, nicht nur als sommerlicher Terrassenwein zu glänzen, sondern auch deftige Speisen zu begleiten, etwa einen Pecorino, den kräftigen Rohmilchkäse. 

Womit wir bei der zweiten Verwechslung wären, die sich dieses Mal auf dem Gebiet der Weißweine zuträgt. Hier kennt man nämlich auch einen Pecorino, und die Namensherkunft beider geht tatsächlich auf denselben Ursprung zurück. Im Italienischen ist „pecora“ nämlich das Schaf, und während der Käse aus der Milch ebenjener Schafe hergestellt wird, galten die Trauben in alten Zeiten als Leckerbissen, der von den in den Weinbergen weidenden Tieren zur Zeit der Reife begierig gefressen wurde. Warum in alten Zeiten? Nun, der Pecorino war lange Jahre komplett von der Bildfläche verschwunden. Nur alte Schriftstücke zeugten noch von der Existenz der Traube, die einst von den Griechen ins Land gebracht worden war, bis ein Winzer sie Anfang der 80er zufällig in einem uralten Weinberg wiederentdeckte. Die hohen Ansprüche, die der Pecorino an die Lage stellt, seine Empfindlichkeit zu hoher Sonneneinstrahlung gegenüber und die eher geringen Erträge waren für seine Renaissance zunächst ein echtes Hindernis, aber der sehr charakteristische Wein fand schnell Liebhaber der Tatsache, dass sich bei ihm jede Erwartungshaltung in Luft auflöst. Er verblüfft mit leicht salzigen floralen Noten von Jasmin und Akazie, wobei das Aromenspektrum sich eher auf der würzig-kräuterigen als der fruchtigen Ebene bewegt. Das Säurelevel wie auch die Mineralität sind für einen italienischen Weißen erstaunlich hoch, und schon einige Male hat man ihn salbungsvoll als „Riesling der Adria“ bezeichnet. Ohne Zweifel gehört der Pecorino, der außer in den Abruzzen nur noch in den angrenzenden Marken in nennenswertem Umfang angebaut wird, zu den bemerkenswertesten Rebsorten des Landes. Und Profis schwören sogar, dass er blind verkostet häufig für einen Rotwein gehalten werden könnte.

Einen ähnlich kometenhaften Aufstieg hat die Cococciola hingelegt, auch wenn sie noch eher unter dem Label „Geheimtipp“ rangiert als der Pecorino. Die spät reifende Traube wurde lange Zeit – wie der Großteil der abbruzzesischen Weinproduktion – nur für den Verschnitt mit Weinen von außerhalb genutzt, mausert sich aber immer mehr zum interessanten Solisten, der mit Primärfrucht nach Pfirsich und Birne und betörender Kräuteraromatik, insbesondere einer feinen Salbeinote aufwartet. Auch die Cococciola bringt eine frische Säure mit und ist damit genau das Richtige für alle, die in italienischen Weißen sonst ein bisschen die Spannung vermissen.

Während die vorigen eher als Nischenprodukte für Weinfreaks auf der Suche nach dem Besonderen gelten können, ist der Trebbiano d’Abruzzo neben dem Montepulciano der zweite große Name in der Weinwelt Abruzzens – aber auch ganz Italiens, dessen meistangebauter Weißwein zu sein der Trebbiano für sich verbuchen darf. Bereits seit 500 Jahren ist er hier in der Mitte des Stiefels beheimatet, und man schätzt ihn vor allem für seine zuverlässig hohen Lesemengen. Dieser Umstand gereicht ihm leider nicht immer zur Ehre, denn der Großteil des Lesegutes wird zu leichten, wenig komplexen So-nebenbei-Weinen verarbeitet. Reduziert man allerdings die Erträge und baut den Wein im Fass aus, kann er eine erstaunliche Finesse erreichen und perfekt das Terroir widerspiegeln, dem er entstammt. Der sortentypisch eher neutrale Geschmack wird dann mit Aromen von weißem Pfirsich, Zitrus und grünem Apfel angereichert. 

Apropos angereichert: profitiert hat man seit jeher von der Nähe zu Rom, das von der Grenze der Abruzzen gerade mal 100 Kilometer entfernt liegt. Mussten viele weiter entfernt liegende Weinbaugebiete, besonders jene in Oberitalien, erst anderen Volksstämmen entrissen werden, gehörten die Abruzzen praktisch zum Kernland des Römischen Reiches und wurden schon lange vor Christus von den Römern bewirtschaftet. Auch deshalb finden sich bemerkenswert viele literarische Zeugnisse über den dortigen Wein, dem sowohl das Potential zur Stärkung der vielen Soldaten als auch ein ausreichendes Niveau attestiert wurde, um an den reich gedeckten Tafeln der Patrizierfamilien ausgeschenkt zu werden. Diese Entwicklung fand ihr jähes Ende, als Kaiser Domitian sein fatales Edikt erließ: um den in allen Teilen des Reiches ausufernden Weinbau einzudämmen, der sich nachteilig auf die Qualität auswirkte und darüber hinaus die Versorgung mit anderen landwirtschaftlichen Gütern wie Getreide gefährdete, befahl er massive Rodungen. Versetzte dies den Abruzzen schon einen herben Schlag, kamen sie durch die bald darauf einsetzende Völkerwanderung vollends zu Fall: über Jahrhunderte versank er im Dunkel der Geschichte. Erst die ordnende Hand der Klöster ebnete den Abruzzen im Hochmittelalter den Weg zu einer zweiten weinbaulichen Blüte: neben dem Hauptexportgut Wolle fand auch der Rebensaft im Königreich Neapel, zu dem die Abruzzen viele Jahrhunderte lang als dessen nördlichste Provinz gehörten, guten Absatz.

Heutzutage liefert die Region ein eher uneinheitliches Bild: es dominieren riesige Genossenschaften, die zum großen Teil einfache, günstige Weine ohne besonderen Wiedererkennungswert produzieren. Sehr laxe behördliche Vorgaben begünstigen unerfreuliche Rekorde dabei zusätzlich, denn nur durch ein fehlendes übergeordnetes Qualitätsmanagement sind groteske Hektarerträge von bis zu 140 Hektolitern überhaupt möglich. Nicht wenige Winzer aber haben in den vergangenen Jahrzehnten diesem System den Rücken gekehrt und sind ihren eigenen Weg gegangen: für sie steckt in den Reben und den Böden zu viel Potential, als dass man sein Licht unter den Scheffel stellen müsste. Das Winzerhandwerk ist in der Tat eine der nicht allzu vielen Zukunftsperspektiven einer Region, die wie viele ländlich geprägte Teile Italiens unter einer Abwanderung junger Menschen leiden – was durch verheerende Naturkatastrophen wie das Erdbeben von 2009, das die Hauptstadt L’Aquila zum großen Teil zerstörte, noch befördert wird. Ein nicht geringer Teil des Geldes, der von der Regierung für den Wiederaufbau der mittelalterlichen Altstadt gedacht war, verschwand in den Taschen der Mafia. Wer konnte, suchte sein Glück woanders und überließ die ohnehin schon einsam-verschlafenen Abruzzen der Überalterung und dem langsamen Verfall. Doch muss es trotz allem einen Grund dafür geben, dass seit Jahrzehnten brachliegende, völlig verwilderte Weinberge das Interesse einer neuen Winzergeneration wecken, die sich vor allem aus Quereinsteigern speist. Ist es die geringe Konkurrenz, die ein Herumexperimentieren ohne enormen Preisdruck ermöglicht? Abenteuerlust und Pioniergeist, die sich in dieser wilden Gegend besser ausleben lassen als im verstädterten Rest Italiens? Oder sind es die liebenswerten Traditionen rund ums Thema Genuss, die nach wie vor höchste Wertschätzung ausdrücken für die Arbeit alljener, die Oliven, Getreide, Fleisch und eben Wein erzeugen? 

Will man eine solche perfekte Symbiose von Wein und Kulinarik erleben, untermalt von liebenswertem Brauchtum und selbstloser Gastlichkeit, besucht man am besten eine der Sagras, die über das Jahr verteilt in fast jedem Örtchen stattfinden. Eine derartige Veranstaltung als Dorffest zu beschreiben, wird ihr jedoch kaum gerecht. Darauf weist schon der Name hin, der vom lateinischen „sacrum“ herrührt, was so viel wie „heilig“ bedeutet. Damit ist nicht nur gemeint, dass diese Festivität mit ihrem obligatorischen Feuerwerk als krönendem Abschluss für viele Einwohner den stolzen Höhepunkt des gesamten Jahres darstellt. Auch der Anlass ist weniger das profane Bedürfnis nach einem von Völlerei und Ausschweifung geprägten Wochenende: häufig begeht man den Namenstag des lokalen Schutzpatrons und zelebriert im Zuge dessen das Gemeinschaftsgefühl – vordergründig christliches Brauchtum vermengt sich dabei mit deutlich älteren, noch in heidnischer Zeit wurzelnden Riten. Früher war es für die im Umland lebenden Bauern die Gelegenheit, das harte Tagewerk einmal ruhen zu lassen und stattdessen selbst die Früchte ihrer Arbeit zu genießen. „Früchte“ kann hier durchaus im Wortsinn verstanden werden, denn bei einer Sagra steht meist ein bestimmtes Obst, Gemüse oder Fleisch im Mittelpunkt. Das können Bohnen sein, Esskastanien, Kirschen und Oliven oder auch Wildschwein und Hase. Und so ist die liebenswerte Mischung aus Erntedank, musikuntermalter Kostümparade, dörflicher Leistungsschau und Gourmetfestival eine Feier des Lebens, wie man sie in dieser herzlichen Ausgelassenheit nur selten findet.

Wo wir gerade beim Thema sind: was isst man klassischerweise zu den Tropfen der Abruzzen? Wie in anderen Weinbaugebieten auch gilt hier, dass sich Wein und Speisen über Jahrhunderte gemeinsam entwickelt haben und sich daher gegenseitig perfekt ergänzen. Typisch ist der Fokus auf wenige, dafür aber sehr frische Produkte. Allgemein lassen viele Rezepte noch ihre Entstehung in einer ländlich und bäuerlich geprägten Umgebung durchschimmern, etwa die deftigen Arrosticini. Hierfür schneidet man Schaffleisch in Stücke und mariniert es in mit rotem Sulmona-Knoblauch und Majoran versehenem Olivenöl. Auf einem speziellen Grill, breit und sehr schmal in der Form, wird es dann gebraten. Die Tradition stammt noch aus einer Epoche, als mit ihren Herden im Gebirge umherziehende Viehhirten im Freien lebten und auf kaum andere Nahrung zurückgreifen konnten als jene, die ihre Tiere ihnen boten – auch, weil Felderwirtschaft hier aufgrund der geografischen Gegebenheiten lange Zeit kaum möglich war. Klingt dieses Gericht noch vergleichsweise harmlos gewürzt, braucht man für viele andere eine gewisse Schärfetoleranz. Eine der liebsten Zutaten ist den Einheimischen nämlich der Peperoncino, was übersetzt „kleine Paprika“ heißt, aber eine Chili meint. Man verwendet sie bevorzugt getrocknet, und wer schon einmal in einem traditionellen italienischen Feinkostgeschäft war, wird sich an die leuchtend roten Bündel erinnern, die dort von der Decke hängen. Die beliebteste Sorte heißt nicht ohne Grund „Diavoletto“, Teufelchen, und besonders in den heißen Sommern schätzt man sie, weil sie durch ihre Feurigkeit den Schweißfluss anregen und damit zur Abkühlung beitragen. Zum Einsatz kommen sie auch im regionaltypischen Pastagericht, das die Abruzzen trotz ihrer langen geografischen Isolation genauso kennen wie der Rest des Landes. Spaghetti alla chitarra werden sie genannt, weil das Werkzeug zur Herstellung der Nudeln optisch stark an eine Gitarre erinnert. Es verleiht ihnen eine poröse Oberfläche, die sich perfekt dazu eignet, ein Maximum an Soße aufzunehmen, etwa eine „all’amatriciana“ aus den omnipräsenten Tomaten, ergänzt um Räucherspeck, Peperoncini und Pecorino – also dem Käse, nicht dem Wein. 

So einfach die Küche der Abruzzen auf den ersten Blick wirkt, sie hält auch einige Überraschungen bereit. Denn obwohl außer vielleicht das hügelige Hinterland wenig an Toskana oder Piemont denken lässt, finden sich hier genauso wie dort feinste Trüffel in allen Variationen: der Burgunder- ebenso wie der schwarze Périgord- und sogar der weiße Albatrüffel. Und auch ein Gewürz, dass in Deutschland allenfalls in homöopathischen Dosen verwendet wird, hat in Abruzzen jeder Koch bei der Hand: den Safran, der in seiner Rohform als blühender Krokus die ansonsten ausgestorben wirkende Hochebene von Navelli mit einem violetten Teppich überzieht. Besonders Fischgerichten wie dem Brodetto verleiht er seine goldgelbe Farbe und leicht bitteren Geschmack. Und wirklich vollkommen ist das kulinarische Erlebnis um Spezialitäten wie Dornhai, Rochenflügel und Tintenfisch, wenn man in einem Trabucco speist, einer auf Stelzen ins Meer hinein gebauten Holzhütte, ehemals die windschiefe Behausung armer Fischer, heute hipper Gourmet-Treffpunkt.

Doch die 130 Kilometer lange Küstenlinie mit ihren malerischen Stränden ist nur eine Momentaufnahme, kann über die sich immer wieder ins Bewusstsein drängende Dominanz der Berge nicht hinwegtäuschen. Kaum zu glauben, dass man dort oben, gefühlt am Rande der Welt, nur anderthalb Stunden Autofahrt vom pulsierenden Rom entfernt sein soll. Man könnte glauben, sich im tiefsten Zentralasien zu befinden: so weit das Auge reicht Hochplateaus, die in weiten Teilen kaum zugänglich sind, und wenn, dann nur mit Führer oder Sondergenehmigung. Besonders zugänglich sind dafür aber die Weine – kaum eine größere Runde, die man mit Montepulciano oder Trebbiano nicht zufriedenstellen könnte. Auch wenn nach wie vor über die Hälfte der Erträge gar nicht den Weg in die Flasche findet, sondern in Fässer gefüllt und als sehr preisgünstiger Gastro-Wein rund um den Globus geschippert wird, ist die Anzahl der Jungwinzer in letzter Zeit stark gewachsen, das Preisniveau aber immer noch niedrig. Erfreulicherweise spielen für die meisten ambitionierten Weinbau-Neulinge internationale Sorten wie Merlot oder Chardonnay kaum eine Rolle. Neben den beiden zuverlässigen Zugpferden der Region sind es nämlich vor allem die unbekannteren Reben, die den Reiz Abruzzens ausmachen und in deren unangepasstem Geschmack man die Unverfälschtheit der Landschaft geradezu auf der Zuge spürt. Text: Dario Sellmeier

Blog per E-Mail abonnieren

Keine Beiträge mehr verpassen.

Entdecke unsere Weine

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Weine

Kühling-Gillot Pettenthal Riesling Großes Gewächs 2024 BIO

Weißwein · Nierstein (Rheinhessen) · Riesling (Großes Gewächs)

Riesling Niersteiner Pettenthal VDP.Großes Gewächs Kühling-Gillot Roter Hang · Nierstein roter Tonschiefer (Rotliegendes) steilste Lage Rheinhessens BIO (DE-ÖKO-006) · 2024

Der Kühling-Gillot Niersteiner Pettenthal Riesling GG 2024 stammt aus der ersten historischen Lage des Guts am Roten Hang – der steilsten Lage Rheinhessens. Ein tiefgründiger Riesling vom roten Tonschiefer, der wie kaum ein anderer für großes Rieslingterroir steht.


Niersteiner Pettenthal – steilste Lage Rheinhessens

Das biologisch arbeitende Weingut Kühling-Gillot von Carolin Spanier-Gillot und H. O. Spanier in Bodenheim zählt zu den führenden Adressen am Roten Hang bei Nierstein (DE-ÖKO-006). Das Pettenthal ist eine VDP.Große Lage auf 90 bis 170 Metern, mit einer imposanten Neigung von 70 bis 100 %; die klassifizierte Fläche misst 20,62 Hektar, der rote Tonschieferboden prägt ihren Charakter.

Das Pettenthal ist die erste historische Lage des Guts im Roten Hang: Ende der 1980er Jahre erwarb Carolins Vater einige Rebzeilen, als das anspruchsvolle Steilgelände vielen als zu mühsam galt. Rückblickend erwies sich das als Glücksfall – die Parzelle ist die steilste Lage in ganz Rheinhessen. Heute bewirtschaftet das Gut 110 Zeilen im Filetstück dieser einzigartigen Herkunft.

Jahrgang 2024 – Roter Hang (Rheinhessen)

2024 war in Rheinhessen ein kühlerer, anspruchsvoller Jahrgang, der Präzision im Weinberg belohnte. Die extreme Steillage und die wärmespeichernden Tonschiefer-Böden sicherten reifes Lesegut, während das kühle Jahr für Frische und Säurespannung sorgte – Tiefe und Eleganz zugleich.

Ausbau

Trockener Riesling, VDP.Großes Gewächs aus dem Niersteiner Pettenthal, Jahrgang 2024; 100 % Riesling von rotem Tonschiefer.

Nach strenger Handlese wird der Most spontan vergoren und behutsam im Stil des Guts ausgebaut, ganz auf Tiefe, Würze und die Prägung des roten Tonschiefers ausgerichtet. Biologischer Anbau (DE-ÖKO-006).

Im Glas

Ein tiefgründiger, würziger Riesling: gelbe und rote Frucht, dazu Zitrus, Orangenzeste, feine Kräuterwürze und die markante, salzig-mineralische Prägung des roten Tonschiefers. Am Gaumen straff und druckvoll, mit lebendiger Säure, kühler Struktur und einem langen, würzig-mineralischen Nachhall.

Gelbe und rote Frucht über Zitrus, Orangenzeste und feiner Kräuterwürze, mit der salzig-mineralischen Prägung des roten Tonschiefers – straff und druckvoll, mit lebendiger Säure und langem, würzigem Nachhall.

Ein tiefgründiger, langlebiger Rotliegend-Riesling; jung gern dekantieren. Bei 11–13 °C servieren.

Am Tisch

Zu kräftigem Fisch und Meeresfrüchten, zu Geflügel und Kalb in würziger Sauce, zu asiatischer Küche sowie zu gereiftem Hartkäse.


Lage: Niersteiner Pettenthal (VDP.Große Lage), Roter Hang, Rheinhessen; 90–170 m, 70–100 % Neigung (steilste Lage Rheinhessens); roter Tonschiefer; klassifizierte Fläche 20,62 ha
Klassifikation: Riesling, VDP.Großes Gewächs, Rheinhessen (trocken); 100 % Riesling
Ausbau: strenge Handlese, Spontangärung, behutsamer Ausbau im Stil des Guts; biologisch, DE-ÖKO-006

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Rebsorten

Le Moine Volnay Les Caillerets 1er Cru 2020

Rotwein · Volnay 1er Cru · Pinot Noir

Pinot Noir Volnay 1er Cru Les Caillerets Côte de Beaune Lucien Le Moine Élevage auf Vollhefe 100 % neues Holz · unfiltriert 2020

Der Lucien Le Moine Volnay Les Caillerets 1er Cru 2020 stammt aus dem feinsten Cru von Volnay – ein eleganter, mineralischer Pinot Noir mit delikater Frucht und steiniger Würze. Lange auf der Vollhefe ausgebaut, vom Fass unfiltriert gefüllt. Eine echte Rarität in winziger Stückzahl.


Volnay Les Caillerets – der feinste Cru von Volnay

Volnay bringt die elegantesten, feinsten Rotweine der Côte de Beaune hervor – reine Pinot Noirs von kalkreichen, gut dränierten Osthängen zwischen Pommard und Meursault, bekannt für Finesse statt Kraft. Les Caillerets gilt als der vornehmste Premier Cru der Appellation: Der hohe aktive Kalkanteil bei vergleichsweise wenig Ton verleiht den Weinen eine seidige Textur und mineralische Spannung, die oft mit Chambolle-Musigny verglichen wird.

Bei Lucien Le Moine wird daraus ein besonders herkunftsgenauer 1er Cru: Mounir Saoumas Ausbau betont Reinheit, Textur und Mineralität – kaum ein Winzer versteht es wie er, das gebündelte Terroir des Burgunds in die Flasche zu bringen. Jeder Wein ein Unikat, voller Eigenständigkeit und Mineralität, in nur kleiner Stückzahl.

Jahrgang 2020 – Côte de Beaune

2020 brachte an der Côte de Beaune reife, konzentrierte und zugleich frische Rotweine mit tiefer Frucht, feiner Säure und großer Energie. In einem feinen Cru wie Caillerets ergibt das einen dichten, jugendlich-kraftvollen und zugleich seidigen Volnay mit großem Reifepotenzial – im texturbetonten Stil des Hauses.

Ausbau

Reinsortiger Pinot Noir aus dem Jahrgang 2020, Volnay Les Caillerets 1er Cru, trocken.

Lucien Le Moine ist ein reiner Élevage-Spezialist: Der fertig vergorene Wein wird von einem ausgesuchten Erzeuger übernommen und lange auf der Vollhefe ausgebaut – ohne Abstich, mit später, hinausgezögerter malolaktischer Gärung und minimalem Schwefel; Mounir Saouma lässt dem Élevage gern „zwei Sommer" Zeit. Ausbau in 100 % neuem Holz (feinporige Jupilles-Eiche), Abfüllung direkt vom Fass ohne Schönung und Filtration. Sehr kleine Stückzahl.

Im Glas

Der kalkreiche Caillerets-Hang prägt einen besonders feinen, eleganten Volnay: helle rote Frucht wie Himbeere und Kirsche, florale Nuancen und eine steinig-mineralische Würze. Aus dem warmen, reifen Jahrgang 2020 gewinnt er Dichte und Substanz, die das lange Vollhefelager und das neue Holz in eine seidige, vielschichtige Textur einbinden. Am Gaumen kraftvoll und doch fein gezeichnet, mit feinem Tannin, salziger Frische und einer luftigen, langen Linie.

Helle rote Frucht, florale und steinige Würze – seidig und fein, mit salziger Frische und luftiger Länge.

Benötigt Zeit; in der Jugend großzügig dekantieren. Großes Reifepotenzial über viele Jahre. Bei 16–18 °C servieren.

Am Tisch

Zu Ente und Geflügel, zu Reh und Lamm in feiner Sauce, zu Trüffel- und Pilzgerichten sowie zu gereiftem Weichkäse.


Lage: Volnay Les Caillerets 1er Cru, Côte de Beaune (Burgund, Frankreich); kalkreicher Osthang zwischen Pommard und Meursault, gut dräniert
Klassifikation: Premier Cru, Pinot Noir (trocken)
Ausbau: reiner Élevage (Micro-Négoce); lange auf der Vollhefe ohne Abstich, späte Malo, minimaler Schwefel, 100 % neues Holz (Jupilles), unfiltriert vom Fass; winzige Menge

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Spanien

Allegranza Tempranillo

Rotwein · Vino de la Tierra de Castilla · Tempranillo

100 % Tempranillo Vino de la Tierra de Castilla 600 bis 800 m Reben über 30 Jahre Handlese 3 Monate französische Eiche vegan

Hammeken Cellars Allegranza Tempranillo ist ein trockener Rotwein aus Zentralspanien. Der reinsortige Tempranillo von über 30 Jahre alten Reben wächst auf der Hochebene von Kastilien-La Mancha und reift rund drei Monate in französischer Eiche. Im Glas klares Rubinrot mit violetten Reflexen, ein intensives Bukett aus roten Beeren, Pflaumen und schwarzen Kirschen – vollmundig, mit weichen Tanninen.


Die Hochebene von Kastilien-La Mancha

Der Allegranza trägt die Herkunftsangabe Vino de la Tierra de Castilla, die die Weinbaugebiete von Kastilien-La Mancha südöstlich von Madrid umfasst – die größte zusammenhängende Rebfläche der Welt. Die Reben stehen auf der zentralspanischen Meseta zwischen 600 und 800 Metern Höhe.

Das Klima ist ausgeprägt kontinental: heiße, trockene Sommer mit Temperaturen über 35 Grad, kalte Winter mit Frost, dazwischen kaum Niederschlag. Was diese Bedingungen erträglich macht, ist die Höhe. Sie sorgt für kühle Nächte und damit für große Tag-Nacht-Unterschiede – die Trauben reifen in der Sonne aus, behalten in der Nacht aber ihre Säure. Die kalkhaltigen Ton- und Sandböden speichern die Winterfeuchte und geben sie über den regenlosen Sommer an die Wurzeln ab.

Tempranillo heißt in dieser Region traditionell Cencibel und ist hier seit Jahrhunderten die bestimmende rote Sorte. Alte Anlagen stehen oft als Buschreben ohne Bewässerung; sie tragen wenig, aber konzentriert. Die Trauben für diesen Wein stammen von Stöcken mit über dreißig Jahren. Hammeken Cellars wurde 1996 vom Dänen Nicholas Hammeken gegründet, sitzt in Jávea in der Provinz Alicante und arbeitet mit Partnerbetrieben in zahlreichen spanischen Anbaugebieten.

Handlese, Stahlgärung, drei Monate Holz

Reinsortiger Tempranillo, von Hand gelesen. Die Gärung erfolgt temperaturkontrolliert im Edelstahl – kühl geführt, damit die Frucht im Wein bleibt und nicht in der Gärluft verloren geht.

Es folgen rund drei Monate in französischer Eiche. Diese kurze Zeit ist bewusst gewählt: Sie rundet die Gerbstoffe und legt eine feine Röstnote an, ohne die Frucht zu überdecken – das Gegenteil des klassischen spanischen Barriqueausbaus über ein oder zwei Jahre. Französische statt amerikanischer Eiche verstärkt diesen Effekt, weil sie weniger Vanille und Kokos abgibt. Geschönt wird ohne tierische Hilfsstoffe, der Wein ist vegan.

Im Glas

Klares Rubinrot mit violetten Reflexen. In der Nase ein intensives Bukett aus roten Beeren, Pflaume und schwarzer Kirsche, dazu Gewürze und eine markante Eukalyptusnote. Am Gaumen vollmundig und dicht, mit saftiger Frucht, feinen Röstnoten und weichen Tanninen. Langer Abgang.

Drei Monate Holz statt zwölf: gerade genug, um die Tannine zu runden, zu wenig, um die Frucht zuzudecken.

Bei 16–18 °C servieren. Dekantieren ist nicht nötig, eine halbe Stunde offen im Glas reicht. Jung zu trinken, solange die Frucht im Vordergrund steht.

Am Tisch

Klassische Begleitung: Lammragout, Schmorgerichte, Couscous mit Fleisch und Hartkäse. Ebenso zu Gegrilltem, Chorizo, Paprikagemüse und allem mit Röstaromen – ein zugänglicher, fruchtbetonter Tempranillo für herzhafte Küche, nicht für filigrane Gerichte.


Produzent Hammeken Cellars, Jávea, Provinz Alicante
Rebsorte 100 % Tempranillo
Lage Kastilien-La Mancha · Hochebene auf 600 bis 800 m · kalkhaltige Ton- und Sandböden
Klassifikation Vino de la Tierra de Castilla · trocken
Vinifikation Handlese · temperaturkontrollierte Gärung im Edelstahl · vegan
Ausbau rund drei Monate in französischer Eiche
Rebenalter über 30 Jahre
Trinkempfehlung jung trinken

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Rebsorten

Von Winning Chardonnay Royal 2024

Weißwein · Pfalz · Chardonnay

Chardonnay VDP.Gutswein von Winning · Deidesheim Ruppertsberg · Mittelhaardt trocken Tonneau & Feinhefe 2024

Der von Winning Chardonnay Royal 2024 stammt von mehreren Parzellen in der Ruppertsberger Ebene. Er wird in gebrauchten Tonneaus vergoren und auf der Feinhefe ausgebaut. Der Pfälzer Jahrgang 2024 brachte feine Frucht, prägnante Säure und moderate Alkoholwerte. Das gibt diesem Einstiegs-Chardonnay eine kühle, straffe Linie.


Ruppertsberger Ebene – Sand, Lehm und Kalk am Haardtrand

Ruppertsberg grenzt im Süden an Deidesheim und gehört zur Mittelhaardt. Rund 400 Hektar Reben wachsen hier auf wechselnden Böden aus Stein, Sand, Löss und Lehm. Eine geologische Besonderheit liegt im Untergrund: Als sich das Haardtgebirge hob, wurde eine Scholle tertiärer Kalkablagerungen nach oben gedrückt. Deshalb ist Kalk in die sandig-lehmigen Böden eingestreut. Die Parzellen für den Royal verbinden Lehm, Sandstein und Kalk.

Klimatisch liegt die Mittelhaardt im Regenschatten des Pfälzerwalds. Die Station Neustadt an der Weinstraße misst rund 600 mm Jahresniederschlag bei etwa 11 °C Jahresmittel. In klaren Nächten fließt die Kaltluft von den Hängen der Haardt in die Ebene ab. Die flacheren Rebflächen kühlen deshalb nachts stärker aus als die Hanglagen. Für Chardonnay bedeutet das mehr Säureerhalt, im Frühjahr aber auch mehr Frostrisiko.

Die Keller von Winning in Deidesheim reichen bis 1849 zurück, zu Leopold von Winning. Unter Stephan Attmann setzt das Gut bei Riesling wie bei den Burgundersorten auf Holzausbau. Die Chardonnay-Linie ist gestaffelt: Royal, Imperiale und der „500“, darüber die Erste-Lage-Weine Herrenletten, Herzog, Bürgergarten und Paradiesgarten.

Jahrgang 2024 – Pfalz: Frost, Regen, klassische Säure

Ein milder Winter ließ die Reben früh austreiben. In den Nächten auf den 22. und 23. April kam Luftfrost über die deutschen Weinbaugebiete, die Triebe waren da schon weit entwickelt. In der Pfalz traf es vor allem junge Triebe und Knospen, trotz Frostkerzen blieben in einzelnen Lagen Schäden. Rheinhessen und die Pfalz kamen aber deutlich glimpflicher davon als die nördlichen Anbaugebiete.

Das erste Halbjahr war ungewöhnlich nass und kühl. Echter und Falscher Mehltau setzten die Reben unter Druck. Das üppige Wachstum verlangte viel Laubarbeit. Die Blüte begann verzögert und zog sich lange hin. Danach folgte ein heißer, trockener Sommer. Am 19. August wurden in der Pfalz die ersten Trauben für Federweißen gelesen. Die Reife lag zeitlich zwischen 2022 und 2023. Nach einem Wetterumschwung verlief die Hauptlese schnell und endete früh.

Die Pfalz erntete 2024 rund 2,23 Millionen Hektoliter Weinmost. Das DLR Rheinpfalz ordnet den Jahrgang als klassisch ein, vergleichbar mit den 1990er- und 2000er-Jahren: feine Fruchtaromatik, prägnante Säure, niedrige Alkoholwerte. Die Vegetationsperiode war lang und wurde nicht durch Trockenstress unterbrochen. Die Jungweine zeigten ausgeprägte Sortenaromatik bei gut gepufferter, reifer Säure. Die Burgundersorten fielen bei geringen Erträgen qualitativ besonders stark aus.

Gebrauchte Tonneaus und Feinhefe – Ausbau des Royal

100 % Chardonnay, trocken ausgebaut. Vergärung und Reife laufen vollständig im Holz ab, in gebrauchten Tonneaus mit 500 Litern, mit langem Kontakt zur Feinhefe.

Das große, vorbelegte Fass gibt kaum Holzaroma ab und lässt über die Poren wenig Sauerstoff an den Wein. Die Feinhefe liefert Textur und Schmelz. Im säurebetonten Jahrgang 2024 hält dieser Ausbau die Säure im Gleichgewicht, ohne dem Wein die Spannung zu nehmen.

Im Glas – Royal 2024

Grüner Apfel, Birne und Limettenschale, dahinter ein Hauch Haselnuss und frisches Brot aus dem Hefelager. Am Gaumen schlank bis mittelgewichtig, die Säure straff und präsent. Das Holz bildet nur den Rahmen. Der kalkige Untergrund zeigt sich in einem kühlen, leicht salzigen Nachhall.

Kühler Jahrgang, kalkiger Boden, gebrauchte Tonneaus: Der Royal 2024 zeigt Apfel und Zitrus mit straffer Säure und einem Hauch Hefe.

Jetzt schon zugänglich, mit Potenzial für die nächsten Jahre. Bei 10–12 °C servieren.

Am Tisch – Pfälzer Chardonnay zum Essen

Zu gebratenem Zander oder Saibling mit Beurre blanc, zu Jakobsmuscheln, zu Kalbsschnitzel oder Hähnchen mit Rahmsauce, zu Spargel mit Sauce hollandaise und zu Risotto mit Zitrone und Parmesan. Die straffe Säure passt auch zu gereiftem Bergkäse.


Produzent Weingut von Winning, Deidesheim (Pfalz)
Rebsorte 100 % Chardonnay
Lage verschiedene Parzellen in der Ebene von Ruppertsberg, Mittelhaardt
Klassifikation VDP.Gutswein, Qualitätswein Pfalz, trocken
Jahrgang 2024
Vinifikation Vergärung im Holz
Ausbau in gebrauchten Tonneaus (500 l) auf der Feinhefe
Flaschengröße 0,75 l
Trinkempfehlung ab sofort bis ca. 2029
Boden Lehm, Sandstein und Kalk

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Weine

Marguet Le Parc 2020 Grand Cru Brut Nature BIO

Der Marguet Le Parc 2020 Grand Cru Brut Nature ist ein Chardonnay aus Ambonnay, der dir keine Kompromisse anbietet: keine Dosage, kein zugesetzter Schwefel, nur eine 1,37 Hektar große Lage. Für Abende, an denen du neugierig bist.

Im Glas

Hellgold, feines Mousseux. Die Nase legt sofort los: gelber Pfirsich, kandierte Zitrone und Mandel, dann eine würzige Seite mit Nelke, frischem Ingwer und weißem Pfeffer. Am Gaumen tief und aus einem Guss, mit rassiger Säure und einem salzigen Zug, der dich wach hält.

Mach was draus

Jakobsmuscheln mit Nussbutter, Wolfsbarsch in der Salzkruste oder ein Thai-Fischcurry mit Zitronengras – die Würze im Wein greift die Würze auf dem Teller auf. Servier ihn bei 8 bis 10 °C.

Janus FenskeJanus empfiehlt

„Ein großes Glas ist hier Pflicht. Er braucht ein paar Minuten, dann kommen Ingwer und Pfeffer richtig nach vorn.“

Mehr über Janus, unseren Sommelier

Kurz gefragt

Was bedeutet „ohne Schwefel“? Marguet gibt für Le Parc 0 mg/l Gesamtschwefel an, es wird also nichts zugesetzt. Lager die Flasche kühl, dunkel und liegend.

Was unterscheidet ihn von Les Bermonts? Beide sind Chardonnay aus Ambonnay. In Le Parc liegt die Kreide erst in 1,80 Metern Tiefe unter sandigem Lehm, bei Les Bermonts schon nach etwa 75 Zentimetern.

100 % Chardonnay · Lieu-dit Le Parc, Ambonnay Grand Cru, 1,37 ha, Reben von 1982 · Méthode Traditionnelle · Brut Nature, 0 g/l Restzucker · 0 mg/l SO2 gesamt · Champagne Marguet, Ambonnay · Bio, FR-BIO-01 · Stand: Oktober 2026

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Feinkost

Psaltiras Olivenöl Nativ Extra kaltgepresst 5 l

Feinkost · Olivenöl · Mani · Griechenland

Psaltiras Olivenöl Nativ Extra stammt aus der malerischen Region Mani auf dem südlichen Peloponnes, wo die Olivenbäume seit Generationen inmitten der Kulisse des Taygetos-Gebirges wachsen. Ein hochwertiges, kaltgepresstes Öl der Familie Psaltiras – fruchtig-mild, weich und rund. Im praktischen 5-Liter-Vorratsgebinde.


Herkunft / Mani

Die Mani auf dem südlichen Peloponnes ist eine der traditionsreichsten Olivenölregionen Griechenlands. Am Fuße des Taygetos-Gebirges wachsen die Olivenbäume der Familie Psaltiras, deren Öl für Tradition und Spitzenqualität steht.

Zutaten und Herstellung

Natives Olivenöl extra (Extra Virgin), kaltgepresst. Die schonende Verarbeitung der Oliven bewahrt Aroma, Frische und die wertvollen Inhaltsstoffe des Öls. Der 5-Liter-Kanister ist ideal für Vielnutzer und die regelmäßige Küche.

Geschmack

Fruchtig-mild, weich und rund. Die Frische von frisch geschnittenem Gras schwingt mit, begleitet von einer subtilen Süße nach Äpfeln; eine erdige Komponente, die an Artischocken erinnert, rundet das Geschmackserlebnis harmonisch ab.

In der Küche

Vielseitig für die tägliche Küche – zum Verfeinern und Zubereiten.

Ideal: für Salate, Dips und kalte Vorspeisen sowie als besondere Note in warmen Gerichten. Nach dem Öffnen kühl, dunkel und gut verschlossen lagern.

Vorratsgebinde 5 Liter

Das 5-Liter-Vorratsgebinde ist die wirtschaftliche Wahl für Haushalte mit hohem Verbrauch und für die Gastronomie. Am besten füllt man jeweils eine kleinere, dunkle Flasche für die Küche ab und lagert das Gebinde kühl, dunkel und gut verschlossen.

Zum Kennenlernen gibt es das Öl auch in der 0,25- und der 0,5-Liter-Flasche.

Häufige Fragen

Was bedeutet „nativ extra“?
Natives Olivenöl extra ist die höchste Güteklasse für Olivenöl in der EU. Es wird ausschließlich mechanisch gewonnen, ohne chemische Behandlung, und darf höchstens 0,8 % freie Fettsäuren enthalten.

Was heißt „kaltgepresst“?
Der Begriff darf nur verwendet werden, wenn die Oliven bei höchstens 27 °C verarbeitet wurden. Die niedrige Temperatur schont Aromen und wertvolle Inhaltsstoffe.

Wie wird Olivenöl richtig gelagert?
Kühl, dunkel und gut verschlossen, nicht im Kühlschrank. Nach dem Öffnen am besten innerhalb weniger Monate verbrauchen.


Hersteller: Psaltiras Ölmühle, Mani (Griechenland)
Produkt: natives Olivenöl extra (Extra Virgin), kaltgepresst
Inhalt: 5 Liter
Herkunft: Mani, südlicher Peloponnes (Griechenland)
Füllmenge: 5,0 Liter (Kanister)
Mindesthaltbarkeit (MHD): 31.03.2028

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Weine

Julian Haart Haart Riesling 2025

Weißwein · Mosel · Riesling

Riesling Gutsriesling Piesport & Wintrich · Mosel Devonschiefer feine Restsüße Handlese · Steillage 2025

Der Julian Haart „Haart Riesling" 2025 ist der Gutsriesling eines der genauesten Betriebe der Mittelmosel. Er stammt aus den Devonschiefer-Steillagen um Piesport und Wintrich, wurde von Hand gelesen und zeigt den Jahrgang klar: reife Frucht, präsente Säure, wenig Gewicht.


Steillagen um Piesport und Wintrich – Devonschiefer der Mittelmosel

Die Reben stehen in den nach Süden und Südwesten exponierten Steillagen zwischen Piesport und Wintrich, auf verwittertem Devonschiefer mit Hangneigungen von rund 50 bis über 60 Prozent. Der Boden ist flachgründig und wasserdurchlässig, die Wurzeln arbeiten sich tief in die Schieferklüfte; die dunkle Gesteinsoberfläche speichert Tageswärme und gibt sie nachts an die Reben zurück. Julian Haart bewirtschaftet mit seiner Frau Nadine rund fünf Hektar, ein Großteil davon in Einzelpfahlerziehung.

Prägend ist der Wintricher Ohligsberg, mit dem das Gut 2010 begann: eine der kühleren Toplagen der Mittelmosel, deren Schieferverwitterung gröber und eisenhaltiger ausfällt als im benachbarten Piesporter Goldtröpfchen. Aus dieser Kombination – kühlere Wintricher Parzellen, wärmere Piesporter Hangfüße – entsteht die Balance des Gutsrieslings zwischen Zug und Reife.

Die Familie Haart ist seit dem 14. Jahrhundert in Piesport dokumentiert. Ein Teil der Rebanlagen ist über hundert Jahre alt und wurzelecht, die Steillagen sind nicht befahrbar und werden vollständig von Hand bearbeitet. In den Gutsriesling fließen die jüngeren Rebzeilen und die Randparzellen der Steillagen – dieselbe Arbeit, geringere Selektionsstufe.

Jahrgang 2025 – Mosel

Nach dem frostgeschädigten Vorjahr trugen die Reben 2025 wieder voll aus. Der Austrieb verlief regulär, die Blüte um den 15. Juni fiel in eine trockene, warme Phase und verlief rasch und gleichmäßig. Der Sommer wechselte zwischen Niederschlägen und Sonnentagen bei warmen, aber nicht heißen Temperaturen – ohne Trockenstress und ohne Hitzeblockade. Anfang September setzte Regen ein, die Beeren nahmen Wasser auf, der Fäulnisdruck stieg; im Oktober verschärfte sich die Lage, flussaufwärts stärker als flussabwärts.

Wer früh und schnell las, brachte gesundes Lesegut ein. An der Mittelmosel wurde vielfach in knapp zwei Wochen bis Anfang Oktober durchgeerntet. Riesling erreichte an der Mosel Mostgewichte zwischen 70 und 95 °Oechsle, die Erntemenge lag mit rund 780.000 Hektolitern etwa 52 % über 2024 und 11 % über dem langjährigen Mittel – die Mosel gehörte damit zu den wenigen deutschen Gebieten über dem Zehnjahresschnitt. Die Säure blieb präsent, geschmacklich aber gut eingebunden: 2025 ist an der Mosel ein Jahrgang mit klarer Frucht, moderatem Alkohol und Zug, nicht mit Wucht.

Assemblage und Ausbau

100 % Riesling, Jahrgang 2025, aus den Steillagen um Piesport und Wintrich. Vollständige Handlese mit Selektion im Weinberg – im Jahrgang 2025 der entscheidende Schritt, weil nur zügig und sauber gelesene Partien die Klarheit behielten.

Im Keller wird minimalistisch gearbeitet: schonende Pressung, Vergärung ohne technische Eingriffe, anschließend längerer Ausbau auf der Feinhefe. Die Gärung endet mit einer feinen Restsüße, die der Säure des Jahrgangs Gegengewicht gibt, ohne den Wein süß erscheinen zu lassen. Kein Holzeinfluss, keine Aromakorrektur – Schiefer und Frucht sollen unverstellt durchkommen.

Im Glas

Helles Gelbgrün. In der Nase gelber Pfirsich und Aprikose, Zitruszeste, weiße Blüten und ein feuersteiniger Zug, wie er aus flachgründigem Schiefer kommt. Am Gaumen straff und schlank, die Frucht bleibt kühl, die Säure zieht gerade durch die Mitte, die Restsüße legt sich darunter statt darüber. Im Abgang salzig-schiefrig mit einem Kräuterton.

Ein Gutsriesling, der die Handschrift der Steillage schon auf Einstiegsebene zeigt: gelber Pfirsich über Schiefersalz, getragen von der geraden Säure des Jahrgangs 2025.

Bei 9–11 °C servieren, kein Dekantieren nötig. Trinkreif ab sofort; die Säurestruktur von 2025 trägt den Wein problemlos bis etwa 2032, mit Entwicklung in Richtung Zitrusschale und Feuerstein.

Am Tisch

Als Aperitif, zu Sushi und rohem Fisch, zu gebratenem Zander oder Forelle mit Butter, zu Kalbsbrust, Geflügel und hellem Schwein. Zu asiatischer Küche mit Schärfe und Ingwer spielt die Restsüße ihre Rolle aus, ebenso zu jungem Ziegenkäse und Frischkäse.


Produzent Weingut Julian Haart, Piesport, Mosel
Rebsorte 100 % Riesling
Lage Devonschiefer-Steillagen um Piesport und Wintrich
Klassifikation Gutsriesling, Mosel
Jahrgang 2025
Vinifikation Handlese · schonende Pressung · Vergärung ohne technische Eingriffe
Ausbau Feinhefelager · kein Holzeinfluss · feine Restsüße
Trinkempfehlung 2026–2032
Rebenalter teils über 100 Jahre, in Teilen wurzelecht
Bewirtschaftung Steillage, Einzelpfahlerziehung, Handarbeit

Mehr erfahren ...

Mehr erfahren ...
Produkt Bild

Weine

Étienne Calsac L´ echappée Belle Blanc de Blancs Extra Brut Magnum

Die Étienne Calsac L’Échappée Belle Blanc de Blancs Extra Brut Magnum ist der Einstiegs-Champagner des Hauses im Festformat. Reiner Chardonnay, salzig und frisch – in 1,5 Litern für die große Runde.

Im Glas

Hellgold mit feiner Perlage. Zitrusschale, Blüten und ein Hauch Hefe in der Nase. Am Gaumen straff und frisch, mit salzigem Unterton, der zum Weitertrinken einlädt. In der Magnum reift er langsamer und bleibt länger lebendig.

Mach was draus

Austernabend mit Freunden, Sommerfest, Silvester: Dazu Meeresfrüchte, Fischhäppchen und kleine Vorspeisen. Leg die Flasche rechtzeitig kalt, die Magnum braucht länger. Auch zu einer großen Platte Sushi oder gebratenen Garnelen passt sie. Stell sie im Kühler auf den Tisch, dann bleibt sie auf Temperatur. Servier sie bei 8 bis 10 °C.

Janus FenskeJanus empfiehlt

„Eine Magnum L’Échappée Belle ist mein Lieblingsstart in ein Fest. Austern dazu, und der Abend kann beginnen.“

Mehr über Janus, unseren Sommelier

Kurz gefragt

Wie viele Gläser bekomme ich? Rund zwölf Gläser. Genug für eine Runde von sechs bis acht Leuten.

Lohnt sich die Magnum? Ja: Im großen Format reift Champagner langsamer und bleibt länger frisch. Und auf dem Tisch macht sie einfach mehr her.

100 % Chardonnay · Côte des Blancs, Côte de Sézanne, Grande Vallée de la Marne · Spontangärung · Edelstahl und ca. 20 % Holz · Reserveweine · Extra Brut, 5 g/l Restzucker · Magnum 1,5 l · Étienne Calsac, Avize · Stand: Oktober 2026

Mehr erfahren ...