Das Weinland Australien

Vom Sträflingswein zur Spitzenklasse: Australiens einzigartige Weinbaugeschichte


Strafgefangene und Alkohol zusammenzubringen, ist eigentlich keine gute Idee, sollte man meinen. Und doch ist es streng genommen genau das, was in Australien geschehen ist. Denn der Weinbau dort setzt ein, als der Kontinent noch eine Sträflingskolonie des Vereinigten Königreiches ist. Nun könnte man auch argumentieren, es sei ja etwas Gutes, wenn Häftlinge sich in der Landwirtschaft einbringen, dann kommen sie nicht auf dumme Gedanken. Und tatsächlich scheinen die Männer ihren Job gar nicht schlecht gemacht zu haben – zumal in der Kürze der Zeit, denn während Weinbau auf der Südhalbkugel etwa in den Ländern Südamerikas schon seit dem 16. Jahrhundert betrieben wurde, dauerte es in Down Under deutlich länger: man schreibt das Jahr 1788, als die ersten Reben im Garten des neuen Gouverneurs gepflanzt werden. Viel früher wäre das auch nicht möglich gewesen, denn erst 1770 entdeckte James Cook mit dem Einlaufen seiner „Endeavour“ in der Botany Bay die riesige Landmasse offiziell. Gerüchte um einen legendären Südkontinent jenseits des 40. Breitengrades hatte es schon seit der Antike gegeben, und tatsächlich war die australische Küste lange vor Cook schon von Seefahrern aus Portugal und den Niederlanden gesichtet und kartografiert worden. Allerdings hielt sich das Interesse sowohl an einer tiefergehenden Erforschung als auch an einer Inbesitznahme in Grenzen: die wüstenähnliche Trockenheit verhieß nichts Gutes im Hinblick auf landwirtschaftliches Potential und auch die Ureinwohner wirkten auf die Besatzungen nicht so, als könnte man in irgendwelche vorteilhaften Geschäftsbeziehungen mit ihnen treten. Nun, so zimperlich waren die Briten nicht, die bekannterweise so ziemlich jeden Landstrich kolonisierten, der ihnen vor das Fernrohr kam – 18 Jahre nach Cooks Besuch landete also die sogenannte First Fleet nach einer siebeneinhalbmonatigen Odyssee in der Botany Bay. Die recht zwielichtige Reisegruppe bestand aus 550 Mann regulärer Besatzung, die 750 Strafgefangene im Schlepptau hatten – und zusammen gründete man die erste Siedlung, die heutige Metropole Sydney. 

Wer vorhin gut aufgepasst hat, dem mag aufgefallen sein, dass die ersten Reben bereits im Jahr der Ankunft gepflanzt worden waren. Konnten die Siedler den Genuss frischen Weines also gar nicht erwarten? Naja, der Grund dafür liegt wahrscheinlich eher woanders. Denn als raue Gesellen, die sowohl die Häftlinge als auch die Matrosen waren, verlangten die neuen Bewohner wohl eher nach etwas Stärkerem, namentlich nach Rum, der auf der Hinreise in Brasilien noch in großen Mengen an Bord geschafft worden war. Für Wein interessierte man sich, von den wenigen Offizieren und höheren Beamten mal abgesehen, die einen etwas feineren Gaumen hatten, wohl in erster Linie aus wissenschaftlichen Gründen – man wollte herausfinden, was im ungewohnten Klima denn überhaupt zu wachsen imstande war. Und im besten Falle in ein paar Jahren nach London melden können, dass fortan Lieferungen vorzüglichsten Rebensaftes aus der Neuen in die Alte Welt erwartet werden dürften. Von englischen Feinschmeckern goutierte Getränke waren zur damaligen Zeit vor allem Likörweine – diese hatten den Vorteil, durch die Aufspritung überhaupt über längere Distanzen transportiert werden zu können, ohne zu verderben. Aus diesem Grund waren auch die in den ersten Jahrzehnten erzeugten Weine vornehmlich süße, alkoholreiche Tropfen im Stil eines Sherrys.

Das englische Mutterland war hellauf begeistert von den neuen Möglichkeiten, die Australien eröffnete. War man nach der Unabhängigkeit der nordamerikanischen Kolonien im Jahr 1776 zunächst etwas ratlos gewesen, wohin man all die Verurteilten künftig bringen sollte, hatte man plötzlich wieder eine Art gigantischer Abstellkammer, in die sich alles verbannen ließ, was zuhause irgendwie störte. Das waren keineswegs nur brutale Meuchelmörder, sondern zumeist eher Kleinkriminelle, Prostituierte oder einfach nur Arme, Obdachlose oder sonstige Menschen aus den untersten Gesellschaftsschichten, die aus Sicht der politisch Verantwortlichen die britischen Städte zu überfluten drohten. Die Bevölkerungszahl wuchs also stetig an. Zudem kamen viele Häftlinge irgendwann frei und beschlossen daraufhin, sich niederzulassen und Familien zu gründen – Platz war ja genug vorhanden. Bei der Suche nach geeignetem Farmland stellte man schnell fest, dass das australische Klima keineswegs überall so glühend heiß ist wie in New South Wales im Westen des Kontinents. Präsentierte sich der Norden noch ganz ähnlich, stellte man schnell fest, dass es im Süden deutlich kühler ist – eine klimatische Vielfalt, die neben den Ex-Gefangenen auch viele Glücksritter anzog, für die das „eng“ in England zum buchstäblichen Hindernis geworden war und die sich stattdessen am anderen Ende der Welt richtig austoben wollten. Zu ihnen gehörte etwa James Busby, ein gebürtiger Schotte, von dem man eigentlich annehmen sollte, dass er noch weniger praktischen Bezug zum Winzerhandwerk habe als seine weiter südlich lebenden Landsleute. Doch weit gefehlt – Busby hatte in Frankreich Weinbau studiert und konnte sich so auf fachmännische Expertise stützen, als er Down Under ein gewaltiges Potenzial in dieser Hinsicht attestierte. Um seine Zuversicht praktisch zu untermauern, brachte er im Jahr 1833 hunderte Setzlinge europäischer Sorten ins Land. Damit erweiterte er den Kanon der Rebsorten in Australien enorm. Denn genauso wie die europäischen Einwanderer sind auch die Reben, die hier angepflanzt wurden und werden, samt und sonders Ausländer. Anders als etwa in Nordamerika fanden sich in Australien nämlich keine heimischen Wildreben, die von den Kolonisten hätten kultiviert werden können. 

Besonders eine von Busby eingeführte Sorte sollte sich als prägend erweisen, und zwar bis zum heutigen Tag. Die Rede ist vom Shiraz, in seiner französischen Heimat als Syrah bekannt. Die spätreifende Traube benötigt heißes und trockenes Klima und fühlt sich deshalb sowohl im Rhonetal als auch in Australien sehr wohl. Dennoch unterscheiden sich die Erzeugnisse beider Länder insbesondere geschmacklich recht stark: denn während in Frankreich schon seit ewiger Zeit recht strikte Grünlese betrieben wurde, um der von Natur aus ertragreichen Sorte eine gewisse Finesse zu erhalten, ließ man in Australien lange einfach wachsen. In Kombination mit der Neigung des Shiraz, bei massiver Sonnenstrahlung schnell vom vollreifen in den überreifen Bereich abzudriften, entstanden so über viele Jahrzehnte Tropfen, die wenig mit der Feinheit eines Côte-Rôtieoder Hermitage gemein hatten, sondern fett und sehr alkoholisch waren, dabei kaum noch Säure aufwiesen und allgemein geschmacklich mehr an Beerenkompott erinnerten als an Wein. 

Harvesting at Rock Paddock Dowie Doole, McLaren Vale

Diese Machart war jedoch weniger in den fehlenden Fähigkeiten der Winzer begründet, sondern allgemein so gewünscht. Zum einen kam sie der Präferenz der Engländer für schwere, likörartige Weine entgegen. Dadurch, dass die Produzenten von Madeira, Port und Sherry plötzlich in gigantische geografische Ferne gerückt waren, schätzte man sich glücklich, einigermaßen ähnliche Alkoholika jetzt quasi im eigenen Garten erzeugen zu können – die man übrigens bis zu einem Abkommen mit der EU in den 1990er Jahren auch konsequent so benannte wie die europäischen Originale. Zum anderen hielt sich aber auch lange Zeit der inbrünstige Glaube an eine heilende Wirkung dieser Weine: egal ob Erkältung, Rheuma oder Zahnweh, ein Schlückchen Rotwein würde da schon kurieren. Viele Weingüter wie etwa Lindeman’s wurden in der Tat von praktizierenden Ärzten gegründet – ob diese nun wirklich den Gedanken von Wein als Tonikum unterstützten oder es sich früher oder später als recht lukrativ erwies, neben der Diagnose auch direkt das passende Medikament mit auf die Rechnung setzen zu können, sei mal dahingestellt. Ironischerweise war es mit Penfolds ein Winzer, der diesen äußerst fragwürdigen medizinischen Nutzen jahrzehntelang selbst angepriesen hatte, bevor er ab den 1950er Jahren zum Motor einer rapiden Qualitätssteigerung werden sollte. Frühestens ab dieser Zeit lässt sich nämlich in Australien überhaupt von Qualitätsweinbau sprechen, und bis ein mitleidiges Belächeltwerden einer tatsächlichen internationalen Anerkennung wich, sollte es noch deutlich länger dauern. Ein echter Meilenstein auf diesem Weg war der von Kellermeister Max Schubert kreierte Grange Hermitage. Schon seit 1945 hatte er mit Shiraz herumexperimentiert, 1952 dann war er sich sicher, etwas aus diesen Breitengraden bisher völlig Unbekanntes erschaffen zu haben. Das war in der Tat so, denn für den tiefdunklen Tropfen mit seinem kleinen Cabernet-Anteil fanden sich zunächst kaum Abnehmer. Australia goes Bordeaux? Dafür war die Welt noch nicht bereit. Viele Jahre und etliche kleinere Modifizierungen sollten nötig sein, bevor die großen Weinkritiker auf den Grange aufmerksam wurden – dann aber schlug er ein wie eine Granate, wurde reihenweise mit 100 Punkten bewertet und gar zum besten Wein der südlichen Hemisphäre gekürt. 

Das Weingut Penfolds liegt im wohl bekanntesten Anbaugebiet des Kontinents, dem Barossa Valley in South Australia, etwa eine Autostunde von der Stadt Adelaide entfernt. Neben Einwanderern aus England waren es vor allem Deutsche, die sich hier niederließen. Als Lutheraner, die sich nicht den preußischen Tendenzen einer Unionskirche unterwerfen wollten, war Australien für sie eine Möglichkeit auf ein Leben in religiöser Freiheit gewesen. Viele der kleinen Dörfer bergen darum nicht nur ein architektonisches deutsches Erbe, sondern trugen auch ebensolche Namen wie Bethanien, Gnadenfrei oder Hoffnungsthal, bis sie im Zuge des Ersten Weltkrieges umbenannt wurden. Auch wenn sich auf der Landkarte so kaum noch Spuren der deutschen Vergangenheit finden lassen – in Sachen Weinbau kommt man hier kaum an deutschen Einflüssen vorbei. Während Namen wie Peter Lehmann und Wolf Blass noch heute in aller Munde sind, hat sich um die wirklichen Patriarchen des australischen Weinbaus wie den Schlesier Ernst Seppelt, immerhin Gründer der heute größten Kellerei des gesamten Landes, inzwischen ein Schleier des Vergessens gelegt.

So bekannt für seine Spitzenerzeugnisse das Barossa Valley auch ist, rein deklaratorisch unterscheidet nichts das 10 000 Hektar große Tal von jedem anderen, in dem Weinbau betrieben wird. Ein System höher- und niedrigerwertiger Lagen nach französischem Vorbild kennt man in Australien mit seiner extrem liberalen Weingesetzgebung nicht. Man unterscheidet lediglich zwischen sechs Großzonen, die mit den australischen Bundesstaaten einigermaßen identisch sind, und, auf einer kleinteigigeren Ebene, nochmal zwischen Geographic Indication, kurz GI genannten Herkunftsbezeichnungen. Bevor eine solche staatlicherseits gewährt wird, müssen jedoch mindestens 500 Tonnen Jahresertrag nachgewiesen werden – eine Regelung, die leider versinnbildlicht, dass man an vielen Stellen noch immer mehr auf Masse als auf Klasse setzt. Während jedoch zum Beispiel im riesigen Queensland im Nordosten so gut wie gar kein Wein angebaut wird, hat sich ein anderer Teil Australiens trotz seiner vergleichsweise geringen Größe zu einem der interessantesten Anbaugebiete gemausert: die direkt südlich von Melbourne gelegene Insel Tasmanien. Obwohl der Anteil an der australischen Gesamtlese nur sehr gering ist, spielt die Landmasse von der Größe Irlands eine historisch bedeutsame Rolle: hier wurde ab Anfang der 1820er Jahre der erste kommerzielle Weinberg des Kontinents bewirtschaftet. Tasmanien ist Cool Climate – die mildernden Einflüsse des umgebenden Pazifiks sind stets präsent. Obwohl breitengradtechnisch mit Rom vergleichbar, sorgt das ozeanische Klima und die gar nicht mehr allzu weit entfernte Antarktis dafür, dass man sich hier in einem der kältesten Weinbaugebiete der Welt befindet und eher in die Champagne versetzt fühlt. Wie dort ist tatsächlich nach der Méthode Traditionnelle hergestellter Schaumwein eines der hiesigen Aushängeschilder – die dafür nötige Säure bleibt durch das langsame und gleichmäßige Traubenwachstum anders als auf dem Festland perfekt erhalten. Den wärmeliebenden Shiraz findet man hier hingegen kaum.

Wie dieser, der übrigens zunehmend zu seiner Alte-Welt-Bezeichnung Syrah zurückkehrt, wenn das Klima eine ausreichende Ähnlichkeit zulässt, sind auch alle anderen bedeutenden Rebsorten Australiens ursprünglich französischer Herkunft: auf der roten Seite vor allem Cabernet Sauvignon und Merlot, auf der weißen Chardonnay und Sauvignon Blanc. Das Verhältnis zwischen beiden ist gar nicht so rotweinlastig, wie man in einer sehr warmen Weinbaunation annehmen könnte, sondern mit 55 Prozent rot zu 45 Prozent weiß nahezu ausgeglichen. Ein beträchtlicher Anteil davon wird ins Ausland exportiert, ja muss sogar exportiert werden, denn mit ihrem Pro-Kopf-Konsum von etwa 26 Litern könnten die Australier die gigantischen Mengen, die das Land zum sechstgrößten Weinproduzenten der Welt machen, kaum selbst vertrinken. Wichtigster Abnehmer sind schon seit langer Zeit die Vereinigten Staaten, die ebenso wie die Australier ein Faible für sehr extraktreiche Tropfen haben. In Europa hingegen ist der Absatz keine Selbstverständlichkeit: zwar sind die Preise des oft nicht einmal in Flaschen, sondern in fünf oder noch mehr Liter fassende Bags-in-Boxes abgefüllten Weines – den „goons“ – unschlagbar, aber den sich ändernden geschmacklichen Präferenzen entsprach der althergebrachte Stil irgendwann einfach nicht mehr. Konnte man darüber zunächst hinwegsehen und sich in Asien neue Märkte erschließen, begannen sich viele Winzer spätestens ab dem Zeitpunkt Gedanken zu machen, als selbst die Einheimischen vermehrt zu leichteren, verspielteren Weinen aus dem nahen Neuseeland griffen. Nun stand endgültig fest: es musste eine Alternative gefunden werden zu den sehr körperreichen und holzbetonten Tropfen. Schnell zeigte sich, dass dieses Ziel mit den etablierten Rebsorten allein kaum zu erreichen sein würde – am ehesten vielleicht noch mit dem Sauvignon Blanc, aber ansonsten brauchte die Weinwelt in Down Under frischen Wind. Der wehte zunächst die Burgunderrebsorten ins Land, allen voran den Pinot Noir. Ihn bei der Eingewöhnung ins australische Klima zu unterstützen war durchaus keine Angelegenheit, die man mal locker neben dem Tagesgeschäft verrichtet. Im Gegenteil: die sehr anspruchsvolle Traube verlangte Winzern, die sich mutig genug für ihren Anbau gezeigt hatten, in Sachen Bodenverhältnisse und Pflege alles ab. Dafür schenkte sie dem australischen Weinbau jedoch auch etwas, das diesem vorher nahezu völlig unbekannt gewesen war: den Terroir-Gedanken. Australische Weine waren nämlich bisher nicht im Weinberg entstanden, wie es insbesondere die Franzosen seit Jahrhunderten propagieren, sondern im Keller – sie waren „gemachte“ und keine „gewachsenen“ Weine. Nun, mit dem Pinot Noir änderte sich das radikal – plötzlich konnte man schmecken, wo ein Wein seine Wurzeln hatte. Auch wenn viele Winzer dem etablierten Stil bis heute treu geblieben sind, hatten einige Blut geleckt: welche Trauben böten sich für frische, filigrane Weine noch an? Es konnte nicht lange dauern, bevor irgendjemandem der Geistesblitz kam: Riesling! Auch diese waren mit ihrer Präzision meilenweit entfernt von den sehr buttrigen Chardonnays und sorgten ab den 2000ern dafür, dass sich die australische Weinwelt einmal mehr neu erfand.

Dass innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit eine solche Kurskorrektur stattfand, lag auch am Druck aus der Gastronomie. Klar, die auch heute noch omnipräsente Barbecue-Kultur ist mit den bleischweren, leicht süßlich wirkenden Shiraz nach wie vor gut bedient. Die besseren Restaurants in den Metropolen hatten sich jedoch langsam, aber sicher von der schwer im Magen liegenden britischen Kolonialküche mit viel Fleisch und Fett emanzipiert – durch Einwanderer zunächst aus Deutschland und China, später dann aus Italien, Griechenland, Thailand und Vietnam entstand im Laufe der Zeit ein bunter kulinarischer Schmelztiegel. Gab es zunächst nur jeweilige landestypische Imbissbuden, die meist nur von ihren Landsleuten besucht wurden und sich höchstens zaghaft dem Massengeschmack annäherten, entstand nach und nach immer mehr Crossover. Die Mischung aus klassisch europäischen Kochtechniken, asiatischer Aromenvielfalt und hochwertigen heimischen Produkten bildete schließlich die Grundlage der Modern Australien Cuisine, die deutlich mehr ist als das berühmte „vegemite sandwich“ -Koriander vermählt sich hier mit Thymian, Sojasoße mit Olivenöl, hinzu kommen exotische, sonst nirgendwo zu bekommende Produkte wie Känguru-, Strauß- oder Krokodilfleisch. Wohl nirgendwo auf der Welt können Köche so aus dem Vollen schöpfen und sich gleichzeitig entspannt selbst verwirklichen, und wer New York stets für den unbestrittenen Ausgangspunkt einer kulinarischen Weltreise auf wenigen Quadratkilometern gehalten hat, sollte einmal Sydney besuchen, das wie ganz Australien bisher noch nicht vom Guide Michelin kartiert wurde und darum viele eigene Entdeckungen ermöglicht: von Fish and Chips auf die Hand für wenige Dollar bis zum feinsten Omakase-Menü wird alles geboten. Selbst das lange Zeit geflissentlich ignorierte „Bush Food“ der Aborigines setzt mittlerweile immer mehr Akzente, gerade in Sachen Fisch – radikale Regionalität ist für die Ureinwohner eben kein Trend, sondern seit 60 000 Jahren gelebte Kultur. Auch weitere Rebsorten drängen durch fortwährende Zuwanderung ins Land: Gewürztraminer, Tempranillo, Sangiovese und andere bringen beeindruckende Ergebnisse hervor. Im Zuge dessen ist der Grange längst nicht mehr der einzige australische Spitzenwein – den vielen Garagen-Weingütern sei dank, deren Pioniergeist und ehrliches Handwerk die oft trägen und bis an die Haare durchtechnisierten Großbetriebe daran erinnert, dass Winzertum vor allem Herzensangelegenheit ist und die Zukunft nur mit und nicht gegen die Natur gemacht werden kann. 

Von den insgesamt etwa 2500 Weingütern wurden die allermeisten erst in den vergangenen 40 Jahren gegründet – nicht nur deswegen ist Australien eines der Weinländer mit der höchsten Dynamik überhaupt, auch wenn davon in Deutschland aufgrund der großen Entfernung selten etwas zu hören ist. Höchstens dann, wenn mal wieder über die heftigen Buschfeuer berichtet wird, die riesige Flächen in eine Flammenhölle verwandeln. Aber genau damit sind wir schon beim Thema: die klimatischen Extreme machen es immer schwieriger, im Weinbau langfristig zu planen. Schon jetzt sind die Kosten für die in vielen Teilen des Landes obligatorische Bewässerung der Rebstöcke enorm hoch, ein Ende nicht abzusehen – die Frage, ob es überhaupt nachhaltig ist, für einen Liter Wein bis zu 800 Liter Wasser aufzuwenden, mal außen vor. Ob die aktuell 170 000 Hektar Rebfläche also eine stabile Größe sind oder doch wieder schrumpfen, wird sich noch zeigen müssen. Ziemlich sicher werden sie sich anders verteilen: weg aus heißen und trockenen Regionen im Westen und Norden, hinein in kühlere und regenreichere Landstriche insbesondere im Süden. Oder man geht einfach in die Höhe, wie es das Weißwein-Eldorado Adelaide Hills schon seit fast 200 Jahren vormacht. In einem Land, das größer ist als ganz Europa, hat es dabei Platz für alle: ehrwürdige Fossile des australischen Weinbaus wie das McLaren Vale mit seinen uralten Rebstöcken und Kellern ebenso wie aufstrebende Cool-Climate-Hotspots und Finessetrinker-Paradiese wie Mornington Peninsula oder das Yarra Valley. Leben und leben lassen, ein unaufgeregtes Nebeneinander von Avantgarde und Tradition, Basic und High End, dazu eine Aromenpalette von Milchschokolade, eingekochten Pflaumen und Röstholz bis zu burgundischer Kirsche, Veilchen und Graphitstaub – lange, sehr lange hat es gedauert, bis sich herauskristallisierte, was den fünften Kontinent zu einer sicheren Bank macht. Doch auch in der Weinwelt will gut Ding eben Weile haben. Und hat man passenden australischen Tropfen einmal an Gaumen und Herz gelassen, ist klar, dass sich das Warten definitiv gelohnt hat. Text: Dario Sellmeier

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Spanien

Tentenublo Los Corrillos Las Chicas de Oro tinto Rioja 2020

Rotwein · Rioja Alavesa · Tempranillo · Garnacha · Graciano

Tempranillo · Garnacha · Graciano Los Corrillos „Las Chicas de Oro" Ganztraubenvergärung DOCa Rioja (Alavesa) Tentenublo (Roberto Oliván) sandiger Kalk · 70–100 J. Reben gebrauchtes Barrique nur 510 Flaschen · 2020

Der Tentenublo Los Corrillos „Las Chicas de Oro" tinto 2020 bricht bewusst mit dem klassischen Rioja-System und versucht den gelungenen Spagat zwischen Kraft, Eleganz und bestechendem Terroir-Gedanken. Aus Tempranillo, Garnacha und Graciano von knorrigen alten Reben – ein Solitär zum Verlieben in nur 510 Flaschen.


Los Corrillos – Terroir statt System

Tentenublo ist das Projekt von Roberto Oliván aus der Rioja Alavesa, dem baskischen Teil der Region. Mit den Los-Corrillos-Weinen bricht er bewusst mit dem klassischen Rioja-System und stellt den Terroir-Gedanken in den Mittelpunkt.

Die Trauben für „Las Chicas de Oro" gedeihen auf den Weinfeldern Pieza Naya, El Pino und La Quemada. Auf sandigen Kalkböden wachsen hier die siebzig bis hundert Jahre alten, knorrigen Reben – die Grundlage für eine frische Mineralität mit immensem Tiefgang.

Jahrgang 2020 – Rioja

2020 war in der Rioja ein Jahrgang, der bei sorgfältiger Arbeit besonders frische, ausgewogene Weine hervorbrachte. Die Höhenlagen mit ihren kühlen Nächten und der kompromisslos handwerkliche Stil von Roberto Oliván bewahrten Klarheit und die mineralische Prägung des sandigen Kalkbodens – reife Frucht und Spannung im Gleichgewicht.

Assemblage und Ausbau

Cuvée aus Tempranillo, Garnacha und Graciano, Jahrgang 2020, trocken; von 70 bis 100 Jahre alten Reben.

Die Trauben werden mit ihren natürlichen Hefen zusammen mit Stielen und Stängeln (Ganztraube) im großen offenen Fass vergoren, bevor der Wein weitere neun Monate in gebrauchten Barriquefässern ruht. Diese kompromisslos natürliche Machart sichert frische Mineralität und Tiefgang. Gesamtproduktion: nur 510 Flaschen.

Im Glas

Der Los Corrillos versucht den gelungenen Spagat zwischen Kraft, Eleganz und bestechendem Terroir-Gedanken. Die Frucht ist reif, satt, ungestüm und wild; nach genug Luftkontakt ist er jedoch von seidiger Struktur, und die mineralischen Aspekte lassen sich mit jedem Atemzug riechen und mit jedem Schluck auch schmecken. Ein Solitär zum Verlieben!

Reife, satte, ungestüm-wilde Frucht, nach genug Luft von seidiger Struktur – die mineralischen Aspekte mit jedem Atemzug und jedem Schluck spürbar. Ein Solitär zum Verlieben!

Unbedingt großzügig dekantieren – er braucht Luft, um seine seidige Seite zu zeigen. Bei 16–18 °C servieren.

Am Tisch

Zu Ibérico und gegrilltem Lamm, zu Schmorgerichten und Wild, zu Pilzgerichten sowie zu mittelkräftigem Käse.


Lage: Weinfelder Pieza Naya, El Pino und La Quemada, Rioja Alavesa (Spanien); sandige Kalkböden; 70 bis 100 Jahre alte Reben
Klassifikation: DOCa Rioja; Cuvée aus Tempranillo, Garnacha und Graciano (trocken)
Ausbau: Ganztraubenvergärung mit natürlichen Hefen im großen offenen Fass, ~9 Monate in gebrauchten Barriquefässern; 510 Flaschen

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Länder/Regionen

Henri Boillot Puligny-Montrachet Les Folatières 1er Cru blanc 2022

Weißwein · Puligny-Montrachet Premier Cru · Chardonnay

Chardonnay Les Folatières · 1er Cru Puligny-Montrachet Oberhang · steiniger Kalk/Mergel 2022

Der Puligny-Montrachet Les Folatières 1er Cru 2022 von Henri Boillot ist ein kraftvoller, zugleich mineralischer Chardonnay aus einer der renommiertesten Premier-Cru-Lagen von Puligny. Klare Frucht, feine Mineralität und eine elegante Struktur prägen diesen Wein aus der Hand einer gesuchten Adresse.


Les Folatières – Premier Cru am Oberhang

Les Folatières zählt zu den größeren und angesehensten Premier Crus von Puligny-Montrachet. Die Lage liegt am oberen, teils steilen Hang in Richtung Blagny, auf steinigem Kalk- und Mergelboden; der Name leitet sich von „Folles terres" ab. Diese Bedingungen geben den Weinen Kraft, Mineralität und Finesse.

Puligny-Montrachet an der Côte de Beaune ist weltberühmt für seine Chardonnays. Die Domaine Henri Boillot zählt zu den renommierten Adressen für weißen Burgunder.

Jahrgang 2022 – Côte de Beaune

2022 war eines der wärmsten, trockensten und sonnenreichsten Jahre im Burgund. Ein milder Winter brachte einen frühen Austrieb, Aprilfröste richteten nur begrenzten Schaden an, und ein regenreicher Juni füllte vor dem trockenen Sommer die Wasserreserven.

Für die weißen Burgunder steht 2022 für reife, konzentrierte Frucht bei überraschender Frische und Energie – ein gehaltvoller Jahrgang, der die kraftvolle, mineralische Art der Folatières schön trägt.

Assemblage und Ausbau

Reinsortiger Chardonnay aus dem Jahrgang 2022.

Der Ausbau erfolgt in französischer Eiche, im präzisen Stil des Guts – mit zurückhaltendem Neuholzanteil, ganz auf Mineralität und Klarheit ausgerichtet.

Im Glas

Helles Gelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase Zitrus, weiße Blüten und gelbe Frucht wie Birne und Aprikose über steiniger Mineralität. Am Gaumen kraftvoll und zugleich präzise, mit feinem Schmelz, klarer Säure und einem langen, salzig-mineralischen Abgang.

Zitrus, weiße Blüten und gelbe Frucht über steiniger Mineralität – kraftvoll, präzise und mit langem Abgang.

Jung schon zugänglich, mit gutem Reifepotenzial über viele Jahre. Bei 12–13 °C servieren.

Am Tisch

Fisch in heller Sauce, Krustentiere, Geflügel, Kalbsbries, dazu reifer Weichkäse. Ein Wein für die große weiße Küche.


Lage: Les Folatières (1er Cru), Puligny-Montrachet (Côte de Beaune); Oberhang, steiniger Kalk/Mergel
Klassifikation: Puligny-Montrachet Premier Cru
Ausbau: Chardonnay; Ausbau in französischer Eiche

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Spanien

Envinate Lousas Seoane Ribeira Sacra tinto 2024

Rotwein · Ribeira Sacra · Mencía

Mencía (~95 %) Ribeira Sacra · Amandi Parcela Seoane Envínate reiner Schiefer · ~400 m alte Reben (80 J.) 2024

Der Envínate Lousas Parcela Seoane 2024 ist ein Einzellagen-Mencía von reinem Schiefer in der Ribeira Sacra – sehr frisch und atlantisch, mit klarer, seidiger Struktur. Unglaublich aromatisch und würzig, mit tiefer Mineralität und reiner Kirschfrucht. Ein klassischer Ribeira Sacra.


Seoane – Schiefer-Cru aus Amandi

Envínate („wine yourself") ist das Kultprojekt von vier befreundeten Önologen – Roberto Santana, Alfonso Torrente, Laura Ramos und José Martínez. Das Galicien-Projekt in der Ribeira Sacra führt der gebürtige Galicier Alfonso Torrente: minimal-invasiv, ohne Chemie, Ganztraubengärung mit Wildhefen, Ausbau in gebrauchtem Holz. „Lousas" ist das galicische Wort für die Schieferplatten, die der Region ihre Mineralität und florale Würze geben.

Die Parzelle Seoane liegt im Amandi-Bezirk (Doade), dem Herzstück der Ribeira Sacra. Sie ist nach Südwesten ausgerichtet; die rund 80 Jahre alten Rebstöcke gedeihen in etwa 400 Metern Höhe auf reinem Schieferboden – ein Terroir, das dem Mencía Frische, Mineralität und seidige Struktur verleiht. Die Einzellagenweine bilden die Spitze der Envínate-Hierarchie und entstehen in winziger Menge.

Jahrgang 2024 – Ribeira Sacra

Das atlantisch geprägte Klima der Ribeira Sacra und die wärmespeichernden Schieferböden bringen auch 2024 einen frischen, mineralisch geprägten Mencía mit klarer Frucht, lebendiger Säure und feiner Würze. In der alten Seoane-Parzelle ergibt das einen besonders präzisen, seidigen Wein.

Ausbau

Überwiegend Mencía (mit kleinen Anteilen lokaler Sorten wie Merenzao und Garnacha Tintorera), aus dem Jahrgang 2024, Ribeira Sacra, trocken.

Im minimal-invasiven Stil des Hauses: Handlese, Ganztraubengärung mit Wildhefen in offenen Bottichen, anschließend rund 11 Monate Ausbau in gebrauchten französischen Fässern (300–500 l), ohne Abstich. Minimaler Schwefel.

Im Glas

Der Mencía dieser Parcela mundet sehr frisch und atlantisch, ist aber mit einer klaren und seidigen Struktur ausgestattet. Unglaublich aromatisch und würzig, mit einer tiefen Mineralität und einer reinen Kirschfrucht im Geschmack. Ein klassischer Ribeira Sacra.

Sehr frisch und atlantisch, klar und seidig – aromatisch, würzig, mit tiefer Mineralität und reiner Kirschfrucht.

Leicht gekühlt servieren; profitiert von etwas Luft. Bei 15–17 °C servieren.

Am Tisch

Zu geschmortem Schwein und Lamm, zu Wild und Ente, zu würzigen Gerichten sowie zu mittelreifem Käse.


Lage: Ribeira Sacra, Amandi (Doade), Parcela Seoane (Galicien, Spanien); Südwest-Ausrichtung, reiner Schieferboden, ~400 m; Reben ca. 80 Jahre
Klassifikation: Ribeira Sacra, ~95 % Mencía mit lokalen Sorten (trocken); winzige Menge (Einzellage)
Ausbau: Handlese, Ganztraubengärung mit Wildhefen in offenen Bottichen, ~11 Monate in gebrauchten franz. Fässern (300–500 l), ohne Abstich; organischer/biodynamischer Anbau

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Rebsorten

Domaine Pierre Vincent Bourgogne Aligoté 2024

Weißwein · Bourgogne Aligoté · Auxey-Duresses

Aligoté Bourgogne Aligoté AOC Auxey-Duresses · alte Reben Holz · Stahl · Amphore 2024

Der Bourgogne Aligoté 2024 von Pierre Vincent reift nicht nur im kleinen Holzfass und im Edelstahltank, sondern erhält ein paar zusätzliche Streicheleinheiten in der Tonamphore. So vereinen sich frische, warme und kühle Elemente wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge – ein wegweisender Aligoté von einem der gefragtesten Winzer des Burgund.


Auxey-Duresses – alte Reben, große Hand

Der Wein stammt aus zwei Parzellen in Auxey-Duresses: Sous le Châtelet (gepflanzt 1932–1962) und Les Fontaines de Moule (gepflanzt 1949). Sehr alte Reben auf Kalkstein-Ton, nach Norden ausgerichtet – die Grundlage für Frische, Spannung und Mineralität.

Hinter der Domaine steht Pierre Vincent, der seinen Ruf bei der Domaine de la Vougeraie und als Leiter der Domaine Leflaive begründet hat. 2023 übernahm er mit Partnern das frühere Gut Terres de Velle und keltert seither unter eigenem Namen – biologisch bewirtschaftet, in Umstellung auf Biodynamie.

Jahrgang 2024 – Burgund

2024 war im Burgund kühler und feuchter: milder, nasser Winter, früher Austrieb, ein feucht-kühles Frühjahr mit Frost und hohem Krankheitsdruck, dann ein trockenerer Sommer mit langsamer Reife und später Lese. Strenge Selektion und teils stark reduzierte Erträge prägten das Jahr.

Bei den Weißweinen ergibt das klare, feine, balancierte Weine mit pikanter Frische und kühler Eleganz – genau die rassige Säurestruktur, die diesem Aligoté seine Spannkraft gibt.

Im Glas

Grüner Apfel, Limette, Orangenzeste, Frühlingsblumen und Rauchmandeln gehen ein geniales Zusammenspiel ein. Die Säure zeigt sich deutlich am Gaumen und spielt wie spritziges Gischtwasser um Aufmerksamkeit. Im Nachhall gesellt sich eine feine Cremigkeit hinzu – mit etwas Luft entwickelt der Wein eine beeindruckende Länge und zunehmend mehr Ausdruck.

Am Tisch

Austern, Moules marinière, Fisch und Meeresfrüchte, Ziegenkäse – oder solo als spritziger Aperitif. Bei 10–12 °C servieren.


Lage: Sous le Châtelet & Les Fontaines de Moule, Auxey-Duresses; Kalkstein-Ton, Nordausrichtung; alte Reben (ab 1932 bzw. 1949)
Klassifikation: Bourgogne Aligoté AOC
Ausbau: ~50% gebrauchtes Holz, 10% neues Holz, 40% Tonamphore; 12 Monate, dann 6 Monate Edelstahl; bio, in Umstellung auf Biodynamie

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Spanien

Jade Gross Chiguita TEMPRANILLO BLANCO 2025

Weißwein · Rioja · Tempranillo Blanco

Tempranillo Blanco DOCa Rioja Alto de Najerilla Jade Gross 6 Monate Feinhefe (500-l-Fass) nur 200 Flaschen 2025

Der Jade Gross Chiguita Tempranillo Blanco 2025 ist der zweite Jahrgang dieses raren Weins – ein komplexer, kraftvoller Weißwein mit Struktur und Substanz, geprägt von reifer Frucht, zarter Würze und einem Hauch Holz. Ein Unikat für Entdecker und Liebhaber seltener Gewächse.


Chiguita Tempranillo Blanco – aus dem Alto de Najerilla

Jade Gross, in Hongkong geborene chinesisch-amerikanische Quereinsteigerin aus der Spitzengastronomie, begann ihr Rioja-Projekt 2019 unter der Mentorschaft von Abel Mendoza. Ihre Weine entstehen handwerklich, mit minimaler Intervention und klarem Fokus auf den Ausdruck von Rebsorte und Terroir.

Die Trauben stammen aus einem Weinberg im Tal des Alto de Najerilla, wo die Reben auf eisenhaltigen Tonböden wachsen. Tempranillo Blanco, eine erst in jüngerer Zeit entdeckte weiße Mutation des Tempranillo, gehört zu den jüngsten Rebsorten der Rioja – die eisenhaltigen Böden geben dem Wein hier seine ausgeprägte Struktur und Substanz.

Jahrgang 2025 – Rioja

Die Lese erfolgte am 10. September von Hand. Der Jahrgang 2025 zeigt den Chiguita Tempranillo Blanco komplex und kraftvoll, mit reifer Frucht und feiner Würze – ein strukturierter, substanzreicher Weißwein abseits der Konvention.

Ausbau

Reinsortiger Tempranillo Blanco aus dem Jahrgang 2025, trocken.

Handlese in 18-kg-Kisten. Im Keller werden die Trauben als ganze Trauben schonend gepresst. Die Gärung erfolgt in einem 500-Liter-Fass aus französischer Eiche, anschließend reift der Wein sechs Monate auf der Feinhefe, wodurch er zusätzliche Struktur und Tiefe entwickelt. Insgesamt wurden 200 Flaschen produziert.

Im Glas

Ein komplexer, kraftvoller Weißwein mit Struktur und Substanz, geprägt von reifer Frucht, zarter Würze und einem Hauch Holz. Ein Wein mit Tiefe und Eigenständigkeit – für Entdecker und Liebhaber seltener Gewächse, die das besondere Geschmackserlebnis suchen.

Ein Unikat für Entdecker und Liebhaber seltener Gewächse.

Schon jetzt ausdrucksstark, mit Reifepotenzial über einige Jahre. Bei 11–13 °C servieren.

Am Tisch

Zu gebratenem Fisch und Meeresfrüchten, zu Geflügel und Kalb in heller Sauce, zu cremigen Pasta- und Reisgerichten sowie zu mittelreifem Käse.


Lage: DOCa Rioja, Tal des Alto de Najerilla (Spanien); eisenhaltige Tonböden
Klassifikation: DOCa Rioja blanco, Tempranillo Blanco (trocken); nur 200 Flaschen
Ausbau: Tempranillo Blanco; Ganztraubenpressung, Gärung im 500-l-Fass (franz. Eiche), 6 Monate auf der Feinhefe; handwerklich

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Weine

Schloss Lieser Terroir GG Kiste 2021

Weißwein · Mittelmosel · Riesling (6er-GG-Kollektion)

6 Große Gewächse · Riesling handsigniert von Thomas Haag exkl. Bernkasteler Doctor GG Wehlener Sonnenuhr · Graacher Himmelreich Niederberg Helden · Juffer Sonnenuhr Piesporter Goldtröpfchen edle Holzkiste · limitiert 2021 · trocken

Die Schloss Lieser Terroir GG Kiste 2021 vereint die Großen Gewächse der besten Terroirs der Mittelmosel in einer edlen Holzkiste. Nur in dieser Kiste erhält man exklusiv das aktuelle Bernkasteler Doctor Große Gewächs – zusammen mit den GGs Wehlener Sonnenuhr, Graacher Himmelreich, Niederberg Helden, Brauneberger Juffer Sonnenuhr und Piesporter Goldtröpfchen. Alle sechs Einzelflaschen sind von Thomas Haag handsigniert.


Schloss Lieser & die Terroir-Kiste 2021

Thomas Haag – ältester Sohn von Wilhelm Haag (Weingut Fritz Haag) – führte Schloss Lieser an der Mittelmosel in die absolute Spitze des deutschen Weinbaus. Naturnahe Bewirtschaftung der Steillagen und die spontane Vergärung der Weine sind das Markenzeichen für den nachhaltigen, sorgfältigen Umgang von Thomas Haag und seiner Familie mit den gegebenen Ressourcen.

Diese limitierte Kiste ist die einzige Möglichkeit, das aktuelle Bernkasteler Doctor GG zu erhalten, und versammelt sechs der berühmtesten Einzellagen der Mittelmosel in einer handsignierten Kollektion – ein Terroir-Querschnitt für Kenner und Sammler.

Jahrgang 2021 – Mosel

Das Jahr 2021 hat ein klassisches, moseltypisches Rieslingjahr beschert. Nach einem kühlen, langgezogenen Frühjahr und wechselhaftem Sommer war der September von viel Sonne geprägt und förderte mit kühlen Nächten eine tolle Aromenentwicklung. Die hoch selektive Ernte belohnte die intensive Handarbeit mit perfekt gesundem Lesegut bei geringen Erträgen. Die Großen Gewächse 2021 zeichnen sich durch enorme Mineralität mit einem tollen Frucht-Säure-Spiel bei moderatem Alkoholgehalt aus – ein klassischer Jahrgang für die präzise, mineralische Stilistik von Schloss Lieser.

Die sechs Großen Gewächse

Bernkasteler Doctor: Eine der berühmtesten und exklusivsten Einzellagen der Welt, hoch über Bernkastel-Kues auf feinstem Devonschiefer in extremer Steillage. Schloss Lieser bewirtschaftet eine kleine Parzelle mit teils über hundertjährigen Reben in reiner Handarbeit – ein kraftvoller, präziser Riesling mit vielschichtiger Würze, druckvoller Struktur und langem, salzigem Nachhall.

Wehlener Sonnenuhr: Legendäre Südwestlage gegenüber Wehlen mit 60–100 % Neigung auf reinem Devonschiefer-Verwitterungsboden, in traditioneller Einzelpfahlerziehung. Hier entstehen einige der langlebigsten und feinsten Rieslinge der Welt – filigran, tiefgründig und von kristalliner Mineralität.

Graacher Himmelreich: Steile Südwest-Exposition zwischen Bernkastel und Wehlen auf reinem Devonschiefer, der tagsüber Wärme speichert und nachts abgibt. In der Jugend etwas zugänglicher als die Nachbarlagen, mit klarer Mineralität, feiner Säure und großem Reifepotenzial – druckvoll und präzise, mit vibrierender Frische.

Niederberg Helden: Mit bis zu 120-jährigen wurzelechten Reben auf 100 % blauem Schiefer und Steigungen bis 80 %. Diese lange vernachlässigte Lage zählt heute zu den facettenreichsten der Mosel und bringt expressive Spitzenrieslinge mit außergewöhnlichem Reifepotenzial hervor.

Brauneberger Juffer Sonnenuhr: Renommierte Steillage in perfekter Süd-Südwest-Ausrichtung mit bis zu 80 % Neigung auf kargem, eisenhaltigem Devonschiefer. Aus den ältesten Parzellen, traditionell im Edelstahl mit langem Feinhefelager ausgebaut – tiefgründig und vielschichtig, mit feinen Steinobstnoten, kühler Schiefermineralität und brillanter, salziger Länge.

Piesporter Goldtröpfchen: Steiles, südlich ausgerichtetes Amphitheater oberhalb von Piesport auf tiefgründigem Grauschiefer mit Blau- und Rotschiefer-Anteilen. Spontan vergoren, meist im Edelstahltank – kühl, präzise und kraftvoll, mit rauchiger Steinigkeit, feinen Zitrusnoten und langem, salzig-mineralischem Nachhall.

Im Glas

So unterschiedlich die sechs Lagen sind, so klar eint sie die Handschrift von Thomas Haag: glasklare, präzise Rieslinge mit lebendiger Säure, feiner Frucht und einer packenden, salzig-mineralischen Schieferprägung. Vom kraftvoll-würzigen Doctor über die filigrane Wehlener Sonnenuhr bis zum kühl-rauchigen Piesporter Goldtröpfchen zeigt die Kollektion die ganze Bandbreite großer Mosel-Terroirs – trocken, tiefgründig und mit enormem Reifepotenzial.

Sechs große Lagen, eine Handschrift: glasklare, präzise Rieslinge mit lebendiger Säure und packender Schiefermineralität – trocken, tiefgründig und langlebig.

Ideal für eine vergleichende Terroir-Probe der Mittelmosel. Junge GGs profitieren vom Dekantieren; alle mit jahrzehntelangem Reifepotenzial. Bei 11–13 °C servieren.

Am Tisch

Zu edlem Fisch und Krustentieren, zu Geflügel und Kalb in heller Sauce, zu cremigen Gerichten sowie zu gereiftem Hartkäse – und nicht zuletzt als Sammlerstück und handsigniertes Geschenk für Liebhaber großer Moselrieslinge.


Lage: sechs VDP.GROSSE LAGEN der Mittelmosel – Bernkasteler Doctor, Wehlener Sonnenuhr, Graacher Himmelreich, Niederberg Helden, Brauneberger Juffer Sonnenuhr, Piesporter Goldtröpfchen; steile Devonschiefer-Lagen
Klassifikation: 6× VDP.GROSSES GEWÄCHS (trocken), 100 % Riesling, Jahrgang 2021; alle Flaschen von Thomas Haag handsigniert; limitierte Holzkiste
Ausbau: selektive Handlese, Spontangärung mit eigenen Hefen, Ausbau auf der Feinhefe (überwiegend Edelstahl)

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Whisky

Port Charlotte PC7 Sin An Doigh Ileach

Whisky · Single Malt · Islay · Port Charlotte

Port Charlotte PC7 Sin An Doigh Ileach ist ein stark getorfter Islay Single Malt der Bruichladdich Distillery und die dritte Abfüllung der Port-Charlotte-Reihe, sieben Jahre gereift. Der gälische Name bedeutet „It's the Islay way" und ist eine Hommage an die Menschen von Islay, die zur Wiedereröffnung von Bruichladdich beitrugen. Port Charlotte erinnert an die alte Lochindaal-Brennerei, die für ihren rauchigen Stil bekannt war. Abgefüllt in Fassstärke, ist er ein wuchtiger Islay-Dram.


Islay

Die Bruichladdich Distillery steht auf den Rhinns of Islay an der schottischen Westküste, nur wenige Kilometer von Port Charlotte. Die ehemalige Lochindaal-Brennerei dort war zwischen 1829 und 1929 für stark getorfte Whiskys bekannt – ein Stil, den Bruichladdich mit der Port-Charlotte-Reihe wiederbelebt. Küstennähe und Torf prägen den maritimen, rauchigen Charakter.

Herstellung und Reifung

Der stark getorfte Single Malt (rund 40 ppm) reifte sieben Jahre in Bourbon- und Sherry-(Oloroso-)Fässern. Abgefüllt wurde er ungefärbt und nicht kühlgefiltert in Fassstärke (61 % vol.) als limitierte Auflage.

Im Glas

Tiefes Kupfergold. In der Nase rauchiger, medizinischer Torf, Seetang und Salz, dazu fruchtige Süße und ein grasig-kräutriger Ton. Am Gaumen kraftvoll mit Torf und Rauch, dunklem Karamell, Melasse und Steinfrucht. Der Abgang ist lang, rauchig und malzig-süß. Ein Schuss Wasser bringt zusätzliche Frucht hervor.

Zum Genuss

Pur in einem Nosing-Glas genießen; einige Tropfen Wasser mildern die Fassstärke und öffnen die Aromatik. Ein kraftvoller Dram für Freunde rauchiger Islay-Whiskys.

Passt außerdem zu geräuchertem Fisch, kräftigem Hartkäse und dunkler Schokolade.


Herkunft: Islay, Schottland (Bruichladdich Distillery)
Art: Stark getorfter Islay Single Malt, Fassstärke
Reifung: 7 Jahre in Bourbon- und Sherryfässern (Oloroso)

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Spanien

Jade Gross Chiguita TEMPRANILLO BLANCO 2024

Weißwein · Rioja · Tempranillo Blanco

Tempranillo Blanco DOCa Rioja Alto de Najerilla Jade Gross 6 Monate Feinhefe (500-l-Fass) nur 120 Flaschen 2024

Der Jade Gross Chiguita Tempranillo Blanco 2024 ist eine echte Rarität – der erste reinsortige Jahrgang Tempranillo Blanco von Chiguita. Ein komplexer, kraftvoller Weißwein mit Struktur und Substanz, der zeigt, wie viel Charakter und Tiefe diese seltene Rebsorte bieten kann.


Chiguita Tempranillo Blanco – aus dem Alto de Najerilla

Jade Gross, in Hongkong geborene chinesisch-amerikanische Quereinsteigerin aus der Spitzengastronomie, begann ihr Rioja-Projekt 2019 unter der Mentorschaft von Abel Mendoza. Ihre Weine entstehen handwerklich, mit minimaler Intervention und klarem Fokus auf den Ausdruck von Rebsorte und Terroir.

Die Trauben stammen aus dem Alto-Najerilla-Tal, wo sie auf eisenhaltigen Lehmböden ideale Reifebedingungen finden. Tempranillo Blanco, eine erst in jüngerer Zeit entdeckte weiße Mutation des Tempranillo, gehört zu den jüngsten Rebsorten der Rioja – die eisenhaltigen Böden geben dem Wein hier seine ausgeprägte Struktur und Substanz.

Jahrgang 2024 – Rioja

Der Jahrgang 2024 in der Rioja war von großen Herausforderungen geprägt: Mit nur 275,6 Millionen Kilogramm geernteten Trauben markiert die Lese die kleinste des letzten Jahrhunderts. Ein kühler Spätsommer und sehr wechselhafte Wetterbedingungen im September verlangten höchste Flexibilität und Präzision; die Lese glich einer Achterbahnfahrt. Doch der Aufwand zahlte sich aus – die Trauben zeigen sich vielschichtig und individuell, beste Voraussetzungen für charaktervolle Weine mit Persönlichkeit.

Ausbau

Reinsortiger Tempranillo Blanco aus dem Jahrgang 2024, trocken.

Handlese am 17. September 2024, anschließend schonende Direktpressung und Gärung in einem einzigen 500-Liter-Fass aus französischer Eiche. Danach durfte der Wein sechs Monate auf der Feinhefe ruhen. Nur rund 120 Flaschen wurden gefüllt.

Im Glas

Ein komplexer, kraftvoller Weißwein mit Struktur und Substanz, geprägt von reifer Frucht, zarter Würze und einem Hauch Holz. Ein Wein mit Tiefe und Eigenständigkeit – ein Unikat für Entdecker und Liebhaber seltener Gewächse, die das besondere Geschmackserlebnis suchen.

Eine echte Rarität – wie viel Charakter und Tiefe diese seltene Rebsorte bieten kann.

Schon jetzt ausdrucksstark, mit Reifepotenzial über einige Jahre. Bei 11–13 °C servieren.

Am Tisch

Zu gebratenem Fisch und Meeresfrüchten, zu Geflügel und Kalb in heller Sauce, zu cremigen Pasta- und Reisgerichten sowie zu mittelreifem Käse.


Lage: DOCa Rioja, Alto-Najerilla-Tal (Spanien); eisenhaltige Lehmböden
Klassifikation: DOCa Rioja blanco, Tempranillo Blanco (trocken); nur 120 Flaschen
Ausbau: Tempranillo Blanco; Direktpressung, Gärung in einem einzigen 500-l-Fass (franz. Eiche), 6 Monate auf der Feinhefe; handwerklich

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