Unaufgeregt genial!
Häufig taucht bei Gesprächen über kulinarische Erlebnisse die Frage nach dem Besten auf, nach persönlichen Highlights, außergewöhnlichen Weinen, unvergesslichen Gängen oder gar ganzen Menüs. Fragen, die naturgemäß zutiefst subjektiv sind und immer von individuellen Momenten, der Stimmung am Tisch, den Menschen, den Produkten und der Tagesform der Küchenbrigade abhängen.
Einen rein digitalen Gradmesser für Genuss und Empfindung gibt es glücklicherweise noch nicht. Vielleicht erklärt genau das, warum eines meiner ganz persönlichen kulinarischen Höhepunkte des Jahres 2025 auf dem Weingut Santa Maria La Nave auf Sizilien, am Fuße des majestätischen Ätna, stattfand.
Warum dieses Erlebnis so großartig wie prägend war, ist auf der einen Seite ungewöhnlich, auf der anderen jedoch vollkommen logisch. Denn wer getrieben ist von der Sehnsucht nach dem ultimativen Genuss, nach den besten Lebensmitteln, nach ehrlichem Handwerk und besonderen Weinen, erreicht irgendwann den Punkt, an dem nicht mehr viel Neues geschieht. Trends entstehen und verschwinden schneller, als man sie überhaupt wahrnehmen kann.
Was bleibt, ist der reich gedeckte Tisch, den uns Mutter Erde schenkt, mit all ihrer Vielfalt und Großzügigkeit. Vieles haben wir vergessen, manches wollen wir gar nicht mehr wahrhaben. Doch bleibt die Gewissheit, dass der Kreislauf der Natur wie ein schützender Kokon wirkt, und dass der Geschmack echten, lebensnahen Handwerks, der Kochkunst, uns daran erinnert, was wirklich zählt.
Dieser Blog wäre nicht das, was er ist, ohne jene besonderen, individuellen Erlebnisse, Momente vollkommenen Genusses, in denen sich unerfüllte Träume plötzlich und fast märchenhaft in süße, flüchtige Wolken verwandeln.
Der Besuch auf dem sizilianischen Weingut Santa Maria La Nave war genau so ein Moment: tief berührend, reich an Eindrücken und so eindringlich, dass einem noch Monate später das Blut in den Adern gefrieren kann.
Dort, mitten im Weinberg, wurde in einem kleinen Steinhaus, das zu einer traumhaften Koch- und Essstätte umgebaut wurde, ein Menü gezaubert, das ausschließlich aus den Zutaten des unmittelbaren Landstrichs bestand, gekocht von Lucia, einer echten Donna, und begleitet von den Weinen des eigenen Weinbergs.
Alle Speisen schmeckten wie aus einem Guss: schlicht, aufrüttelnd, authentisch, unverfälscht nach dem, was sie waren und woher sie kamen. Unaufgeregt, einfach und doch von betörender Genialität, ein magischer Ort, den man am liebsten niemals wieder verlassen möchte. Besser, köstlicher und vollkommener als hier geht es wohl kaum. Oder doch?
Oliven und hausgemachten Crispelle aus alten sizilianischen Getreidesorten, dazu klassische sizilianische Caponata / Auswahl an handgemachten Provola- und Ricotta-Käsesorten / Hausgemachte „Strascinati“-Pasta mit Brokkoli und „Muddica atturrata“ (geröstete Brotkrume), serviert mit Ricotta / „La Parmigiana“ (der sizilianische Auberginenklassiker) / Fleischbällchen in Zitronenblättern gegart, dazu sizilianischer „broccoli affogati“ (geschmorter Brokkoli) / Gelo di Limone (erfrischendes Zitronengelee)













