Also es ist so: ich mag Beaujolais, sowohl den Wein, in jeder seiner Ausprägungen (von dem frischen Beaujolais Primeur, über Beaujolais Village und natürlich die zehn Crus, die man auch 2-6 Jahre nach der Abfüllung genießen kann).
Ich mag auch die Gegend, die außer der leicht hügeligen Landschaft wenig zu bieten hat; und am Sonntag muss man sich so richtig bemühen, ein offenes Restaurant zu finden. Na ja, wenn man eine Platte hat, kann man sich auch Essen aus der Dose zubereiten, eine Flasche Wein findet sich immer. Auf jeden Fall lohnt es sich L’Atelier du Cuisinier in Villie Morgon aufzusuchen (http://www.atelier-cuisinier.com/) (ein sehr guter Tipp von unserem Herbergswirt). Als wir dort waren (Anfang März), war es schwierig dort einen Platz zu bekommen, weil der Ort wie jedes Jahr eine große Fete gefeiert hat
und alle Plätze reserviert waren. Beim dritten Versuch hat es geklappt, das mit dem Essen. Mittrinken konnten wir auch schon an anderen Tagen. Das Essen ist bodenständig und schmeckt sehr gut, die Menschen sehr nett, die Auswahl an Beaujolais enorm groß;
da ich mich mal wieder nicht entscheiden konnte, habe ich einige Gläser auf einmal bestellt, so wurde meine Neugier gestillt.
Und für zu Hause nahm ich auch einige Flaschen mit, zuerst habe ich allerdings die Winzer besucht.
Jetzt ist ein Jahr seit meinem kurzen Trip in die Heimat des Gamay vergangen, und ich habe noch einige Flaschen.
Am Mittwoch, 28. März habe ich einen 2009 AOC Fleurie von Domaine de la Chapelle des Bois, Vieilles Vignes, Cuvee Jules Appert aufgemacht. Samtig, weiblich, blumig und floral, Schneeglöckchen, etwas Vanille, ein Hauch von Lebkuchen, Kandis, Nelke und Pfeffer, ein wenig Humus mit ein Paar Pilzen drauf; das ganze durch weiche Säure unterstützt. Nach einer Stunde spürt man die Saftigkeit , süßliche Tannine und Kirsche. Und dann ist die Flasche leer.
Einfach herrlich zu Kartoffeln mit frischen Kräutern oder Salzbutter, leicht gekühlt auch zum Grillen oder Fisch und natürlich klassisch für die Gegend: zu Wurst, Salami, Käse und Brot. Man ist zufrieden.
Zwei Tage später habe ich einen Wein von AOC Saint-Amour aufgemacht.
2009 VERS L`EGLISE von der Domaine de la Cave Lamartine.
Beim ersten Schluck wirkte er kraftvoller als Fleurie, noch am Samstag und Sonntag machte er viel Spaß, da er nicht aufdringlich war und trotzdem doch Kraft besaß. Na gut, am Freitag hatte ich den Eindruck, dass er mit der Zeit verlor im Vgl. zum Flurie. Es mag natürlich daran liegen, weil ich mit meinen Gedanken schon im Urlaub war… saftig, Kirschwasser aus süßen, ausgereiften Kirschen, ein Hauch von Schokolade und Vanille, Nelke, die Gerbstoffe spürbar(er) als beim Flurie, sehr weich, fast süßlich (marginal und angenehm), von dezenter Säure unterstützt. Ich habe den Wein 2010 im Weingut probiert, fand ihn schon okay und hatte die 2 Fläschchen eigentlich nur mitgenommen, weil ich am späten Nachmittag ungestört einige Weine probieren konnte. Solch´ eine positive Überraschung ein Jahr später…
Ca. 2 Wochen nach dem Saint-Amour trinke ich einen Brouilly.
Ich bereite mich langsam auf den Bordeaux-Marathon vor (und langsam packt mich auch der Ehrgeiz, die ganze Strecke doch durch zulaufen…, ein anderes Ziel habe ich auch: einen neuen Rekord beim Verkosten entlang der Strecke aufzustellen, das könnte vielleicht noch schwieriger werden). Also es ist Sonntag und demnächst gehe ich laufen, ich trinke also den Broilly von 2009 von Nicole Gaget (wohnhaft in Odenas). Ich werde also meine Strecke – für den Anfang um die 16-18 km lang – unter „echten Bedingungen“ laufen. Mal schauen.
Zum Wein: im Glas purpurrot. Direkt nach dem Aufmachen – rote Früchte: reife Kirsche, Erdbeeren, Pflaumen, dann etwas Karamell und Kräuter wie Estragon in seiner süßlichen Art, Thymian, Oregano und etwas Kühles, Mineralisches. Er ist sehr harmonisch, die Aromen auf dem Gaumen fallen dezenter aus als in der Nase (dennoch kraftvoll), was den Wein elegant macht. Wieder weiche Tannine, kaum spürbare Säure, die sich im Hintergrund aufhält. Ein sehr eleganter Vertreter seiner Region. Und Kaninchen oder Lamm wären bestimmt nicht abgeneigt, diesen Wein als Begleiter zu haben.
Ich war überrascht, dass ich meine Strecke so gut überstanden habe, es mag an diesem guten Wein liegen, den ich noch an diesem Abend leer getrunken habe. Er war einfach gut.







