Der Hinterhof Eingang ins Restaurant vom Berliner Kochstar Tim Raue verrät noch in keiner Weise, dass sich in dieser Lokalität fast alles um asiatisch angehauchte Cousine dreht. Auch das im direkten Eingangsbereich hängende Bild eines Atompilzes mit dem Leuchthinweis „The End“ sollte man nicht als falsches Omen oder Bedrohung wahrnehmen, sondern als Chance auf eine neue und feine Interpretation seiner Küche. So fing das selbst zusammen gestellte Menü auch nach ein paar aromatischen Fingerfoods mit einem in Wasabi getarnten Kaisergranat furios an. Ging sehr gut mit einer Kalbssülze weiter, welche durch eine vietnamesische Vinaigrette und frischer Minze nicht schwer, sondern engelsleicht den Mund eroberte. Der Dim Sum von der Jakobsmuschel hält was er verspricht und ist zart und facettenreich im Geschmack. Der Calamar Dim Sum enttarnte sich dann aber als relativ normaler, in Tempura getarnter, Tintenfischring. Der war zwar als lecker, aber als nicht wirklich besonders oder spektakulär zu bezeichnen. Alle drei Hauptgänge zeichneten sich dann durch perfekte Zutaten aus, die auf den Punkt gekocht, gewürzt und arrangiert waren. Alles fällt hier wohltuend leicht aus und ist mit einer milden asiatischen Schärfe ausbalanciert. Man verspürt Hunger auf mehr und hat nie den Eindruck zuviel gegessen zu haben. Der Käsegang viel dann leider ein wenig ab bzw. erschloss sich mir geschmacklich überhaupt nicht. Auf der einen Seite hat er nichts mit der hier sonst so wohltuend inspirierenden, asiatischen Küche zu tun, zudem schmeckte er plump und eigentlich nur wie ein zu dicker, leicht angetrockneter Pizzakäse. Hier kann auch die leckere, chinesische Walnuss als Beigabe nichts mehr retten. Eigentlich ziemlich Schade, dass bei all der leckeren Kreativität, die in diesen hellen und schönen Räumen serviert wurde, so ein Gang die Küche verlassen darf. Hervorragend und zudem wieder schön leicht (im Gegensatz zum Käsegang) dann wieder die beiden Desserts „Rund um die Mango mit Vanille und Kardamon“ und der weitere Nachtisch, der mit Ahorn, Kaki und Blutorange glänzte.
Amuse Bouche.
Wasabi Kaisergranat.
Kalbssülze, Vietnamesische Vinaigrette und Minze.
Dim Sum „Kalmar, Jalapeno und Limette.“
Dim Sum „Jakobsmuschel, Shiso und Kamebisho Soja Sauce.“
Wolfsbarsch, Perigord Trüffel und Nussbutter.
Reh, Massman Curry und chinesiche Artischocke.
Dorade, Ayu Dashi und Kohlrabi.
Peking Ente. Interpretation Tim Raue. Teil I.
Peking Ente. Interpretation Tim Raue. Teil II.
Peking Ente. Interpretation Tim Raue. Teil III.
Ahorn, Kaki und Blutorange.
Mango, Vanille und Kardamon.
Sizilianischer Käse mit chinesischer Walnuss.
Restaurant Tim Raue
Rudi-Dutschke-Str. 26
10969 Berlin
Telefon: +49 30 2 59 3 79 30
www.tim-raue.com


















