Wie vielfältig unsere Weinwelt geworden ist und auf welchem Niveau auch sogenannte Exoten brillieren können, beweist dieser Pinot Noir 2009 aus Polen. Böse Zungen würden wahrscheinlich unken, dass die Trauben für diesen Rotwein bei einer Nacht und Nebel Aktion aus dem Burgund von einem exponierten Weinberg „organisiert“ worden sind. Es ist eigentlich unfassbar, wie gut dieser Tropfen mundet: ganz leichte rosinige Nase, ein bisschen Marzipan, Weichsel, reife Kirschen, ein wenig Unterholz, sehr vielschichtiges und changierendes Bukett. Im harmonischen Geschmacksbild kommen Nougat und Würznoten hinzu. Das Holz vom Barriquefass ist klar zu erschmecken und wundervoll in die Weinfrucht integriert. Am Ende feiert das Finish mit einer feinen fruchtigen Süße und guter Säurestruktur einen würdevollen Abschluss. Dieser Pinot Noir würde als echter Pirat für so manche Überraschung sorgen und so ziemlich alle Meinungen über den europäischen Weinanbau erschüttern.
Weingut Ottenbreit · Obernbreit, Franken
Der Ottenbreit „Scheu to the world" 2025 bringt die Scheurebe als trockenen, maischevergorenen Weißwein vom fränkischen Main ins Glas. Das Weingut Ottenbreit in Obernbreit arbeitet mit handgelesenen Trauben, langer Maischestandzeit und einem Ausbau im Eichenholzfass. Das Ergebnis ist ein kräuterbetonter, würziger Weißwein mit fester Struktur, der weit von der parfümierten Seite der Rebsorte entfernt steht.
Muschelkalk am Main
Die Reben wachsen auf Muschelkalkböden rund um Obernbreit im fränkischen Maintal. Der kalkgeprägte Untergrund liefert Wärme und eine salzig-mineralische Anlage, die im fertigen Wein erkennbar bleibt. Klassifiziert ist der Wein als Deutscher Landwein Main – bewusst außerhalb der Qualitätsweinkategorie, was dem Winzer Spielraum im Ausbau lässt.
Assemblage und Ausbau
Reinsortig aus Scheurebe, handgelesen. Nach langer Maischestandzeit vergoren und über zehn Monate im Eichenholzfass gereift. Die Füllung erfolgt ohne Schönung, der Wein steht trocken bei 13 % Vol. Der lange Maischekontakt prägt Struktur und Würze stärker als die typische Scheurebe-Aromatik.
Im Glas
In der Nase kühl und kräuterbetont: gelbe Früchte, nussige und angedeutet speckige Noten, etwas Würze und eine Spur dunkler Beeren. Am Gaumen klar und fest gewirkt, mit Anklängen von Paprika und Fenchel, einem Hauch Wacholder sowie Verbene und Zitruszesten. Eine straffe, präsente Säure trägt den Wein, dahinter nussiges Holz und salzige Töne. Der Abgang ist lang und leicht wärmend.
Am Tisch
Trinkreif ab sofort, mit Reservepotenzial bis etwa 2030. Vor dem Servieren rund 30 Minuten karaffieren, damit sich Würze und Holz öffnen. Trinktemperatur 11–13 °C.
Klassische Begleitung: gereifter Hartkäse, geschmorter Schweinebauch, würzige Currys und Pilzgerichte. Die feste Säure und die kräuterige Würze halten auch kräftiger Küche stand.

