Brandtners Paradoxon ohne roten Faden – Salzburg – Österreich
Anders ist nicht immer gut, aber im Falle von „Brandtners Paradoxon ohne roten Faden“ teilweise sogar besser. Das Ambiente ist voller kunstvoller Installationen, irrwitziger Bilder, bemerkenswerter Zitate, gezielt eingesetzter Illuminationen sowie einer Art offener, stehender Gin Koffer, der mit seinen vielen verschiedenen Gin und Tonic Sorten nur darauf wartet, dass der Gast sich hier sein Edelgetränk selber mixt. Dieser steht fast mittig im Raum und Gurken, Orangen, Eiswürfel und was sonst noch so zu diesem Wacholder Getränk gebraucht wird, steht dort direkt bereit. Gegen Aufpreis mixt der Chef aber auch gerne selber das Getränk. Die Speisekarte wird dann in Form eines Kleiderständers an den Tisch getragen. Die Speisen können dann an dem Banner, der an dem Ständer befestigt ist, abgelesen werden. Dort steht nicht viel drauf, aber hier ist weniger einfach mehr und schmeckt auch umso besser.
Eine besonders pfiffige Idee ist dann die erste Vorspeise „Kauf´ die Katz im Sack“. Diese wird dann in Form einer großen Papiertüte auf den Tisch gestellt und beinhaltet verschiedene Gefäße mit diversen Inhalten und einer Gebrauchsanweisung zur eigenen Zubereitung dieses Ganges. Dies ist interaktiv, macht Spaß und da die Zutaten in diesem Sack sehr gut waren, sollte es jedem Gast auch gelingen, hier selber etwas Leckeres zusammenzustellen. Tolle Idee! Die leckere Eisbärzunge muss zu keinem „Tierschutzbund Aufschrei“ führen, da es sich um eine gepökelte Kalbszunge handelt. Der Lachs gehört in jedem Fall zu den besseren Vertretern dieser zumeist verhunzten Speise. Die Fish & Chips, in diesem Fall aus dem heimischen Zander, sind gut präsentiert und hätten auch jedes Kinderherz höher schlagen lassen. So eine Speise kann einfach nur lecker sein, wenn wie hier, frisches Öl zum Frittieren verwendet wird. Der Nachtisch „Eine Sünde Wert“ aus verschiedenen karamellisierten Schokoladen ist dann in Ordnung, wobei manchmal die Sünde doch noch ein wenig besser ausfallen dürfte. Auch der offene Raum, wo Biere und Weine präsentiert werden, um diese dann mit an den Tisch zu nehmen, ist großartig; ein begehbarer Alkoholraum also, mit Preisschildern an den Ausstellflaschen, mit kleinen Erklärungen daran und vorgekühlten Flaschen in den jeweiligen Klimaschränken. Auch hier zeigt sich, dass Neues Spaß macht und Sinn stiftet. Dass hier auch über die Weinauswahl nachgedacht wird, zeigt die kleine Vinothek mit wirklich guten Tropfen.
Dass dieser Besuch allerdings nur eine Momentaufnahme im Paradoxon aufzeigt, macht die Abschiedskarte deutlich, die der Rechnung beiliegt. „Dieses Restaurant ist kein Restaurant! Wir werden immer wieder aufs Neue überraschen, uns auf keine der üblichen Erwartungen einlassen und begrenzte Denkhorizonte erweitern. Denn eines ist fix: fix ist nix!“
Kochen, Genuss, Ausgehen ist hier zu einer Gesamtkunstform erhoben worden und der Gast sitzt mitten drin und verschmilzt zu einem Teil des Gesamtkunstwerkes. Ein großartiges, wandelbares Konzept. Bitte mehr davon!
Speisekarte am Kleiderständer.
Inhalt der Katze im Sack: Gebeizter Seesaibling, Gazpacho, Rote Bete Creme, frische Kräuer.
Eisbärzunge: Kalbszunge mit weißer Polenta und Hafermilch.
Lachs mit griechischen Nudeln, Oliven und Stachelbeeren.
Fish & Chips vom Zander mit Pommes Frites.
Eine Sünde wert: Dessert von karamellisierter weißer und dunkler Schokolade.
Brandtners Paradoxon ohne roten Faden
Zugallistraße 7
5020 Salzburg
Telefon: +43 664 1616191
www.facebook.com/brandtnersparadoxon

