Château Lafite-Rothschild 1995 – Pauillac – Bordeaux – Frankreich
Das Chateau Lafite-Rothschild ist sicherlich mit das schillerndste und bedeutendste Weingut ganz Frankreichs. In der letzten Dekade ist es auch noch durch atemberaubend hohe Preise aufgefallen, da die Nachfrage aus dem asiatischen Raum derart hoch waren, dass quasi jeder Preis für eine Flasche dieser Trouvaillen bezahlt wurde. Der Asiate wäre aber kein Asiate, wenn er nicht nur Flaschen fälscht (man geht von einer Fälschungsrate von mindestens 70 % aus), er hat leider auch selber jede Menge gefälschter Flaschen direkt aus Europa angedreht bekommen. Auch die mageren Jahrgänge, und die ungenießbaren mit dazu, wurden zu Mondpreisen gerne per Schiff oder, falls es einmal schnell gehen musste, auch direkt per Luftfracht gen Osten geschickt. Eine schon weltbekannte Marke wurde dadurch zum Inbegriff von Luxus und Dekadenz.
Der kürzlich geöffnete 1995 Lafite-Rothschild musste diese beschwerliche Reise nicht antreten und konnte sich nun endlich einem gewissenhaften Qualitätscheck unterziehen.
Im Duft dominiert zunächst die beim Bordeaux omnipräsente Paprikanote. Obwohl diese streng ist, hat sie dennoch eine gewisse Eleganz, wie der edle Gönner des Tropfens und Mittrinkende treffend formuliert „Edelpaprika in Olivenöl“. Nach Luftkontakt kommt dann noch eine fleischige Komponente hinzu, unreife Brombeeren und auch Cassis mit Unterholzaromen. Im Mund türmt sich dann ein großer Gerbstoffberg auf, dahinter lassen sich noch Kohle, Teer, Rüben und Kaffeeanklänge bemerken. Der Wein scheint noch ein paar Jahre Reifezeit zu benötigen und auch der Abgang, der mittellang und noch ein wenig adstringierend wirkt, scheint das zu belegen.
Mit Luftkontakt kommt die Frucht zwar ein wenig mehr zum Vorschein und es ist die Diagnose zu stellen, dass es sich um jeden Fall um einen guten Rotwein handelt. Mystisch, großartig ist er zu diesem Zeitpunkt aber leider noch nicht. Im Hinterkopf spukt dann auch noch die Frage nach, ob er das je sein wird oder ob dieses Gewächs dann doch nur von seinem einzigartigen Ruf lebt. Zumindest ein wenig …
