Gernot Mayer über den Jahrgang 2015 an der Nahe.
„Klein aber fein“ trifft bei uns zu 100% zu!
Die Trockenheit und Hitze im Sommer hätte normalerweise zu ca. 5-10 % weniger Erntemenge geführt. Leider hatte ein heftiges Hagelgewitter am 12. Juni schwere Schäden an den noch jungen Rebtrieben verursacht. Unsere Erntemenge fiel 35 % geringer aus als im Vorjahr. Insgesamt gab es in diesem Jahr relativ wenig Hagelschäden in Deutschland zu verzeichnen. Zum Glück treten diese Ereignisse nicht großflächig auf, sondern betreffen oft nur einzelne Gemarkungen. Der Hagelschlag vom 12. Juni betraf nur zwei Ortsteile von Bad Kreuznach.
Durch die dadurch reduzierte Erntemenge in Verbindung mit dem heißen und trockenen Sommer ernteten wir perfekt vollreife und kerngesunde Trauben. Das Wetter während der Lese spielte auch mit, sodass keine Hektik aufkam und wir in aller Ruhe die verschiedenen Sorten nach und nach einbringen konnten. So einen entspannten Herbst haben wir selten erlebt.
Es gab kein Auftreten der Kirschessigfliege, die uns im letzten Jahr doch an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht hatte. Der Sommer war einfach zu heiß, es konnte sich keine Population aufbauen. So wie ich es bis jetzt abschätzen kann, wird es ein toller Weinjahrgang werden. Die ersten Weine sind fast fertig mit der Gärung und lassen schon jetzt viel Vorfreude aufkommen!
In unserer Sauvignon Blanc – Parzelle ernteten wir z. B. nur 50 % der normalen Ernte. Dafür schmeckt der Wein aber bereits jetzt schon sehr gut und hat intensive und typische Aromen dieser Trendrebsorte.
Mittlerweile sind in Deutschland nahezu alle Trauben eingebracht. Einzelne Winzer spekulieren noch auf Eiswein. Ich bin mal gespannt, ob das klappt. Minus 10 ° C sind notwendig, damit das gelingt.
Wir haben noch Grauburgunder und Weißburgunder am Stock hängen. Durch den Hagel haben sich viele neue Seitentriebe (sog. Geiztriebe) im Sommer gebildet mit den dazu entstehenden Geiztrauben. Das ist ganz normal nach einem Hagelschlag und bereitet den Winzern bei den meisten Sorten zusätzliche Arbeit im Weinberg. Diese Geiztrauben sind in der Reife deutlich später als die normalen Trauben und werden in der Regel fast nie reif. Daher müssen diese dann vor der Ernte mühsam und zeitaufwändig per Hand abgeschnitten werden. Wenn nämlich im Herbst mit dem Vollernter gelesen wird, gelangen diese unreifen Geiztrauben dann mit ins Lesegut und haben negativen Einfluss auf die spätere Weinqualität. Besonders die Burgundersorten neigen sehr stark zur Geiztraubenbildung.
Wir haben unsere Burgundersorten dieses Jahr aber aufwändig per Hand vorgelesen damit das nicht passiert. Die Geiztrauben werden bei uns durch den extrem heißen Sommer aber noch ausreifen, so wie es bis jetzt aussieht. Diese werden wir dann in den nächsten Wochen per Handlese noch einholen. Dadurch kriegen wir einerseits noch etwas Quantität in den Keller; außerdem bin ich aber auch sehr froh darüber, dass ich dadurch noch etwas leichtere Burgunderweine einbringen kann, da manche Weine doch etwas zu hoch im Alkohol werden könnten aus dem 2015er Jahrgang. Gerade auch für Sektgrundwein war der aktuelle, extrem reife Jahrgang doch etwas zu viel des Guten. Diese zweite Ernte bedingt durch den Hagel ist somit eine kleine Entschädigung für unsere insgesamt kleine Ernte in 2015.
Text: Gernot Mayer.