Lynch Bages 2003 – Pauillac – Bordeaux – Frankreich
Für viele Menschen in Nordeuropa war das Jahr 2003 von einer bis dahin nie dagewesenen Hitzeperiode geprägt. Gefühlt gab es in Deutschland von März bis in den Oktober hinein nur noch das absolute Traumwetter. Viele Menschen verlagerten ihren Wohnsitz in den Garten, in ihre Lauben oder in diverse boomende Außengastronomien des Landes. Was für viele Menschen sehr schön und wohltuend war, entpuppte sich für andere als absolutes Desaster. Kreislaufkollapse, Herzversagen, ausverkaufte Metzgereien und geräumte Grillkohlehändler waren die Konsequenz… und auch für die Landwirtschaft war dieses Jahr eine einzige Katastrophe. Die anhaltende Dürre zwang viele Bauern zur Aufgabe und die erzielten Erträge waren mickrig bis gar nicht existent.
Auch die Weinbauern in Europa können im nachhinein ein Lied davon singen, wie kompliziert dieses warme „Sonnenjahr“ für sie gewesen ist. Wenig Ertrag und das was nach intensivster Bewässerung dann doch noch eingefahren werden konnte, war dann doch sehr, sehr hoch im Alkohol und die Säurewerte tendierten gegen null. So wurden diese Werte künstlich nach oben korrigiert, damit die Weine nicht allzu breiig dastehen würden.
Viele dieser Tropfen schmecken (-ten) nicht aus diesem Jahrgang. Erstaunlich sind dann die Ausnahmen, und dann auch noch eine, wie in diesem Fall, aus dem Bordeaux. Der 2003er Lynch Bages aus Pauillac erweist sich als wirklicher Grande. Die sonst bei diesem Gewächs doch sehr massive Paprikawürze ist hier sehr reif und geradezu warm ausgeprägt. Dunkle Früchte, frisch gemahlener Kaffee, Buchsbaum, Aubergine und verschiedene Kräuter machen diesen mit einer funkelnden Farbe leuchtenden Rotwein zu einer wahren Wonne. Voll und rund am Gaumen, mit Länge und roter Frucht im Mundgefühl versehen begeistert er Schluck auf Schluck und auch der Alkoholwert ist mit 13 % vol. Alk. geradezu lächerlich im Verhältnis zu den Tropfen, die heutzutage in vielen Kellereien auf Flaschen gezogen werden. Ein wahrer Genuss und der flüssige Beleg dafür, dass Vorurteile leicht zu widerlegen sind.
