Meinungssache: Bio.
Bio? Was ist dies eigentlich für ein Begriff und was drückt er eigentlich aus?
In unseren modernen Zeiten sozialer Netzwerke und der totalen Globalisierung soll der Begriff „bio“ uns etwas von alten, vertrauten Werten symbolisieren und festhalten, was uns Geborgenheit und Sicherheit verspricht. Wir verbinden mit dieser Begrifflichkeit den hart arbeitenden Bauern, der sein Vieh sorgsam hält und seine kleinen Ackerflächen mit Liebe und dem Verlust seiner eigenen Freizeit bestellt.
„Bio“ suggeriert uns eine große Diversität der verschiedenen angebauten Arten. Es gilt als Gütesiegel, welches unser schlechtes eigenes Gewissen für den eigenen Raubbau an unserem Planeten entlastet, und es ist zu einem markanten Zeichen dafür geworden, selber nicht mehr über sein Tun und Handeln nachdenken zu müssen. Wir konsumieren immer mehr „bio“, zertifizieren somit aber immer mehr unser eigenes schlechtes Gewissen, denn „bio“ hat leider rein gar nichts mehr mit Qualität oder wirklicher Nachhaltigkeit zu tun.
Selbst die kürzesten Strecken werden von uns Menschen nicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigt. Plastik und Blech dominieren weltweit den Verpackungsmarkt. Sinnloses wird rund um die Welt gekarrt, um immer neue Reize für eine gesättigte westliche Gesellschaft zu generieren, und wenn „bio“ drauf steht, verkauft es sich noch viel besser.
Warum gehen nicht viel mehr Menschen zu Fuß auf den Markt und kaufen wirklich ein lokales Produkt vom Bauern um die Ecke ein? Das Argument, das ist ja viel zu teuer, macht den Irrsinn unserer Gesellschaft deutlich, denn es wird nur noch auf den Endpreis eines jeden Produkts geschaut. Um ein paar Cent einzusparen, wird sich in ein 50.000 Euro teures Auto geschmissen, eine durch stop and go geprägte Fahrt zum günstigsten Supermarkt 6 km weit in Kauf genommen, um dann eine aus Spanien kommende, in Plastik eingeferchte, EU genormte Bio- Gurke zu kaufen. Dass diese Gurke und viele weitere dieser Lebensmittel inzwischen nach nichts mehr schmecken, bemerken wir leider noch nicht einmal mehr, weil… eigentlich kennen wir es ja auch gar nicht anders. Nachhaltig und wirklich sparsam geht anders.
Der Kreis schließt sich, wenn wir, anstatt nur mediale soziale Netzwerke zu nutzen, wieder mehr miteinander reden und auch mit dem Bauern um die Ecke sprechen. Dieser kann uns an Qualitätsprodukten aus seiner Erde teilhaben lassen und wir können ihn nicht nur unterstützen, sondern auch voneinander lernen und zusammen weiter nachhaltige Qualität leben. Das wäre wirklich gelebtes Bio- Engagement und wir würden langfristig auch wieder mehr über unser eigenes Handeln nachdenken und uns nicht mehr auf ein von der Industrie geeichtes Siegel verlassen.
Der Gipfel des Bioirrsinns: in Plastik eingeschweißte Bio- Gurken.