Kleine Lagenbesprechung: Herrgottspfad, Höllenbrand und Morstein 2016
Die ganz große Faszination von verschiedenen Weinen ist deren Unterschiede in Geruch und Geschmack, wenn ein und dieselbe Rebsorte auf verschiedenen Böden angebaut wurde. Diese Weine dann im Glas zu vergleichen verspricht große Spannung.
Viele Menschen halten das für Blödsinn, aber genau das ist der Kick den ein Weintrinker bei guten Weinen sucht. Im Zusammenhang mit dem Klima einer Region, dem speziellen Mikroklima einer Lage und den Bodenformationen spricht man dann von Terroir.
Die meisten Weine werden heutzutage nicht als reine Lagenweine ausgebaut und je höher die Produktionsmengen oder je größer die Lagen sind um so mehr „verwässert“ sich dann auch diese Thematik.
In Deutschland, in Österreich, in der Schweiz, im Elsaß, im Burgund gibt es noch ein großflächiges Lagensystem. Wobei sich weltweit natürlich Top Winzer mit dem Terroir Thema beschäftigen und auch exzellente Einzellagen Weine ausbauen.
Im Bechtolsheim in Rheinhessen baut der junge Winzer Alexander Flick seine Top Rieslinge als reine Lagenwein an.
Im Glas und auf dem Prüfstand waren diesmal die Rieslinge der Einzellagen Gau-Odernheimer Herrgottspfad, Gundersheimer Höllenbrand und Westhofener Morstein.
Der Gau-Odernheimer Herrgottspfad Riesling trocken 2016 wächst auf Tonmergel Boden. Im Duft versprüht dieser Weißwein Aromen von Limette und Pfefferminze, geschmacklich gesellen sich dann Ingwer und duftige Aprikosennoten dazu. Wirkt der Herrgottspfad anfangs noch ein wenig verhalten und kurz am Gaumen, gewinnt er mit Luftkontakt an Konzentration und Fülle. Geschmacklich ist der Wein frisch, knackig und mit einem mittleren Abgang gesegnet. Ein Riesling, der eher etwas für Fruchtwein Trinker ist, aber nicht ohne Charme und Entwicklungspotenzial im Glas steht.
Der Gundersheimer Höllenbrand Riesling trocken 2016 wird auf Rotliegend Böden, also Kalksteinlehm, angebaut. Duft nach Wachs, frischen Kräutern, dezente Würze, knackigem Apfel und unreifem Kernobst. Geschmacklich zupackend mit einer herzhaften Aromatik gezeichnet. Ein komplett anderes Geschmacksbild als bei dem Herrgottspfad. Etwas voller und vielschichtiger in seiner momentan noch sehr jungen Lebensphase. Ein Riesling, der sich durch seine gute Würze und meditative Fülle auch schon sehr gut als Essensbegleiter eignet. Der Abgang ist voll und lang.
Der Westhofener Morstein Riesling trocken 2016 wächst auf Kalkstein, Mergel Böden und war bei dieser kleinen Verkostung der persönliche Favorit. Man kann bei diesem Wein exemplarisch den Kalkboden im Wein erschmecken. Limette, Aprikose, Pfirsich, Frühlingsblumen vermählen sich zu einem großartigen Ganzen. Die Säure unterstreicht die Fruchtaromen dazu genial im Geschmack und ist auch das Bindeglied im langen und feinen Abgang. Der Morstein wirkt wollustig, klar und facettenreich zugleich und endet mit einem gewaltigen und feinen Donnerhall. Frisch wie ein Gebirgsbach, voll wie ein großer Biss in eine reife Aprikose und lang wie ein hochprozentiger, äußerst fein gebrannter Obstbrand. Absolute Weltklasse! Die Leichtigkeit des feinen S(W)eins.