Pech gehabt?
Südlich des Pfälzer Weinortes Wachenheim und nordwestlich des berühmten Weindorfes Forst liegt die 15 Hektar große Einzellage Forster Pechstein. Eingerahmt von den anderen Toplagen Wachenheimer Gerümpel, Forster Ungeheuer, Forster Jesuitengarten und Forster Musenhang gilt der Pechstein als eine der besten Lagen für den Riesling Anbau in ganz Deutschland.
Ganz leicht ansteigend reihen sich hier die Riesling Reben bis hin zu 160 Meter über dem Meeresspiegel hinauf. Durch seine exponierte Lage, eine sehr lange Sonneneinstrahlung auf den Weinhang und vor allen Dingen durch seine Namens gebende Bodenformation, dem Basaltboden, einem Überbleibsel eines schwarzen Vulkans, entstehen hier monumentale Weine, welche mit einer barocken Fülle und einer frischen, sehr mineralischen Eleganz vereint sind.
Spannend wird es dann, wenn unterschiedliche Jahrgänge verschiedener Produzenten, welche einen komplett anderen Weinstil pflegen, an einem Abend ins Glas gelangen. Die Rieslinge von Dr. Bürklin Wolf aus dem Jahrgang 2009 und von Von Winning 2012 könnten von ihrer Machart nicht konträrer sein.
Wild, Kräuter würzig mit einem leichten Firnton präsentiert sich zunächst das Große Gewächs des Weingutes Dr. Bürklin Wolf. Bei dem Von Winning ist zunächst nur eine vordergründige Fassbrandsüße zu erschmecken. Beide Rieslinge werden mit Luftkontakt immer klarer, facettenreicher und präsentieren auf komplett unterschiedliche Weise einen kraftvollen, leicht barocken Weintypus.
Es ist die Kraft und immense Intensität, welche bei beiden Pechsteinen im Vordergrund steht. Geschmacklich wird es dann konträr zum Duft; frisch, klar, leicht salzig und Zitrusfruchtlastig. Der Dr. Bürklin Wolf ist aber zur Zeit eleganter, finessenreicher und bietet trotz der ganz leichten Alterstöne einen enormen Trinkfluss, eine tolle Aprikosenfrucht und einen fast nicht enden wollenden Nachhall.
Der Von Winning braucht erst einmal etwas Zeit, um sein Holzgewand abzustreifen. Dann wird es klar, straff und vibrierend am Gaumen. Wie ein Chardonnay aus dem Burgund, nur mit viel mehr Säure im Gepäck, peitscht dieser Pechstein durch den Mundraum. Auch bei diesem Großen Gewächs sind viele Zitrusaromen spürbar. Lang, ja sehr lang ist dann auch der Nachhall. Der Von Winning wirkt in seiner ganzen Art noch jugendlicher und verschlossener. Ob das nun an den unterschiedlichen Weinstilen oder an den verschieden Jahrgängen liegt, ist schwer zu sagen.
Beide Pechsteine sind in jedem Fall monumentale Gewächse, die mit weiterer Flaschenlagerung gewinnen werden. Pech gehabt? Nein, wahres Glück, beides im Glas haben zu dürfen.
Dr. Bürklin-Wolf Riesling Forster Pechstein GG 2009 271 von 365 WKE Punkten*
Von Winning Forster Riesling Pechstein Riesling GG 2012 259 von 365 WKE Punkten*