Teil 1. Godello, eine galicische Wundertüte
Die Sache mit dem Godello ist so einfach nicht. Die beiden wichtigsten Weinbauregionen in Galiza, in denen Godello gedeiht, sind Valdeorras und Monterrei, in den anderen drei Anbaugebieten gibt es auch Godello, man merkt es nur kaum. Aber selbst in Monterrei und Valdeorras findet man ihn verstreut und, wenn er dann einmal auftaucht, steht er wahrscheinlich auf einem Kartoffelacker. Außerdem gibt es Verwechslungsgefahren. Und letztendlich kennt kaum ein Weintrinker diese Rebsorte. Aber der Reihe nach!
Auch wenn das politische, das wirtschaftliche und das soziale Chaos der letzten Tage, Wochen, Monate oder Jahre etwas anderes vermitteln könnte, Spanien ist und war schon immer streng hierarchisch durchorganisiert, normal für ein Land, in dem Militär und Kirche dominier(t)en.
Im geendeten Mittelalter und in den ersten Jahrhunderten der Neuzeit konnte man zumindest in Castilla und in Galiza nicht so einfach Wein handeln. Alle größeren Marktflecken waren als Protektorate organisiert, die Altvorderen vergaben Zulassung, ohne eine solche durfte man, von außerhalb kommend, in der Stadt keinen Wein verkaufen. Oftmals war dies eine zeitlich befristete Angelegenheit. Solange der Wein, den der Ort und seine Nachbarschaft produziert hat, nicht gesoffen war, durften andere nicht verkaufen. Local first kannte man also schon damals. Arm dran waren die Weintrinker der Orte, in denen gar grausame Weine gekeltert wurden. Man darf nicht vergessen, dass aus Hygienegründen dereinst viel Wein getrunken wurde, der nur einen niedrigen Alkoholgehalt aufwies. In Mitteleuropa übernahm Bier diese Aufgabe, Wasser war oftmals voller Keime. Für O Barco de Valdeorras, für A Rúa (auch Valdeorras) sowie für Verín und Monterrei war dies wesentlich, denn auf diese Weise hielt man sich die Konkurrenz aus Bierzo, aus Manzaneda sowie, im Fall von Monterrei und Verín, aus dem Norden Portugals vom Hals.
Monterrei hatte noch eine andere Funktion, irgendwie musste der Klerus ja auch eingebunden werden. Es oblag den Äbten zu Monterrei, den Preis für den Wein festzulegen. So etwas gab es in jeder Weinbauregion, La Vid etwa war zuständig für den ganzen Osten dessen, was heute Ribera del Duero heißt, bis el Burgo de Osma. Dies war eine wichtige Aufgabe, allerdings nicht problemfrei, denn der Klerus verdiente am Weinverkauf, das Zehnt, wie eigentlich überall, wo die katholische Kirche etwas zu sagen hatte. Je höher der Preis, desto höher die Einnahmen. Nur musste man schon ein Auge drauf haben, dass das einfache Volk den Wein auch bezahlen konnte. Welches Kloster diese Aufgabe im heutigen Valdeorras übernahm, ist zumindest nicht leicht zu recherchieren, es dürfte aber auf O Barco de Valdeorras zulaufen. Wie dem auch sei, man hatte mächtige Trümpfe in der Hand. Erstaunlich ist, dass man eigentlich nichts daraus gemacht hat.
Valdeorras geriert sich heute als das Herz der Godelloweine. Nun ja. Godello gibt es dort zwar schon länger, gleichwohl waren es Sorten wie Doña Branca oder Monstruosa, die früher vornehmlich angebaut wurde. Dazu kamen Mouratón, Grao Negro, etwas Mencía schwappte aus dem benachbarten Bierzo herüber; die wichtigste Rebsorte, sie brachte der Region viel Ruhm ein, indes war Albarello, eine eher helle Rotweinsorte, die sich dennoch gut zum Verschnitt mit anderen Sorten eignete. Die Hänge des Tals des Sil waren und sind für Weinbau gut geeignet, im zentralen Bereich stand wohl viel Rotwein, im Osten, nahe Rubiá, sowie weit im Westen, in Quiroga, das heute aus welchen Gründen auch immer zu Ribeira Sacra gehört (wahrscheinlich steckt da eine Kirchensprengelgrenze dahinter), ist das Land für Weißweine besser geeignet.
Valdeorras ist, was Gestein angeht, ein bunter Kessel. Im Westen, zwischen A Rúa und Quiroga, gibt es zunächst sehr kalkhaltigen Sandstein mit dicker Lehmkrume, danach kommt grauer Granit mit Sand. Weiter gen Osten gibt es Kalksandstein mit Lehmauflage, dann Schiefer, bis hin gen Bierzo. Auf der anderen Seite des Sil gibt es erst einmal wieder Lehm, in O Bolo stehen Reben auf Granit. Der Sil mäandert von Osten gen Westen, die Hänge auf der Nordseite sind exzellente Standorte für Reben, die besten Ergebnisse erhält man, wenn die Reben jenseits der vierhundert Meter Linie kultiviert werden. Weiter unten ist es oftmals zu feucht, Rebkrankheiten sind nicht gerade selten. Auf der anderen Seite des Flusses sind die Hänge steiler, Weinberge findet man dort nur selten, die Trauben würden schlicht und ergreifend nicht reifen.
Um sich das Valdeorras der Blütezeit vorstellen zu können, muss man die Zeitbrille aufsetzen und minus zweihundert einstellen. Damals gab es noch keine Stauseen, der Sil war ein wilder Fluss, von den Kordilleren kommend stürzte er sich durch halb Galiza, um in A Peroxa in den ebenfalls wilden Miño zu münden. Heute gibt es diverse Staustufen, die Wucht des Sil ist gebändigt.
Godello ist in Valdeorras erst seit weniger als zweihundert Jahren beheimatet, in alten Schriften liest man viel von Verdello. Und da beginnt dann die Konfusion. Denn viele Galegas und Galegos meinen Verdejo, wenn sie Verdello sagen. Das sind aber zwei unterschiedliche Dinge. Andere sagen, Verdello und Godello seien Synonyme. Auch nicht richtig. Verdejo ist etwas anderes. Und sowohl Godello als auch Verdello stammen aus Portugal; mag sein, dass sie Mitglieder einer etwas größeren Familie sind, indes unterscheiden sie sich deutlich: die Beeren des Verdello sind grüner und länglich, während die des Godello eher gelb und rund sind. Auch sind die Blätter des Verdello dunkler als jene des Godello. Jedoch ist es nicht einfach, alleine aufgrund der Blattfarbe Verdello von Godello zu unterscheiden. Form und Farbe der Beeren erkennt man erst am Ende der Reifeperiode. Allerdings scheint es so zu sein, dass in Valdeorras Godello dominiert, Verdello indes findet man dort selten. In Monterrei stehen beide Sorten oftmals nebeneinander in einem Weinberg, so der alt ist. In jungen Weinbergen dominieren Setzlinge aus Rebschulen, da wird nichts vermischt.
Godello-Fans sagen, dass vor der Ankunft der Reblaus in Valdeorras je ein Drittel der Rebfläche mit Godello und Mouratón bestockt war, der Rest entfiel auf andere Sorten. Nach dem Auftritt der Laus veränderte sich alles, die Weinbauern wählten, wich auch an vielen anderen Orten in Galiza, Alicante Bouschet und Palomino, vor allem Palomino, Albarello, Mouratón und Godello fanden kaum noch statt. Stabiler Ertrag, große Ernten, wenig Aufwand, kaum Rebkrankheiten, die Liste der Vorteile ist lang, Qualität indes steht da nicht. Wenn man will, kann man auf einem Hektar Rebland gut und gerne dreißigtausend Kilo Palomino ernten, und die Weinbauern wollten. Godello überlebte, aber nur an wenigen Stellen. Und dann nahm das Unheil seinen Lauf.
Mitte des letzten Jahrhunderts gab es in Valdeorras zwar noch eine Vielzahl von kleinen und kleinsten Kellereien, Hausgebrauch und ein wenig mehr, die einzigen dominanten Betriebe indes waren die drei Cooperativen: aus O Barco de Valdeorras, zuständig für den ganzen Osten der Region, aus A Rúa, zuständig für die Mitte und den Westen, sowie aus Larouco, zuständig für O Bolo, Larouco und andere Dörfer auf der anderen Seite des Sil. In den Cooperativen wurde alles mit allem vermischt, man kelterte weißen und roten Valdeorras. Und man war vor allem an Kilos interessiert, Qualität war nicht so wichtig. Weinbauern konnten mit Palomino und Alicante Bouschet wesentlich mehr Einkommen generieren als mit Godello. Wenn nun der Aufwand größer ist, der Ertrag aber geringer, dann muss man nicht lange nachdenken, um das zu verstehen, was geschah: Godello begann zu verschwinden. Er hielt sich vor allen in O Bolo, denn dort waren und sind die Parzellen klein, es war oftmals nicht rentabel, die alten Stöcke auszureißen, um Massenträgersorten zu pflanzen. Im zentralen Teil von Valdeorras hingegen war dies problemlos möglich. Die Mengen stiegen, Qualität war immer weniger ein Thema. Das Image von Valdeorras erreichte einen Tiefpunkt, von dem sich die Region bis heute noch nicht komplett erholt hat.
Im Jahr neunzehnhundert vierundsiebzig, Manuel Fraga, später Ministerpräsident in Galiza und Förderer des Weinbaus in dieser Region, war noch immer Francos Stellvertreter, begann man ein ehrgeiziges Programm: REVIVAL, ReEstructuración de VIñedos de VALdeorras. Man untersuchte und forschte, um dann mit der systematischen Bestockung mit Godello zu beginnen. Dabei traten zwei Probleme auf.
Ein Problem bestand darin, dass die Hanglagen alle bestockt waren, man hätte dort erst einmal alte Rebstöcke ausreißen müssen, um dann neu zu bestocken. Zudem hätte es einer Flurbereinigen erfordert, denn die Parzellen am Hang sind klein, eine mechanische Beackerung, wie sie in jener Zeit schon Gang und Gäbe war, kam dort nicht infrage. Unten, auf flachem Geläuf, indes war Platz, insbesondere in A Rúa, wo eine riesige Fläche nahe des Sil neu bestockt wurde. Fast alles ist Godello, ein wenig Mencía kam auch. Diese Flächen indes sind durchaus fruchtbar, die Erträge waren hoch, die Qualität nicht der Rede wert. Erstes Ergebnis: Valdeorras hatte viel Godello, der nach nichts schmeckte.
Das zweite Problem bestand darin, dass in jener Zeit nicht nur, aber vor allen in Galiza Menge vor Qualität kam. Da die Genossenschaften noch immer dominierten, das hat sich in Valdeorras erst in den letzten zehn Jahren geändert, erachtete man Ertragsmengen von etwa dreizehntausend Kilo Godello pro Hektar als ordentlich. Versuchsweise wurden auch Klone gesetzt, die nur achttausend Kilo pro Hektar erbrachten, sie wurden aber dann wieder verworfen, in der Liste der Klone, die schlussendlich den Weinbauern empfohlen wurden, kamen sie nicht vor. Fazit: man wählte ertragreiche Klone, um sie dann auf betont fruchtbarem Land zu pflanzen. Und dann wunderte man sich, das das Ergebnis jenseits der Region niemand trinken wollte.
Der Großteil der Bodegas der Region, aktuell sind da fünfundvierzig Betriebe mehr oder weniger aktiv, wurde zwischen neunzehnhundert sechsundachtzig und zweitausend und vier gegründet, viele kleine Kellereien, einige Handelskellereien, aber auch die eine oder andere größere Bodega. Godeval, etwa, oder Valdesil, Don Mario in Larouco, Carballal in Petín. An der grundsätzlichen Problematik änderte dies indes nur wenig: viele Weine endeten in regionalen Supermarktketten, Gadis und Froiz, oder in den Tavernen zwischen El Barco und Ourense, wo man ob niedriger Preise Markt erobern konnte. Restspanien interessierte sich nicht für die geschmacksfreien Weißlinge vom Sil, Export fand nicht statt, bis heute hat sich das nur wenig geändert.
Wie in vielen anderen Weinbauregionen wendeten Zugereiste das Blatt, wobei hier einer wichtiger ist als andere: als Rafael Palacios begann, die Weinberge in O Bolo zu durchkämmen; gut, er arbeitet mit José Beneitez zusammen, der wichtigste Weinbauer jener Region. So entstanden plötzlich Godellos, die zuvor niemand für möglich gehalten hätte. Da Rafael auch ein wenig Kleingeld mitbrachte, konnte er einige Weinberge neu bestocken, er rückte O Bolo stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Seine Weine markieren heute den Stand der Dinge, und für Weine, auf deren Etiketten der Name Palacios steht, sind sie noch halbwegs bezahlbar.
Der zweite der kam, warum es ihn in diese Ecke verschlagen hatte, das wissen nur die Elche, war Telmo Rodríguez. Telmo machte das, was er auch sonst gerne macht: er suchte sich eine Bodega, in der es halbwegs ordentlichen Wein gab, machte ihn etwas besser und klebte seine Etiketten auf die Flaschen: Gaba do Xil. Erst in Don Mario, dann gründete der Kellermeister von Don Mario eine neue Bodega: Ladera Sagrada, und Telmo kam mit. Der normale Gaba do Xil ist mehr oder weniger belanglos, Valdeorras in bekannter Tradition. Jedoch begann der Riojano zusammen mit José Beneitez alte Parzellen zu suchen, die noch nicht von Rafael Palacios in Beschlag genommen waren. Dort entsteht der eine oder andere Lagenwein von wirklich guter Qualität.
Der dritte von draußen ist Jorge Ordóñez, der Malagueño. Er nistete sich bei Godeval ein, verließ, wie so oft, das Nest im Streit, um sich dann in A Rúa in einer schlichten Industriehalle anzusiedeln. Seine Weine sind etwas üppig und mächtig, aber das ist egal, denn Fans von Jorge trinken, was Jorge ihnen vorsetzt.
Drei bekannte Namen machten Valdeorras bekannt. Pepe Domínguez aus dem Süden von Rías Baixas versuchte das auch, allein es schlug fehl. Er wollte mit Adegas Día Noite und ein paar weiteren Kellereien in Castilla und Catalunya eine Gruppe schaffen, die aufgrund latentem Geldmangel aber schnell wieder verschwand.
Dann passierte erst einmal nichts, und das fast zehn Jahre lang, nicht einmal Raúl Pérez wollte in Valdeorras aktiv werden; das sollte einem zu denken geben. Vor wenigen Jahren kam dann doch etwas Bewegung in die Region: Viña Somoza stellte Javier García (4monos viticultores, Sierra de Gredos) als technischen Direktor ein, Xurxo Alba (Albamar) begann mit dem Projekt Ceibo, diverse Weinberge aus O Bolo.
Dann kamen die Großen: Pago de los Capellanes kaufte in Seadur, eine Top-Ecke in Larouco, Rebland zusammen, man richtete sich in einer stillgelegten Bodega ein, Chivite übernahm Roandi, ein anspruchsvolles Projekt, das vom ersten Tag an zum Scheitern verurteilt war. Viña Costeira, die Genossenschaft aus Ribadavia, übernahm Don Mario. Muga sucht und wenn man dem Canyonfunk Glauben schenkt, dann ist die Liste derer, die suchen, lang und fett. Das Problem: der Erwerb eine Bodega ist nur sinnvoll, wenn man auch Rebland kaufen kann. Was da steht, ist irrelevant, man kann Palomino oder Alicante Bouschet problemlos durch Godello ersetzen. Pflanzrechte zu bekommen, ist hingegen quasi ein Ding der Unmöglichkeit.
Auch wenn die Cooperativen vor sich hin sterben, Valdeorras wird überleben. Wie die Region in zehn Jahren strukturiert sein wird, das kann heute niemand vorhersagen. So große Glaskugeln gibt es nicht.
Monterrei, die zweite Godello-Region in Galiza, ist eine kleine Weinbauregion, nicht einmal sechshundert Hektar Rebland sind bestockt. Gut, wen man so will, dann ist halb Galiza klein, addiert man die Flächen von Ribeira Sacra, Valdeorras und Monterrei dann gibt das weniger als die Rebfläche von La Seca.
Monterrei ist so etwas wie ein riesiger Kessel mit Verín in der Mitte, das Dorf Monterrei gleich daneben. Weinberge findet man vor allem im Kessel, die besseren Weingüter, allen voran Jose Luis Mateo, das einzige überregional und international bekannte Gesicht der Weinbauregion Monterrei, verfügen auch über Weinberge am Hang, bis hoch gen As Duas Casas, weit über achthundert Höhenmeter, wo dereinst Quinta do Buble sehr gute Weine kelterte.
Von Mateo und Buble in seinen besten Zeiten und vielleicht Vía Arxéntea einmal abgesehen, ist das alles ein gewaltiges Missverständnis. Niemand sonst keltert wirklich spannende Weine, diverse größere Bodegas haben schon des Öfteren den Eigentümer gewechselt, Gargalo überlebt alles, weil der Modedesigner Roberto Verino sich die Bodega als besseres Hobby leistet. Den Ton geben in dieser Weinbauregion Pazo do Mar (Ribeiro), Martín Códax und Manuel Jove an. Und Cregu e Monaguillo, aktuell die größte Bodega der Region, Lieblingsbodega der Xunta do Galiza, Herr Alberto Núñez Feijoo nimmt dort gerne ein Mittagsmahl ein, so er denn in dieser Wildnis weilt. Die Weine dieser Bodega, allen voran deren Weißweine, sind nachgerade belanglos, sie reihen sich gut in das gesamte Spektrum ein.
Godello gibt es hier nur selten sortenrein, die Winzer pflegen, ihn mit Treixadura zu mischen. Das erbringt etwas mehr Stoff und Dichte, die Weine wirken komplexer, vor allem aber unterscheiden sie sich dadurch von jenen aus Valdeorras, man kämpft schließlich um die gleichen regionalen Märkte.
Ähnlich wie in Valdeorras pflanzte man auch hier Godello an Stellen, die nicht für Godello geeignet sind, Mais wäre eine sinnstiftende Alternative. In den letzten Jahren hat man die Denominación de Origen Monterrei um zwei Dörfer erweitert, dort findet man ein paar alte Weinberge.
Richtig angreifen mag hier niemand, daher ist José Luis Mateo nach wie vor der einzige Vorzeigebetrieb. Antonio, Exinhaber von Quinta do Buble und heutiger Chef von Sol y Vento, könnte, die passenden Weinberge hätte er. Nur, er mag lieber gefällige Weine für die nähere Umgebung, bereitet von einem Önologen, der für gefällige Weine bekannt ist.
Manuel von Vía Arxéntea keltert seit Jahren einen mehr als ordentlichen klassischen Monterrei aus Godello und Treixadura, höhere Qualitäten darf man hier aber nicht erwarten. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch fast alle Bodegas. Es gibt immer einen Wein, den man mehr oder weniger problemfrei trinken kann, auch wenn an das Niveau des Vía Arxéntea nur wenige herankommen, mehr ist da aber nicht.
Wenn schon die Zukunft von Valdeorras ungeklärt ist, was soll man dann erst über Monterrei sagen?
Und sonst? Nun Godello gibt es auch in Ribeira Sacra, aber vor allem am nordöstlichen Rand der Region, in Quiroga und seinem Hinterland. Gefühlt neunzig Prozent aller Godellos der Region stammen von dort, oftmals kaufen Bodegas, die an ganz anderen Stellen beheimatet sind, hier Trauben oder Fasswein. Die Gegebenheiten sind gut, allerdings ist Val de Quiroga, der Platzhirsch dieser Ecke, eher nicht für Qualität bekannt. Man keltert viel spanischen Tafelwein und manchen bedenklichen weißen Ribeira Sacra. Guímaro und Algueira haben in Sober und in Cortezada etwas Godello stehen, sie keltern den einen oder anderen durchaus guten Weißwein. Ansonsten findet man da nicht viel.
In Ribeiro gibt es Godello, aber nur in geringer Auflage, die wichtigste weiße Sorte dieser Region ist Treixadura. Abgesehen von Viña Costeira, die ab und an einen sortenreinen Godello auf den Markt bringen, findet man Godello eher selten, Verdello eigentlich gar nicht. Da der Consejo Regulador keine Zahlen herausrückt, kann man nur (über)schätzen: vier Prozent der gesamte Rebfläche käme schon fast einer Sensation gleich.
Im Jahr zwanzig sechzehn wurden in Rías Baixas fünfundsechzigtausend sechshundert siebenundsechzig Kilo Godello geerntet, siebenundachtzig Prozent davon in O Rosal. Alles verschwindet in Cuvées aus Albariño, Caiño, Godello und Treixadura, O Rosal Regionalweine, Terras Gauda ist der bekannteste von ihnen. Im gleichen Jahr wurden im Val do Salnés eintausend neunhundert siebenundneunzig Kilo Godello gelesen. Eine detaillierte Untersuchung der Verwendung dieser Trauben unterblieb.
Letztendlich ist das alles aber fast egal, denn wer, von den Einheimischen einmal abgesehen, hat schon mehr als drei Godellos in seinem Laben getrunken? Man findet die Weine kaum, jenseits der spanischen Grenzen schon gar nicht. Der Konsument kann sich kein Bild von Godello machen, alles bleibt im Ungefähren. Sollte man dennoch einmal auf Weine von Rafael Palacios oder Viña Somoza treffen, oder auf die Cuvées mit Godello, die José Luis Mateo keltert, man kann guten Gewissens einen Korkenzieher ansetzen. Text: El oso alemán
Teil 2. Albariño, denn auch Galegos wollen gute Geschäfte machen erscheint auf diesem Blog am 14.08.2019 um 11.00 Uhr.
Teil 3. Galiza in Rot: noch immer eine Herausforderung erscheint auf diesem Blog am 21.08.2019 um 11.00 Uhr.
Teil 4. Galiza, ein Land der Cuvées? Vor allem um Ribeiro geht es hier, aber auch um die komplizierte Nachbarschaft mit Portugiesen erscheint auf diesem Blog am 28.08.2019 um 11.00 Uhr.


