El oso alemán

El Oso Summer School 2019 – Galiza – Einleitung

El Oso Summer School 2019 – Galiza

Die Sache mit den Galegos und den Galegas ist so einfach nicht. Dieses Volk lebt gut abgeschottet im Nordwesten Spaniens, die Nordportugiesen halten Abstand, die Kastilier haben ein Gebirge errichtet und die Asturianer haben auch keine große Lust auf das kauzige Volk, das in den Kelten seine großen Urahnen sieht. „Depende“ (es kommt darauf an) ist ohne jeden Zweifel das Lieblingswort der Eingeborenen und sobald man eine Chance, etwas zu erreichen, verdaddelt hat, dann ist man sich sicher, dass schon mal wieder eine neue Gelegenheit komme werde. Inzwischen kann man ja erst einmal in die Kneipe gehen. Davon hat es hier reichlich.

Santa Tecla, der heilige Berg der Galegos, dereinst von Kelten besetzt.

Galegos reisen wenig, oftmals verlassen sie die Region nur, um Arbeit zu finden. Viele Rentner, auch manche Rentnerin, sprechen deutsch, weil sie in Deutschland oder in der Schweiz arbeiteten. Mit den dort Eingeborenen versteht man sich so recht und schlecht, Galegos bevorzugen andere Galegos, Weltoffenheit ist nicht gerade die Stärke dieser Region.

Galegos essen gerne, viel, gelegentlich auch gut. Aktuell gibt es hier elf Sternerestaurants, eine ganze Menge. Allerdings schließen ständig welche, zuletzt das Alborada in A Coruña, ein Spitzenrestaurant, das wohl nie in seiner mehr als zehnjährigen Geschichte Gewinn gemacht hat. Wenn in einer Stadt wie A Coruña, wo, samt Nebenorte, mehr als dreihunderttausend Menschen leben, wo Geld sitzt und wo man auch gerne bereit ist Geld zum Feiern auszugeben (Volksmund: Vigo-Pontevedra-Santiago-A Coruña >>> Arbeiten-Schlafen-Beten-Feiern), keine zwei Sternerestaurants überleben können, dann liegt da etwas im Argen. Galegos sind eher Gourmands denn Gourmets, außerdem bevorzugt man simple Küche. Vier mal im Jahr Pulpo a la feira ist ja okay, sechs mal im Monat dann eher nicht. Wenn man Restaurants empfehlen sollte, dann nun ganz sicher Culler de Pau, Casa Marcelo und A Tafona, Lucía Freitas hat letzten Herbst ihren ersten Stern erhalten. Bei den anderen muss man Glück haben, bei einigen Sterneläden hilft indes nicht einmal das.

Je weiter man sich von der Küste entfernt, desto rustikaler wird die Küche. Das muss nicht schlecht sein, schließlich ist die Produktqualität, insbesondere was Rindviecher jedweder Art angeht, durchaus hoch. Warum es aber kaum Geflügel (außer von den Großindustriellen namens Coren), kaum Wild und schon gleich gar keine Süßwasserfische gibt, das hat man alles fast überall vor der Haustür, ist eigentlich nicht zu verstehen. Und nein, Veganer kommen dort garantiert nicht auf ihre Kosten.

Horreo – der Klassiker unter den Getreidespeichern der Galegos.

Galegos trinken Wein, viel Wein; zu jeder Gelegenheit. Dazu gibt es ständig irgendwo lokale Fiestas. Es sollte aber, von Rioja und ein klein wenig Ribera del Duero einmal abgesehen, schon Wein aus Galiza sein, Groß-Galiza, Bierzo eingeschlossen. Anders als etwa in der Rioja, im Penedès, in Sachen Cava oder Valdepeñas, spielt Weinexport in Galiza eher eine untergeordnete Rolle. Ribeira Sacra, Ribeiro sowie Valdeorras exportieren nicht einmal zehn Prozent der jeweiligen Produktion, Monterrei immerhin derer dreizehn. Ein gutes Viertel aller Weine aus Rías Baixas wird jenseits der spanischen Grenzen verkauft, vor allem in den USA (da leben ja auch viele Galegos und die brauchen auch etwas zum Trinken).

In „Restspanien“ ist Wein aus Galiza ganz gut vertreten, was nicht zuletzt daran liegt, dass diverse Bodegas aus Kastilien, aus Catalunya, vor allem aber aus der Rioja, in Rías Baixas präsent sind. Dazu kommen die omnipräsenten Bodegas wie Martín Códax oder Condes de Albarei, hochwertige Weine kleinerer Kellereien indes findet man außerhalb der Metropolen eher selten.

Im Folgenden werden diverse Aspekte des Weinbaus in Galiza näher unter die Lupe genommen. Genauer gesagt:

1) Godello, eine galicische Wundertüte
2) Albariño, denn auch Galegos wollen gute Geschäfte machen
3) Galiza in Rot: noch immer eine Herausforderung
4) Galiza, ein Land der Cuvées? Vor allem um Ribeiro geht es hier, aber auch um die komplizierte Nachbarschaft mit Portugiesen.

Natürlich ist dem Bären schon bekannt, dass es in Galiza noch vier weitere Weinbauregionen gibt, drei davon haben inzwischen immerhin den Status einer IGP erreicht. Da das alles aber noch wirklich unausgegoren ist, beschränken wir uns hier auf die fünf bekannten Regionen. Sie schaffen Arbeit genug.

Gute Reise!

Ein Wort zur Begriffsklärung: Galiza ist die Schreibweise in Galego, in Deutschland ist eigentlich Galicien gebräuchlich. Galizien mit „z“ befindet sich in den Karpaten, dort aber wächst zumindest kein Albariño. Noch nicht. Text: El oso alemán

Teil 1. Godello, eine galicische Wundertüte erscheint auf diesem Blog am 07.08.2019 um 11.00 Uhr.

Teil 2. Albariño, denn auch Galegos wollen gute Geschäfte machen erscheint auf diesem Blog am 14.08.2019 um 11.00 Uhr.

Teil 3. Galiza in Rot: noch immer eine Herausforderung erscheint auf diesem Blog am 21.08.2019 um 11.00 Uhr.

Teil 4. Galiza, ein Land der Cuvées? Vor allem um Ribeiro geht es hier, aber auch um die komplizierte Nachbarschaft mit Portugiesen erscheint auf diesem Blog am 28.08.2019 um 11.00 Uhr.

*Punktesystem 0 bis 365 Punkte

Die Punkte stehen für die Tage eines ganzen Jahres. Je höher die Punktezahl ist, umso häufiger wünscht man sich an diesem Ort essen gehen zu können oder eben den beschriebenen Wein trinken zu dürfen.

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