El oso alemán

Garnacha im Bogen des Ebro

Garnacha im Bogen des Ebro

Der bislang letzte spanische Bürgerkrieg war eigentlich schon entschieden, in Mittelkatalonien war eine breite Bresche geschlagen, frei für den Vormarsch der Franquisten (unter Unterstützung von Hitler-Deutschland und Mussolini-Italien) gen Barcelona zu marschieren. Doch da gibt es eine kleine Delle des Ebro, nahe des Ortes Mora d’Ebre, in der sich Republikaner gehalten hatten. Sie wollte Franco auslöschen, zumindest aber vertreiben. Es begann ein Gemetzel, das als das wohl grausamste des Bürgerkrieges in die Geschichte eingehen sollte.

In der armen, rein landwirtschaftlich aufgestellten Region Terra Alta besetzte man einen Hügel im Norden von Corbera d’Ebre, Cota 402 (die absolute Höhe über Meeresniveau). Von dort aus kann man die wellige Landschaft gen Gandesa einsehen, das Unheil nahm seinen Lauf, tausende Menschen beider Seiten starben in einem unnützen Gefecht, das noch viel unnützer war als es kriegerische Handlungen ohnehin sind. Besucht man Celler Frisach, gelegen mitten in Corbera d’Ebre, dann ist ein Besuch dieser Stelle Teil des Programms, niemand soll glauben, dass die heute so ruhig daherkommende Region auch schon immer ruhig war.

Corbera d’Ebre.

Weinbau spielte in dieser Region damals eine durchaus bedeutende Rolle, schon Ende des neunzehnten Jahrhundert wurden Genossenschaften gegründet, deren Gebäude eher Kathedralen denn Weinproduktionsstätten gleichkommen. Derer zwei, die Genossenschaften in Gandesa und in El Pinell de Brai, werden nicht zu Unrecht als Catedral de Ví bezeichnet, noch heute, mehr als einhundert zwanzig Jahre nach der Fertigstellung, haben sie nichts an ihrem Glanz verloren.

Von dem Weinbau in Terra Alta kann man dies nicht unbedingt behaupten. Terra Alta ist die einzige Weinregion Kataloniens, die rechts des Ebro gelegen ist, noch hinter dem Priorat, auf der anderen Seite des Matarraña, der Grenzbach gen Aragón, ist erst einmal nichts. Dann nicht viel, irgendwann trifft man in Alcañiz ein. Mit anderen Worten: ein natürliches Absatzgebiet gibt es eigentlich nicht. In der Blütezeit der Region, Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, lebten in den zwölf Orten gerade einmal zweiundzwanzig tausend Menschen, heute ist es gerade einmal die Hälfte.

Hangparzellen in Terra Alta.

Garnacha Blanca war und ist die wichtigste Rebsorte der Region, in keiner anderen Ecke Kataloniens wird mehr davon angebaut. Aber auch diese Sorte hat es schwer in den trockenen Äckern, vor allem dort, wo die Krume aus Lehm besteht, fettem Lehm, wie etwa in Batea. Dort gibt es inzwischen viele Rebanlagen, Garnacha hält wohl noch immer die Mehrheit, aber die internationalen Sorten nehmen zu. Seitdem dort die Parzellen generell bewässert werden können, keltert man dort massenhaft massentaugliche Massenweine, die man auch ungekeltert sein lassen könnte. Oder aber man arbeitet mit einer in El Pacs del Penedès ansässigen Firma, die sich Torres nennt.

Torres war der Lebensretter der Region (und aus von Montsant), sagen die einen, während andere beklagen, dass Torres der Totengräber beider Regionen sei. Beide Ansichten haben etwas für sich. Denn Miguel A. Torres half den Weinbauern der Region, zu überleben. In den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhundert begann die Penedès-Großkellerei, Trauben aus Terra Alta zu kaufen, tief dunkel und pappsüß: Merlot. An Garnacha Blanca ist Torres bis heute nicht interessiert. Und gerade Batea und der ebenfalls im Norden der Region gelegene Ort Vilalba dels Arcs bieten gute Voraussetzungen für Massenweinbau: relativ große Parzellen, gut maschinentauglich, mit ertragreichen Klonen kann man da ein Business aufbauen.

Dies machten einige Bodegas, Ende des letzten Jahrhunderts war die Region vor allem für Weine aus internationalen Sorten bekannt, Bodegas wie Celler Pujol oder Bàrbara Forés, damals die Zugpferde der Region, setzten vor allem auf Syrah und Cabernet, auf Merlot und anderes Zeuch, sie kelterten zwar auch Weine aus Garnacha blanca, man schmeckte ihnen aber schnell an, dass die Kenntnisse von gutem Weißweinausbau noch nicht über den Ebro gesprungen waren. Viel Barrique hilft viel, dies war damals die Losung.

Als die D.O. Catalunya ins Leben gerufen wurde, kamen viele Bodegas aus Zentralkatalonien, um in Terra Alta Wein zu keltern. Das Ergebnis indes verschwand in anonymen Weinen, die in den Supermärkten dieser Welt für schmale Münze angeboten wurden.

Es kamen, wie so oft in Spanien, Glücksritter, Weinmacher, die mal hier ein Fass aufmachten, mal dort einen Wein kelterten. Nur wenige blieben, Jordi Miró etwa, in Corbera, oder Jordi Vidal, in Batea. Beide gehören zu den besseren Produzenten der Region.

Inzwischen ist auch der Consejo Regulador aus dem Tiefschlaf erwacht, man hat sich Garnacha 100×100 auf die Fahne geschrieben, sortenreine Garnachas werden seitdem bevorzugt präsentiert. Das Ansinnen ist nett, es hat nur einen kleinen Haken: da die meisten Weingüter nicht wissen, wie man ordentliche weiße Garnachas bastelt, kommen üppige Tropfen heraus. Aber da man nun einmal auf manchen Präsentationen nur präsent sein darf, wenn man einen 100×100 auf den Tisch stellen kann, machen die Bodegas das halt.

Langsam, ganz langsam beginnt die Region, in die Spur zu finden. Wie immer sind es kleine Bodegas, die den Wechsel einleiten. Celler Arrelats ist eines dieser Projekte: gelegen im Zentrum von Gandesa, in einer umgebauten Garage, begann man vor drei Jahren, etwa fünftausend Flaschen Wein zu bereiten; viel größer ist die Produktion bis heute nicht. Man verfügt über Rebland in Gandesa, nebst Corbera d’Ebre der interessanteste Ort für Weinbau in Terra Alta. Hier stehen die Rebstöcke auf Verwitterungskalksandstein, die Krume ist knapp, die Weine weisen etwas mehr Säure auf, sind dafür aber auch deutlich eleganter als die Wuchtbrummen aus Batea.

Francesc Ferré Frisach ist aktuell der wohl beste Winzer der Region, gerade erst hat er die an der Hauptstraße von Corbera d’Ebre gelegene Bodega, in der schon seit Generationen Wein gekeltert wird, modernisiert. Zweiundzwanzig Hektar Rebfläche, derer zwanzig entfallen auf Garnacha, die Hälfte davon ist weiß. Alle Weißweine sind Lagenweine, auch jene, die als „Naturweine“ daherkommen, will sagen, deren Most durchaus lange auf der Maische ruhte. Höhenunterschiede, Erdkrumen und die genaue Zusammensetzung des Gesteins machen die Unterschiede. Sogar einen Ancestral-Lagen-Garnacha-Schaumwein gibt es, er reift bislang achtzig Monate in der Flasche. Das Ziel ist es, derer einhundert zu erreichen. Natürlich gibt es hier, wie auch in anderen Weingütern, auch rote Garnacha, sogar etwas Garnacha peluda, das ist die Variante mit den behaarten Blättern, und ein klein wenig Garnacha gris, sonst eigentlich nur in l’Alt Empordà anzutreffen.

Mit dem, was die meisten anderen Bodegas so machen, hat das nicht sonderlich viel zu tun, mit dem, was man in der Region vor vielen Jahrzehnten machte, das, worauf der zumindest regional vorhandene Ruhm basiert, dann doch schon viel. Und dennoch: die Bodega gibt es in ihrer heutigen Form schon seit mehr als zehn Jahren. Außer Arrelats hat sich bislang niemand auf den Weg gemacht, Frisach Konkurrenz zu bieten. Text: Text: el oso alemán

*Punktesystem 0 bis 365 Punkte

Die Punkte stehen für die Tage eines ganzen Jahres. Je höher die Punktezahl ist, umso häufiger wünscht man sich an diesem Ort essen gehen zu können oder eben den beschriebenen Wein trinken zu dürfen.

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