Reben bellen doch!
Steht eine Zeitenwende bevor? Muss die Weingeschichte umgeschrieben werden? Sind unten und oben nun so stark vermengt, dass nicht einmal mehr der Deibl auf eine Seite setzen mag? Was ist da denn los? Und vor allem: was für verworrene Fragen stellt der Bär da eigentlich?
Nun, die Sache begann im Jahr zwanzig dreizehn: der Bär tapste das erste Mal im Norden von Euskera herum, steckte seine Nase in Stahltanks, um sie meistens ganz schnell wieder herauszuziehen. Grün, bitter, sauer und perlend – ¡brrrrr! Ein paar Weine waren so schlecht nicht, man brauchte aber keine drei Pfoten, um den Abzählreim erfolgreich zu beenden.
Gut, zur Ehrenrettung der Perlgetränke aus Getaria und näherer Umgebung muss man festhalten, dass diese Txakolis gar nicht dafür gemacht sind, mit Wein in ernste Konkurrenz zu treten. Die aus Bizkaia und Araba indes schon, und genau da lag (und liegt) das Problem. Denn die meisten sind auch heute noch schlicht und ergreifend belanglos. Bitter und spratzelnd auch.
Und dann war da dieser Mittwoch, ein sonniger Herbsttag, der Bär trottete gen O Grove, um bei Culler de Pau, noch immer das beste Restaurant in Galiza, mal wieder ein paar Spezialitäten zu mampfen. Und diesen Wein aus Araba sich einzuverleiben, den Roberto Olivan gemacht hat. Es geht also doch! Man kann aus diesen Sorten, kleine und große Courbu und Manseng und noch ein paar mehr, also doch richtig gute Weine machen. Die Nase des Bären war infiziert, kurz darauf war der ganze Bär befallen. Und, lerne: einen angestachelten Bären in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.
Das erste, was der Bär lernte, war, dass man mit Gros Courbu, Einheimbasken nennen die Sorte Hondarrabi Zuri, zwar nette Weine keltern kann, Doniene Gorrondona ist da ein gutes Beispiel, aber so richtig springt der Funke nicht über. Gut, wir wissen auch nicht, wie lange die Leute in Bourgogne gebraucht haben, um ordentlichen Chardonnay zu keltern. Dann warf der Bär einen Blick auf die Landkarte und sah, dass das mit der Küste und den Courbus und den Mansengs wohl keine gute Idee ist. Und das liegt wohl nicht nur am Klima, auch das Geläuf könnte eine Ursache sein. Wobei: da gibt es verschiedene Typen und von jedem kenne ich simple Weine. Ganz so einfach ist es also nicht. Außerdem würde im Umkehrschluss die Entfernung von der Küste eine Steigerung der Qualität suggerieren. Wer das glaubt, möge mal ganz vorsichtig die Getränke von Artomaña probieren. Auch nicht.
Aber irgendwie ist das mit dem Binnenland schon nicht unwichtig. Goianea, in Lezama (Araba) beheimatet, keltert ordentliche Weine (da hat früher Roberto die Maische gerührt), einer der drei Socios, der Pfarrer aus Delika, ist abgesprungen und macht jetzt einen eigenen Wein, durchaus auch für weltliche Zwecke geeignet. Und Iker, der Weinbauer und Schafhirte in Baserri Ulibarri, bringt immer extrem gute Weine auf den Tisch, wenn die klimatischen Gegebenheiten mal eben nicht extrem sind. Das kommt selten vor, dann aber machen seine Weine richtig Spaß.
Und dann kam Oscar, ähhh, Oxer. Er besitzt einen Weinberg in Kortezubi, ein Dorf, ziemlich nahe am Meer gelegen, wo er neben Gros Courbu auch Petit Courbu und Manseng stehen hat; die Erträge sind gering, die Qualität ist ziemlich gut. Allerdings ist dies, also Oxer Wines, die einzige Bodega im Norden von Euskera, die küstennah etwas stehen hat, was weiß ist und eben nicht Gros Courbu heißt. Wir wissen also nicht, was passieren würde, wenn Doniene Gorrondona plötzlich andere Rebsorten pflanzen würde.
Der Marko Gure Arbasoak wurde schnell zum Referenzwein, den aber kaum jemand erreichen konnte, weil die dazu nötigen Rebsorten halt kaum aufzutreiben sind. Außer in Bizkai barne. Und nun beginnt sich das Karrrussselll zu drrrehen.
Bizkai barne befindet sich in Orozko, oberhalb der Einzweckhalle sind vier Hektar mit Hondarrabi Dingens bestockt, die Qualität reicht aus, um einen ordentlichen Wein zu keltern. Mehr nicht. Bizkai barne gehörte drei Eigentümern, einer der drei starb, die Bodega stand lange Zeit vor dem Verkauf. Die beiden verbliebenen Eigentümer, Guillermo und Alfredo, sind auch Weinbauern, Alfredo ist aus Balmaseda, wo er vier Hektar Rebland kultiviert, die ein paar Zeilen weiter unten noch eine Rolle spielen werden; fast alles ökologisch, teilweise bio-dynamisch. Alle Top-Weine von Bizkai barne, will sagen der Egia Enea und der Lexardi werden aus Trauben gekeltert, die in Balmaseda eingesammelt werden. Aber erst noch einmal zurück zu Oxer Bastegieta. Da er keine eigene Bodega hat, keltert Oxer seine Weine in Bizkai barne. Zu dem Gure Arbasoak gesellte sich der Marko Skin. Da wird nicht etwa die Haut des Marko zum Markte getragen, Oxer maischt den Most einfach ein paar Zeiteinheiten auf den Schalen. Und dann kam da noch der Marko „velo“, ein Underflortxacko, t’schuldigung: Marko Loretxoa, will sagen ein Wein mit eine dicken Hefeschicht oben drauf, so wie ein Manzanilla aus Sanlúcar de Bärameda. Also all das, was man halt in einer hippen Bodega heutzutage so macht. Der Unterschied zu vielen anderen: Oxer Bastegieta versteht sein Handwerk.
Und dann lösten sie das Eigentümerproblem in Orozko. Oxer brachte seinen Inlandsdealer mit (es gibt ja auch noch die Rioja-Weine des Herrn Bastegieta), Alfredo und Guillermo brachten Imanoel Garay mit. Jeder legte zwanzig Prozent auf den Tisch, und die Sache war geklärt. Alles konnte seinen Gang gehen, und alles ging einen Gang, auch wenn der so gar nicht vorgesehen war.
Denn, klar, für Oxer gab und gibt es neben Bizkai barne vor allem seine Weine, Marko und die Spezial-Markos. Somit hatte er die Möglichkeit, in der Bizkai barne Einzweckhalle auch seine Markos zu keltern. Nur: Wat den eenen sin Uhl,…
Und so begann das Karussell mit dem Drehen, denn auch Imanoel keltert einen Spezialwein, der qualitativ noch einen Ticken über dem liegt, was Oxer so macht. Preislich auch, aber in der Liga ist das auch schon fast egal. Guillermo verfügt über gut drei Hektar Rebland in Arrankudiaga, dort stehen neben Gros C. vor allem Petit C. und Petit M. sowie etwas Riesling. Die Trauben landen in dem Otxanduri, der dort nicht benötigte Teil im Adore. Nur: diese Trauben sind zu weit besseren Weinen geeignet. Aktuell, man betone dieses Wort bitte scharf und deutlich, gibt es noch keinen Guillermo-Spezialwein.
Und dann ist da Alfredo mit seinen vier Hektar Rebland in Balmaseda. Balmaseda ist eine Art Kurort im Süden von Bilbo, hinter den Bergen, aber schon ein paar Meter von Orozko entfernt. Dort sind die geologischen und klimatologischen Gegebenheiten ganz anders als an anderen Stellen von Bizkaia (von ganz Euskadi reden wir gar nicht erst). Lange Zeit landeten alle Trauben in den beiden Top-Weinen von Bizkai barne, Egia Enea und Lexardi, das jedoch wissen wir bereits.
Dann begann Imanoel mit dem Hegan Egin, damals vielleicht der spannendste Wein aus Bizkaia. Die Trauben für diesen Wein, je fünfzig Prozent Petit Courbu und Petit Manseng, stammen aus Balmaseda, aus den Weinbergen von Alfredo Egia. Diesen Wein wird es auch weiterhin geben. Dies gilt, zumindest für die aktuelle Version, nicht für den Lexardi, der in Bizkai barne zumindest temporär verschwinden wird. Dafür nutzt Alfredo diese Trauben nun für einen neuen Wein: Rebel Rebel. All but Hondarrabi Zuri; spontan vergoren, nicht entrappt, ohne Zugabe von Schwefel, ausgebaut in gereifte Barricas und in ergrauten Amphoren, etwas ganz anderes als all das, was man aus dieser Ecke kennt. Der Einstiegswein in die Balmaseda-Welt ist der Egia Enea, ein komplexer Weißwein, einhundert Prozent Petit Courbu, wahrscheinlich der einzige sortenreine Petit Courbu aus Euskadi. Man sollte diese Rebsorte nicht unterschätzen. Gut, in Balmaseda steht auch ein klein wenig Gros Hondarrabi. Die Trauben landen, wie nicht anders zu erwarten, im Adore.
Für alle, die sich für dieses Thema interessieren, aber jetzt komplett verwirrt sind, fassen wir kurz zusammen:
Bikzai barne keltert aus Trauben der Bodega eigentlich nur den Mendiolagen, ein Wein, der aus gutem Grund nur in Euskadi verkauft wird. Der Adore, ein etwas gehobener Gros Courbu, wird aus Trauben gekeltert, die von den Eigentümern zur Verfügung gestellt werden, insbesondere von Guillermo und Alfredo.
Oxer keltert Marko, Marko Gure Arbasoak, Marko Late Harvest, Marko skin und Marko Loretxoa.
Imanoel keltert den Hegan Egin mit Trauben von Alfredo.
Guilleromo liefert die Trauben für den Otxanduri, verfügt aber zudem noch über eine Parzelle, mit der man einen Spezialwein machen kann.
Alfredo keltert den Rebel Rebel, aber auch der Egia Enea von Bizkai barne ist letztendlich sein Wein.
Und das alles in einer Bodega. Von wegen Einzweckhalle!!!
Und alles wird anders, im Süden von Bizkaia. Reb bell (isch), ¿wa? Text: el oso alemán




