Aber, so rauft sich der olle oso alemán verwundert das Haupthaar, ist das nicht das Land, in dem Milch und Honig fließt? Ist das nicht die Region, in der Sternetempel neben Sternetempeln stehen, in der selbst im einfachsten Restaurant gut gekocht wird? In dem nicht nur, aber auch Flaschen von den Romanées samt Contis und anderem auf den Tischen weilen? Und dann haben die da oben doch gleich drei Weinbauregionen. Nur: wenn man genau hinsieht: dann haben sie nichts. Zumindest keine eigenen Rebsorten. Alles nur geklaut! ¿Hep?
Nun: fast alles, was man in den Regionen, deren Bezeichnung stets auf Txakolina endet, anbaut stammt aus Frankreich, mal abgesehen vom Riesling, der wurde etwas weiter östlich erfunden. Zwar haben sie für alle Sorten, die koa dSau net kennt, einen euskadinischen Namen erfunden, Mune Mahatsa etwa, für Folle blanche, und irgendwas mit Hondarrrribia für das, was die Leute dort statt Muttermilch einsaugen.
Dies war so, dies ist so, und dies wird auch so bleiben. Und zwar mit eben dieser Sorte namens Hondarrabi Zuri, etwas kultivierter spricht man von Gros Courbu. Man braucht diese sauren Bitterlinge, um das viele Fett und Öl, mit dem die Euskaner so hantieren, halbwegs zu verdauen.
Nun kann man aus diesem Zeuch in der Regel statt Weltklasse nur Waldklasse zaubern. Gut, die besten Grocous kann man schon gut trinken, die Topweine von Doniene Gorrondona zum Beispiel, aber dennoch: es gibt nichts Großes im Kleinen!
Nun ist es aber so, dass neben Cross Courbu auch noch Petit Courbu, Gros Manseng sowie Petit Manseng kultiviert werden, wenn auch in verschwindend geringem Umfang. Und genau diese drei Sorten, wobei Gros Manseng eher weniger bedeutend ist, bilden das Gerüst der neuen, großen baskischen Weißweine.
Nun kann man auch an der Küste halbwegs ordentlichen Weinbau betreiben, siehe Doniene Gorrondona. Nur: die Nichtcrosscourbus werden da nicht reif, denn ständig regnet es oder windet es gar heftig, irgend etwas passiert immer. Deswegen muss man weg von der Küste, hin ins Landesinnere, zumindest hinter die ersten beiden Bergrücken. So bleibt die wabernde, feuchte Küstenluft an der Küste, man kann ökologischen Weinbau betreiben, auch wenn es Aufwand bereitet.
Vier Hektar sind es, die aktuell das Nonplusultra des nordbaskischen Weißweins darstellen: Los Atravesados, malerisch hübsch rechts oberhalb von Balmaseda placiert. Vier Hektar, voll mit den guten Sorten (gut, ein halber Hektar Zuri ist auch darunter, der wird aber bald neu gepfropft – mit roten Sorten!!!). Zwei Hektar etwa sind im Lyra-Stil gezogen, Ziel ist, mehr Blattfläche zu generieren, um die Photosynthese zu stärken. Diese zwei Hektar liefern die Trauben für einen Wein namens Egia Enea, einer der besten Weißweine der Region, noch dazu für kleine Münze erhältlich. Dieser Wein soll uns hier und heute aber nicht beschäftigen, denn schließlich geht es mal wieder um die zwölf spannendsten Weißweine Spaniens.
Imanol Garay ist ein Weinwandervogel, er keltert mal hier, mal dort. Irgendwann beim Txakolieren traf er wohl Alfredo Egia, ihm gehören die vier Hektar Rebland in Balmaseda, und man verabredete, gemeinsam einen Wein zu keltern. Man brauchte nur noch jemanden in einer Bodega, der die Arbeit macht. Denn Alfredo ist der mit den Rebstöcken, Imanol der mit der Philosophie und den Ideen; da traf es sich gut, dass da ja Alfredo Egia in einer Bodega in Orozko mit Gillermo Iturriondobeitia zusammenarbeitet, unter anderem entsteht der Egia Enea dort. Gile, auch er beackert in Arankundiaga drei Weinberge, ist der Bodegafuchs, er gab dem Projekt Leben.
Und so entstand der Hegan Egin, einer der beiden Topweine diese Projekts. Hälfte klein Manseng, Hälfte klein Courbu, ökologischer Weinbau, dementsprechend mickrige Erträge. Und dann alles in Gebinde, die in einer Bodega halt so herumliegen: Amphoren, kleine Barricas, größere Barricas, ein kleiner Stahltank, um Wein zu haben, um die anderen Gebinde nachfüllen zu können. Wobei sich Imanols zusammenphilosophiert hat, dass die Gebinde vielleicht dann doch nicht ganz voll sein sollten denn so gibt es einen Touch „Orange Wine“, ohne ins Trübe abzudriften.
Man kann nun trefflich diskutieren, ob der Hegan Egin zu den großen Weißweinen der Welt gehört (vielleicht dann doch nicht), zu den großen, speziellen und einzigartigen Weißweinen Spaniens gehört er ohne jeden Hauch von Zweifel. Komplexität und Eleganz dieser Art findet man sonst nur in Ausnahmefällen.
Aber hinter den sieben Bergen, in dem Land der sieben Zwerge – kwatsch, die Parzelle liegt ja gleich daneben. Denn Alfredo kultiviert auch eine Parzelle der vier Hektar strikt biodynamisch, mit Kuhhörnern, Stierkohl, Salbei und Veilchen. Oder so. Und aus dieser Parzelle stammen die Trauben für einen Wein, der gegen das Establishment rebelliert. Deswegen heißt er Rebel Rebel, doppelt rebelliert hält besser. Von Erträgen brauchen wir hier gar nicht erst zu reden: ein halber Hektar, keine fünfzehnhundert Flaschen. Der Unterschied zum Hegan Egin: achtzig Prozent Petit Courbu, der Rest Petit Manseng. Und: der Most reift ein paar Stunden Tage, Wochen auf den Schalen, das macht den Wein etwas ungestüm, leicht roh, rebellisch halt.
Welcher ist besser? Gute Frage! Der Hegan Egin ist schon feiner, eleganter, der Rebel² ist ein Rohling, den man auch erst erkunden muss. Wer nur wenig Erfahrung mit solchen Weinen hat, wird wohl eher zum Hegan Egin greifen (sooo viel teurer ist der dann auch wieder nicht), wer abseits bekannter Pfade wandeln will, eher zum Rebel Rebel.
Nebenbei bemerkt: kürzlich hat Alfredo festgestellt, dass es da in dem Teil, der für den Egia Enea ist, einen Teilteil gibt, in dem die Trauben gelber sind als im Rest. Und schwupps: in diesem Jahr wird es dann den ersten Gelbrebellen geben. Ganz schön rebellisch, diese Basken. Text: el oso alemán
Alfredo Egia Cruz: 2018 Rebel Rebel
80% Petit Courbu, 20% Petit Manseng
720 Flaschen gefüllt
El Oso Alemán Ranking Spanische Top-Weißweine 2021: Platz 6
Alfredo Egia Cruz: 2018 Hegan Egin
50% Petit Courbu, 50% Petit Manseng
1.890 Flaschen gefüllt
El Oso Alemán Ranking Spanische Top-Weißweine 2021: Platz 8