Das Weinbaugebiet Arabako Mahastiak
Ufffff!!! Wie konnte dies geschehen? Und warum ist Nessie abgehauen, jetzt, wo sie die erste UK Premierministerin aus Wales hätte werden können? Und dann auch noch in den Calados der Sierra Cantabria untergetaucht, wie dereinst Mendizabal oder die Karlisten. ¿Hep? Nun:
Und jährlich grüßt Arabako Mahastiak Nessie
Gefühlt geht das jetzt schon zehn Millionen Jahre so: Basken sticheln an der Südgrenze ihres Orbits, die Königlichen bringen dann sofort Kanonen in Stellung. Wilde Sprüche und Flüche werden ausgetauscht. Und wenn dann die lokalen Wahlen vorbei sind, ist wieder Ruhe – bis zur nächsten Wahlrunde.
Dieses Mal, das sagen zumindest die Revolutionäre, dieses Mal soll es ganz anders sein. Dieses Mal sollen die Viñedos de Álava, die Arabako Mahastiak wirklich ins Leben gerufen werden. ABRA, die Vertreter der Euskadi-Errioxa-Bodegas, bringt sich schon einmal in Stellung. Offiziell hat man einen Antrag gestellt, diese neue Denominación de Origen zu gründen. Und formal hat das baskische Parlament das erst einmal durchgewunken. Nun liegt der Ball im Spielfeld der Europäischen Union, Brüssel ist in diesen Angelegenheiten entscheidungsberechtigt. Aber Madrid spielt auch eine Rolle. Und so kommt es, dass die Sozialisten in Euskadi gemeinsam mit der regierenden PNV etwas durchgewunken haben, dass die Sozialisten in Madrid und in der Rioja bekämpfen. Selbst die PNV ist sich ihrer Sache so sicher dann auch wieder nicht, deren Araba-Abteilung ist eher gespalten, man versucht, sich zu enthalten. Man strebe eine Sub-Denominación de Origen an, Arabako Errioxa, aber innerhalb der D.O. Rioja.
Ist das also nicht viel mehr als ein Sturm im Wasserglas, much ado about nothing? Ist das alles nur das Wunschdenken einiger verzwergter Funktionäre? Funktionierende wäre hier wohl das falsche Wort. Immerhin haben sie einen bekannten Fürsprecher: López de Lacalle, Boss bei Artadi, ist natürlich voll des Lobes und würde sofort beitreten. Wäre man dann doch vielleicht der König; aber nur der König einer Gruppe der Verzagten.
Um was geht es?
Den ABRA-Funktionären ist es langweilig. Diese Situation kennen wir, das war bei den Salonbourgeoisisten in Catalunya auch nicht anders. Und aus lauter Langeweile zettelten sie eine Unabhängigkeitsdebatte an. Das ging in Catalunya schief, und es wird auch in der Errioxa nicht viel besser laufen. Einen Kuchen in seine Einzelteile zu zerlegen ist so einfach dann auch wieder nicht.
Das geographische Problem ist nicht gelöst. Es steht weiterhin wie ein fetter Hinkelstein im Raum. Denn San Vicente de la Sonsierra nebst Anhängsel Ábalos ist nun einmal politische Provinz, und zwar Rioja. Eher würde man in einem Straßengraben.. (dying in a ditch means dying in a ditch). Das Problem ist aber, dass vor allem Weingüter in Bastida auch diverse Parzellen in San Vicente beackern oder von dort Trauben beziehen. Sollte die D.O. Maha-ABRA Wirklichkeit werden, müssten diese Bodegas zwei Bodegas betreiben, in zwei Weinbauregionen. Toll, ¿wá?
Bleiben wir noch einen Moment in diesem netten Dorf. Dort gibt es ein paar durchaus gut bekannte Weingüter: Marqués de Carrión zum Beispiel, Teil von J. García Carrión, die größte Bodegagruppe Europas. Oder aber Torres, diese gräuliche Bodega vor den Toren des Ortes. Beide beziehen Trauben aus halb Spanien, nicht nur aus Arabako Mahastiak. Würde man die Regionen trennen, müsste man auch die Weinberge sauber trennen. Dies würde wohl entlang der Ortsgrenzen passieren. La Bastida indes ist komplett von königlicher Rioja umgeben, das ist eine Insel mit ’nem Berg im Rücken: der Toloño. Remelluri käme wohl mit einem blauen Auge davon, die Weinberge befinden sich fast komplett auf Bastida-Gemeindegebiet. Marqués de Carrión zog vor einigen Jahren von Briones gen Bastida, hier füllt man diverse Millionen Flaschen Wein, zehn zumindest. Und alles wird hier versteuert. Kann jemand glauben, dass J. García Carrión auf die Vermarktung als Rioja verzichten würde, nur weil ein paar ABRA-Funktionäre einen Traum haben? Kwatsch!
Am anderen Ende der Arabako Errioxa ist der Text ein anderer, das Lied indes ist das gleiche. In Oion stehen diverse Bodegas, Bujanda etwa, die sich aus Quellen der Rioja Alta und der Rioja Oriental Bazaaar speisen. El Coto de Rioja ist eine der größten Bodegas der Rioja, wenn nicht die größte. Die Bodega steht in Oion, die Trauben stammen aus <bitte beliebigen Ortsnamen einsetzen>. Werden die sich in El Coto de Arabako Mahastiak umbenennen, um dann in der Welt einen Viñedos de Álava Reserva zu verkaufen? Wohl eher nicht…
Viele Bodegas haben in den letzten Jahren in beiden Regionen Niederlassungen eingerichtet, teilweise echte Bodegas, teilweise bessere Briefkästen. Dies geschah vor allem, weil man so Subventionen in beiden autonomen Regionen einstreichen kann. Von jetzt auf gleich könnte dies aber auch weinpolitisch wichtig werden.
Vega Sicilia und Rothschild sind in der Rioja, um Wein mit dem Rückenetikett Rioja zu vermarkten. Die, aber nicht nur die, haben Lieferverträge mit Weinbauern in der halben Rioja. Würde diese Handelsgrundlage entfallen, käme wohl auf die baskische Seite eine Menge von Schadensersatzprozessen zu, die man durchaus gewinnen kann.
Was passiert mit Weingütern, die sich der neuen weinpolitischen Landkarte nicht anschließen wollen? Rein theoretisch wären sie dazu verdammt, ihre Weine als spanische Tafelweine zu verkaufen. Arabako Errioxa lebt vom Weinbau und auch vom Weintourismus. Würden die Großen, jene mit Namen und Bekanntheitsgrad in der ganzen Welt, auf die andere Seite des Ebro wechseln, was sollte dann dort passieren? Investoren von außerhalb kommen gen Rioja, um etwas zu verkaufen, das sich Rioja nennt.
Selbst die von der PNV präferierte Sub-Region Arabako Errioxa innerhalb der Rioja würde wohl nicht funktionieren. Zwar könnten die Weingüter dann weiterhin Rioja-Wein verkaufen, aber halt nur, wenn der Wein aus Trauben gekeltert wird, die aus Álava stammen. Würde auch das nicht gelten, wäre man dort, wo man heute ist.
Eine Abspaltung, die dann den Namen Arabako Errioxa tragen würde, wird es nicht geben. Das hat die königliche Rioja schon einmal ganz klar festgestellt. Die Marke Rioja würden Abtrünnige (m/w/d) garantiert nicht nutze dürfen.
Können all diese kleinen Betriebe aus Kripan, Navaridas, Leza, Eskuernaga oder Lapuebla de Labarca ihre Produkte verkaufen, wenn da nicht mehr Rioja draufsteht? In Euskadi schon, aber dort leben gerade einmal zwei Millionen Menschen. In der königlichen Rioja nicht eine Flasche, in Navarra auch nicht viel mehr.
Konsumierende sind Gewohnheitstiere, egal, was Großhändler oder Importierende sagen. Kein Importeur mit drei Gramm Hirn im Schädel würde einem Weingut sagen, dass man aufhören würde, deren Weine zu kaufen, wenn da Viñedos de Álava auf dem Etikett stehen würde. Ob das deren Kunden auch so sehen, das warten wir erst einmal gelassen ab. Denn auf den Weinkarten dieser Welt wäre die Rioja ja weiterhin präsent, als Rioja! Und dann sind da noch diese anderen. Remelluri kriegt das vielleicht gebacken; Artadi auch, und fünf oder zehn oder zwanzig weitere Kellereien hätten vielleicht auch keine Probleme. Aber jene, deren Weine bei Discountern für kleine Münze gelistet sind, würden sich ganz schnell umsehen. Wenn der Konsument zwischen Bodegas Fulano aus Rioja und Bodegas Zutano aus Viñedos de Álava entscheiden muss, brauchen wir nicht lange nachdenken, um zu begreifen, was passieren würde.
Das beste, was den Weingütern in Euskadi passieren könnte, wäre eine krachende Ablehnung seitens der Europäischen Union. Dort entscheiden Menschen mit ökonomischem Sachverstand. Mal sehen, ob sie ihn auch nutzen.
Und nein, ich bin kein Feind von Euskadi. Ganz im Gegenteil! Text: El oso alemán