Das Weinbaugebiet Jura

Das Jura: Ein verborgenes Juwel der französischen Weinkultur

Nein, hier geht es nicht um Rechtswissenschaften. Dass man Jura, den Namen dieses Weinbaugebietes, wohl nicht so präsent hat wie Loire, Bordelais oder Rhone, ist aber erstmal ganz natürlich, denn es handelt sich hier um eine der kleinsten Rebenzucht betreibenden Regionen Frankreichs. Gerade einmal knapp 2000 Hektar sind hier bestockt, ein verschwindend geringer Teil in Anbetracht der 800 000 Hektar, die das Land insgesamt auf sich vereinigt. Eines der kleinsten Weinbaugebiete der Grande Nation, eine Rebfläche gerade mal so groß wie die Insel Langeoog, unterboten nur noch vom winzigen Lothringen. Und doch hat der Landstrich es geschafft, sich immer wieder gegen die großen Nachbarn zu behaupten. Wie war das möglich? Schließlich liegt das Jura ziemlich an der Peripherie, dem schweizerischen Genf geografisch näher als der nächsten großen französischen Stadt Lyon. Doch diese Randlage am Fuße der Alpen hält für den Weinbau wahrscheinlich mehr Vor- als Nachteile bereit. 

Aber der Reihe nach. Bei allen Unterschieden hat das Jura eines mit den anderen französischen Weinbaugebieten gemein: am Anfang stehen die Römer. Kurz vor Christi Geburt muss es gewesen sein, als sie hier Weinberge anlegten, um für die Versorgung der Truppen nicht auf Importe aus Italien angewiesen zu sein. Caesar selbst hatte die Region unterworfen, und der Legende zufolge soll auch der Befehl zur Anpflanzung der ersten Rebstöcke von ihm gekommen sein. Bereits zu dieser Zeit brachte es der jurassische Wein zu einer ersten überregionalen Bekanntheit: aufgrund der ebenfalls in der Region liegenden Salzvorräte bildete sich schnell ein Handelsnetz heraus, mit dessen Hilfe nicht nur das Salz, sondern auch der Wein weite Strecken zurücklegte. Wie fast überall in Europa fiel aber auch im Jura der Weinbau durch den Untergang des Römischen Reiches in ein tiefes Loch. Einige Jahrhunderte dauerte es, bis zunächst christliche Klöster, später auch reiche Adlige ihn wieder ausgiebig förderten. Dass im Mittelalter die Burgunder mit ihren Unmengen an Geld und besten Verbindungen in alle Winkel Europas hier herrschten, zahlte rasch auf das Bekanntheitskonto der Weine ein. Auf 20 000 Hektar wuchs die Anbaufläche im Laufe der Jahrhunderte an, bis… ja, bis eine ganze Reihe unglücklicher Umstände dafür sorgte, dass die Region für lange Zeit aus dem kollektiven Feinschmecker-Gedächtnis verschwand. Zunächst schlug die Reblausplage voll durch und vernichtete einen Großteil der Weinberge – das war freilich in anderen Landstrichen auch der Fall und wäre allein kein Grund, warum das Jura sich nicht wieder hätte berappeln sollen. Etwa zeitgleich hatte jedoch auch der Siegeszug der Eisenbahn begonnen – und während überall in Frankreich schnelle Verbindungen in die Hauptstadt entstanden, blieb man im Jura verkehrstechnisch auf einem vorindustriellen Stand. Vor allem der Süden des Landes gehörte zu den Gewinnern – die fülligen, alkoholischen Weine von der Rhone und besonders aus Languedoc-Roussillon setzten sich durch, zumal sie deutlich billiger zu produzieren waren. Für das Jura fielen damit viele einstige Absatzmärkte weg, der Ruhm vergangener Zeiten war dahin.

Auch deshalb sind von den einst über 40 hier kultivierten autochthonen Rebsorten nur ein paar wenige geblieben. Retten konnten sich etwa die beiden roten Trauben Trousseau und Poulsard – ersterer präsentiert sich säurearm, mit pfeffrig-kräuterigem Geschmack und in kräftigem Rot, während letzterer blass wie ein Rosé daherkommt, dafür aber mit einem sehr fruchtig-duftigen Bukett und hoher Süffigkeit aufwartet. Faktisch gleicht also einer die Schwächen des anderen aus, was dafür sorgt, dass sie selten reinsortig vermarket werden, sondern im Verschnitt miteinander brillieren. Ergänzt wird das Portfolio um den ob seiner geringen Erträge mittlerweile vom Aussterben bedrohten Béclan, bekannt für seine helle Farbe und den eher moderaten Gehalt an Gerbstoffen und Alkohol. Doch seine Berühmtheit zieht das Jura nicht hauptsächlich aus den roten, die gerade einmal ein Fünftel des Gesamtertrags ausmachen, sondern aus den weißen Reben – die meist sogar deutlich kräftiger in Aromatik und Alkohol sind als Trousseau und Co. und bei Verkostungen vor diesen serviert werden. Besonders der Savagnin, im Deutschen besser bekannt als Traminer, gilt als Aushängeschild. Seine Ursprünge liegen weitgehend im Dunkeln, klar ist nur, dass er unglaublich alt ist – als europäische Urrebsorte Stammvater etlicher Trauben wie des Grünen Veltliners, des Silvaners oder des Chenin Blanc. Als Rebe, die noch sehr nah mit Wildem Wein verwandt ist, merkt man ihm durchaus ein gehöriges Maß Kratzbürstigkeit an – er gefällt ganz gewiss nicht jedem und gibt sich auch überhaupt nicht die Mühe, das zu tun.

Aus dem Savagnin keltert man die wohl bekannteste Spezialität der Region – den wahrhaft mysteriösen Vin Jaune. Nachdem der Most auf konventionelle Weise vergoren wurde, lässt man ihn mindestens sechs Jahre und drei Monate im Barriquefass reifen – oxidativ, also mit anfänglichem Sauerstoffkontakt. Im Laufe der Zeit bildet sich eine immer weiter anwachsende Schicht obenauf schwimmender Florhefe, die den Wein wie eine Art natürlicher Frischhaltefolie vor einem Umkippen in Essig bewahrt – im Jura wird sie poetisch „Voile“, Schleier, genannt. Wie so oft in der Weingeschichte soll auch das eher durch Zufall entstanden sein, als ein schludriger Winzer ein bestimmtes Fass für lange Zeit vergaß und bei der Wiederentdeckung dann ganz aus dem Häuschen über das unerwartete Resultat war – naja. Währenddessen wandelt sich jedenfalls die anfangs eher grünliche Färbung des Weines langsam in ein tiefes Goldgelb, was dessen Namensgebung erklärt. Der „gelbe Wein“ ist danach quasi ewig haltbar – einige Winzer behaupten steif und fest, man könne einen Vin Jaune entkorken und monatelang offen stehen lassen, ohne dass die Qualität in irgendeiner Weise beeinträchtigt würde. Abgefüllt wird traditionellerweise in ein Clavelin, ein durchaus bemerkenswertes Flaschenformat, das nicht 0,7 oder 0,5 oder 0,375 Liter fasst, sondern 0,62. Für regulierungswütige Brüsseler Bürokraten ist diese absolute Verweigerung metrischer Maßeinheiten ein Graus, und so darf das Bestandsschutz genießende Format nur mit einer zähneknirschenden Ausnahmegenehmigung verkauft werden. Dabei ist die Füllmenge keine Willkür, sondern schlicht der Anteil von einem Liter, der nach der oft starken Temperaturschwankungen ausgesetzten Fasslagerung übrig bleibt, denn anders als bei anderen Weinen wird beim Vin Jaune nicht wieder aufgefüllt. Faktisch verdunsten durch das Holz hindurch – als sogenannter „Schluck der Engel“ –  also fast 40 Prozent des Weines während der Reifezeit – mit ein Grund, warum der Wein preislich eher ein Tropfen für besondere Anlässe ist. Geschmacklich erinnert er, bedingt durch den oxidativen Ausbau, der beiden gemein ist, am ehesten an einen ausgezeichneten Sherry – ein ausgesprochen herb-nussiges, leicht salziges Aroma, ergänzt durch Noten von buttrigem Brioche, Pilzen, getrockneten Äpfeln und orientalischen Gewürzen. Als Teil der Spanischen Niederlande war man im Jura eine gewisse Zeit iberischen Einflüssen ausgesetzt, möglicherweise ein Grund dafür, warum sich die in diesem Teil Europas sonst sehr unübliche Art der Fassreife hier etabliert hat. Im Gegensatz zum Likörwein aus dem Süden Spaniens wird der Vin Jaune jedoch nicht während der Gärung aufgespritet, sondern gärt komplett durch und kommt infolgedessen am Ende stets knochentrocken daher. Wer es geschmacklich nicht ganz so extrem mag, der ist gut beraten, auf Etiketten nach dem Hinweis „non ouillé“ zu schauen, der besagt, dass der Wein eine deutlich kürzere Zeit oxidativ gereift ist als ein Vin Jaune und so nur zarte Anklänge an dessen geschmackliche Kompromisslosigkeit aufweist.

All diese gerade beschriebenen Verfahren – alkoholische Gärung, Fassreife, Oxidation und so weiter – sind natürlich nicht vom Himmel gefallen, sondern das Ergebnis einer sehr langen Folge nach dem Prinzip von Try and Error. Irgendwann hatten die Winzer den Dreh halt raus – freilich ohne zu verstehen, was dort auf chemischer Ebene wirklich vor sich ging: der Übergang von Traubensaft zu Wein hatte quasi den Nimbus eines Wunders. Das zu ändern, die Geheimnisse der Kellertechnik auf wissenschaftliche Weise zu ergründen, war die erklärte Mission des wohl bekanntesten Sohnes des Jura, Louis Pasteur. Der heutzutage vor allem für seine Beiträge zur Infektionsforschung bekannte Gerbersohn aus dem Örtchen Dole war felsenfest überzeugt, dass es sich bei Wein um das gesündeste und hygienischste aller Getränke handele. Und begann infolgedessen seine Karriere tatsächlich damit, bisher ungeklärte Probleme der Weinbereitung zu analysieren. In Arbois, dem Zentrum der Region, machte er zahlreiche bahnbrechende Entdeckungen: etwa, dass für die Gärung Mikroorganismen verantwortlich sind, während man zuvor davon ausgegangen war, dass die Entstehung von Alkohol abiotisch, also völlig ohne die Beteiligung irgendwelchen Lebens vonstatten ging. Und, was noch viel wichtiger war, dass ebensolche Mikroorganismen – seien es Hefen, Schimmelpilze oder Bakterien – auch dazu führen können, dass Wein spontan verdirbt. Das war damals ein derart großes Problem für die französische Weinwirtschaft, dass sogar Kaiser Napoleon III. sich der Angelegenheit annahm und von höchster Ebene herab die Wissenschaft mit der Suche nach Abhilfe beauftragte. Pasteur schlug vor, die Flüssigkeit auf 60 Grad zu erhitzen und anschließend in hermetisch versiegelten Gebinden aufzubewahren, damit keine neuen Organismen an die Stelle der zuvor abgetöteten treten können – er hatte nämlich auch herausgefunden, dass nicht allein die Flüssigkeit an sich, sondern ebenso die Luft mit Keimen belastet ist. Damit bewies er, dass eine luftdichte Verpackung die Lebensdauer vieler Nahrungsmittel deutlich eher verlängert als die bloße Kühlung derselben, die das Keimwachstum nur verlangsamt. Revolutionär! Das Verfahren der Pasteurisierung, das wir heute vor allem von Milch kennen, war also zuallererst für Wein gedacht. Viele Winzer verweigerten sich der neuen Technik zunächst jedoch: den teuren Wein aufs Feuer stellen wie eine Suppe!? In der Tat kann die Hitze sich negativ auf den Geschmack auswirken: ein sogenannter Kochton macht sich als Weinfehler bemerkbar. Außerdem werden neben unerwünschten auch nützliche Mikroorganismen zerstörrt. Heutzutage verzichtet man deshalb zumindest bei höherwertigen Weinen weitgehend darauf und verlässt sich stattdessen auf penible Kellerhygiene und alternative Verfahren mit Sulfiten oder Edelgasen.

So unbestritten genial die Leistungen Pasteurs gewesen sein mögen, den Absatz des Weines aus seiner Heimat werden sie nicht befördert haben. Und in der Tat haben wir ja immer noch nicht die Frage geklärt, wie man sich vom harten Abstieg gegen Ende des 19. Jahrhunderts wieder erholt hat. Dafür müssen wir den Blick auf einen weiteren Sohn der Region richten, auf Henri Maire. Im Jahr 1939 war der findige Mann zu zweieinhalb Hektar Weinbergen im Jura gekommen, die er direkt nach Kriegsende unter seine Fittiche nahm. Nach und nach kaufte er sich fast 50 Hektar zusammen, um seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen: Jura-Weine endlich zurück in der Haute Cuisine! Insbesondere sein Vin Fou, zu deutsch verrückter Wein, lag ihm am Herzen und wurde später sein größter Verkaufsschlager – er war nichts anderes als ein klassischer Vin Jaune. Bei der Vermarktung kam ihm sehr zupass, dass er seine Jugend in Paris verbracht hatte und dort nach wie vor über zahlreiche Kontakte verfügte. Schon bald führten viele gastronomische Spitzenbetriebe der Hauptstadt wieder die alte Perle des Jura auf ihren Weinkarten, die sich als optimaler Begleiter zahlreicher, vor allem herzhafter Speisen erwies und es noch heute tut – auch wenn sie sicher nie den Massengeschmack bedienen wird.

Neben dieser unermüdlichen Lobbyarbeit von Maire, dessen Betrieb heute der absolute Platzhirsch der Region ist und bei der Hälfte der Gesamtproduktion irgendwie seine Finger im Spiel hat, gibt es aber einen weiteren Aspekt, der das Revival der Region unterstütze. Denn durch die lange Randlage am Weinmarkt hatten sich im verschlafenen Jura viele neue Techniken, viel moderne Technologie nicht durchgesetzt – man blieb in Weinberg und Keller bei einem naturnahen, althergebrachten Arbeiten und erzeugte so weiterhin individualistische Tropfen mit Ecken und Kanten, während im Rest der Welt die Weine durch die fortschreitende Maschinisierung immer austauschbarer wurden und viele lokale Traditionen einen leisen Tod starben. Bio war man im Jura auf eine gewisse Weise immer schon, musste also auf keinen Öko-Zug aufspringen. Auch auf eine konservierende Schwefelung konnte und kann dank der langen Zeiten im Barrique meist verzichtet werden. Und als dann auch die Suche nach Charakterweinen als Alternative zu den glattgezogenen, immer gleichen Standardtropfen zum Trend wurde, Weineinkäufer gleich Trüffelschweinen ausschwärmten auf der Jagd nach eigenwilligen Gaumenkitzlern, da hatte die Stunde des Jura geschlagen. Während „Tradition“ von vielen anderen gern als Marketing-Feigenblatt genutzt wird, um ganz und gar nicht traditionell hergestellte Produkte an den Mann zu bringen, kannman sich hier darauf verlassen, quasi den Inbegriff von Tradition im Glas zu haben – mag die Welt sich noch so sehr verändern, im Jura bleibt alles beim Alten.

Ein guter Jura-Wein entsteht jedoch nicht erst im Keller, sondern ist das Resultat eines ganz besonderen Terroirs. Obwohl der Streifen, der sich in Nord-Süd-Richtung von Champagne-sur-Loue nach Saint-Amour zieht, gerade mal 80 Kilometer lang und 10 Kilometer breit ist, herrscht eine unglaubliche hohe Bodenvielfalt vor. Der Hauptanteil entfällt zwar stets auf Kalk – schließlich ist Jura nicht nur ein Departement, sondern auch ein Gebirgszug -, das hat man mit dem nördlich gelegenen Burgund gemein. Durch die sehr aktive Tektonik haben sich haben sich im Jura aber auch Lehm, Kies und vor allem Tonmergel an die Oberfläche geschoben – ein mineralienreiches und sehr dichtes Feinsediment, das je nach Alter blaugrau oder schwarz daherkommen kann. Vor allem er sorgt dafür, dass die Weine hier ganz anders geraten als etwa an der nahe gelegenen Côte d’Or: weniger fein und intellektuell, dafür ein bisschen Haudrauf – ehrlicher, kerniger und auf eine herzergreifende Weise bäuerlich. Einheitlicher als die Böden ist das Klima: ausgesprochen kontinental präsentiert es sich, mit frostigen Wintern und recht unsteten, regenreichen Sommern. Allein im Osten, wo vom nahen Genfersee schon eine milde Brise herüberweht, haben die Rebstöcke es etwas angenehmer. Die meisten Weinberge liegen in hügeliger, aber sehr moderater Höhe zwischen 250 und 450 Metern und in südwestlicher Ausrichtung – dort können sie nicht nur von der Mittags- und Nachmittags-, sondern auch noch von der Abendsonne beschienen werden. Und das müssen sie oft auch, um überhaupt voll auszureifen bis zur ohnehin schon sehr späten Lese im Oktober oder sogar Anfang November. Waren die klimatischen Verhältnisse mit ihren Spätfrösten und vielen Niederschlägen in früheren Jahrzehnten ein echtes Problem, so erweisen sie sich in Zeiten stetig steigender Temperaturen als echter Segen. 

Die relative Kühle kommt vor allem dem Chardonnay zugute, der als Stillwein ebenso brilliert wie als schäumender Cremant du Jura. Diese bestechen, anders als ihre Verwandten im Elsass oder an der Loire, nicht unbedingt mit Frucht, sondern in erster Linie mit sehr präsenter Säure und ansonsten reduktiver Geradlinigkeit. Sie können ein perfekter Auftakt zu einem klassisch jurassischen Menü sein, denn wie jede französische Region hat auch die Franche-Comté, in deren Süden wir uns hier befinden, ihr ganz eigenes kulinarisches Erbe. Für den Hauptgang als gesetzt gilt hier auf jeden Fall Bressehuhn aus der gleichnamigen, westlich des Jura liegenden Landschaft. Die Tiere mit den markanten blauen Beinen werden ausschließlich im Ganzen verkauft und bestechen mit ihrem fast weißen, von kleinen Fettadern durchzogenen Fleisch, das herrlich mürbe auf der Zunge zergeht. Besonders gut zu Gesicht steht ihm die Kombination mit einer cremigen Sahnesoße aus Morcheln, Schalotten und Vin Jaune. Beschlossen wird die Mahlzeit am besten mit einem Stück Comté – der schon seit dem Mittelalter hergestellte und heute landesweit beliebteste Käse stammt von Kühen, die sich ausschließlich von den Wiesen des Jura ernähren. Je nach Lage der Weide und Jahreszeit, in der die Tiere gemolken werden, kommen ganz unterschiedliche Aromen zum Vorschein: von pikant-würzigen über milchig-cremige und grasige bis hin zu fruchtigen Nuancen kann alles dabei sein. Früher galt er als essenzielles Nahrungsmittel der Landbevölkerung in den langen und strengen Wintern der Region, und auch heute noch liebt man ihn als Grundlage eines Magen und Seele wärmenden Fondues – nicht umsonst ist er eng mit dem schweizerischen Gruyère verwandt. Und wer zum Abschluss eines guten Essens ein Faible für Süßes hat, wird im Jura auch bestens bedient. Zum einen mit dem Vin de Paille, zu deutsch Strohwein. Diese Art der Weinerzeugung, bei der die Trauben vor der Pressung sechs Wochen lang auf Strohmatten angetrocknet werden und durch die allmähliche Verdunstung des Wasser ihren Zuckergehalt steigern, kennt man auch aus anderen Ländern, etwa als Grundlage des italienischen Amarone. Der Most lagert anschließend noch einige Jahre in Eichenfässern, was ihm Noten von Honig, Nüssen, Orangenschale und Feigen verleiht. Die Alternative kommt noch eine Spur kräftiger daher – der Macvin du Jura ist ein Likör, der durch die Kombination aus zwei Dritteln Traubenmost und einem Drittel Tresterbrand, dem sogenannten Marc, entsteht. Wird er dem Most beigegeben, stoppt die Gärung und ein hoher Zuckeranteil bleibt zurück – zusammen mit dem wunderbar klaren, geradezu dekadent süßen Traubengeschmack. Da der Macvin aus tendenziell jeder Rebsorte hergestellt werden kann, findet man ihn sowohl in der weißen Version als auch in rosé und rot. Auch hier ist wieder Fassreife im Spiel: zunächst für den Tresterbrand, dann später noch einmal für die Assemblage. Ein Drink-Erlebnis der besonderen Art ist dabei der Marcotton – für den Cocktail werden ein Teil Macvin mit vier Teilen jurassischem Cremant gemischt.

Mit einem solchen Gläschen in der Hand und dem Blick auf ein majestätisches Alpenpanorama könnte man manchmal denken, man sei in der Zeit um 200 oder 300 Jahre zurückversetzt worden in eine weit archaischere Welt als die heutige – zu bodenständig die Winzer, zu ungeschminkt die Weine, zu selbstgenügsam die Landschaft. Trends und Moden spielen keine Rolle. Stattdessen scheint hier alles irgendwie von Herzen zu kommen, für Freunde und Familie gemacht zu sein statt für hippe Großstadt-Bars und renditenfixierte Reben-Spekulanten. Vom höher, schneller, weiter anderer Weinbauregionen ist hier nichts zu spüren, man ist schlicht zufrieden mit dem, was die Natur jedes Jahr aufs Neue zu schenken bereit ist. Den Weltmarkt erobern? Mon Dieu! Nur etwa ein Achtel der Gesamtproduktion gehen überhaupt in den Export – man darf sich als Konsument also durchaus glücklich schätzen, einen der raren Tropfen zu ergattern. Umso mehr, weil die Weinlandschaft im Jura im Wandel begriffen ist. Denn die alten Rebsorten sind durchaus „bedroht“ – immer mehr dringen Pinot Noir und Chardonnay von Norden her vor. Sie sind – trotz markanter geschmacklicher Unterschiede zu den Stilen anderer Regionen – aufgrund ihrer weltweiten Bekanntheit besser zu vermarkten und haben sich neben Trousseau, Poulsard und Savagnin mittlerweile fest etabliert: fünf Reben, die einen ganz eigenen Kosmos bilden und vom Schäumer über Still- und Süßweine und Liköre bis zum Hochprozentigen alles zu bieten haben – auch, wenn Anhänger von Easy Drinking woanders wahrscheinlich besser aufgehoben sind. 

Von Trauben wie Cinquien (Cinsault), Gueuche Blanc (Weißer Heunisch) oder Petit Meslier, die früher ganz selbstverständlich dazugehörten im Jura, findet sich heute hingegen keine Spur mehr.  Schade eigentlich. Denn wenn die Jurassier schon aus einer Handvoll Sorten so viel herausholen, was dann erst aus den mehr als drei Dutzend, die es mal waren? Was uns da entgeht! Um Vergangenes zu trauern, lohnt sich jedoch nicht – zumindest dann nicht, wenn es noch immer zahlreiche Spezialitäten gibt, die ob ihrer Tiefgründigkeit zu allen Zeiten die Fantasie angeregt haben und eine unschätzbar wertvolle Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagen. Und angesichts eines facettenreichen Vin Jaune, eines knackigen Cremant du Jura oder eines geschmeidigen Vin de Paille kann man guten Gewissens mit einem Satz Louis Pasteurs enden, der es ja schließlich wissen muss: „Es steckt mehr Philosophie in einer Flasche Wein als in allen Büchern dieser Welt.“

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Schaumweine

Clément & Fils Myosotis Champêtre Extra Brut

Seinen Namen hat der Clément & Fils Myosotis Champêtre Extra Brut vom Vergissmeinnicht, das im Frühling wild zwischen den Reben blüht. Die Trauben kommen aus den Weinbergen der Familie in Congy und Coizard-Joches im Tal des Petit Morin, ergänzt um Reserveweine.

Im Glas

Hellgold, feine Perlen. Der Duft ist blumig, mit frischen Zitrusnoten und heller Frucht. Im Mund frisch und elegant, mit klarer Säure und einer feinen salzigen Note. Das Finale ist gerade und sauber.

Mach was draus

Ein Champagner für den Aperitif, für Austern, Garnelen, Fisch oder Geflügel. Auch zu einer leichten Vorspeise passt er gut. Mit nur 1 g/l Zucker ideal für alle, die es trocken mögen. Serviere ihn bei 8 bis 10 °C.

Janus FenskeJanus empfiehlt

„Myosotis ist der beste Einstieg zu Clément & Fils. Frisch, offen und trotzdem mit Tiefe.“

Mehr über Janus, unseren Sommelier

Kurz gefragt

Was bedeutet Myosotis? So heißt das Vergissmeinnicht auf Latein. Es wächst wild in den Weinbergen von Aurélien Clément.

Wie wird er ausgebaut? Mit Reserveweinen für Tiefe und einem langen Hefelager. Die Dosage liegt bei 1 g/l, Extra Brut.

Wie arbeitet das Haus? Spontangärung mit wilden Hefen, Ausbau in alten Fässern, ohne Schwefel, ohne Filtration und ohne Schönung.

Meunier, Chardonnay · Congy, Coizard-Joches (Vallée du Petit Morin) · Kalk · mit Reserveweinen · langes Hefelager · Extra Brut, 1 g/l · Clément & Fils, Congy · Stand: Oktober 2026

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USA

Cayuse En Chamberlin Syrah 2014

Rotwein · Syrah · Walla Walla Valley · USA

Cayuse En Chamberlin Syrah 2014 ist ein ausgesprochen fleischiger, pfeffriger Syrah – wie der Gang in eine Metzgerei in Südfrankreich. Holzrauch, Schwarzkirsche und gepfeffertes Fleisch über viel Mineralität: reich und vielschichtig, dabei frisch und von dunklem, granitischem Stil. Nur 358 Kisten.


En Chamberlin, Walla Walla Valley

Die Lage En Chamberlin liegt im alten Flussbett des Walla Walla River auf der Oregon-Seite des Tals, im Rocks District of Milton-Freewater. Die Oberschicht aus schluffigem Lehm und runden Basaltkieseln ist nur 30 bis 45 Zentimeter tief; darunter liegen Schichten aus reinem, verdichtetem Kiesel, stellenweise viele Meter mächtig. Christophe Baron, der aus einer Champagner-Familie stammt, bewirtschaftet die Reben mit Pferdezug und Handarbeit.

Rebsorte und Ausbau

100 % Syrah aus dem Jahrgang 2014. Der Wein reifte in 600-Liter-Fässern aus französischer Eiche, davon nur 10 bis 15 % neu.

Im Glas

Leuchtendes dunkles Rot. In der Nase Holzrauch, Schwarzkirsche, Teriyaki und Schichten von gepfeffertem Fleisch, dazu dunkle Beeren, Speck, Lavendel, Kräuter und braune Gewürze. Am Gaumen reich und vielschichtig, mit dunklem Fruchtkern, viel Mineralität, feinem Tannin und innerer Eleganz – fest und dunkel, aber lebendig und bekömmlich.

Am Tisch

Jetzt in guter Trinkreife. Etwas Luft im Dekanter lohnt sich. Bei 16–18 °C servieren.

Klassische Begleitung: Pfeffersteak, Lamm, Wild und Charcuterie.


Lage: En Chamberlin, Rocks District, Walla Walla Valley (USA); Basaltkiesel
Klassifikation: Walla Walla Valley AVA – Syrah
Jahrgang: 2014 (358 Kisten)
Ausbau: 100 % Syrah; 600-l-Fässer aus französischer Eiche, 10–15 % neu

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Spanien

Camino de los Arrieros tinto

Rotwein · Arribes del Duero · Castilla y León

Juan García 100 % D.O. Arribes del Duero Granitböden 70-jährige Reben

Der Camino de los Arrieros 2014 von Alvar de Dios ist ein Rotwein aus 100 % Juan García, gewachsen in der abgelegenen Region Arribes del Duero an der spanisch-portugiesischen Grenze. Die Trauben stammen aus einem rund 70 Jahre alten Wingert auf Granit – kleinbeerig, spät gelesen und mit sehr geringem Ertrag. Juan García bringt hier für spanische Verhältnisse alkoholarme, kühle Rotweine hervor. Eine kleine Abfüllung von 647 Flaschen, ländlich im besten Sinn und schwer in eine Schublade zu stecken.


Arribes del Duero

Arribes del Duero liegt im äußersten Westen der Provinz Zamora, dort wo der Duero die Grenze zu Portugal bildet und sich tief in eine Schlucht gräbt. Die Böden bestehen aus verwittertem Granit, die Reben stehen in Höhenlagen um 700 Meter. Juan García ist hier beheimatet, eine alte, schon vor der Reblaus verbreitete Sorte, die im kühlen Klima frische, eher alkoholarme Rotweine ergibt. Der Wein trägt die Klassifikation D.O. Arribes.

Assemblage und Ausbau

Der Jahrgang 2014 besteht zu 100 % aus Juan García von einem rund 70 Jahre alten Weinberg. Die kleinbeerigen Trauben werden spät und von Hand gelesen, der Ertrag ist gering. Vergoren wird spontan mit den Hefen des Weinbergs; der Ausbau erfolgt traditionell und zurückhaltend im Holz, ohne den Granit-Charakter der Lage zu überdecken.

Im Glas

In der Nase eine Mischung aus provenzalischen Kräutern und rustikalem, burgundisch anmutendem Pinot Noir: Würze, Erde, Dinkelbrot und frisch gemahlener Kaffee, dazu Veilchen und unreife rote Beeren. Am Gaumen prägt eine deutliche Mineralität den schlanken Körper, getragen von feiner Spannung. Der Abgang ist elegant und vielschichtig. Der Wein braucht Luft – ein paar Stunden in der Karaffe öffnen ihn spürbar.

Am Tisch

Vor dem Servieren zwei bis drei Stunden karaffieren. Klassische Begleitung: Lammbraten, geschmortes Wild, gegrilltes Rind, Pilzgerichte und reifer Hartkäse. Der 2014 trinkt sich jetzt auf seinem Höhepunkt und hält bei guter Lagerung noch einige Jahre, etwa bis 2028.



Lage: Arribes del Duero, Zamora
Klassifikation: D.O. Arribes
Ausbau: Spontangärung, traditionell im Holz

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Weine

Metzger Rosé Zéro

Der Metzger Rosé Zéro „Berrig“ ist für die Abende, an denen du keinen Alkohol trinkst, aber auf Geschmack nicht verzichten willst: ein entalkoholisierter Rosé aus der Pfalz, saftig und beerig.

Im Glas

Helles Rosa. In Nase und Mund rote Beeren, saftig und frisch. Die Restsüße macht ihn weich und rund. „Berrig“ ist übrigens Pfälzisch und heißt so viel wie richtig lecker. Ein Rosé ohne Promille, der trotzdem nach Wein schmeckt.

Mach was draus

Sommersalat mit Erdbeeren und Feta, Gemüse vom Grill oder Hähnchenspieße, ein Picknick im Park. Mit Sodawasser und Eis wird daraus ein alkoholfreier Spritz. Er passt auch zum Brunch mit Freunden, wenn nicht alle Alkohol trinken wollen. Servier ihn bei 6 bis 8 °C.

Janus FenskeJanus empfiehlt

„Ich mache daraus gern einen alkoholfreien Aperitif: Rosé Zéro, Sodawasser und viel Eis. Pur und gut gekühlt schmeckt er aber genauso.“

Mehr über Janus, unseren Sommelier

Kurz gefragt

Ist er wirklich alkoholfrei? Ja, er liegt unter 0,5 % vol. Zuerst entsteht ein normaler Rosé, aus dem anschließend behutsam der Alkohol entfernt wird.

Wie süß ist er? Feinherb: Der Steckbrief nennt 5,2 g Zucker pro 100 ml. Er schmeckt fruchtig-rund und gar nicht nach Verzicht.

Rosé, entalkoholisiert · feinherb · Pfalz · Weingut Metzger, Grünstadt-Asselheim · Stand: Oktober 2026

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Länder/Regionen

Ghislaine Barthod Bourgogne rouge 2023

Rotwein · Bourgogne · Pinot Noir

Pinot Noir Bourgogne AOC Chambolle-Musigny (Côte de Nuits) mittelschwer · elegant 2023

Der Bourgogne Rouge 2023 der Domaine Ghislaine Barthod ist ein mittelschwerer, reinsortiger Pinot Noir von einer der gesuchten Adressen aus Chambolle-Musigny. Geradlinige Aromen von satten Kirschen, Himbeere, Rosenwasser, Veilchen und Würze treffen auf einen fleischigen, zugleich sehr eleganten Körper.


Bourgogne aus der Hand einer Chambolle-Ikone

Die Domaine Ghislaine Barthod ist in Chambolle-Musigny in der Côte de Nuits beheimatet und für ihre Premier Crus berühmt. Der Bourgogne Rouge stammt aus Parzellen rund um Chambolle auf klassischen Kalk- und Tonböden und gilt als Musterbeispiel dafür, wie viel Finesse ein regionaler Burgunder zeigen kann.

Die sorgfältige Handschrift des Guts prägt den Wein bereits auf dieser zugänglichen Stufe – mit Eleganz und klarer Frucht.

Jahrgang 2023 – Côte de Nuits

Auf einen milden Winter folgte ein kühl-feuchtes Frühjahr mit Austrieb Mitte April; ab Mitte Mai wurde es trockener und wärmer. Die Blüte setzte Anfang Juni weitgehend störungsfrei ein, der Sommer verlief überwiegend gut.

Eine Hitzewelle im August konzentrierte die Aromen, Niederschläge Mitte September brachten Frische und Balance zurück. Für die roten Burgunder steht 2023 für Tiefe, Farbe und Eleganz – klare Frucht, feine Würze und geschliffene Tannine bei großzügiger Erntemenge.

Assemblage und Ausbau

Reinsortiger Pinot Noir aus dem Jahrgang 2023.

Der Wein reift im Holzfass, im Stil des Guts – mit zurückhaltendem Holzeinsatz, ganz auf reine Frucht und Finesse ausgerichtet.

Im Glas

Geradlinige Aromen von satten Kirschen, etwas Himbeere, Rosenwasser, Veilchen und Gewürzen. Der Körper hat Volumen, mundet recht fleischig und erinnert an rote Früchte und etwas Lakritz. Finessenreich und sehr elegant gleitet der Wein ab – ein purer, klarer Pinot Noir.

Satte Kirsche, Rosenwasser und Veilchen über fleischigem, zugleich feinem Körper – ein purer, eleganter Pinot Noir.

Schon jung zugänglich, über einige Jahre gut lagerfähig. Bei 15–16 °C servieren.

Am Tisch

Geflügel und Ente, Charcuterie, Gerichte mit Pilzen, dazu mittelreifer Weichkäse. Ein vielseitiger, eleganter Begleiter für die feine Küche.


Lage: Bourgogne (Côte de Nuits); Parzellen um Chambolle-Musigny, Kalk-/Tonböden
Klassifikation: Bourgogne AOC
Ausbau: Pinot Noir; Holzfassausbau, zurückhaltender Holzeinsatz

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Frankreich

François Bertheau Bonnes Mares Grand Cru 2018

Rotwein · Bonnes-Mares Grand Cru · Pinot Noir

Pinot Noir Bonnes-Mares · Grand Cru Chambolle-Musigny / Morey Côte de Nuits 2018

Der Bonnes-Mares Grand Cru 2018 der Domaine François Bertheau ist ein reinsortiger Pinot Noir aus einer der großen Lagen der Côte de Nuits. Bonnes-Mares bringt kräftigere, langlebigere Weine hervor als das benachbarte Musigny; in Bertheaus Händen verbindet sich diese Statur mit der seidigen Eleganz von Chambolle. Der warme Jahrgang 2018 gibt dem Wein reife Fülle.


Bonnes-Mares – Grand Cru zwischen Chambolle und Morey

Bonnes-Mares erstreckt sich über rund 15 Hektar am Mittelhang der Côte de Nuits. Der Großteil liegt in Chambolle-Musigny, ein kleinerer Teil von etwa 1,5 Hektar im benachbarten Morey-Saint-Denis; im Norden grenzt die Lage an den Clos de Tart. Bepflanzt ist sie ausschließlich mit Pinot Noir.

Die Böden unterscheiden sich deutlich: am Morey-Ende reicher und tiefer (strenger, gehaltvoller), am Chambolle-Ende feiner und kalkreicher (seidiger). Der Name geht auf die „Bonnes Mères", die Zisterzienserinnen der Abtei Notre Dame de Tart, zurück. Die Domaine François Bertheau zählt zu den klassischen Erzeugern von Chambolle-Musigny.

Jahrgang 2018 – Côte de Nuits

2018 folgte auf einen nassen Winter, der die Wasserreserven füllte, ein warmer, sonnenreicher und trockener Sommer. Die Reben blieben gesund, und es kam zu einer großzügigen, vollreifen Ernte.

Für die roten Burgunder steht 2018 für reife, konzentrierte Frucht mit Tiefe, geschmeidigem Tannin und überraschender Frische – ein gehaltvoller Jahrgang, der die Kraft des Bonnes-Mares schön trägt.

Assemblage und Ausbau

Reinsortiger Pinot Noir aus dem Jahrgang 2018.

Der Wein reift im Holzfass, im klassischen Stil des Guts – mit zurückhaltendem Holzeinsatz, ganz auf Finesse und Lagenausdruck ausgerichtet.

Im Glas

Bonnes-Mares zeigt sich kraftvoll und strukturiert: reife dunkle und rote Frucht, florale Noten und feine Würze. Bei Bertheau verbindet sich diese Statur mit seidiger Eleganz; das Tannin ist fest und zugleich fein, der Abgang lang.

Reife Kraft und Struktur, getragen von seidiger Eleganz – ein Bonnes-Mares aus dem warmen 2018er für die lange Reife.

In der Jugend noch verschlossen, entfaltet der Wein sein Potenzial über viele Jahre Flaschenreife. Bei 16 °C servieren; eine Belüftung im Dekanter lohnt sich.

Am Tisch

Wild und Federwild, Rind, Gerichte mit Trüffel oder Pilzen, dazu gereifter Käse. Ein Wein für den großen Anlass.


Lage: Bonnes-Mares, Chambolle-Musigny / Morey-Saint-Denis (Côte de Nuits); Mittelhang, ~15 ha
Klassifikation: Bonnes-Mares Grand Cru
Ausbau: Pinot Noir; Holzfassausbau, zurückhaltender Holzeinsatz

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Spanien

Sierra de Tolono blanco 2025

Weißwein · DOCa Rioja · Rioja Alavesa

Viura Labastida, Rioja Alavesa Kalkplateau 650 m Jahrgang 2025 3 Monate Feinhefelager ohne Filtration

Der Sierra de Toloño Rioja Blanco 2025 ist Sandra Bravos Viura von einem Kalkplateau auf 650 Metern über Labastida. Alte Buschreben stehen dort gemischt mit Tempranillo auf kalkhaltigem Lehm, vinifiziert wird im Edelstahl ohne Holzeinsatz. Ein weißer Rioja, der seine Herkunft über Salzigkeit und Säure erzählt, nicht über Fassaromatik.


Das Kalkplateau über Labastida

Die Parzelle liegt am Nordrand der Rioja Alavesa auf rund 650 Metern, dort wo sich das Gelände vor dem Massiv der Sierra de Toloño zu einer Hochfläche öffnet. Der Untergrund ist kalkhaltiger Lehm mit hohem Steinanteil, darauf stehen alte Reben im Gobeletschnitt. Viura und Tempranillo wachsen gemischt in derselben Anlage – eine Pflanzweise aus der Zeit vor der Sortentrennung, die in der Alavesa nur noch in wenigen alten Parzellen erhalten ist. Weitere alte Anlagen der Bodega liegen in Rivas de Tereso und Villabuena de Álava, die Kellerei selbst steht in Villabuena.

Für einen Weißwein ist diese Kombination aus Höhe und Kalk der entscheidende Faktor. Der Bergrücken schirmt die Fläche gegen den kalten Nordwind ab, gleichzeitig kühlt es nachts stark ab. Viura, eine Sorte mit von Natur aus verhaltener Säure, verliert diese in warmen Tallagen schnell – auf 650 Metern zieht sich die Reife und die Traube kommt mit intaktem Säuregerüst und niedrigem Zuckergrad in den Keller. Der Kalk im Boden liefert den salzigen Zug, der den Wein am Gaumen streckt.

Sandra Bravo arbeitet seit ihrer Rückkehr in die Rioja im Jahr 2012 konsequent parzellenweise, nach Stationen in Bordeaux, der Toskana, Neuseeland, Kalifornien und sieben Jahren im Priorat. Ihre Weinberge zählen zu den höchstgelegenen der Region, bewirtschaftet werden sie ohne Herbizide, gelesen wird von Hand in Kisten mit Sortierung im Weinberg.

Jahrgang 2025 – Rioja Alavesa

2025 verlangte in der Rioja ganzjährige Arbeit im Weinberg. Ein überdurchschnittlich nasses Frühjahr erzeugte während des gesamten Vegetationszyklus hohen Falschen-Mehltau-Druck, dazu kamen Hagelzüge, die große Teile der Anbaufläche trafen. Wer den Pflanzenschutz und die Laubarbeit nicht im Griff hatte, verlor Ertrag oder Gesundheit der Trauben. In den Höhenlagen vor der Sierra de Toloño half die Durchlüftung: Der Pilzdruck blieb dort beherrschbar, wo Wind und Hangneigung das Laub schnell abtrocknen.

Die Reifephase drehte den Jahrgang. Ein trockener, sonniger Herbst mit ausgeprägten Tag-Nacht-Kontrasten brachte gesunde Trauben bei moderaten Zuckerwerten. In der Rioja Alavesa begann die Lese ab dem 10. bis 15. September und zog sich in gestaffelten Durchgängen bis Ende Oktober. Die Menge blieb klein: 225,5 Millionen Kilo in der gesamten DOCa Rioja, davon nur 33,8 Millionen Kilo Weißtrauben. Der Consejo Regulador stufte den Jahrgang nach der Blindverkostung von 2.176 Proben als „Excelente" ein. Bei den Weißweinen zeigt 2025 klare, blumige Aromatik und tragende Säure – genau das Profil, auf das dieser Blanco angelegt ist.

Assemblage und Ausbau

100 % Viura aus dem Jahrgang 2025, Handlese vom Kalkplateau bei Labastida. Vor der Gärung steht eine Kaltmazeration, die Aromatik aus der Schale löst, ohne Phenolik in den Most zu ziehen. Die Gärung erfolgt anschließend im Edelstahl.

Danach liegt der Wein rund drei Monate auf der Feinhefe im Stahltank. Das gibt Textur und Substanz am Gaumen, ohne die Frucht zu überdecken – Holz kommt bewusst nicht zum Einsatz, weder für die Gärung noch für den Ausbau. Gefüllt wird ohne Schönung und ohne Filtration, eine leichte Trübung ist möglich.

Im Glas

Helles Strohgelb mit grünlichem Reflex. In der Nase Limettenschale, Blütenstaub und Zitronengras, dahinter eine Spur Akazienhonig und die Note frisch aufgebrochener Brotkruste, die aus dem Hefelager stammt. Am Gaumen schlank und straff, mit wachsiger Textur, deutlicher Salzigkeit und einem bitteren Zug im Nachhall, der an Chinin erinnert. Die Säure trägt bis ins trockene Finish.

Drei Monate Feinhefe im Stahl, kein Fass: Dieser Viura zeigt das Kalkplateau ohne den Umweg über das Holz.

Bei 10 bis 12 °C servieren, im großen Glas öffnet sich die Aromatik deutlich weiter. Trinkreif ab sofort, der säurebetonte Jahrgang 2025 trägt ihn bis etwa 2030; mit zwei bis drei Jahren Flaschenzeit gewinnt die honigwürzige Seite der Viura an Gewicht.

Am Tisch

Passt zu Bacalao al pil pil, gegrilltem Oktopus, Austern und Venusmuscheln, ebenso zu Tortilla, gebackenem Ziegenkäse und Geflügel in Zitronensauce. Die Salzigkeit macht ihn zum Begleiter von Anchovis und eingelegtem Gemüse, die Säure hält auch gegen Aioli und frittierten Fisch stand.


Produzent Sierra de Toloño – Sandra Bravo, Villabuena de Álava
Rebsorte Viura
Lage Kalkplateau über Labastida, Rioja Alavesa, 650 m
Klassifikation DOCa Rioja
Jahrgang 2025
Vinifikation Handlese · Kaltmazeration · Gärung im Edelstahl
Ausbau 3 Monate Feinhefelager im Stahltank · ohne Schönung · unfiltriert
Boden kalkhaltiger Lehm mit hohem Steinanteil
Rebanlage alte Buschreben, gemischter Satz mit Tempranillo
Bewirtschaftung ohne Herbizide
Trinkempfehlung 2026–2030

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Rebsorten

Metzger St. Stephan Chardonnay Reserve 2020

Metzger St. Stephan Chardonnay Reserve 2020.

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