Das Weinbaugebiet Jerez

Sherry – Eine Jahrtausendalte Tradition

Huch, konnte man sich hier nicht so recht entscheiden? Oder warum steht ein und derselbe Ausdruck in drei Sprachen auf jeder Flasche aus Jerez – neben ebenjenem spanischem auch noch die lokale Dialektform Xérès und das englische Sherry, das weltweit wohl am geläufigsten ist für die berühmten Likörweine aus Andalusien. Man könnte aber gut und gerne noch einige weitere Sprachen hinzufügen, wollte man all diejenigen Nationalitäten abbilden, die irgendwann in der Geschichte einmal daran mitgewirkt haben, dass hier weltweit ganz und gar unverwechselbare Tropfen erzeugt werden können. Die der Phönizier etwa – vor etwa 3000 Jahren legten die Schiffe des in der Levante beheimateten Volkes im Süden der Iberischen Halbinsel an und brachten aus ihrer Heimat die ersten Rebstöcke mit. Die Römer fanden also bereits einen ausgedehnten und gut organisierten Weinbau vor, als sie um 200 v. Chr. herum die Herrschaft übernahmen. Nicht nur die vor Ort – man taufte ihn von Xera in Ceret um – stationierten Soldaten und Beamten vermochten versorgt zu werden, es blieben auch noch große Mengen übrig, die, abgefüllt in Tonamphoren, in andere Teile des Römischen Reiches exportiert werden konnten. Selbst als der Stern der Römer im Sinken begriffen war und die Westgoten den Landstrich unter ihre Kontrolle brachten, riss der Faden nicht ab – anders als die meisten anderen germanischen und slawischen Stämme, die während der Zeit der Völkerwanderung in die römischen Provinzen einfielen, zerstörten die Goten nicht wahllos alles, was sie vorfanden, sondern pflegten den Rebenbestand dauerhaft.

Die Zäsur, die den europäischen Weinbau im frühen Mittelalter nahezu allumfassend traf, kam schließlich auf anderem Wege: nicht aus dem Norden, sondern von Süden her. Zu Anfang des achten Jahrhunderts setzten die muslimischen Mauren von Nordafrika aus zum Sprung über die Meerenge an – fortan wurde die Stadt Sherish genannt. Da der von nun an tonangebende Islam keinen Alkoholgenuss duldet, wurden Weinberge gnadenlos gerodet, allein zur Herstellung von Rosinen für die von den Mauren so geschätzten Süßspeisen gab es Ausnahmen. Mehr als ein halbes Jahrtausend verging so, und während andernorts in Europa, in Frankreich oder an Rhein und Mosel etwa, unter der Herrschaft der Klöster schon längst wieder Weinbau betrieben wurde, war die Erinnerung daran in Jerez fast vollständig getilgt. Erst im Jahr 1264 gelang einem christlichen Heer die Rückeroberung dieses Teils der Iberischen Halbinsel, und damit kehrten auch die Techniken der Weinbereitung zurück. Die ansonsten eher strukturschwache Region, die noch lange Zeit an der umkämpften Grenze zwischen muslimisch und christlich kontrollierten Gebieten liegen sollte, worauf der Beiname Jerez’, „de la frontera“, hinweist, knüpfte schon bald darauf an ihre Zeit unter römischer Herrschaft an und verlegte sich ganz auf den Export des flüssigen Gutes, was in dieser Nachkriegszeit wie ein Konjunkturprogramm wirkte. Inzwischen hatte der Sherry sein Gesicht gewandelt: aus Still- war Likörwein geworden, was ironischerweise erst die von den Mauren übernommene Technik der Destillation ermöglicht hatte. Insbesondere als Proviant auf langen Schiffsreisen empfahl er sich dadurch, da er in Zeiten vor Schwefelung und Kellerhygiene durch seinen hohen Alkoholgehalt viel länger genießbar blieb als ungespriteter Wein. Die Probe aufs Exempel unternahm Ferdinand Magellan, der aus der Sherry-Region zu seiner Weltumseglung aufbrach – die dort zuvor von ihm als Verpflegung erstandenen Weine hatten also schon ganz früh das Zeug zu echten Globetrottern. Auch in die spanischen Kolonien in Südamerika lieferte man bald darauf große Mengen, was aus kleinen Weinbauern mit wenigen Morgen Rebfläche nach und nach aufstrebende Globalisierungsgewinner machte.

Einen weiteren zuverlässigen Abnehmer fand man schnell in den Engländern, die mangels eigenen Weinbaus auf Importeure angewiesen waren. Sherry galt auf der Insel zunächst als Geheimtipp, der von interessierten Kreisen zwar geschätzt wurde, es aber nicht zu außerordentlicher Bekanntheit brachte. Das sollte sich jedoch schlagartig ändern, als König Heinrich VIII. die Spanierin Katharina von Aragon heiratete – die erste seiner sechs Frauen brachte die andalusischen, damals vornehmlich süßen Weine mit in die Ehe. Vollends der Durchbruch gelang dem Sherry dann mithilfe eines gewissen Francis Drake, einer Art Pirat in Diensten der Krone, der im Hafen von Cadiz einen Teil der spanischen Armada versenkte und dabei eine große Menge ebenjenes Weines erbeutete. Was für Spanien zunächst wie ein äußerst ärgerlicher Vorfall schien, erwies sich im Nachhinein als unbezahlbare Werbung für die Region um Jerez: Königshaus und Adel in London waren nämlich hellauf begeistert von den Mitbringseln des Kaperfahrers und forderten fortan regelmäßig Nachschub jenes Tropfens, der im Englischen zunächst unter der Bezeichnung „Sack“ – abgeleitet vom spanischen „saca“ für Abfüllung – firmierte. Nicht nur die Erwähnung in etlichen Shakespeare-Dramen zeugt davon, dass Sherry damit endgültig auf der Weltbühne angekommen war – auch wenn er sehr lange Zeit, bis ins 20. Jahrhundert hinein, als ausgesprochen teuer galt und ein reiner Oberschicht-Genuss blieb. In der Folge ließen sich, genau wie im portugiesischen Porto, viele englische Handelshäuser direkt vor Ort nieder: die heutzutage großen Namen Sandeman, Williams & Humbert, Osborne und Co. stammen aus ebendieser Zeit. Niederländer und Deutsche zogen mit einiger Verzögerung nach. Diese drei Länder sind es auch, die noch immer die größten Mengen abnehmen – anders als in vielen anderen Weinbaugebieten, die den Löwenanteil ihrer Erzeugnisse selbst konsumieren, gehen vier Fünftel des Sherrys in den Export.

Phönizier, Römer, Mauren, Spanier und Briten – ein verworrenes Dickicht kultureller Einflüsse aus drei Jahrtausenden. Die Rebsortenvielfalt macht es uns da deutlich leichter, ist sie doch recht überschaubar – heutzutage zumindest, denn noch bis ins 19. Jahrhundert wurden im Grunde alle möglichen Sorten angebaut. Die Nummer eins, ohne die im Sherry-Land gar nichts läuft, ist der Palomino Fino – neun von zehn Rebstöcken entfallen auf diese sehr alte Traube, die der Legende nach den Namen eines der Offiziere trägt, die den Mauren Jerez wieder entrissen hatten. Ihre wahren Ursprünge liegen weitgehend im Dunkeln, allerdings kann sie mit hoher Wahrscheinlichkeit als autochthon betrachtet werden. Obwohl die Beeren einen recht intensiven Geschmack aufweisen und daher auch als Tafeltrauben geschätzt sind, gerät der Most sehr flach – er enthält kaum Zucker und ebenso wenig Säure. Gerade letzteres erweist sich allerdings im Hinblick auf das weitere Verfahren, dass aus dem normalen Stillwein erst einen Sherry macht, als sehr vorteilhaft, denn durch den niedrigen Säuregehalt neigt der Most zur Oxidation.

Ist Sauerstoffkontakt nicht nachteilig für einen Wein, mag sich nun jeder fragen, der schon mal einen seit zwei Wochen offenen, mittlerweile nah am Essig befindlichen Wein auf der Zunge hatte. Ja und nein. An dieser Stelle lohnt es sich, einmal einen Blick auf die Herstellung zu werfen – und vor allem auf die markanten Unterschiede während derselben. Sherry ist nämlich nicht gleich Sherry. Zum einen kennt man den Oloroso – hier ist der Name Programm. Der mit seiner Mahagonifarbe recht dunkle Wein duftet stark, vor allem nach Hasel- und Walnüssen oder feinem Tabak – das intensive Bukett verdankt er dem dauerhaften Sauerstoffkontakt während seiner Reifezeit in den „botas“ genannten Eichenfässern. Vom Oloroso und damit der Machart nach auch von anderen Likörweinen wie Madeira oder Port unterscheidet man den großen Bereich der Finos – eine Bezeichnung, die bereits verrät, dass es hier geschmacklich feiner zugeht als beim sehr vollmundigen Oloroso. Finos reifen nicht oxidativ, sondern reduktiv unter einer sogenannten Florschicht. Dabei handelt es sich um einen obenauf schwimmenden Teppich aus Hefe – durch das warm-feuchte Klima „erblüht“ dieser in den nicht vollständig gefüllten Fässern und hält Sauerstoff vom Wein fern. Die sich vom darin enthaltenden Zucker ernährende Hefe sieht alles andere als appetitlich aus, verleiht den strohgelben Finos aber seinen typischen Geschmack, der deutlich frischer, zitrisch-säurebetonter ist als jener des Oloroso und an Mandeln und Wiesenkräuter erinnert. Eine zusätzlich leicht salzige, herb-bittere Komponente bringt der Manzanilla mit ein – bei ihm handelt es sich faktisch ebenfalls um einen Fino, der aber ausschließlich aus Sanlúcar de Barrameda stammen darf, wo die Atlantikwinde einen ganz besonderen Einfluss auf die Reifung nehmen. Zusätzlich kennt man noch zwei Hybridformen, die der Art des Ausbaus nach als Fino beginnen, durch das plötzliche oder allmähliche Absterben der Florhefe aber in der letzten Phase ihrer Fassreife doch noch mit Sauerstoff in Kontakt kommen: den Amontillado und den Palo Cortado. Diese stehen nicht nur der Machart nach, sondern auch in Sachen Geschmack und Körper zwischen den beiden Polen: ersterer eher beim Fino, letzterer eher beim Oloroso.

Warum aber entsteht aus derselben Traube einmal ein Oloroso und ein anderes Mal ein Fino? Das Geheimnis liegt zum einen im Lesezeitpunkt der Palomino-Trauben: während man für oxidativ auszubauende Sherrys vollreife Beeren presst, nutzt man für die reduktiven noch nicht vollständig ausgereifte, was sich später auch im säurebetonteren Geschmack derselben widerspiegelt. Zum anderen liegt es in der Menge des zuvor dem Most zugegebenen Branntweines begründet: ist er beim Fino so gering, dass die Florbildung davon unbeeinträchtigt bleibt, lässt der höhere Alkoholgehalt des Olorosos kein Entstehen des Hefeteppichs mehr zu. Die Zugabe von Hochprozentigem hat sich also im Laufe der Zeit von einem rein konservierenden zu einem den Charakter des Weines bestimmenden Instrument gewandelt.

Jeder Sherry, ganz gleich ob heller oder dunkler, komplexer oder direkter, ist im Ursprung staubtrocken – ein sogenannter Generoso mit weniger als einem Gramm Restzucker pro Liter. Ein süßer Vertreter, am bekanntesten unter der Bezeichnung „Cream“, wird hingegen durch den Verschnitt eines trockenen Sherrys mit Süßwein oder häufig auch rektifiziertem Traubenmostkonzentrat erreicht – hinter dem sehr chemisch anmutenden Begriff verbirgt sich schlicht hochkonzentrierter Zuckersirup aus Weinbeeren, denen in einem thermischen Trennverfahren das Wasser entzogen wurde -, ein in der Weinindustrie wegen seiner Preisgünstigkeit gern genutzter Stoff. Es gibt allerdings auch sogenannte Dulces Naturales, also auf natürliche Weise süße Sherrys. Hier kommen die beiden Rebsorten ins Spiel, die dem Palomino in Jerez zur Seite stehen: der Moscatel, den man im Deutschen als Muskateller kennt, und der Pedro Ximenez, was wohl als eine Verballhornung des Namens Peter Siemens gelten kann – jener soll ein deutscher Soldat gewesen sein und die Traube einst ins Land gebracht haben. Beide werden nach der Lese zunächst in der Sonne getrocknet, um den Zuckergehalt zu erhöhen, gehen danach jedoch in Sachen Aromatik recht unterschiedliche Wege: während der Moscatel mit seinem sortentypischen, blumigen Bukett aufwartet und zumindest sensorisch von eher zurückhaltender Süße ist, wirft der Pedro Ximenez äußerst intensive Rosinen- und Dattelnoten in den Ring und gehört mit gut und gern mal über 200 Gramm Restzucker pro Liter, die zumal den älteren, schwarzbraunen Versionen eine geradezu zähflüssige Konsistenz verleihen, zu den süßesten Weinen überhaupt.

Gerade im Bereich der Dulce-Vertreter ihres Fachs wurde und wird leider viel schlechte Qualität auf den Markt geworfen, was den Ruf des Sherrys ordentlich in Mitleidenschaft gezogen hat, Stichwort Kochwein. Überhaupt ist es so eine Sache mit der Reputation: entweder sie ist überragend oder völlig im Keller, dazwischen scheint es nichts zu geben. Im spätviktorianischen England, als vier von zehn importierten Weinen Sherrys waren, erreichte er den Zenit seiner Popularität, kam dann jedoch aus der Mode. Erst als man 1933 eine geschützte Ursprungsbezeichnung einführte, womit verbindliche Richtlinien hinsichtlich zugelassener Rebsorten, Ertragsgrenzen und Kellertechnik einhergingen, konsolidierte sich der Markt und die 30er und 40er Jahre wurden zu einer weiteren kurzen Blütezeit. Bis in die späten 70er wuchsen die Produktionsmengen noch an, dann ging es wieder abwärts, bis sich der Absatz auf dem im historischen Vergleich sehr niedrigen Niveau stabilisierte, auf dem er heute ist. Dieser Umstand bietet für den Konsumenten jedoch gewisse Vorteile: während bei Champagner, Bordeaux und Co. ständig an der Preisschraube gedreht wird, erhält man hier einen nicht minder aufwändig herzustellenden Wein von häufig überragender Qualität für recht kleines Geld – Sherry ist ein echter Preis-Leistungs-Hammer.

Aber egal ob man nun Oloroso, Manzanilla oder eine andere Sherry-Art trinkt, ihnen ist eines gemein: auf der Flasche findet sich kein Jahrgang. Das ist keine Verbrauchertäuschung, sondern der speziellen Art der Reifung geschuldet. Diese vollzieht sich nämlich nicht wie sonst üblich in einem einzigen Fass. Stattdessen findet man in den Kellern der Erzeuger mit ihren teils beeindruckenden Deckenhöhen mehrere Reihen von übereinander gestapelten Fässern – in ihnen reift der Wein im sogenannten Solera-Verfahren. In der untersten Reihe findet sich der älteste Sherry – entnimmt man einem solchen Fass, der eigentlichen Solera, etwas, füllt man den entstehenden Leerstand aus dem Inhalt des darüberliegenden, der ersten Criadera, wieder auf. Da in diesem nun wiederum eine Differenz entstanden ist, gleich man aus der dritten Reihe von unten aus und immer so fort, bis man an der obersten Criadera anlangt – hier gibt der extra für diesen Job ausgebildete Trasegador frischen Most neu zum System dazu. Jüngerer wird also fortwährend – meist alle drei bis vier Monate – mit älterem Sherry vermengt: Winzer sprechen hier poetisch von einer „Vermählung“, und die minimiert das Risiko schlechter Jahrgänge und sorgt für eine dauerhaft gleichbleibende Qualität. Zudem muss die wertvolle Florhefe ohnehin stetig mit neuem Wein genährt werden, um nicht abzusterben. Dass man nicht das gängige Barrique-Format für diesen Prozess nutzt, sondern Fässer mit 500 bis 600 Litern Fassungsvermögen, ist dabei keine Willkür: durch das besondere Verhältnis von Volumen zu Oberfläche bleibt der Alkoholgehalt im Wein stets gleich – in größeren oder kleineren Fässern würde er schwanken und die Florhefe infolgedessen absterben. Anders als viele andere ausgemusterte Fässer sind jene, in denen zuvor Sherry reifte, übrigens äußerst beliebt und führen oft ein zweites Leben in Schottland: die dortigen Destillerien reißen sich um die Gebinde, um in ihnen ihren Whiskys eine ganz besondere Note zu verleihen.

Das uns noch vom Anfang bekannte, aus dem Griechischen stammende Wort Xérès bedeutet übersetzt so viel wie trocken – und genau das ist es hier im berühmten „Sherry-Dreieck“ zwischen den Städten Jerez de la Frontera, Puerto de Santa Maria und Sanlúcar de Barrameda auch. Die dem Süden Spaniens ohnehin schon eigene Hitze wird noch einmal durch die Nähe zum afrikanischen Kontinent verstärkt, der direkt auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar beginnt – gerade einmal 100 Kilometer trennen Jerez vom marokkanischen Tanger. Im Sommer kratzt das Thermometer gern mal an den 40 Grad, Regen fällt im Schnitt nur jeden fünften Tag im Jahr. Wie können sich die Rebstöcke in diesem Backofen aufrecht halten? Das Geheimnis liegt im Untergrund verborgen und hört auf den poetischen Namen Albariza. Dahinter verbergen sich strahlend weiße Kreideböden, die Wein-Enthusiasten nicht umsonst direkt an die Côte des Blancs in der Champagne denken lässt. Durch ihre extreme Feinkörnigkeit besitzen sie eine sehr große Oberfläche, was wiederum die langfristige Speicherung großer Mengen des hauptsächlich im Winter fallenden Regens ermöglicht. Die wie Puderzucker erscheinende oberste Schicht mindert Verdunstung, zudem wirkt die helle Albariza wie ein riesiger Spiegel: sie erhitzt sich deutlich weniger als dunklere Böden, sondern wirft die Sonnenstrahlen zurück. Auf ihr gedeihen die mit Abstand besten Trauben, während auf den Arenas genannten Sandböden in Küstennähe und den als Barroso bezeichneten lehmigen Untergründen in den Talsohlen eher einfachere Qualitäten entstehen. Was der Boden den Rebstöcken an Abkühlung nicht zuliefern imstande ist, das leistet schließlich der nahegelegene Atlantik: er erhöht die Luftfeuchtigkeit und wirkt mit seinen stetig ins Landesinnere ziehenden Brisen wie ein großer Ventilator. Viele Kellereien machen sich das in besonderer Weise zunutze, indem ihre Gebäude so ausgerichtet sind, dass die vom Meer kommenden Winde durch große Tore direkt hineinwehen können.

Weit mehr als um viele andere Weine hat sich um den Sherry herum eine ganze Kultur gebildet, die dessen Einzigartigkeit unterstreicht und vom Verlangen zeugt, seinen Genuss regelrecht zu zelebrieren. Zunächst einmal wird Sherry nicht in normalen Weingläsern serviert, sondern in sogenannten Catavinos oder auch Copitas: die sind deutlich kleiner und enger, tulpenförmig und mit einem mittellangen Stiel versehen. Auf diese Weise werden die Aromen konzentriert und der Alkohol tritt nicht spritig in den Vordergrund. Warum der ohnehin schon aus der Reihe tanzende Manzanilla nochmal ein eigenes Glas, die Caña, für sich verbucht, weiß allerdings niemand. Wer Glück hat und in eine sehr traditionalistische Bar gerät oder eine Kellerführung mitmachen darf, wird vielleicht erleben, dass man sein Catavino mithilfe einer Venencia füllt. Diese lange metallene Kelle wird durch das Spundloch ins Innere des Fasses eingeführt, durchsticht die Florhefe und schöpft den edlen Tropfen quasi direkt von der Quelle. Ein geübter Kellner oder Kellermeister wird das Gerät dann über seine Kopfhöhe hinaus heben und von dort oben in weitem Bogen ins Glas strömen lassen. Der Show-Effekt, den man auch aus dem Baskenland kennt, hat einen durchaus sinnhaften Hintergrund: auf seinem langen Weg zwischen Venencia und Catavino hat der Sherry höchstmöglichen Sauerstoffkontakt und setzt infolgedessen maximale Aromenvielfalt frei. Zu dieser trägt auch die passende Trinktemperatur bei: während Finos und Manzanillas bei fünf bis sieben Grad genossen werden sollten, kommen gehaltvollere Amontillados und Olorosos bei zwölf bis 16 Grad besser zur Geltung.

Normale Stillweine, unaufgespritet und nur dem Ausbau her nach Sherry-Art, wie man sie etwa aus Montilla-Moriles kennt, werden in Jerez bisher nur in geringen Mengen erzeugt – unter 15 Prozent steigt man in anderen Worten nicht ein. Nach oben hin ist allerdings ordentlich Luft, denn neben Sherry wird auch im großen Stil Hochprozentiges auf Flasche gezogen – der Brandy de Jerez. Zwar sind die Dimensionen heute ganz andere als vor tausend Jahren, die kupfernen Brennblasen funktionieren aber im Grunde genauso wie die der Mauren, welche die Technik der Destillation ursprünglich zur Herstellung von Duftessenzen ins Land brachten. Ihr Brandy ist den heimischen Erzeugern so lieb, dass sie nicht auf die Idee kommen würden, ihn zur Aufspritung des Sherrys zu benutzen – dafür nimmt man einfachen Branntwein aus der Mancha. Man unterscheidet zwischen Solera, Reserva und Gran Reserva, wobei ersterer mindestens sechs, zweiterer mindestens zwölf und letzterer mindestens 36 Monate Fasslagerung hinter sich haben müssen. Diese Werte gelten allerdings nur auf dem Papier und werden in allen Klassen in der Regel weit überschritten: manche Gran Reservas haben mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel und offenbaren einen wahre Aromensinfonie aus Noten wie Karamell, Vanille, Kakao, Zedernholz und getrockneten Früchten.

Ja, die Region hat viele Trümpfe in der Hand: neben dem einzigartigen Terroir vor allem eine Historie, die ihresgleichen sucht. Lange bevor Rioja, Toro oder das Priorat irgendeine Rolle spielten, verankerte der Sherry sein spanisches Mutterland im kollektiven Weingedächtnis. Von dieser Zeit zehrt man – und ohne sie wäre es wohl auch kaum denkbar, dass ein mit 7000 Hektar weniger als ein Prozent der spanischen Rebfläche einnehmendes Weinbaugebiet sich international derart behaupten könnte. Ob sich der aktuelle Trend hin zu leichten, frischen Weinen mit wenig Umdrehungen negativ auf das Geschäft mit den Likör- und Branntweinen auswirken wird, muss sich erst noch zeigen. Immer mehr Winzer haben immerhin verstanden, dass statt des als Aperitif oder Digestif glänzenden Solisten Weine gefragt sind, die das Zeug zum flexiblen Speisebegleiter haben. Und da muss sich der Sherry mit seiner beeindruckenden Bandbreite von knochentrocken bis zuckersüß, von gertenschlank bis richtig füllig, definitiv nicht verstecken: Finos sind die perfekte Wahl zu kleinen Tapas wie Oliven, Muscheln und Schinken, während ein Amontillado optimal mit Geflügel oder Kalb harmoniert. Amontillado verträgt sich gut mit scharfer Asia-Küche, Oloroso schmeichelt herzhaften Gerichten wie Wild und Lamm, und ein Pedro Ximenez steht einer Vielzahl von Desserts ebenso gut zu Gesicht wie kräftigem Käse. Es ist also ohne weiteres möglich, einem Sechs- oder Sieben-Gänge-Menü ausschließlich Sherry als Begleitung zur Seite zu stellen. Selbst als Bestandteil kreativer Cocktails macht er eine gute Figur und beweist, dass er alles andere als angestaubt, sondern im Gegenteil ein wahres Multitalent ist. Manche seiner Eigenschaften erweisen sich in unserer schnelllebigen, auf unmittelbaren Genuss getrimmten Zeit sogar als unerwarteter Pluspunkt, denn jahrelang warten muss man nicht, wenn man eine Flasche Sherry kauft: die Reife ist abgeschlossen, der Wein direkt auf seinem Höhepunkt. Viva Solera!

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Feinkost

Condimento Balsamico NERO dolce 0,250 Liter

Feinkost · Balsamico · Emilia-Romagna

Das Condimento Balsamico Nero dolce der Acetaia del Casato Bertoni ist ein schwarzes, liebliches Balsamico-Condimento aus Reggio Emilia. Es entsteht aus gekochtem Traubenmost und Weinessig und zeigt den klassischen süß-säuerlichen (agrodolce) Charakter. Die Konsistenz ist dickflüssig und leicht sirupartig, der Geschmack süß mit feiner Essignote. Vielseitig zum Verfeinern herzhafter wie süßer Gerichte.


Herkunft

Die Acetaia del Casato Bertoni liegt in Casalgrande in der Provinz Reggio Emilia, im Herzen der Emilia-Romagna – der Heimat des Aceto Balsamico. Seit 1936 stellt die Familie Bertoni hier in drei Generationen Balsamico-Essige und Condimenti her, heute geführt von Lelio Bertoni mit seinen Söhnen Milo und Roberto. Grundlage ist gekochter Traubenmost, der mit Weinessig vermählt und in Holzfässern gereift wird.

Anbau und Verarbeitung

Gekochter Traubenmost wird mit Weinessig kombiniert und in Holzfässern gereift. Durch das Einkochen des Mosts gewinnt das Condimento seine Dichte, dunkle Farbe und Süße. Zutaten: Weinessig, gekochter Traubenmost. Enthält Sulfite.

Geschmack

Tiefschwarz und glänzend, von dickflüssiger, sirupartiger Textur. Im Geschmack deutlich süß, mit reifer Fruchtnote und dem richtigen Maß an Säure. Der Nachgeschmack bleibt lang und intensiv.

Am Tisch

Klassisch über gereiftem Käse wie Parmigiano, gegrilltem Fleisch und Gemüse. Ebenso zu Erdbeeren, frischem Obst, Risotto oder über Vanilleeis. Pur als Finish über das fertige Gericht träufeln. Kühl und dunkel lagern.


Hersteller Acetaia del Casato Bertoni, Casalgrande (Reggio Emilia, Italien)
Produkt Condimento Balsamico Nero dolce (schwarzes, liebliches Balsamico-Condimento)
Zutaten gekochter Traubenmost, Weinessig (enthält Sulfite)
Herkunft Reggio Emilia, Emilia-Romagna (Italien)
Verarbeitung gekochter Traubenmost mit Weinessig, im Holzfass gereift
Mindesthaltbarkeit (MHD) 2036

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USA

Cayuse God Only Knows Grenache 2017

Rotwein · Grenache · Walla Walla Valley · USA

Cayuse God Only Knows Grenache ist ein seltener, vielschichtiger Grenache aus dem Walla Walla Valley im Nordwesten der USA – oft genannt als einer der besten Grenache außerhalb Südfrankreichs. Er stammt aus dem Umfeld von Cayuse und Christophe Baron, der seine Lagen im Rocks District biodynamisch bewirtschaftet. Ein mittelkräftiger, fast burgundisch wirkender Grenache von Eleganz und Reinheit. Im Glas florale Noten, wilde Erdbeere und ein würziges Finish.


Walla Walla Valley

Der Wein stammt aus dem „Rocks District of Milton-Freewater" im Walla Walla Valley – einem Gebiet mit auffälligen, runden Basaltkieseln, die den Weinen ihren würzig-rauchigen Charakter geben. Christophe Baron, ursprünglich aus der Champagne, bewirtschaftet die Reben biodynamisch.

Rebsorte und Ausbau

Der Wein ist ein Grenache. Nach der Gärung reift er im Holzfass, überwiegend in gebrauchten Fässern, die die feine, florale Frucht und den würzigen Rocks-Charakter bewahren.

Im Glas

Mittleres Rubin- bis Purpurrot. In der Nase Himbeere und wilde Erdbeere, dazu blumige Noten, gemahlener Pfeffer und Veilchen. Am Gaumen mittelkräftig bis kräftig, opulent und zugleich ätherisch, mit reifem Tannin und einem tragenden Säuregerüst. Der Abgang ist lang.

Am Tisch

Bereits zugänglich, gewinnt aber mit ein bis drei Jahren Reife und entwickelt sich über das folgende Jahrzehnt weiter; eine längere Belüftung lohnt sich. Serviertemperatur 16–18 °C.

Klassische Begleitung: Lamm, Wild, geschmortes Fleisch und würzige mediterrane Gerichte.


Lage: Rocks District, Walla Walla Valley (USA)
Klassifikation: Walla Walla Valley AVA – Grenache
Ausbau: Holzfass, überwiegend gebraucht; biodynamischer Weinbau

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Rebsorten

Domaine Francois Raveneau Chablis Montée de Tonnerre Premier Cru 2023

Weißwein · Chablis Premier Cru · Chardonnay

Chardonnay Chablis · 1er Cru Montée de Tonnerre rechtes Serein-Ufer · 2,5 ha Kimmeridgium · blauer Ton 2023

Der Chablis 1er Cru Montée de Tonnerre 2023 der Domaine François Raveneau ist ein reinsortiger Chardonnay aus einer der größten Premier-Cru-Lagen von Chablis – auf Grand-Cru-Niveau. Energiegeladen und mineralisch, von einer der legendärsten und rarsten Adressen der Region.


Montée de Tonnerre – Premier Cru auf Grand-Cru-Niveau

Montée de Tonnerre liegt am rechten Serein-Ufer in unmittelbarer Nachbarschaft der Chablis Grand Crus und gilt als einer der besten Premier Crus überhaupt. Raveneaus Parzelle umfasst 2,5 Hektar in Westausrichtung; die Reben stammen zu je einem Drittel aus den 1950er-, 1970er- und 1990er-Jahren. Der Boden besteht aus kimmeridgischem Mergelkalk und blauem Ton – Grundlage für energiegeladene, mineralreiche Weine.

Die Domaine François Raveneau, 1948 gegründet (die Familie ist mit den Dauvissat verbunden), zählt zu den ikonischen Erzeugern von Chablis. Auf 8,9 Hektar wächst ausschließlich Chardonnay; gesetzt wird auf 100 % Ganztraubenpressung, Ausbau im Holzfass mit nur 10–15 % jährlich erneuerten Fässern und ohne technische Eingriffe. Die Weine sind rar und über Jahrzehnte lagerfähig.

Jahrgang 2023 – Chablis

2023 brachte in Chablis einen gesunden, großzügigen Jahrgang. Ein kühl-feuchtes Frühjahr verlangte Wachsamkeit, ab Mitte Mai wurde es trockener und wärmer; eine Hitzewelle im August konzentrierte die Aromen, Niederschläge Mitte September brachten Frische zurück.

Für Chablis steht 2023 für reife, aromatische Frucht bei klarer Säure – ein harmonischer, klassischer Jahrgang, der die energiegeladene, mineralische Art des Montée de Tonnerre trägt.

Assemblage und Ausbau

Reinsortiger Chardonnay aus dem Jahrgang 2023, mit 100 % Ganztraubenpressung.

Gärung und Ausbau erfolgen im Holzfass, von dem jährlich nur 10–15 % erneuert werden – auf der Hefe und ohne technische Eingriffe. So bleiben Frucht und mineralische Linie klar erhalten.

Im Glas

Helles Strohgelb. In der Nase Zitrus, Austernschale und Feuerstein über feuchtem Stein. Am Gaumen dicht und straff, energiegeladen und mineralreich, mit salziger Mineralität, klarer Säure und langem Abgang.

Zitrus, Austernschale und Feuerstein über dichter, salziger Mineralität – energiegeladen und mit großem Reifepotenzial.

Schon zugänglich, mit großem Reifepotenzial über viele Jahre. Bei 11–13 °C servieren.

Am Tisch

Austern und Plateau de fruits de mer, gegrillter Fisch, Geflügel in heller Sauce, dazu gereifter Comté. Die salzige Säure passt besonders zu Schalentieren.


Lage: Montée de Tonnerre (1er Cru), Chablis; rechtes Serein-Ufer nahe den Grand Crus; kimmeridgischer Mergelkalk & blauer Ton, Westlage, 2,5 ha, Reben aus den 1950er/1970er/1990er-Jahren
Klassifikation: Chablis Premier Cru
Ausbau: Chardonnay; 100% Ganztraubenpressung; Holzfass (nur 10–15% jährlich erneuert) auf der Hefe, ohne technische Eingriffe

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Feinkost

Il Caruggiu Bruschetta

Feinkost · Bruschetta · Antipasti · Italien

Il Caruggiu Bruschetta ist eine italienische Tomaten-Spezialität zum Belegen von geröstetem Brot, vom ligurischen Familienbetrieb Il Caruggiu. Die fruchtige Zubereitung aus Tomaten, Olivenöl und Kräutern bringt das klassische Bruschetta-Aroma direkt aufs Brot. Eine unkomplizierte Vorspeise und ein Klassiker zum Aperitif.


Herkunft

Il Caruggiu ist ein kleiner Familienbetrieb im Hinterland der ligurischen Provinz Imperia, der seit über 100 Jahren Olivenöl und feine italienische Spezialitäten herstellt. Das hauseigene Olivenöl prägt auch diese Bruschetta-Zubereitung.

Anbau und Verarbeitung

Für die Bruschetta werden Tomaten mit Olivenöl und Kräutern zu einer aromatischen, streichfähigen Auflage verarbeitet. So lässt sich der Klassiker ohne Aufwand zubereiten – einfach auf geröstetes Brot geben.

Geschmack

Fruchtig-würzig nach reifen Tomaten, abgerundet von Olivenöl und Kräutern. Mediterran und unkompliziert im Geschmack.

Am Tisch

Klassisch auf geröstetem Weißbrot oder Ciabatta als Bruschetta, ebenso zu Antipasti, als Dip zum Aperitif oder als Topping für Pasta und gegrilltes Gemüse.


Hersteller: Il Caruggiu (Imperia, Ligurien)
Produkt: Bruschetta (Tomaten-Brotauflage)
Art: Tomatenzubereitung mit Olivenöl und Kräutern
Herkunft: Italien (Hersteller in Ligurien)
Verarbeitung: Tomaten mit Olivenöl, streichfähig
Mindesthaltbarkeit (MHD): 26.08.2027

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USA

Verite Le Desir 2012

Rotwein · Sonoma County · Cabernet-Franc-Cuvée

Cabernet Franc (dominierend) Merlot · Cabernet Sauvignon Sonoma County Verité · Le Désir Pierre Seillan 2012

Der Verité Le Désir 2012 wird hauptsächlich aus Cabernet Franc bereitet, abgerundet von etwas Merlot und Cabernet Sauvignon – eine recht typische Bordeaux-Assemblage. Ohne Frage einer der spektakulärsten Rotweine der Neuzeit: dicht wie der beste Perserteppich gleitet dieses edle Nass über den Gaumen.


Verité – Bordeaux-Geist aus Sonoma

Verité wurde 1998 vom legendären Jess Jackson gemeinsam mit dem französischen Vigneron Pierre Seillan gegründet, mit dem kompromisslosen Ziel, im kalifornischen Sonoma County Bordeaux-inspirierte Cuvées von Weltrang zu schaffen. Seillan, geprägt von Jahrzehnten an der Loire und in Bordeaux (u. a. Château Lassègue in Saint-Émilion), gilt als Meister der Assemblage – Verité zählt zu den am häufigsten mit 100 Punkten bewerteten Weingütern überhaupt.

Le Désir ist die Cabernet-Franc-dominierte der drei Verité-Cuvées (neben dem Merlot-basierten La Muse und dem Cabernet-Sauvignon-basierten La Joie) und stilistisch dem Saint-Émilion am nächsten. Seillan komponiert ihn aus über 50 winzigen „Micro-Crus" in vier Sonoma-AVAs – Alexander Valley, Knights Valley, Chalk Hill und Bennett Valley –, die jeweils separat vinifiziert werden. Die warmen Täler fördern die Reife, die kühleren bewahren Säure und Frische.

Jahrgang 2012 – Sonoma County

2012 gilt als herausragender, „winning" Jahrgang in Sonoma – von Hitze, aber nie zu viel, mit perfekter Säure und Tanninstruktur; das Haus selbst vergleicht ihn mit Bordeaux 2005. Der Le Désir 2012 verbindet daher große Kraft und Mächtigkeit mit klarer, frischer Eleganz am Gaumen.

Assemblage und Ausbau

Cuvée vorwiegend aus Cabernet Franc, ergänzt um Merlot und Cabernet Sauvignon, Jahrgang 2012.

Jeder der über 50 Micro-Crus wird einzeln gelesen und vergoren, anschließend in französischen Eichenfässern mit individuell abgestimmten Toasting-Graden ausgebaut. Aus diesen Hunderten von Bausteinen formt Pierre Seillan die finale Assemblage – technisch perfekt bereitet und voller dichter Frucht.

Im Glas

Dicht wie der beste Perserteppich gleitet dieses edle Nass über den Gaumen. Schichten über Schichten von reifen, dunklen Früchten umzingeln Nase und Gaumen; exotische Gewürze, Mokka, reife Paprika und Blaubeeren verwöhnen alle Sinne. Berge von reifen Gerbstoffen sind vorhanden und lassen das fantastische Potenzial dieses Weinriesen erahnen. Man erkennt einen Überseewein, technisch perfekt bereitet und voller dichter Frucht – und doch wirkt er neben aller Kraft und Mächtigkeit klar und frisch am Gaumen.

Ohne Frage einer der spektakulärsten Rotweine der Neuzeit. Outstanding!

Schon jetzt beeindruckend, mit großem Reifepotenzial über zwei Jahrzehnte; profitiert deutlich vom Dekantieren. Bei 16–18 °C servieren.

Am Tisch

Zu kräftigem rotem Fleisch und gereiftem Steak, zu Lamm und Wild, zu Schmorgerichten sowie zu reifen Hartkäsen.


Lage: Sonoma County (Kalifornien, USA); über 50 Micro-Crus in den AVAs Alexander Valley, Knights Valley, Chalk Hill und Bennett Valley
Klassifikation: Sonoma County, Bordeaux-Cuvée (Cabernet Franc dominierend), trocken
Ausbau: Cabernet Franc mit Merlot und Cabernet Sauvignon; separate Vinifikation der Micro-Crus, Ausbau in französischer Eiche (individuelle Toasting-Grade)

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Italien

Lenotti Colle dei Tigli

Wein · Weißwein · Veneto IGT · Italien

Lenotti Colle dei Tigli ist ein körperreicher Weißwein vom Gardasee. Eine Cuvée aus Cortese und Garganega – strohgelb mit grünlichen Reflexen, mit sehr fruchtigem Bukett nach Pfirsich, reifen Äpfeln und Sommerblumen.


Gardasee / Veneto

Die Cantine Lenotti liegen mitten in Bardolino am Gardasee (Veneto); die Familie ist dort seit 1906 im Weinbau. Die Trauben für den Colle dei Tigli – benannt nach dem von Linden gesäumten Rebhügel – wachsen auf moränischen Hügeln mit steinigem Boden glazialen Ursprungs.

Assemblage und Ausbau

Cuvée aus Cortese und Garganega. Die Trauben werden leicht gepresst, die Schalen entfernt; die Gärung erfolgt temperaturkontrolliert (15–16 °C) im Edelstahl. So bleibt der Wein frisch und fruchtbetont, mit klarer Struktur – jung zu genießen.

Im Glas

Strohgelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase sehr fruchtig, mit Pfirsich, reifem Apfel und Sommerblumen. Am Gaumen körperreich, saftig und harmonisch, mit guter Frische und feinem Schmelz.

Am Tisch

Gut gekühlt bei 9–10 °C servieren – als Aperitif ebenso wie zum Essen.

Passt zu: Vorspeisen, Sushi, Fisch, Meeresfrüchten und hellem Fleisch.


Lage: Bardolino, moränische Hügel am Gardasee, Veneto (Italien)
Klassifikation: Veneto IGT Bianco – Cuvée aus Cortese und Garganega
Ausbau: temperaturkontrollierte Gärung im Edelstahl

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Spanien

Jade Gross Chiguita 2023

Weißwein · Rioja · Tempranillo Blanco / Garnacha Blanca / Viura

Tempranillo Blanco / Garnacha Blanca / Viura DOCa Rioja Jade Gross 6 Monate Feinhefe (500-l-Fass) nur 3.900 Flaschen 2023

Der Jade Gross Chiguita Blanco 2023 ist eine vielschichtige Weiß-Cuvée, die an eine Mischung aus einem erstklassigen weißen Hermitage und einem Grand-Cru-Burgunder erinnert – voller Körper, reife Frucht und ein leicht rauchiger Abgang. Einzigartig, köstlich, großartig.


Chiguita Blanco – drei Sorten, mehrere Lagen

Jade Gross, in Hongkong geborene chinesisch-amerikanische Quereinsteigerin aus der Spitzengastronomie, begann ihr Rioja-Projekt 2019 unter der Mentorschaft von Abel Mendoza. Ihre Weine entstehen handwerklich, mit minimaler Intervention und klarem Fokus auf den Ausdruck von Rebsorte und Terroir.

Die Cuvée vereint Tempranillo Blanco und Garnacha Blanca, die auf eisenhaltigem Lehmboden im Alto-de-Najerilla-Tal wachsen, sowie Viura von kalkhaltigem Lehmboden in Labastida und San Vicente de la Sonsierra. Aus dem Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Terroirs entsteht die besondere Tiefe und Vielschichtigkeit des Weins.

Jahrgang 2023 – Rioja

Der Jahrgang 2023 war in der Rioja ein herausforderndes Jahr: Besonders warme und trockene Bedingungen ließen Reben und Menschen mit den Herausforderungen des Klimawandels kämpfen. Im Vorteil waren – wie schon in den Jahren davor – die alten Rebanlagen in den Höhenlagen vor der Sierra Cantabria. Starke Hagelstürme dezimierten die Ernte weiter und führten zu einer Minderernte; nur wer das ganze Jahr über sorgsam die Laubarbeit beherrschte und zum richtigen Zeitpunkt las, wurde mit hochwertigem Traubenmaterial belohnt.

Assemblage und Ausbau

Cuvée aus Tempranillo Blanco, Garnacha Blanca und Viura, Jahrgang 2023, trocken.

Die Lese fand zwischen dem 12. und dem 14. September 2023 statt. Die ganzen Trauben wurden direkt gepresst, fermentierten und reiften dann weitere sechs Monate in französischen 500-Liter-Eichenfässern auf der eigenen Hefe. Gesamtproduktion: 3.900 Flaschen.

Im Glas

Der Wein erinnert an eine Mischung aus einem erstklassigen weißen Hermitage und einem Grand-Cru-Burgunder. Aromen von reifem Apfel, saftigem Pfirsich, Felsenbirne und Brioche, ergänzt durch frischen Kräutergarten, prägen den vollen Körper und den leicht rauchigen Abgang. Die klare Säure verleiht dem Wein Frische und Klarheit.

Wie weißer Hermitage trifft Grand-Cru-Burgunder – einzigartig, köstlich, großartig.

Schon jetzt ausdrucksstark, mit Reifepotenzial über einige Jahre. Bei 11–13 °C servieren.

Am Tisch

Zu gebratenem Fisch und Meeresfrüchten, zu Geflügel und Kalb in heller Sauce, zu cremigen Pasta- und Reisgerichten sowie zu mittelreifem Käse.


Lage: DOCa Rioja (Spanien); Tempranillo Blanco und Garnacha Blanca aus dem Alto-de-Najerilla-Tal (eisenhaltiger Lehm), Viura aus Labastida und San Vicente de la Sonsierra (kalkhaltiger Lehm)
Klassifikation: DOCa Rioja blanco (trocken); nur 3.900 Flaschen
Ausbau: Ganztraubenpressung, Gärung und 6 Monate Reife auf der eigenen Hefe in französischen 500-l-Fässern; handwerklich

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Frankreich

Domaine Denis Mortet Bourgogne Rouge Cuvee De Noble Souche 2023

Rotwein · Bourgogne · Pinot Noir

Pinot Noir Bourgogne AOC Daix · >400 m Reben ~35 Jahre · 1 ha 18 Monate Holz · 20% neu

Der Bourgogne Rouge Cuvée de Noble Souche 2023 von Denis Mortet ist ein reinsortiger Pinot Noir aus hochgelegenen Parzellen in Daix. Die langsame Reife in der Höhe gibt dem Wein einen sehr frischen Stil mit viel Frucht und Saftigkeit – ein regionaler Bourgogne aus der Hand einer Spitzenadresse.


Daix – Höhenlage bei Dijon

Alle Parzellen liegen in Daix, dem Heimatdorf der Familie Mortet, nordwestlich von Dijon. Die Reben wachsen hier auf über 400 Metern Höhe; das Grundgestein liegt fast an der Oberfläche, die Böden sind braun und sehr kalkhaltig. Die Höhenlage verlangsamt die Reife und sorgt für Frische.

Die Rebfläche beträgt rund 1 Hektar, das Durchschnittsalter der Reben liegt bei 35 Jahren. Es kommen weder Dünger noch chemische Unkrautvernichtungsmittel zum Einsatz, nur organische Bodendünger. Die Domaine Denis Mortet zählt zu den Spitzenadressen von Gevrey-Chambertin.

Jahrgang 2023 – Côte de Nuits

Auf einen milden Winter folgte ein kühl-feuchtes Frühjahr mit Austrieb Mitte April. Häufige Niederschläge im April und Anfang Mai hielten den Mehltaudruck hoch; ab Mitte Mai wurde es trockener und wärmer. Die Blüte setzte Anfang Juni weitgehend störungsfrei ein, der Sommer verlief überwiegend gut.

Eine Hitzewelle im August konzentrierte die Aromen, Niederschläge Mitte September brachten Frische und Balance zurück. Für die roten Burgunder steht 2023 für Tiefe, Farbe und Eleganz – klare dunkle Beerenfrucht, feine Würze und geschliffene Tannine bei großzügiger Erntemenge.

Assemblage und Ausbau

Reinsortiger Pinot Noir aus dem Jahrgang 2023, von Hand in kleinen Kisten gelesen. Strenge Traubenselektion, teilweise Entrappung und Gärung ausschließlich mit natürlichen Hefen; Überpumpen und Unterstoßen werden sorgfältig kontrolliert.

Anschließend reift der Wein 18 Monate im Eichenfass, davon 20 % neues Holz. Die Weinberge werden naturnah bewirtschaftet.

Im Glas

Ein sehr frischer Pinot Noir mit viel Frucht und Saftigkeit. Klare dunkle Beerenfrucht trifft auf feine Würze; am Gaumen geradlinig, saftig und mit frischer Säure.

Sehr frisch, voller Frucht und Saftigkeit – ein hochgelegener Bourgogne, der über seine Stufe hinausweist.

Schon jung zugänglich, über einige Jahre gut lagerfähig. Bei 15–16 °C servieren.

Am Tisch

Charcuterie, Brathähnchen und Geflügel, Ente, Gerichte mit Pilzen oder mittelreifer Weichkäse. Ein vielseitiger Begleiter für die feine Küche.


Lage: Daix bei Dijon; über 400 m, braune, stark kalkhaltige Böden, 1 ha, Reben ~35 Jahre
Klassifikation: Bourgogne AOC
Ausbau: Pinot Noir, teilweise entrappt, Spontangärung; 18 Monate Holz (20% neu); naturnahe Bewirtschaftung

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