Auch wenn es auf diesem Blog zuletzt etwas ruhiger um das Thema Reisen war, stehen gutes Essen und vor allem guter Wein weiter im Mittelpunkt. Ein spontaner Zwei-Tage-Trip führte uns nach Barcelona – eine Stadt, die önologisch zu den spannendsten Europas gehört. Von traditionellen Vermutherías über Weinbars mit über tausend Referenzen bis zu Restaurants mit herausragender Weinkarte: Hier sind unsere Stationen, aus der Perspektive eines Weinhändlers.
Die Stationen auf einen Blick:
- La Cova Fumada – Kult-Taberna der Barceloneta (seit 1944)
- La Vinya del Senyor – Weinbar vor Santa Maria del Mar
- La Bodegueta Provença – Vermouth & Tapas im Eixample
- Bodega La Moderna – Vermouth aus dem Fass (ex Bodega Esplugas)
- Mantis – asiatisch-katalanische Fusion
- Público – Cuina de Mercat – Weinbar mit prämierter Karte
- Chiringuito La Deliciosa – Strandbar mit Meerblick
- Besta – galicisch-katalanische Küche (1 Sol Repsol)
- Salut Bistro – Spezialitätenkaffee & Naturwein
- Gresca – Klassiker mit großer Weinkarte
- Vertical – Weinbar der Weltklasse
- Suru – versteckte Yakitori-Bar mit Wahnsinns-Weinen
Tag 1 – Von der Barceloneta ins Eixample
La Cova Fumada (Barceloneta)
Keine Veränderung, sondern pure gelebte Tradition: Das winzige Lokal im Fischerviertel Barceloneta gibt es seit 1944, an der Fassade fehlt bis heute jedes Schild. Hier wurde die legendäre bomba erfunden – eine frittierte, mit Hackfleisch gefüllte Kartoffelkugel. Noch immer führt die Familie Solé den Laden, während Mutter Palmira am Herd steht. Blutwurst mit Kichererbsen, Pulpo mit eingekochten Zwiebeln, dazu ein einfacher Wein – das war’s auch schon. Großartig.
📍 Adresse: Carrer del Baluard 56, Barceloneta · Website
La Vinya del Senyor (Born)
Zum Mittagstrunk geht es in den reizenden Stadtteil Born, ins La Vinya del Senyor mit einer der besten Weinkarten der Stadt. Direkt vor der gotischen Basilika Santa Maria del Mar, seit 1996, mit über 1.000 Referenzen und alle zwei Wochen wechselnden offenen Weinen. Dazu feine kleine Snacks und ein unverschämt leckerer Chardonnay aus dem Burgund.
📍 Adresse: Plaça de Santa Maria 5, Born · Website
La Bodegueta Provença (Eixample)
Weiter in die moderne Schwester der klassischen Bodegueta an der Rambla de Catalunya (seit 1940). Guter Vermouth, sauberer Tomatensalat, ein Risotto mit Pilzen und Foie, wie man es in Italien kaum besser fände, und ein himmlisches Tocinillo de Cielo.
📍 Adresse: Carrer de Provença 233, Eixample · Website
Bodega La Moderna (Eixample)
Kleines Nickerchen – und schon geht es in die Bodega La Moderna, die frühere Bodega Esplugas (seit 1937). Vermouth aus dem Fass zwischen alten Holzfässern als Deko. Man soll ja damit weitermachen, womit man aufgehört hat.
📍 Adresse: Carrer d’Enric Granados 110, Eixample · Website
Mantis (Eixample)
Eines der spannendsten neueren Restaurants der Stadt. Das gekostete Erlebnis spottet jeder Beschreibung. Das Küchenduo Toni Solans (u. a. beim legendären Fäviken von Magnus Nilsson) und David Romero schickt asiatisch-katalanische Fusion auf die Teller – gewagt, sinnig, passend. Schlicht atemberaubend. Die Weinkarte setzt auf lokale und Naturweine, gläserweise begleitend zu jedem Gang.
📍 Adresse: Carrer de París 145, Eixample · Website
Público – Cuina de Mercat (Eixample)
Den Absacker, einen Bourgogne Blanc, gibt es in der Weinbar mit angeschlossenem Restaurant Público: mediterrane Marktküche und eine vom Sommelier Xavi Nolla kuratierte, von der Star Wine List ausgezeichnete Karte mit über 200 Positionen, davon mehr als 35 offen – viele zum Ladenpreis. Danach sammelt ein kurzer, intensiver Tiefschlaf neue Kräfte.
📍 Adresse: Carrer d’Enric Granados 30, Eixample · Website
Tag 2 – Strand, Eixample und große Klassiker
Chiringuito La Deliciosa (Barceloneta)
Auch wenn es im Chiringuito La Deliciosa an der Playa nicht wirklich deliziös ist, hat man von dort einen traumhaften Blick auf Strand, Meer und Trubel. Die Beachbar mit Vintage-Deko verdankt ihren Namen übrigens dem alten Namen des Barceloneta-Strands.
📍 Adresse: Platja de Sant Miquel, Passeig Marítim de la Barceloneta · Website
Besta (Eixample)
Mit einem ordentlichen Kaffee gestärkt, geht es zu Fuß durch Born nach Eixample. Dort wartet das Besta, eine galicisch-katalanische Fusionsküche, die einfach Spaß macht. Hinter dem Projekt (seit 2021, 1 Sol Repsol) stehen Manu Núñez (zuvor Arume) und Carles Ramon; gekocht wird zwischen Atlantik und Mittelmeer, mit Fokus auf Fisch und Meeresfrüchte. Die Weinkarte konzentriert sich auf kleine gallego-katalanische Winzer mit minimaler Intervention.
📍 Adresse: Carrer d’Aribau 106, Eixample · Website
Salut Bistro (Eixample)
Den anschließenden Café Solo nimmt man am besten im nahe gelegenen Salut Bistro an der Ecke Enric Granados/Mallorca. Morgens Brunch mit Spezialitätenkaffee, abends Naturwein-Bar, geführt von drei Freunden, mit Schwerpunkt auf katalanischen Naturweinen. Autorenkaffee, wie man ihn nur selten trifft.
📍 Adresse: Carrer d’Enric Granados 58, Eixample · Website
Gresca (Eixample)
Zum Abschluss einer der absoluten Klassiker: das Gresca, eines der ungewöhnlichsten Restaurants Barcelonas. Hier wird ehrlich gekocht – Produkt, Handwerk, eine endgeile Weinkarte (sogar Joan Roca schwärmt davon) und eine Stimmung wie in der heimischen Küche. Chef Rafa Peña, seit 2006 am Start und 2023 mit dem Premio Nacional de Gastronomía ausgezeichnet, holt einen immer ab. Im angeschlossenen Gresca Bar stehen Naturweine im Mittelpunkt.
📍 Adresse: Carrer de Provença 230, Eixample · Website
Vertical (Eixample)
Den letzten Absacker gibt es im nahen Vertical, dem 2025 eröffneten Barcelona-Ableger (nach Málaga und Maó) des Alkimia-Sommeliers Bernat Voraviu und des Ex-elBulli-Mannes Julio Barluenga. Rund 1.200 Weine, ein 14 Meter langer Weinkühlschrank und kleine Happen bis spät in den Abend – die Star Wine List zählt die Bar zu den besten der Welt. Die Küche kommt von Jordi Vilà.
📍 Adresse: Carrer de Rosselló 197, Eixample
Suru (Eixample)
Selbst an einem Montagmittag kurz vor dem Abflug nimmt man hier noch viel positiven kulinarischen Wind mit nach Hause – allein von diesem Besuch zehrt man daheim noch lange. Hinter dem Suru stehen drei ehemalige Gresca-Kollegen, und schon der Name erzählt die DNA des Hauses: auf Katalanisch ein Anklang an den Korken, auf Japanisch das Erschaffen und Gestalten von etwas Neuem. Genau das passiert hier – geniale, fast anarchische Küche mit Witz, Qualität, viel Esprit, Wissen und Lust an der Sache. Reduziert, auf das Wesentliche fokussiert, mit japanischen Einflüssen und traditionellen katalanischen Wurzeln. Dazu modernes Industrie-Design, Wahnsinns-Weine und eine prächtige Stimmung. Besonders schön: Die meisten Gerichte kann man auch als halbe Portionen bestellen und sich so durch die Karte probieren.
📍 Adresse: Carrer de Casanova 134, Eixample · Website
Fazit
Man hat unheimlich viel erlebt, gesehen, gegessen und getrunken – und doch wieder nur ein paar winzige Facetten dieser sich ständig weiterentwickelnden Stadt erfasst. Wer Barcelona über den Wein erschließt, findet eine Szene zwischen traditioneller Vermut-Kultur und Naturwein-Avantgarde. Viele der Stile, die uns dort begeistert haben – vom weißen Burgunder bis zum lebendigen Naturwein – führen wir auch in unserem Shop. Auf ein baldiges Wiedersehen, oder wie der Spanier sagen würde: ¡Hasta luego!





















