Eine sehr kleine Rieslingverkostung zu Dritt.
Die Überraschung des Abends und damit der Gewinner – die anderen haben ihre Erwartungen erfüllt oder wie im Falle von Markus Molitor enttäuscht – war: 2008 Riesling „N“ , Heilbronner Stiftsberg ** vom Weingut Schäfer-Heinrich (Alk. 11,5%).
Ich habe die Flasche schon am Nachmittag beim Besuch von einer Freundin aufgemacht, ich war selber gespannt, ob der Württemberger noch „lebt“, ob ich eine Alternative für den Abend suchen soll. Der Wein befindet sich auf seinem Höhepunkt, wir waren alle überrascht. Extrakt, Säure, RZ stimmten überein; die Flasche war schnell leer.
Das Weingut Schäfer-Heinrich liegt und hat ihre Lagen am Rande von Heilbronn, also die Reben wachsen auf Keuper und Muschelkalk. Seit Anfang der 90er werden die Weine ökologisch ausgebaut.
„N“ steht für ein Naturgewächs, mit einer natürlichen Restsüße, die Rebstöcke werden sich „alleine“ überlassen, man lässt ihnen viel Zeit und greift kaum ein, dieser Wein wird spontan vergoren.
In der Nase: Pfirsich, Mango, Ananas, wenig Banane, Orange, Anflug vom Zimt und Kamille. Auf dem Gauen finden sich die Aromen wieder, dazu kommen dezente Aromen von sauren, saftigen Birnen, wenig Muskat. Das alles wird von einer feinen, verhaltenen Säure unterstützt. Auch leichte Restsüße ist spürbar, was auf einen höheren Öchslegrad hinweist; fettig aber nicht überladen, kraftvoll.
Bei den nächsten drei Weinen hatten wir ein wenig Probleme die Aromen zu bestimmen; sie haben uns auf jeden Fall gut gefallen:
2009 Lorcher Bodental-Steinberg, Riesling Spätlese trocken Graf von Kanitz (Alk. 13%, Rheingau, Schiefer und Quarzit)
Mineralisch, nasse Steine, feine kräutige Aromatik, Basilikum, Liebstöckel, Grüntee, ein Hauch von Orange; auf dem Gaumen verhalten; feine Säure, filigran, elegant, kraftvoll und lang im Abgang .
2011 Von Winning Win Win Riesling trocken
(Alk. 11,5%; Pfalz)
Am Anfang ein wenig schwer zu definierende Aromen zeigt dieser Sponti, dezente Zitrusnoten, ein Hauch von Sternfrucht, leichter Rauch, etwas Brotrinde, Heu; intensiv und filigran, feine Säure und lang im Abgang.
2011 Von Winning Deidesheimer Paradiesgarten, Riesling trocken
(Alk. 12,5%, Lehm und Bundsandsteinboden)
Kraftvoll und filigran, gleichzeitig etwas „fettiges“, würziges; wirkt wenig verschlossen, dezente Aromen von Pfirsich; ausgeprägte Säure
2009 Markus Molitor Zeltinger Sonnenuhr, Riesling Spätlese
Etwas Banane, Rosinen, Honig, Milchschokolade, eine dezente Note von Quitte; fruchtig und süß; Zuckerwatte und nichts dahinter, es fehlen die Facetten und die Säure. Echt schade. Unsere Enttäuschung des Abends.
2009 Forstmeister Geltz Zilliken Bockstein 1er Riesling kabinett
(Alk. 9%, Saar)
Süße Zitrusfrüchte, Orangen, auch mit der Schale, reife Mango, Pfirsich, etwas Erdiges, ausgewogen, gut eingebundene feine Säure, die den Wein frisch hält.
