Weingut Freiherr Heyl zu Herrnsheim Mathildenhof Niersteiner Pettental Riesling Spätlese trocken 1992 – Rheinhessen – Deutschland
Die Wein Einzellage Niersteiner Pettental im Anbaugebiet Rheinhessen liegt am berühmten roten Hang und dies mit direktem steilen und beeindruckenden Blick hinunter zum Rhein. Selbst so berühmte Persönlichkeiten wie der Dichter, Denker und Trinker Johann Wolfgang von Goethe oder der Wuppertaler Unternehmer, Philosoph und kommunistische Vordenker Friedrich Engels haben sich vor hunderten von Jahren mit Riesling Weinen dieser Top Lage berauscht. Und wer weiß, ob nicht der eine oder andere Geistesblitz dieser Herrschaften auf die vorzüglichen Eigenschaften dieser seinerzeit kaum zu bezahlenden Top Weine zurückzuführen ist.
Nach den beiden Weltkriegen verfiel die Region rund um den Weinort Nierstein in einen bedauerlichen Dornröschenschlaf und das Weingeschäft war fest in der Hand von Großkellereien und Genossenschaften. Die Weingüter Gunderloch und Freiherr Heyl zu Herrnsheim Mathildenhof setzten dann Ende der 1980er Jahre erstmals wieder auf trockenen Qualitätsanbau am roten Hang und waren somit Vorreiter eines neuen Bewusstseins dieser ehemals weltberühmten Lage. Der dortige rote Schiefer kann die Sonnenwärme im Laufe des Tages perfekt speichern und hält die Weinlage so auch in den kühlen Nächten schön warm. Die Reben und die dann letztendlich in guten Jahrgängen gut ausgereiften Riesling Trauben danken es den engagierten Winzern mit lagerfähigen Großen Gewächsen.
So überrascht auch die 1992er trockene Spätlese Niersteiner Pettent(h)al des Weingutes Freiherr Heyl zu Herrnsheim Mathildenhof mit einer Frische, Klarheit, Cremigkeit und subtiler Eleganz, welche man einem 27 Jahre alten deutschen trockenen! Riesling niemals zugetraut hätte.
Ein wenig frisch gefallener Schnee, Karamellbonbons, Vanilleschote, kandierte Pfirsichfrucht und getrocknete, reife Apfelringe hinterlassen einen ersten nachhaltigen und beeindruckenden Einblick. Hinter der sehr reifen, leicht süßlichen Frucht im Geschmack lauert dann noch eine vollmundige Säure. Diese hält den Spannungsbogen im Geschmack und transportiert dieses köstliche Nass, auf welches selbst Goethe zurecht neidisch gewesen wäre, mit langem Abgang in den dürstenden Körper.
Dem Zitat an diesem Abend „So richtig geil schmeckt der aber erst in zwanzig Jahren“, ist eigentlich auch nichts mehr hinzuzufügen, und so wird es dann wohl auch noch einmal gemacht.
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