„Für uns war die Weinlese eine Achterbahn der Gefühle“
Dass es nicht leicht werden würde nach dem Schaden, den der Spätfrost im Mai angerichtet hat, wussten wir. Und so waren die letzten Wochen für uns ein Wechselbad der Gefühle. Mit dem besten Leseteam, das sich ein Winzer wünschen kann, haben wir unsere Trauben von Mitte September bis Mitte Oktober zu 100% von Hand geerntet. Akribisch haben unsere Helfer jedes von Wespen angepickte Beerchen einzeln herausgepullt. Nur gesundes, reifes Lesegut durfte in unseren Boxen landen. Es wurde viel gelacht und nach getaner Arbeit viel getrunken und geschlemmt. Ein Traum. Noch gärt der neue Jahrgang schön langsam im Keller vor sich hin. Natürlich ohne künstliche Zusätze, wie Reinzuchthefen.
Nur leider haben wir Einbußen von 75 Prozent.
Immerhin: Beim Weißburgunder «Hölzlein» und Spätburgunder «Katzenkopf» durften wir Mitte Oktober ein paar kerngesunde Trauben lesen. Im Mai noch hatten wir jede Hoffnung auf eine Ernte aufgegeben. Für uns bedeutete das, jeden einzelnen Rebstock bis spät in den September hinein wieder und wieder von Hand zu entblättern und mit ökologischen Maßnahmen vor Pilzkrankheiten zu schützen. Das ganze Jahr über mussten wir in den Weinbergen deutlich mehr Aufwand betreiben als bei normalen Witterungsverhältnissen. Der Ehrgeiz war geweckt, das Beste rauszuholen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass gerade in schwierigeren Jahren die spannendsten Weine entstehen. Und einmal mehr hat sich gezeigt, dass wir nur dank der ökologischen Bewirtschaftung höchste Qualitäten erzielen und die Gesundheit der Reben und der Trauben erhalten können.
Heute sind wir dankbar über jedes Fass. Vor wenigen Tagen haben wir den letzten Rotwein, den Cabernet Sauvignon, von der Maische genommen, langsam abgepresst und in die Holzfässer gefüllt. Ein bis drei Jahre haben die neuen Jahrgänge nun Zeit zum Reifen. Text und Bilder: Weingut Richard Östreicher




