Bummelzüge und ein Tagesgericht
Wer der Meinung ist, dass nur die Deutsche Bahn das Hoheitsrecht auf Verspätungen, Zugausfälle und chaotisches Geschäftsgebaren gegenüber ihren Kunden innehat, der hat sich gewaltig verschätzt. Auch in Frankreich scheint es im Bereich des Zugverkehrs das eine oder andere massive Problem zu geben.
Die französische Zugstrecke an der Côte d’Azur, entlang der Route von Menton nach Grasse – oder auch in die entgegengesetzte Richtung –, überrascht mit erstaunlichen Variationen. Diese einfache Strecke, ohne besondere Knotenpunkte, beeindruckt mit Verspätungen, die sich eher im Stundentakt als im Minutenbereich bewegen, mit Zugausfällen oder einem spontanen „Zug bleibt stehen“ mitten auf der Strecke – nur um dann nach gefühlt endloser Wartezeit anzukündigen, dass es nicht mehr weitergeht.
Was den deutschen Bahnreisenden auf die Palme bringt, bügelt der Franzose jedoch mit eleganter, lockerer und unkommentierter Gelassenheit weg – so sehr, dass es einem fast die Sprache verschlägt. Vielleicht liegt es an der guten Laune und der fast ständig scheinenden Sonne, die das Gemüt unserer französischen Nachbarn so entspannt wirken lässt. Oder aber an einer stillschweigenden Resignation gegenüber den herrschenden Zuständen. Man weiß es nicht.
Was man jedoch in der gestrandeten Ortschaft Antibes erfährt: In Frankreich bekommt man ohne Probleme einen ausgezeichneten Mittagstisch mit einem wirklich guten Tagesteller zu einem grandios gastfreundlichen Preis. Das Café des Chineurs ist so ein Lokal, in dem man sich während des Essens erstaunt den Mund abputzt, sich vor der Weiterfahrt mit dem Zug noch zwei exzellente Hausweine gönnt – und dann endgültig in die Gelassenheit der Einheimischen eintaucht. Irgendwann wird man schon wieder weiterkommen. 😊

