Teil 5: der Beste kommt fast am Ende! 
Wir haben auch zwei Weingüter besucht, deren Weine 1976 bei der Blindverkostung von Paris die französischen Weine in Schatten gestellt haben; damals undenkbar…
Der erste Platz unter den Weissweinen war der 1973er Chardonnay vom Chateau Montelena; unter den Rotweinen gewann: 1973 Cabernet Sauvignon von Stag´s Leap Wine Cellars. Es ist lange her.., wir waren trotzdem gespannt wie die Weine von heute schmecken.
Zuerst haben wir Stag`s Leap aufgesucht. Leider! Wäre der Besuch dort die letzte Station gewesen, hätte ich einen super Abschluss von meinen Eindrücken von kalifornischen Weinen gehabt…
Daher fange ich mit Chateau Montelena an: ein schönes Anwesen, schön gelegen..
Die Weine:
2012 Chateau Montelena, Chardonnay Napa Valley; das Lesegut wurde nachts geerntet; es fand keine malolaktische Gärung statt. Die Holznoten sind ziemlich dominant; Pfirsich, alte Apfelsorte, aufgeschnittene Orange, etwas Kiwi, Grapefruit, Jasmin? und Honig. Der Preis von 50 Dollar ist extrem hoch angesiedelt (höchstens 9,95 Euro würde ich zahlen), aber für vergangenen Ruhm soll man weiterhin zahlen. Jetzt würde er keine Chance gegen die Franzosen haben.
2013 Riesling Potter Valley; schon der mangelnden Säure wegen ähnelt er wenig den Rieslingen; plumpe Frucht, langweilig. Finger weg davon!
2011 Zinfandel Montelena Estate: in der Nase würzig, am Gaumen „süßliche“ Noten, dunkle Kirsche, geröstetes Brot, auch hier zu viel Holz. Preis 39 Dollar auch zu hoch (5,95 Euro, höchstens 7,95 Euro wert).
2006 Cabernet Sauvignon (14,1%Alk.); ein wenig Merlot und Cab. Franc; der Wein lag 15-16 Monate lang im Holzfass, aber nur 15% in der Eiche; zuerst wirkt er frisch, dann spürt man Alterungsnoten, aber sie stören nicht wirklich. Etwas Karamell, Nelke, Anis; in 2-3 Jahren auch gut zu trinken; auch hier der Preis von 65 Dollar zu hoch (hätte höchstens 19,95 Euro bezahlt).
2010 Cabernet Sauvignon (14,2%Alk.): 98% Cab. Sauv., 2% Cabernet Franc; 24 Monate in der französischen Eiche, davon 20% in einer neuen.
Würzig, dunkle Beeren, etwas zartbittere Schokolade, Kakao, ein Hauch von Anis, dezente Holznote, Vanille am Rande; im Hintergrund noch etwas kräftige Säure, aber sie steht dem Wein gut. Der Wein hat Potenzial und erst in 10-20 Jahren wird er gut zu trinken sein. Dieser Kraftprotz kostet 150 Dollar.
Die Rotweine haben mir besser gefallen und zurzeit sind sie die Stärke des Weinguts.
Stag`s Leap Wine Cellar. Ich bin froh, die Weine dieses Weinguts kennengelernt zu haben und es ist schade, dass man sie in Deutschland nicht kaufen kann. Alle verkosteten Weine waren klasse, alle kommen zu 100% aus dem eigenen Anbau. Die Degustationsnotizen des Weinguts stimmen, daher verzichte ich auf die Beschreibungen.
2012 ACADIA Vineyard Chardonnay kommt aus den Lagen, die auf der Höhe von 600 Fuss über der Ortschaft liegen; 75% wird in gebrauchten französischen Eichenfässern ausgebaut; eher ein schlanker Stil.
2011 FAY Cabernet Sauvignon; der Weinberg heisst FAY und wurde 1961 angelegt; der Wein ist würzig, hat eine gute Frucht, etwas Vanille, …
2011 S.L.V. Cabernet Sauvignon; die Rebstöcke für diesen Wein wachsen auf dem Vulkanboden; filigran; für 125 Dollar zu erwerben.
Der mit Abstand Beste (auch auf der ganzen Reise):
2010 CASK 23 Cabernet Sauvignon; der Wein ist ein Resultat einer Auslese von beiden Lagen: FLY und S.L.V.; jedes Fass wird getrennt verkostet; der Wein hat Kraft und ist filigran;
„Der Wein erinnert an Margaux“, so ein Herr, der uns bei diesem Vergnügen „betreut“ hat. Wenn es so ist, würde mir ein Margaux auch sehr gut gefallen. 2010 CASK 23 liegt bei 225 Dollar;
also beide Weine ein Schnäppchen im Vgl. zu Opus One.
Und dann durfte ich noch den 2005 S.L.V. probieren.., echt mit Bordeaux-Weinen zu verwechseln. Kein Wunder, dass 1976 bei der Pariser Blindverkostung der 1973 Cabernet Sauvignon S.L.V. allen französischen Weinen die Show gestohlen hat.
Zusammen gefasst: man hat den Eindruck, die meisten Weingüter bevorzugen beim Ausbau die französische Eiche (natürlich falls der Wein im Holz ausgebaut wird); aber immer wieder wird zu viel Holz eingesetzt;
viele Weingüter übertreiben bei der Weinpreisgestaltung;
die kalifornischen Weine, die man in den Supermärkten bekommt, sind bezahlbar und schmecken gut;
auf die Rieslinge kann man dort verzichten; einige Pinots können mit einigen Burgundern konkurrieren. Die Chardonnays – mit sehr wenigen Ausnahmen – sind eher Schmeichler, aber ok.
In Old Creek Ranch Winery kann man einen netten Sonntag (auch auf der Terasse) verbringen, die Weine sind gut gemacht und bezahlbar.
Sunstone ist auch besuchenswert; Foley Estate wegen Weinen ja, sonst nichts besonderes.
Hätten wir gewusst, dass bei Mondavi die Weine auch in einer Bar ausgeschenkt wurden, hätten wir keinen Termin ausgemacht. Allerdings unsere Führung – dank dem Önologen – hat uns gut gefallen.
Opus One übertreibt;
das Bistro im Anwesen von F.F. Copolla kann man besuchen, aber vermutlich je nachdem welchen Wein man bestellt, ist man (un-)zufrieden; manchmal siegt leider doch die Neugierde.
Kynsi Winery zeigt konstante Qualität, die Weine schmecken, die Preise (22-48 Dollar) zu vertreten.
Chateau Montelena lebt noch vom alten Ruhm.
Stag´s Leap Eine Cellar ist mein absoluter Favorit!





