Shangri-La Winery Ao Yun 2013 – Shangri-La – China
Weinbau im Himalaya Gebirge? Undenkbar! Ein großer Wein aus China. Undenkbar!
Ein neues Weingutsprojekt des Luxuskonzerns LVMH straft diesem irdischen, europäischen Glauben der Lüge und demaskiert auf verblüffende Art und Weise die Arroganz und Überheblichkeit, die wir noch vor anderen Kulturen und deren Leistungen im Kopf verankert haben.
Der Ao Yun ist der Erstlingswein der Kellerei Shangri-La Winery. Ao Yun bedeutet soviel wie „Über den Wolken fliegen“, und da die Weinberge auf 2200 bis 2600 Höhenmetern (!!!) über dem Meeresspiegel fussen, macht dieser Weinname wahrlich Sinn.
Die Cuvée aus 90 % Cabernet Sauvignon und 10 % Cabernet Franc wurde erstmalig im Jahrgang 2013 auf den Markt gebracht und wurde in neuen französischen Barrique Fässsern ausgebaut. Überhaupt ist Frankreich, oder hier im speziellen Fall Bordeaux, das große Vorbild dieses neuen Icon Weines. Das Wissen und sämtliches Know-How ist bei dem Investor Moet-Hennessy vorhanden, und dass dieser weltweit agierende Luxuskonzern sein Marketing Handwerk versteht wird klar, sobald einem die dazugehörigen Marken genannt werden: Dom Perignon, Krug, Ruinard, Moët & Chandon, Veuve Cliquot, Hennessy, Belvedre, Glenmoragie, Ardbeg und Co. sind bis in die letzten Winkel unseres Erdballes bekannt und werden weltweit als Statussymbole verschenkt. Dass China hier ein neuer, äußerst attraktiver Markt für LVMH ist, ist klar, da es die Mentalität der Chinesen ist, dem Marken- und Luxusprodukt zu frönen und zu verfallen. „Marke“ bedeutet gekaufte und gelebte Sicherheit und solche Produkte werden dann meistens auch nicht mehr groß hinterfragt.
Je bekannter und teurer um so besser. Der Chinese möchte das beste verschenken; dies verleiht dem Schenkenden Gesicht und Ehre und dabei werden keine Kosten und Mühen gescheut.
Der Rotwein Ao Yun 2013 muss also auch unter dem Markengesichtspunkt gesehen werden. Dieser schafft es aber, wie auch andere Produkte von LVMH, zu überzeugen. Es kann davon ausgegangen werden, dass hier keine Kosten und Mühen gescheut wurden, um den besten Wein Chinas zu produzieren. Ohne andere Weine aus China zu kennen, muss hier in jedem Fall zugegeben werden, dass der Ao Yun ein mehr als gelungener und respektabler Debüt Wein ist. Die Farbe ist glänzend klar und nicht so dunkel und dicht konzentriert wie so viele sogenannte Neue Welt Weine aus den USA, Südafrika oder Australien.
Das Bukett ist anfangs noch eindimensional und versprüht vor allen Dingen Cassis Aromen „bis der Arzt kommt“. Mit viel Zeit entwickeln sich hier Pfefferminz, Brombeeren, Zartbitterschokolade, ein wenig Kaminholz, Rauch und Speck zu einer tollen Melange. Geschmacklich ist der Wein ein wahres Gerbstoffbrett. Diese Tannine sind allerdings sehr reif und mit vollen schwarzen Johannisbeernoten unterlegt. Im Mundgefühl voll und opulent. Der Abgang ist lang und wird von den 15 % Alkohol getragen. Mit Luftkontakt wird der Wein etwas weicher, zugänglicher und die Tannine werden glatter. Blind getrunken würde dieser Wein locker als sehr guter Bordeaux durchgehen und ohne Frage in der zweiten oder dritten Bordeaux Cru Liga mitspielen. Zu den allerbesten Weinen der Welt kann der Ao Yun 2013 aber noch nicht gezählt werden, aber dieses ambitionierte Ziel werden die Macher dieses „flüssigen Traumes“ sicher nicht aus den Augen verlieren. Gesamtproduktion: 3.000 Flaschen.