Detailbeschreibung
Champagner · Champagne AOC · Blanc de Noirs
Champagne La Closerie Jérôme Prévost LC23 ist der Champagner, der dem Pinot Meunier seinen Ruf zurückgegeben hat: ein Wein aus einem einzigen Weinberg von 2,2 Hektar im Dorf Gueux westlich von Reims, nahezu reinsortig, spät gelesen, ohne Zusätze im Fass vergoren und unfiltriert gefüllt. Das Kürzel LC23 steht für La Closerie und den Basisjahrgang 2023.
Les Béguines in Gueux – Sand über Ton
Gueux liegt rund zehn Kilometer westlich von Reims in der Petite Montagne, abseits der klassifizierten Kern-Crus der Champagne. Genau das ist der Punkt: Jérôme Prévost hat gezeigt, dass Herkunft nicht an der Einstufung hängt. Les Béguines ist ein einziger Weinberg von 2,2 Hektar, den er von seiner Großmutter erbte und seit 1998 unter eigenem Namen abfüllt.
Der Boden ist ein Schichtpaket: kalkhaltiger Sand aus dem Thanetium über Ton, darunter erneut kalkhaltiger Sand. Der Sand entwässert und erwärmt sich schnell, der Ton speichert Wasser für den Sommer. Die in den 1960er-Jahren gepflanzten Reben stehen auf einer alten, wuchsschwachen Unterlage, deren Wurzeln tief reichen – daher die von Natur aus niedrigen Erträge und die Konzentration, die dieser Wein braucht.
Bepflanzt ist die Parzelle nahezu vollständig mit Pinot Meunier; dazwischen stehen einzelne Stöcke Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Blanc, die rund fünf bis sechs Prozent der Assemblage ausmachen und mitgelesen werden. Gelesen wird von Hand und so spät wie möglich – bei Meunier die Voraussetzung dafür, dass die Sorte überhaupt zeigt, was in ihr steckt. Die Erträge bleiben durch Rebalter und Unterlage niedrig.
Basisjahrgang 2023 – Champagne
Der Jahrgang 2023 begann großzügig und wurde ab August zur Auslese-Aufgabe. Regenfälle im Spätsommer trieben den Druck durch Falschen Mehltau und Botrytis nach oben, dazu kam die Kirschessigfliege als neues Problem. Trockenere, wärmere Tage Anfang September retteten Zuckergehalt und Gesundheitszustand – wer bis dahin durchhielt und konsequent selektierte, brachte gutes Material ein.
Die roten Sorten hatten es schwerer als der Chardonnay, und Pinot Meunier traf es am härtesten: ungleichmäßige Reife und faules Lesegut verlangten scharfe Triage. Prévost verwarf bei der Lese rund ein Drittel der Ernte. Das Ergebnis ist ein LC23, der nach dem ungewöhnlich offenen 2022er wieder in den strengeren, in der Jugend verschlossenen Stil des Hauses zurückkehrt. Ergänzt wird der Basisjahrgang durch rund 20 Prozent Reserveweine.
Gärung ohne Zusätze, zehn Monate im Burgunderfass
Die vollreifen Trauben werden in gebrauchten Burgunderfässern unterschiedlicher Größe – von 228 bis 600 Litern – vergoren. Die Gärung startet mit den weinbergseigenen Hefen; Zusätze gibt es keine, weder Reinzuchthefe noch Anreicherung. Der Wein bleibt rund zehn Monate im Holz, bevor er unfiltriert auf die Flasche kommt.
Danach folgt eine für die Champagne ungewöhnlich kurze Hefelagerung von höchstens achtzehn Monaten. Prévost begründet das damit, dass sich seine Weine erst nach dem Degorgieren wirklich entwickeln – eher wie ein Stillwein als wie ein klassischer Champagner; seiner Einschätzung nach öffnen sie sich nach rund sechs Jahren auf der Flasche vollständig. Dosiert wird minimal, in der Kategorie Extra Brut.
Im Glas
Kräftiges Gold mit feiner Perlage – die Farbe eines Weins, der ohne Schutz vor Sauerstoff gearbeitet wurde und den vollreifen Meunier nicht verbirgt. In der Nase gelbe Steinfrucht, getrocknete Aprikose und Quitte, dazu Gebäck, Haselnuss und eine würzig-rauchige Note aus dem Fass. Am Gaumen vinös und breit gebaut, mehr Weißwein mit Perlage als klassischer Champagner, getragen von einer Säure, die den Körper zusammenhält. Der Abgang ist lang, würzig und trocken.
Zehn Monate im Fass, höchstens achtzehn auf der Hefe: Prévost verlegt die Reife dorthin, wo sie die meisten Häuser beenden – in die Zeit nach dem Degorgieren.
Bei 10–12 °C servieren, nicht kälter, und in einem großen Weißweinglas statt in der Flöte. Der Wein braucht Zeit – eine halbe Stunde im Glas verändert ihn deutlich; junge Flaschen profitieren von weiteren Jahren im Keller.
Am Tisch
Klassische Begleitung: edler Fisch, Meeresfrüchte, Geflügel und gereifter Käse. Krustentiere wie Hummer und Taschenkrebs passen besonders gut, ebenso Gebratenes mit Röstaromen – Steinbutt, Perlhuhn, Kalbsbries. Als reiner Aperitif ist dieser Wein verschenkt; er gehört an den Tisch.