Detailbeschreibung
Rotwein · Rioja DOCa · Tempranillo
Der Abel Mendoza Suelos 2022 ist der Tempranillo, an dem sich die Handschrift des Guts aus San Vicente de la Sonsierra am direktesten ablesen lässt. Abel Mendoza und Maite Fernández keltern ihn aus 100 % Tempranillo von Parzellen in San Vicente, Labastida und Ábalos, alle über 35 Jahre alt. Der Name ist Programm: Suelos heißt Böden – der Wein lebt vom Ton-Kalk-Mosaik der Sonsierra, nicht vom Holz.
Sonsierra – Ton und Kalk zwischen San Vicente, Labastida und Ábalos
Die Sonsierra ist der Streifen nördlich des Ebro, zwischen Fluss und der Felswand der Sierra de Cantabria. Die drei Gemeinden, aus denen dieser Wein stammt, liegen nebeneinander an deren Südhang, auf rund 450 bis 600 Metern. Die Sierra bremst die kalten Nordwinde, der Ebro reguliert von unten – dazwischen treffen atlantischer und mediterraner Einfluss aufeinander. Kühle Nächte bleiben auch in heißen Sommern die Regel, und genau daran hängt die Frische des Tempranillo.
Der Untergrund ist Ton über Kalk, in Terrassen und flachen Hangrippen abgestuft, oft mit hellem Kalkgeröll an der Oberfläche. Ton hält Wasser und gibt es langsam ab – in einem Trockenjahr der entscheidende Puffer. Der Kalk darunter hält den pH-Wert niedrig und die Säure fest, wo reiner Lehm den Wein breit werden ließe. Das erklärt die Anlage dieses Weins besser als jede Kellermaßnahme: Griff und Kühle kommen aus dem Boden.
Abel Mendoza bewirtschaftet rund 17 Hektar, aufgeteilt in eine große Zahl kleiner Parzellen – ein für die Sonsierra typisches Flickwerk, das über Generationen entstanden ist. Für Suelos werden diese Lagen nicht einzeln abgefüllt, sondern bewusst zusammengeführt: Der Wein ist die Summe der Böden eines Guts, kein Auszug aus einer Einzellage. Gelesen wird mehrfach und selektiv von Hand, mit erneuter Auslese im Keller.
Jahrgang 2022 – Rioja
Zwischen November 2021 und Januar 2022 fielen in der Rioja rund 300 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, im Februar kam Schnee dazu. Diese gefüllten Wasserspeicher wurden zur Grundlage des Jahrgangs, denn ab Mai lagen die Temperaturen durchgehend deutlich über dem langjährigen Mittel, und bis zu den Regenfällen im August herrschte schwere Trockenheit. Die Vegetationsstadien liefen entsprechend schnell ab. Ein Vorteil dieser Witterung: Pilzkrankheiten spielten praktisch keine Rolle, das Lesegut war durchweg gesund.
Die Lese begann am 10. August in den östlichen Zonen und zog sich über 88 Tage – eine der frühesten und zugleich längsten Ernten der Region, die parzellengenaues Lesen erlaubte. In der Sonsierra fiel der Rotweinstart in die Tage um den 15. September und war vielerorts in gut einer Woche erledigt. Insgesamt wurden in der DOCa Rioja 285,95 Millionen Liter eingebracht, davon 245,17 Millionen Liter Rotwein. Der Consejo Regulador stufte den Jahrgang als Muy Buena ein: tiefe Farben, hoher Polyphenolgehalt, feinkörnige Tannine, dazu moderate Alkoholwerte und ein ausgewogenes pH-Säure-Verhältnis – ein Rotweinjahrgang mit Struktur statt Wucht.
Assemblage und Ausbau
Sortenrein 100 % Tempranillo, Jahrgang 2022, aus den über 35 Jahre alten Anlagen in San Vicente, Labastida und Ábalos. Mehrfache Handlese mit anschließender Auslese im Keller, Gärung temperaturkontrolliert im Edelstahltank – bewusst ohne Holzeinfluss in dieser Phase, damit die Frucht der einzelnen Parzellen erhalten bleibt.
Der Ausbau erfolgt über zwölf Monate in neuen und gebrauchten Barriques aus französischer Eiche. Das ist für einen Rioja dieser Preisklasse ein vergleichsweise kurzer Fassgang und eine bewusste Abkehr vom klassischen Crianza-Schema mit amerikanischer Eiche: Statt Vanille und Kokos liefert das französische Holz Tanninpolitur und etwas Würze, der Anteil gebrauchter Fässer hält die Fassnote im Hintergrund. Im heißen 2022 mit seinen ohnehin kräftigen Polyphenolen war diese Zurückhaltung die richtige Entscheidung.
Im Glas
Dichtes Kirschrot mit violettem Rand. In der Nase dunkle Kirsche und Brombeere, dahinter Kakao, Lakritz und eine balsamische Note aus Thymian und Harz. Am Gaumen samtig in der Textur, aber klar gebaut: Die feinkörnigen Tannine des Jahrgangs tragen den Mittelbau, der Kalk im Untergrund hält die Säure aufrecht, und der Abgang bleibt herb-würzig statt süßlich. Das Holz steht hinter der Frucht, nicht davor.
Suelos heißt Böden: 100 % Tempranillo von Ton-Kalk-Parzellen aus drei Gemeinden der Sonsierra, zwölf Monate französische Eiche – Struktur aus dem Untergrund, nicht aus dem Fass.
Wir empfehlen, den Wein eine Stunde vor dem Essen zu öffnen oder kurz zu karaffieren; bei 16–18 °C servieren. Der 2022er ist bereits zugänglich, die Tanninstruktur des Jahrgangs spricht aber für Entwicklung – unsere Trinkempfehlung: jetzt bis 2030.
Am Tisch
Zu luftgetrocknetem Schinken und Chorizo, zu Lammkoteletts vom Grill, zu geschmorter Rinderbacke und Ochsenschwanz, zu Linsen- und Kichererbseneintopf mit Morcilla, zu gereiftem Manchego. Der Wein braucht Würze und etwas Fett – zu hellem Fleisch ohne Sauce bleibt er unter seinen Möglichkeiten.