Detailbeschreibung
Champagner · Champagne AOC · Chardonnay, Pinot Noir, Meunier
Collection 246 ist die 246. Assemblage im Haus Louis Roederer, gerechnet seit der Gründung 1776. Die Nummer auf dem Etikett ersetzt die frühere Bezeichnung Brut Premier – und mit ihr die Vorstellung, ein Hauschampagner müsse Jahr für Jahr identisch schmecken. Jede Ausgabe wird als eigenständige Cuvée deklariert, mit offengelegtem Basisjahrgang und Reserveanteil.
Drei Herkünfte und ein Weinspeicher
Die Basis stammt aus den drei Landschaften, aus denen Roederer seit jeher arbeitet: La Rivière, das Marnetal mit seinen tonigeren Böden, La Montagne, die Pinot-Hochburg der Montagne de Reims, und La Côte, die Kreidehänge der Côte des Blancs. Für die Collection 246 hat Jean-Baptiste Lécaillon den Pinot Noir bewusst auf die Montagne de Reims konzentriert – dort fiel er im Basisjahr am verlässlichsten aus.
Den zweiten Bestandteil bildet die Réserve Perpétuelle, ein 2012 angelegtes, laufend ergänztes Reservoir im Tank, aus dem entnommen und in das jährlich nachgefüllt wird. In der 246 steuert sie 35 Prozent bei und bringt Weine der Jahrgänge 2012 bis 2020 mit, überwiegend aus Cumières, Vertus und Verzy – drei Orten, die Ton, Kreide und Pinot-Kraft in einem Gefäß zusammenführen. Dazu kommen zehn Prozent holzgereifte Reserveweine der Jahrgänge 2012 bis 2017, gewonnen aus den Jungreben der Cristal-Parzellen. Dieses System ist der eigentliche Kern der Collection: Was der Basisjahrgang nicht liefert, holt der Speicher.
Basisjahrgang 2021 – Champagne
2021 war in der Champagne eines der schwierigsten Jahre der jüngeren Vergangenheit. Auf Frostschäden im Frühjahr folgte ein kühler, nasser Sommer mit massivem Pilzdruck; die Erntemengen brachen ein, und die Reife blieb vielerorts hinter dem zurück, was man seit einem Jahrzehnt gewohnt war. Genau für solche Jahre existiert die Konstruktion der Collection.
Lécaillons Antwort bestand aus zwei Eingriffen. Erstens hob er den Chardonnay-Anteil deutlich an – 54 Prozent statt der sonst üblichen 44 –, weil Chardonnay in kühlen Jahren Klarheit und Zug liefert, wo Pinot Noir grün bleiben kann. Zweitens beschränkte er den Pinot Noir auf die Montagne de Reims. Dazu kommen 30 Prozent biologischer Säureabbau, der die Kanten eines säurebetonten Jahrgangs abrundet, und der hohe Reserveanteil, der die fehlende Reife des Basisjahrs ausgleicht. Das Ergebnis ist kühler und weniger sonnengeprägt als die Vorgängerausgaben – aber nicht dünn.
Assemblage und Ausbau
24 Prozent der Weine werden im Holz vinifiziert, der Rest im Tank. Das Holz dient hier nicht der Aromatisierung, sondern der Textur: Es rundet die Phenolik und gibt dem Wein Breite, während die Tankweine die Frische halten. Der biologische Säureabbau läuft zu 30 Prozent – eine Teilentscheidung, kein Grundsatz, und bei jeder Ausgabe neu gesetzt.
Nach knapp vier Jahren Kellerreife wird mit 7 Gramm je Liter dosiert. Das ist für einen Brut zurückhaltend und passt zu einem Basisjahrgang mit ausgeprägter Säure: Die Dosage gleicht aus, ohne den Wein süßlich zu machen. Die finale Assemblage besteht aus 54 Prozent Chardonnay, 35 Prozent Pinot Noir und 11 Prozent Meunier.
Im Glas
Helles, leuchtendes Gelb mit feiner, gleichmäßiger Perlage. In der Nase gelbe Frucht – Mirabelle, Nektarine, weißer Pfirsich –, dazu kandierte Zitrone, Apfelblüte und eine kreidige Note; aus den Reserveweinen kommen dezent geröstete, rauchige und leicht vanillige Töne sowie ein reduktiver Anklang, der an Muschelschale erinnert. Am Gaumen ist die Textur weich und cremig, die Mousse ungewöhnlich sanft. Die Mitte zeigt den salzig-kreidigen Zug, den der hohe Chardonnay-Anteil mitbringt, der Körper bleibt mittelgewichtig und klar gezeichnet. Der Abgang ist lang, geradlinig und trocken, mit rauchigem Nachhall.
Ein schwieriges Jahr, das man im Glas nicht als Mangel schmeckt, sondern als Kühle.
Am Tisch
Als Aperitif funktioniert die 246 tadellos, sie kann aber mehr. Gut passen Austern und Jakobsmuscheln, gebratener Fisch, Sushi und Sashimi, Geflügel und Kalbfleisch in heller Sauce, Vitello tonnato, junger Comté und Frischkäse. Der kreidige, salzige Zug trägt auch frittierte Gerichte und Tempura. Bei 10 bis 12 °C servieren und ins Weißweinglas geben, nicht in die Flöte.